António Chainho
portugiesischer Komponist und Meister der portugiesischen Gitarre
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António Dâmaso Chainho (* 27. Januar 1938 in São Francisco da Serra, einer Gemeinde im Kreis Santiago do Cacém; † 27. Januar 2026[1] in Alfragide[2]) war ein portugiesischer Komponist. Er gilt als ein Meister der Portugiesischen Gitarre.

Leben
Anfangsphase

Als Kind hörte er Fado im Radio des Cafés seines Vaters, der in der Freizeit Portugiesische Gitarre spielte. 1960 wurde Chainho zum Militärdienst eingezogen. In dem Rahmen war er eine Zeitlang in Lissabon, wo er erstmals öffentlich in Lokalen die Portugiesische Gitarre spielte. Anschließend wurde er von 1961 bis 1963 in die portugiesischen Kolonien abkommandiert.
Er wurde in Beira (Mosambik) stationiert, wo er im Radio auftrat und eine Konzertreise durch die Überseeprovinz Mosambik für die Militärkräfte absolvierte. Nach seiner Rückkehr zog er 1965 nach Lissabon und wurde Gitarrist in verschiedenen Fado-Lokalen, etwa A Severa, A Toca und auch dem O Faia von Lucília do Carmo. Er begleitete einige der bedeutendsten Fadistas seiner Zeit, sowohl live als auch bei Schallplattenaufnahmen, darunter Alfredo Marceneiro, Hermínia Silva, Carlos do Carmo und auch dessen Mutter Lucília do Carmo.
Seine erste Schallplatte veröffentlichte er 1966, eine EP mit dem Titel Guitarradas. In den nächsten 25 Jahren begleitete er zusammen mit dem Gitarristen José Maria Nóbrega den Sänger Carlos do Carmo auf seinen Tourneen durch Europa, Brasilien, Japan und die USA.
Zweite Phase
Nach der Nelkenrevolution begleitete er in den 1970er und 1980er Jahren auch Musiker außerhalb des Fados, etwa Tonicha, José Cid und José Mário Branco. Seit den 1980er Jahren spielte er nicht mehr regelmäßig in Fado-Lokalen. Neben der Konzertbegleitung für Carlos do Carmo und Frei Hermano da Câmara arbeitete er in der Zeit unter anderem mit José Afonso. Bedeutend war seine Arbeit mit Rão Kyao bei dreien seiner Alben (Fado Bailado 1983, Estrada da Luz 1984 und Danças de Rua 1987). Hier kam er mit Musik aus anderen Stilen und Kulturen in Berührung, die ihn in seiner zukünftigen Arbeit neu inspirierten.
1974 eröffnete Chainho in Cascais zusammen mit zwei weiteren Fadistas das Fado-Lokal O Picadeiro. 1977 nahm er sein Album António Chainho: Guitarra Portuguesa auf. Er produzierte auch gelegentlich Aufnahmen von Fadosängern, etwa von Mísia (1991) und Camané (1982).
Dritte Phase
Die 1990er-Jahre waren für Chainho gekennzeichnet durch seine Solokarriere und seine Arbeit als Komponist. Er veröffentlichte eine Reihe Soloalben. Zu nennen ist hier insbesondere A Guitarra e Outras Mulheres (dt.: „Die Gitarre und andere Frauen“) von 1998. Durch seine Mitarbeit am Projekt Red Hot + Lisbon (1998) lernte er Andrés Levin kennen, der im selben Jahr das Album für ihn produzierte. Es erschien in einer Phase des wiedererstarkten Interesses am Fado und verkaufte sich 20.000 Mal (Platin-Status in Portugal). Verschiedene Gastsängerinnen singen hier seine Kompositionen, neben jungen Namen wie Ana Sofia Varela und Marta Dias sind darunter Teresa Salgueiro von der Gruppe Madredeus und Nina Miranda von der britischen Trip-Hop-Gruppe Smoke City.
2000 wandte er sich der Musik Brasiliens zu und nahm das Album Lisboa-Rio auf. In der Folge wurde er von Adriana Calcanhotto für ihre Portugal-Tour eingeladen, und Maria Bethânia bat ihn für Konzerte in Rio de Janeiro und São Paulo zu sich. José Carreras lud ihn für sein Konzert im Lissabonner Pavilhão Atlântico auf die Bühne ein.
2010 verband Chainho in seinem Projekt LisGoa Klänge Portugals und Indiens. Für die Zukunft versprach er sein erstes konventionelles Fado-Album, also ein Album mit Fado-Liedern, von ihm komponiert und von Fadosängern traditionell vorgetragen, nur von seiner Portugiesischen Gitarre und einem klassischen Gitarristen begleitet.[3]
Rezeption
Chainho ist einer der international meistzitierten Gitarristen und Komponisten für die portugiesische Gitarre[4][5] und wird häufig als „Meister der portugiesischen Gitarre“ betitelt.[6][7]
Dabei scheint er niemals eine nostalgische, sondern eine stets zeitgemäße Beziehung zur Musik gehabt zu haben. In den 1960er-Jahren begleitete er namhafte Fadistas in den Fadolokalen wie Lucília do Carmo und Maria Teresa de Noronha. Auch arrangierte er in den 60ern Hey Jude von den Beatles für den Fadista Carlos Bastos als Fado und begleitete Rão Kyao in den 1980er Jahren, als dieser mit seinem Saxofon „Fado sang“.[8] Zuletzt spielte er mit so unterschiedlichen Sängerinnen wie Tereza Salgueiro[9] und k.d. lang.[10] Er nahm sowohl mit der exzentrischen Elektro-Tribal-Rock-Band Blasted Mechanism[11] als auch dem London Philharmonic Orchestra[12] auf.
Chainho ist bekannt für seine Experimentierfreudigkeit,[13] zuletzt beim LisGoa-Projekt, wo im Geiste Goas indische und portugiesische Klänge und Musiker zusammentreffen.[14]
Diskografie
| Chartplatzierungen Erklärung der Daten | ||||||||||||
| Alben[15] | ||||||||||||
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- 1966: Guitarradas
- 1980: Guitarra Portuguesa
- 1995: The London Philharmonic Orchestra
- 1998: A Guitarra e Outras Mulheres
- 2000: Lisboa-Rio
- 2003: António Chainho e Marta Dias ao Vivo no CCB (auch DVD)
- 2010: LisGoa
Literatur
- Salwa Castelo-Branco: Enciclopédia da música em Portugal no século XX, A-C. 1. Auflage. Temas & Debates, Lissabon 2010, S. 278–280 (portugiesisch).
Weblinks
- Interview anlässlich des LisGoa-Projektes ( vom 26. März 2010 im Internet Archive), 2010 (port.)
- Chainho-Biografie des Fadomuseums (engl./port.)
- Offizielle Website von António Chainho (port./engl.)
- António Chainho bei Discogs