Antimasonismus
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Antimasonismus bzw. umgangssprachlich Anti-Freimaurerei bezeichnet die Ablehnung, Verfolgung oder Diffamierung der Freimaurerei und ihrer Anhänger. Diese Gegnerschaft trat in vielfältigen Formen auf, von religiösen Verurteilungen über staatliche Verbote bis hin zu Inhaftierungen und Morden. Historisch wurden Freimaurer in verschiedenen Ländern diskriminiert und verfolgt; insbesondere totalitäre Regime des 20. Jahrhunderts, etwa im nationalsozialistischen Deutschland, im faschistischen Italien, im franquistischen Spanien oder in kommunistischen Staaten, unterdrückten Freimaurerlogen und stellten Freimaurer unter Generalverdacht. Auch einige christliche Kirchen und islamische Autoritäten verurteilten die Freimaurerei aus ideologischen oder theologischen Gründen. Nicht zuletzt ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien um die Freimaurer, die ihnen geheimen politischen Einfluss oder subversive Ziele unterstellen. Antimasonismus basierte zumeist auf dem Vorwurf, die Freimaurerei sei eine verschwörerische Geheimgesellschaft, die Religion, Staat und Gesellschaft unterwandere, was immer wieder als Rechtfertigung für repressive Maßnahmen herangezogen wurde.

Hintergrund
Die moderne Freimaurerei entstand im frühen 18. Jahrhundert in England als brüderlicher Zusammenschluss mit geheimen Ritualen. Aufgrund ihrer Verschwiegenheit und ihres überkonfessionellen Anspruchs geriet sie bald in Konflikt mit etablierten Autoritäten. Bereits 1738 verurteilte Papst Clemens XII. die Freimaurer und belegte katholische Logenmitglieder mit Exkommunikation. Die päpstlichen Erlasse warfen den Freimaurern vor, einen naturalistischen und religionsfeindlichen Geheimbund zu bilden, der durch strikte Geheimhaltung und fragwürdige Eide die christliche Ordnung und den Staat untergrabe.[1] Neben religiösen Einwänden wurden auch politische Motive für Antimasonismus geltend gemacht: Da Freimaurerlogen häufig liberale, aufklärerische Ideen pflegten, betrachteten absolutistische Herrscher und später totalitäre Regime die Logen als potenzielle Brutstätten von Umsturz und Opposition. Zudem sahen Kritiker in der bruderschaftlichen Solidarität der Freimaurer eine Art von Klüngel, der meritokratische oder demokratische Prinzipien unterlaufe. In einigen Ländern, etwa in den USA im frühen 19. Jahrhundert, wurden die Freimaurer daher als elitärer Geheimbund angeprangert, der mit seinen Geheimnissen nicht in eine offene, egalitäre Gesellschaft passe.[2] So bildeten sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Strömungen des Antimasonismus heraus: eine religiös motivierte, eine politische und eine von Verschwörungstheorien genährte, die oft ineinandergriffen.
Historische Verfolgung von Freimaurern
Vereinigte Staaten

In den Vereinigten Staaten erreichte der Antimasonismus in den 1820er und 1830er Jahren einen Höhepunkt. Auslöser war die Morgan-Affäre (Morgan Affair). 1826 verschwand in New York der Freimaurer-Aussteiger William Morgan spurlos, nachdem er angekündigt hatte, ein Buch mit Logengeheimnissen zu veröffentlichen.[3] Morgan wurde vermutlich von erbosten Freimaurern entführt und ermordet, ein Verdacht, der landesweit Empörung auslöste und die Freimaurerei in Verruf brachte. In der Folge entstanden Bürgerkomitees gegen die Masons und schließlich 1828 die Anti-Masonic Party, die erste Drittpartei in der US-Geschichte. Unter Anführern wie dem Verleger Thurlow Weed trat diese Partei mit dem Ziel an, den politischen Einfluss der Freimaurer zu brechen. Die Anti-Masons brandmarkten die Freimaurerei als korrupte, elitäre Geheimgesellschaft, die den jungen demokratischen Staat unterwandere. Besonders Präsident Andrew Jackson, selbst hochrangiger Freimaurer, geriet in ihr Visier und wurde im Wahlkampf als Werkzeug einer geheimen Logen-Oligarchie dargestellt.[4][5]
1832 stellte die Anti-Masonic Party mit William Wirt einen eigenen Präsidentschaftskandidaten, der jedoch mit nur 8 Prozent der Stimmen gegen Jackson unterlag. Zwar zerfiel die Partei bis Mitte der 1830er Jahre wieder, doch führte ihre Agitation zu einem dramatischen Mitgliederschwund in den Logen jener Zeit.[5] Freimaurerische Symbole verschwanden zeitweilig aus dem öffentlichen Leben, und viele Amtsträger vermieden jede Verbindung zur Freimaurerei.
NS-Deutschland

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Freimaurerei systematisch verfolgt. Bereits kurz nach der Machtübernahme 1933 ordnete die NS-Regierung die Auflösung aller Logen an; ihre Vermögen und Archive wurden beschlagnahmt. Mitglieder von Freimaurerlogen wurden aus dem Staatsdienst gedrängt und durften der NSDAP nicht beitreten, sofern sie nicht vor dem Stichtag ihre Loge verlassen hatten. In der NS-Ideologie galten Freimaurer als Teil der „jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung“. Adolf Hitler behauptete etwa, die Freimaurerei sei im Verbund mit dem „Weltjudentum“ Deutschland im Ersten Weltkrieg in den Rücken gefallen. NS-Propagandisten wie Julius Streicher schürten in Zeitungen wie Der Stürmer mit Karikaturen eines „jüdisch-freimaurerischen“ Komplotts den Hass. Reinhard Heydrich, Chef des Sicherheitsdienstes, bezeichnete Freimaurer neben Juden und politischen Klerikern als „unerbittlichste Feinde des deutschen Volkes“. Er richtete im SD eine Spezialabteilung zur Überwachung der Freimaurerei ein, da die Nazis glaubten, die Logen übten geheimen politischen Einfluss aus und könnten Krieg und Revolution schüren.[6][4]
Freimaurer galten im Dritten Reich als Staatsfeinde. Bis 1935 lösten sich alle deutschen Logen selbst auf, Vermögen, Bibliotheken und Archive wurden eingezogen.[7] In Konzentrationslagern wurden verhaftete Logenbrüder als politische Häftlinge eingestuft und mit einem umgekehrten roten Winkel gekennzeichnet.[4] Ihre genaue Zahl und ihr Schicksal sind schwer zu quantifizieren, da viele zugleich aus rassistischen oder politischen Gründen verfolgt wurden. Sicher ist, dass zahlreiche Freimaurer, vor allem solche, die zugleich Juden oder Regimegegner waren, inhaftiert und einige ermordet wurden.[6] Zu den wenigen hochrangigen Freimaurern auf der höheren Ebene des NS-Staats zählte der Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht.[8]
Die Nationalsozialisten veranstalteten zudem in den besetzten Ländern Europas Antimasonismus-Ausstellungen (u. a. 1940 in Paris, 1941 in Brüssel), in denen sie beschlagnahmte Logenrituale und Symbole ausstellten, um die Bevölkerung aufzuwiegeln. In den von den Nazis besetzten Ländern wurde die Freimaurerei ebenfalls verfolgt und Logen zerschlagen. NS-Propaganda verbreitete dabei die Behauptung, Freimaurer und Juden hätten gemeinsam den Zweiten Weltkrieg provoziert und würden etwa die Politik des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt steuern, der selbst Freimaurer war.[6]
Faschistisches Italien
Auch im faschistischen Italien wurde die Freimaurerei rigoros unterdrückt. Benito Mussolini und seine Anhänger sahen in den Logen ein Zentrum liberaler und oppositioneller Umtriebe. Bereits 1923/24 kam es zu Übergriffen durch faschistische Schwarzhemden auf italienische Logen: Mehrere Logentempel (z. B. in Prato und Pistoia) wurden verwüstet oder niedergebrannt, und eine bedeutende freimaurerische Bibliothek (Loge Ernesto Nathan in Termoli) wurde zerstört. Diese Gewaltakte mündeten in eine „landesweite Verfolgungsaktion“ gegen die Staatsfeinde Freimaurer und Sozialisten.[9]
1924 erließ Mussolini einen Befehl, dass jedes Mitglied der Faschistischen Partei entweder aus der Partei oder aus der Freimaurerei austreten müsse, beides zugleich wurde als unvereinbar betrachtet.[10] Schließlich verabschiedete das Parlament auf Mussolinis Betreiben am 19. Mai 1925 das Gesetz Nr. 2029, das sämtliche Freimaurerorganisationen in Italien verbot. Wenig später, im Oktober 1925, besetzte die faschistische Polizei den Palazzo Giustiniani in Rom, den historischen Sitz des Grande Oriente d’Italia, und beschlagnahmte das dortige Eigentum der Großloge. Bis Anfang 1926 wurden alle Logen zwangsaufgelöst. Viele führende italienische Freimaurer gingen ins Exil oder zogen sich ins Privatleben zurück. Erst nach dem Sturz des Faschismus 1943/45 konnte die Freimaurerei in Italien wieder legal auferstehen; die Rückgabe beschlagnahmter Logenhäuser und Archive zog sich jedoch bis in die 1960er Jahre hin.[9]
Franco-Spanien

In Spanien kulminierte die Verfolgung der Freimaurer während der Diktatur von General Francisco Franco (1939–1975). Franco, ein glühender Anhänger des Katholizismus und Antiliberalismus, sah in Freimaurern seit jeher Todfeinde. Sein Regime sprach von einem angeblichen „jüdisch-freimaurisch-bolschewistischen Komplott“ (contubernio judeo-masónico-bolchevique) gegen Spanien.[11] Tatsächlich waren in der liberalen Zweiten Spanischen Republik (1931–1936) viele hohe Politiker Freimaurer gewesen (darunter mehrere Ministerpräsidenten), was Franco als Beleg für eine Verschwörung interpretierte.[12] Unmittelbar nach seinem Putsch gegen die Republik 1936 ließ Franco daher alle realen oder vermeintlichen Freimaurer in den von Nationalisten eroberten Gebieten systematisch verfolgen.
Die Repression in den franquistischen Territorien war extrem brutal. Logengebäude wurden geplündert oder niedergebrannt, und die Mitgliederlisten fielen den Putschisten in die Hände. Viele Freimaurer, die in franquistische Hand gerieten, wurden verhaftet, gefoltert und hingerichtet. Bis 1937 waren praktisch alle Freimaurer, die nicht fliehen konnten, ermordet worden. Francos Helfer wie der Priester Juan Tusquets führten Akten über zehntausende tatsächliche oder angebliche Freimaurer, um die „Feinde“ lückenlos zu erfassen. 1940 erließ das Regime ein Gesetz zur „Unterdrückung der Freimaurerei und des Kommunismus“, das die Logenzugehörigkeit unter schwere Strafen stellte. Schon der bloße Nachweis der Freimaurerschaft zog eine mindestens 12-jährige Haftstrafe nach sich; Freimaurer mit höheren Graden (18. und aufwärts) konnten sogar zum Tode verurteilt werden.[4]
Bis in die 1970er Jahre wurde die Freimaurerei verfolgt und Franco selbst machte die Freimaurer bis zu seinem Lebensende für vieles verantwortlich, was er als Übel ansah. „Das ganze Geheimnis der gegen Spanien entfesselten Kampagnen erklärt sich mit zwei Worten: Freimaurerei und Kommunismus… Wir müssen diese beiden Übel in unserem Land ausrotten“, erklärte er einmal programmatisch.[4] Er sah die Freimaurerei gleichbedeutend mit Liberalismus und Antiklerikalismus. Erst nach Francos Tod 1975 und dem Ende des Regimes wurden die antimasonischen Gesetze aufgehoben und die spanischen Logen konnten ab 1979 wieder legal tätig werden.[12]
Sowjetunion
In der kommunistischen Sowjetunion galt die Freimaurerei als bourgeoises Relikt und potenziell konterrevolutionär. Schon kurz nach der Oktoberrevolution 1917 erließ Wladimir Lenin ein Verbot sämtlicher Freimaurerlogen in Russland. Die neuen Machthaber stuften die Freimaurer als Teil der verhassten alten Elite ein und betrachteten sie als feindliche Geheimbünde der Bourgeoisie. Entsprechend gingen die Bolschewiki rigoros gegen alle Vereinigungen vor, die auch nur entfernt an die Freimaurerei erinnerten, viele russische Logenmitglieder flohen ins Ausland, um Repressionen zu entgehe. Auf internationaler Ebene zementierten die Kommunisten diese Haltung 1922 auf dem 4. Weltkongress der Kommunistischen Internationale (Komintern). Dort wurde bekannt, dass etliche französische Kommunisten zugleich Freimaurer waren, ein Erbe der revolutionären Tradition in Frankreich. Der Kongress verabschiedete daraufhin eine Resolution, die Freimaurerei als „betrügerischstes und ruchlosestes Täuschungsmanöver gegen das Proletariat“ geißelte und die Unvereinbarkeit von Kommunismus und Logenzugehörigkeit feststellte.[4]
In der Folge existierte in der UdSSR keine Freimaurerei mehr: Alle Logen blieben verboten, und auch in den sowjetischen Satellitenstaaten Osteuropas (Albanien, Polen, Bulgarien, Rumänien, Tschechoslowakei, Ungarn, DDR u. a.) war die Gründung von Logen unter dem sozialistischen Regime untersagt. Wiederbelebungsversuche der Freimaurerei in den 1950er Jahren in Ungarn und der Tschechoslowakei wurden unterdrückt. Erst mit dem Zusammenbruch des Ostblocks ab 1989/90 kam es in vielen dieser Länder zu einer Wiederzulassung von Freimaurerlogen.[4]
Weitere Länder
Auch in vielen anderen Ländern kam es phasenweise zu antimasonischen Maßnahmen, zumeist unter autoritären oder kolonialen Regimes. In Frankreich etwa wurden die Logen während der Revolution (unter Robespierre) zeitweise verboten, und unter dem mit den Nationalsozialisten kollaborierenden Vichy-Regime (1940–44) erklärte man Freimaurer per Dekret zu „Staatsfeinden“. 1940 ließ Vichy-Frankreich die Polizei Listen aller Logenmitglieder anlegen, um die angebliche Gefahr zu überwachen.[6] In Portugal untersagte Diktator António de Oliveira Salazar 1935 die Freimaurerei und zwang sie in den Untergrund.[13] Bereits 1931 war dort der Großmeister der portugiesischen Großloge verhaftet worden.[14] Ungarn und Rumänien schlossen sich nach 1938 dem NS-Kurs an und lösten die Freimaurerlogen auf; ähnliches gilt für Kroatien unter dem Ustascha-Regime.
Außerhalb Europas wirkten sich Kolonialismus und politische Umbrüche auf die Freimaurerei aus. In vielen afrikanischen und asiatischen Kolonien verboten die Kolonialmächte zeitweise einheimische Geheimbünde (oft aus Angst vor antikolonialer Konspiration), was teils auch Freimaurerlogen traf. Japan etwa kriminalisierte während des Zweiten Weltkriegs Freimaurer als angeblich pro-westliche Spione, bis die Logen nach 1945 unter US-Einfluss neu gegründet wurden. In der Volksrepublik China wurden die wenigen bestehenden Logen nach der kommunistischen Revolution 1949 geschlossen; bis heute gibt es in Festlandchina keine offizielle Freimaurerei. Nordkorea und andere stalinistische Regimes duldeten keinerlei unabhängige Geheimgesellschaften.
In der arabischen und islamischen Welt verboten zahlreiche Staaten des 20. Jahrhunderts die Freimaurerei per Gesetz, oft verbunden mit Anti-Israel-Rhetorik. So erließ die irakische Regierung nach der Revolution von 1958 Gesetze gegen jede freimaurerische Betätigung. Unter Saddam Hussein wurde dies noch verschärft: so stellte sein Regime „die Verbreitung zionistischer Prinzipien“ unter Todesstrafe, womit de facto auch Freimaurer gemeint waren.[4] Iran löste nach der Islamischen Revolution 1979 alle Logen auf; mehrere prominente iranische Freimaurer (darunter hohe Beamte des Schah-Regimes) wurden hingerichtet.[15]
Christlicher Antimasonismus
Katholizismus

Die christlich motivierte Antifreimaurerei hat vor allem in der Römisch-Katholischen Kirche eine lange Tradition, fand aber auch bei manchen konservativen Protestanten Anklang. Die katholische Ablehnung der Freimaurerei geht auf das 18. Jahrhundert zurück: Papst Clemens XII. erließ 1738 die Bulle In eminenti, welche den Katholiken die Mitgliedschaft in Freimaurerlogen bei Strafe der Exkommunikation verbot und die Inquisition verfolgte die Freimaurer. Er begründete diesen Schritt theologisch und moralisch: Die Freimaurer propagierten laut Clemens eine am Naturrecht orientierte Religionsphilosophie (Naturalismus) und praktizierten religiöse Indifferenz, was aus Sicht der Kirche den wahren Glauben und die Autorität der Kirche untergrabe. Gleichzeitig würden sie als Geheimbund die staatliche Ordnung untergraben.[1]
Diese Argumente wurden in den folgenden Jahrhunderten von zahlreichen Päpsten bekräftigt. So nannte Pius IX. 1865 die Freimaurerei eine „perverse und verlogene“ Organisation, die sowohl der Religion als auch der Gesellschaft schade. Leo XIII. warnte 1884 in seiner Enzyklika Humanum genus, alle revolutionären Geheimgesellschaften seien im Kern verbunden und zielten letztlich auf „Sturz der gesamten religiösen und politischen Ordnung“ zugunsten eines rein naturalistischen Weltstaates. Ähnlich äußerten sich auch andere Päpste.[1] Katholische Geistliche – von lokalen Pfarrern bis zu Bischöfen – gehörten oft zu den vehementesten Kritikern der Freimaurerei und organisierten im 19. Jahrhundert antimasonische Vereine sowie internationale Kongresse (z. B. 1896 in Trient) zur Koordination des Vorgehens.[16] In den 1890er Jahren legte der ehemalige Freimaurer Léo Taxil den nach ihm benannten Taxil-Schwindel auf: In mehreren Veröffentlichungen verbreitete er, es gäbe „palladistische Satanslogen“, in denen Schwarze Messen und sexuelle Orgien gefeiert würden. Dabei würde der Baphomet angebetet, ein Götzenbild mit Bocksfüßen, das bereits bei der Verfolgung des Templerordens eine Rolle gespielt hatte. 1897 deckte Taxil seinen Schwindel selber auf.[17]
In einigen mehrheitlich katholischen Ländern (z. B. Spanien, Italien, Lateinamerika) wurde die kirchliche Haltung gegen die Freimaurerei zeitweise auch von staatlichen Stellen unterstützt oder instrumentalisiert. Im 20. Jahrhundert hat sich die Beziehung zwischen Katholizismus und Freimaurerei verbessert. Die katholische Kirche hält jedoch bis heute offiziell an der Unvereinbarkeit von Kirche und Freimaurerei fest: Nach kirchlichem Recht ziehen sich Katholiken, die einer Loge beitreten, eine schwere Sünde zu und dürfen keine Sakramente empfangen (dies wurde zuletzt 1983 von der Glaubenskongregation bestätigt).[18] Noch 2005 stellte Papst Benedikt XVI. Freimaurer in einer Rede in eine Reihe mit Antiklerikalen und Satanisten.[12]
Evangelische Kirchen
Die evangelische Welt ist in der Beurteilung der Freimaurerei uneinheitlich, so wurden viele protestantische Herrscher in Europa (z. B. Friedrich der Große) schon bald nach der Entstehung der Freimaurerei Logenmitglieder. Auch in evangelisch-protestantischen Kreisen gab es jedoch antimasonische Strömungen, wenngleich kein einheitliches Beteiligungsverbot. Besonders fundamentalistische und evangelikale Gruppen lehnen die Freimaurerei seit dem 19. Jahrhundert ab. In den USA schlossen sich Erweckungsprediger der Anti-Masonic Party nach 1826 an: Sie kritisierten, dass die Freimaurer an deistischen, nicht explizit christlichen Prinzipien festhielten und brandmarkten dies als mit dem christlichen Evangelium unvereinbar.[19] Man warf Freimaurern vor, geheime Rituale zu praktizieren, die teils okkult oder gotteslästerlich erschienen, und einen Eid zu schwören, der über der Loyalität zu Christus stehe. Im Jahr 1872 gründete die amerikanische National Christian Association sogar erneut eine kurzlebige Anti-Masonic Party mit dezidiert christlichem Programm, das neben der Förderung von Protestantismus und Temperanz vor allem die Abschaffung aller Geheimbünde forderte.[20] Auch werfen einige evangelikale Christen den Freimaurern vor, Baphomet bzw. Luzifer anzubeten und in Verschwörungen verwickelt zu sein, etwa um Kontakte mit Außerirdischen zu vertuschen.[21]
Orthodoxe Kirchen
Die Freimaurerei war im 19. Jahrhundert innerhalb der Russisch-Orthodoxen Kirche relativ einflussreich und mehrere russische Zaren waren Freimaurer. Einige orthodoxe Kirchen haben jedoch die Freimaurerei verurteilt. Im Jahr 1933 verurteilte die Synode der Griechisch-orthodoxen Kirche die Freimaurerei, verbot allen Geistlichen die Mitgliedschaft darin und forderte die Kirchenmitglieder auf, alle Beziehungen zur Freimaurerei abzubrechen. 1937 wurde eine Verurteilung durch die orthodoxe Kirche Rumäniens ausgesprochen, gefolgt von einer Verurteilung in den 1950er Jahren durch die Orthodoxe Kirche in Amerika und die Russisch-Orthodoxe Kirche im Ausland.[22] Laut der Website der Orthodoxen Kirche in Amerika „ist es einem orthodoxen Christen verboten, Mitglied der Freimaurerbruderschaft zu sein, da viele ihrer Lehren in direktem Widerspruch zu denen des orthodoxen Christentums stehen“.[23]
Islamischer Antimasonismus
Auch in der islamischen Welt entwickelte sich, vor allem im 20. Jahrhundert, eine starke antimasonische Haltung, die häufig mit Antikolonialismus, Antizionismus und religiösem Konservatismus verknüpft ist. Bereits 1748 erließ Sultan Mahmud I. im Osmanischen Reich ein Verbot der Freimaurerei, als Reaktion auf die päpstliche Verdammung zehn Jahre zuvor, die auch in Istanbul bekannt wurde. Jedoch standen muslimische Herrscher der Freimaurerei auch teils neutral oder sogar wohlwollend gegenüber (einige osmanische, arabische und persische Intellektuelle des 19. Jahrhunderts waren Freimaurer). Spätestens mit der Verbreitung europäischer Verschwörungstheorien (insbesondere antisemitischer) im Nahen Osten schlug die Wahrnehmung um: Im frühen 20. Jahrhundert wurden Freimaurer in vielen arabisch-islamischen Publikationen als Feinde des Islam oder als Zionisten dargestellt.
Nach der Gründung des Staates Israel 1948 identifizierten islamistische und panarabische Gruppen Freimaurer zunehmend als angebliche Agenten westlich-israelischer Interessen. So sind in nahezu allen arabischen Ländern Freimaurerlogen verboten oder unerwünscht. Ägypten zum Beispiel schloss in den 1960er Jahren die bestehenden Logen unter Präsident Nasser, und auch Syrien sowie Jordanien untersagten die Freimaurerei per Gesetz. Eine maßgebliche ideologische Grundlage lieferte 1978 ein Gutachten eines Islamischen Juristenrats in Mekka (organisiert von der Islamischen Weltliga). In einer Fatwa erklärte dieser die Freimaurerei ausdrücklich zu einer gefährlichen, subversiven Organisation: „Ihre ursprünglichen organisatorischen Wurzeln sind jüdisch; ihre geheime weltweite Führung ist jüdisch; und ihre Tätigkeit ist zionistisch“, heißt es dort, und weiter: Das verdeckte Ziel der Freimaurer sei die Zerstörung des Islam.[24]
Insgesamt ist die muslimische Antifreimaurerei ein Gemisch aus religiöser Zurückweisung (Freimaurerei als unislamische Geheimsekte), nationalistischer Abwehr (Freimaurer als Agenten westlicher Einflussnahme) und Verschwörungsglauben (Logen als Teil eines angeblich jüdischen Weltplans gegen den Islam). Diese Elemente überschneiden sich und sorgen dafür, dass die Freimaurerei in vielen Teilen der islamischen Welt bis heute einen äußerst negativen Ruf hat. Heute ist die Freimaurerei in praktisch allen streng islamisch regierten Ländern verboten. Lediglich in einigen säkular orientierten Staaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit – etwa der Türkei, Marokko oder dem Libanon – existieren offizielle freimaurerische Aktivitäten, oft jedoch unter genauer Beobachtung der Behörden.[4]
Antimasonismus und Verschwörungstheorien

Ein zentraler Aspekt des Antimasonismus sind seit jeher Verschwörungstheorien, die den Freimaurern grandiose Geheimpläne und versteckte Macht unterstellen. Der Politologe Daniel Pipes sieht im Antimasonismus eine der beiden Traditionen des Verschwörungsdenkens (die andere ist der Antisemitismus).[25]
Schon Ende des 18. Jahrhunderts, nach der Französischen Revolution, tauchten Traktate auf, die Geheimgesellschaften wie die Illuminaten und Freimaurer als Drahtzieher politischer Umwälzungen verantwortlich machten. So behauptete etwa Abbé Barruel, die Freimaurer hätten die Revolution von 1789 orchestriert[26], dies gilt als eine der ersten großen Verschwörungsthesen der Moderne. Im 19. Jahrhundert wurden solche Ideen insbesondere von reaktionären Kreisen weitergesponnen. Der französische Publizist Henri Roger Gougenot des Mousseaux behauptete 1869 in seinem antisemitischen Hauptwerk Le Juif, le judaïsme et la judaïsation des peuples chrétiens, die Logenhäuser wären „Synagogen des Satan“: Die Freimaurer stünden komplett unter jüdischer Kontrolle und indirekt unter der „Oberleitung Luzifers“.[27] Die „jüdisch-freimaurerische Weltverschwörung“ avancierte zum festen Topos der extremen Rechten in Europa. Eine Schlüsselrolle spielten dabei die Protokolle der Weisen von Zion, die um 1903 in Russland auftauchten. Dieses Pamphlet, später als Fälschung entlarvt, schildert einen vermeintlichen Geheimplan zur jüdischen Weltherrschaft und erwähnt auch Freimaurerlogen als Werkzeug dieser Verschwörung.[28] Eine zentrale Rolle spielte die Freimaurerei im Denken des ehemaligen kaiserlichen Generals Erich Ludendorff, der überall „überstaatliche Mächte“ am finsteren Werk sah. Dazu rechnete er neben der Römisch-katholischen Kirche, dem Dalai Lama, dem Weltjudentum eben die Freimaurerei. 1927 legte Ludendorff seine Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse vor – das Buch wurde mit 200.000 verkauften Exemplaren ein Bestseller. Nach Ansicht des Historikers Wolfgang Wippermann war Antimasonismus gerade während der Weimarer Republik besonders erfolgreich, weil führende Politiker wie Gustav Stresemann, Wilhelm Groener und Walter Rathenau Freimaurer waren.[29] Besonders die Nationalsozialisten und ihre Verbündeten übernahmen das Narrativ der jüdisch-freimaurerischen Verschwörung bereitwillig.[28] Adolf Hitler schrieb bereits in Mein Kampf, die Freimaurerei sei vom Judentum unterwandert worden und fungiere als ihr Instrument, um so die nicht-jüdischen Völker geistig zu zersetzen.[30] 1935 unterstellte er in einem Zeitungsartikel eine Verschwörung zwischen der Freimaurerei und dem „Weltjudentum“ mit dem Ziel, eine liberale „Weltrepublik“ zu errichten.[4] Entsprechend wurden Freimaurer und Juden in der NS-Rhetorik in einem Atemzug genannt und öffentliche Ausstellungen sollten diesen Zusammenhang demonstrieren. Sie stellten Freimaurersymbole neben Davidsterne und Bolschewiken-Embleme aus, um das Zerrbild eines einheitlichen Feindes zu schaffen.[6] NS-Wochenschauen und Plakate verbreiteten karikaturhafte Darstellungen, etwa einer Krake oder Schlange, die mit den Symbolen von Judentum, Freimaurerei und Kommunismus versehen war und sich um den Erdball windet.
Über diese politischen Instrumentalisierungen hinaus ist die Figur des allmächtigen Freimaurers bis heute fester Bestandteil zahlreicher populären Verschwörungstheorien. Im ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert erlebten solche Mythen im Zuge der New World Order-Erzählung neue Konjunktur. In dieser durch das Internet weit verbreiteten Meta-Verschwörungstheorie wird angenommen, eine geheime Elite (häufig identifiziert mit Freimaurern, Illuminaten oder ähnlichen Gruppen) strebe die Errichtung einer Weltregierung an. Symbolträchtige Ereignisse – von Kriegen bis zu Terroranschlägen – werden in diesen Kreisen als Inszenierungen der Freimaurer oder der Juden gedeutet, die dadurch ihren Einfluss ausbauen wollten.[31] Beliebt ist auch der Verweis auf freimaurerische Symbole im öffentlichen Raum (etwa auf dem US-Dollar oder in der Stadtarchitektur Washingtons), die als Zeichen der Macht der Logen interpretiert werden. In einigen Milieus verbinden sich religiöse und politische Verschwörungstheorien miteinander, z. B. unter rechtsextremen Gruppen oder einigen christlichen Fundamentalisten werden Freimaurer auch mit Teufelsanbetung und okkulten Ritualen in Verbindung gebracht, häufig mit Bezug auf die Templermythologie der Freimaurerei (wie der angeblichen geheimen Verehrung von Luzifer oder Baphomet) oder dass der Allmächtige Baumeister aller Welten der Freimaurer in Wahrheit Satan sei.[32][33]
Ähnliche Verschwörungstheorien wurden auch unter Islamisten populär. Die Gründungscharta der Hamas von 1988 etwa behauptet, Freimaurer, Rotarier und ähnliche Organisationen arbeiteten im Geheimen für die Interessen des Zionismus. Sie werden gleichzeitig auch mit dem westlichen Liberalismus wie der LGBT-Bewegung in Verbindungen gebracht, den Islamisten ablehnen. In vielen populären Verschwörungsmythen der Region – von Schulbüchern bis zu Fernsehsendungen – werden Freimaurer mit dem israelischen Geheimdienst oder dem sagenhaften Illuminatenorden gleichgesetzt. So wollten Freimaurer den Dritten Tempel in Jerusalem anstelle der Al-Aqsa-Moschee errichten. Beliebt ist auch die Behauptung, das Auge- im-Dreieck-Symbol der Freimaurer sei das „allsehende Auge“ des Dajjāl (der islamische Antichrist), was die Freimaurerei als satanisch erscheinen lässt.[24] Solche Behauptungen fallen auf fruchtbaren Boden, da das Konzept einer geheimen Weltverschwörung in vielen krisengeschüttelten islamischen Gesellschaften auf große Resonanz stößt.