Anselm Sickinger

deutscher Bildhauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Anselm Sickinger (* 1807 in Owingen; † 19. Oktober 1873 in München) war ein deutscher Bildhauer.

Hochaltar in St. Peter (Velden), errichtet 1855

Leben und Wirken

Sickinger erlernte das Steinmetzhandwerk bei Konrad Volm in Owingen und arbeitete danach zwei Jahre in Überlingen. Anschließend ging er nach München und fand Beschäftigung in der Werkstatt von Johann N. Haller. Nach dessen Tod 1826 begründete er eine Bildhauerwerkstatt, in der zahlreiche Skulpturen und Altäre im Stil der Neugotik geschaffen wurden.

Zu seinen besten Arbeiten werden die Altäre für die Pfarrkirche St. Peter in Velden und für die St.-Jodok-Kirche in Landshut gezählt.[1] Im Rahmen der Restaurierung der Münchner Frauenkirche soll er neben der Kanzel und dem 1865 gestifteten Altar der Bäckerinnung auch den damaligen Hauptaltar nach Entwurf des Architekten Matthias Berger geschaffen haben.[2][3] Ein weiteres Werk Sickingers ist die Innenausstattung der 1857/58 errichteten Kirche von Kirchanhausen bei Beilngries im Landkreis Eichstätt. Sickinger erfreute sich der Gunst des Königs Ludwig I., der ihm Aufträge für die Befreiungshalle in Kelheim übertrug. Außerdem „bevölkerte“[1] Sickinger den Campo Santo auf dem Münchner Alten Südfriedhof mit zahlreichen Grabdenkmalen.

Sickinger war Lehrer der Ornamentik an der Akademie der Bildenden Künste München[4] und Mitglied des 1860 gegründeten Münchner Vereins für Christliche Kunst. Seine Schüler waren unter anderem Josef Kopf,[5] Joseph Knabl, Franz von Lenbach, Peter Lutt (1828–1907),[6] Christof Roth (1840–1907)[6] und Dominik Sänger (1845–1897).[7]

Grabstätte und Nachlass

Pfarrkirche St. Johannes Baptist Ailingen: „Taufe Jesu“ aus dem Hochaltar von Anselm Sickinger, 1862 (1958 abgebrochen, mit neuer Rahmung und neuem Hintergrund 1985 wieder in der Kirche aufgestellt)

Die Grabstätte von Anselm Sickinger befindet sich auf dem Alten Südfriedhof in München (Neue Arkaden Platz 163 bei Gräberfeld 30, Standort).

Der künstlerische Nachlass von Anselm Sickinger mit einem Konvolut von nahezu 1300 Blättern gelangte nach dem Tod seines Sohns Adalbert 1920 an das Bayerische Nationalmuseum in München[8] und wird dort als „Sammlung Anselm Sickinger“ aufbewahrt.

Familie

Seit dem 26. Juni 1831[9] war Anselm Sickinger mit Theresia, geborene Karl (* 19. November 1804 [oder 1806]) verheiratet. Das Paar hatte fünf Kinder:

  • Anselm Sickinger (* 23. September 1830, vor der offiziellen Hochzeit; † 12. Mai 1867), war der älteste Sohn des Paares. Er studierte ab 1850 an der Münchner Akademie Bildhauerei.[10]
  • Katharina (* 30. Mai 1832; † 7. Januar 1897) ⚭ Juli 1853, Andreas Mayer (1820–1908), Spezereienhändler.
  • Otto (* 25. Mai 1834; † 28. Dezember 1834)
  • Adalbert Reinhard Sickinger (* 2. Juli 1837; † 17. März 1920), Architekt und Bildhauer. Er schuf u. a. den Sarkophag für König Ludwig I. in der Basilika St. Bonifaz.
  • Adolph Joseph (* 5. Juni 1845; † 24. Februar 1871)

Der Bildhauer Jacob Sickinger (* 1815 in Hohenzollern-Hechingen), der 1845 an der Münchner Akademie studierte,[11] war sein Cousin und Mitarbeiter in seiner Werkstatt.[12]

Grabmal von Adalbert und Jeanette Sickinger auf dem Alten Südfriedhof in München, mit Erwähnung von Anselm Sickinger

Literatur

Lexikonartikel

Monographien, Beiträge

  • Verein für christliche Kunst in München (Hrsg.): Festgabe zur Erinnerung an das 50jähr. Jubiläum. Lentner’sche Hofbuchhandlung, München 1910, S. 103.
  • Susanne Hegele: Anselm Sickinger (1807–1873). Ein Beitrag zur „Münchner Gotik“ im 19. Jahrhundert. Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität München 2013. (Digitalisat auf edoc.ub.uni-muenchen.de, abgerufen am 1. Januar 2026; nur Text, ohne Abbildungsteil; DNB)
Commons: Anselm Sickinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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