Anzefahr

Ort in der Stadt Kirchhain From Wikipedia, the free encyclopedia

Anzefahr ist ein etwa 750 Einwohner zählender Stadtteil der Kleinstadt Kirchhain im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Er liegt etwa drei Kilometer nordwestlich der Kirchhainer Kernstadt.

Schnelle Fakten Stadt Kirchhain ...
Anzefahr
Stadt Kirchhain
Koordinaten: 50° 51′ N,  52′ O
Höhe: 213 m ü. NHN
Fläche: 6,65 km²[1]
Einwohner: 739 (30. Juni 2019)[2]
Bevölkerungsdichte: 111 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Februar 1971
Postleitzahl: 35274
Vorwahl: 06422
Karte
Stadtgebiet von Kirchhain mit Lage der zwölf Ortsteile
Anzefahr aus Richtung Osten
Anzefahr aus Richtung Osten
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Geschichte

Ortsgeschichte

Die älteste bekannte Erwähnung des Ortes erfolgte am 6. März 1226 n. Chr. als Ancevar in einer Urkunde der ritterschaftlichen Familie Riedesel.[1] Der erste Namensteil deutet auf germanische Halbgötter aus vorchristlicher Zeit, der zweite Namensteil auf eine überörtliche Straßenverbindung hin. Freigelegte Brandflachgräber deuten jedoch auf eine deutlich ältere Siedlungslage hin.

Der Theologe Heinrich Joseph Wetzer wurde am 19. März 1801 in Anzefahr geboren. Er war der Herausgeber der ersten Auflage von Wetzer und Welte’s Kirchenlexikon, dem heute noch gültigen Standardwerk über katholische Theologie.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. Februar 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Anzefahr im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis als Stadtteil in die Stadt Kirchhain eingegliedert.[3][4] Für Anzefahr, wie für alle ehemals eigenständigen Stadtteile von Kirchhain, wurde ein Ortsbezirk gebildet.[5]

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Anzefahr angehört(e):[1][6]

Gerichte seit 1821

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Der Kreis Kirchhain war für die Verwaltung und das Justizamt Kirchhain als Gericht erster Instanz für Anzefahr zuständig.[9] Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Kirchhain.[10][11] Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen.

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Anzefahr 780 Einwohner. Darunter waren 6 (0,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 147 Einwohner unter 18 Jahren, 315 zwischen 18 und 49, 168 zwischen 50 und 64 und 150 Einwohner waren älter.[12] Die Einwohner lebten in 315 Haushalten. Davon waren 84 Singlehaushalte, 87 Paare ohne Kinder und 117 Paare mit Kindern sowie 21 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 57 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 210 Haushaltungen lebten keine Senioren.[12]

Einwohnerentwicklung

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
 1585:27 Haushalte
 1664:30 Haushalte
 1747:169 Einwohner
 1838:Familien: 40 nutzungsberechtigte, 5 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 10 Beisassen.
Anzefahr: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2019
Jahr  Einwohner
1834
 
287
1840
 
322
1846
 
347
1852
 
376
1858
 
337
1864
 
333
1871
 
306
1875
 
304
1885
 
282
1895
 
289
1905
 
310
1910
 
342
1925
 
368
1939
 
363
1946
 
506
1950
 
531
1956
 
537
1961
 
531
1967
 
605
1980
 
?
1990
 
?
2000
 
?
2011
 
780
2015
 
759
2019
 
739
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; Stadt Kirchheim:[13][2]; Zensus 2011[12]

Historische Religionszugehörigkeit

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
 1861:26 evangelisch-lutherische, 314 katholische Einwohner
 1885:11 evangelische (= 3,89 %), 272 katholische (= 96,11 %) Einwohner
 1961:45 evangelische (= 8,47 %), 481 katholische (= 90,58 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
 1838:Familien: 30 Ackerbau, 18 Gewerbe, 7 Tagelöhner.
 1961:Erwerbspersonen: 93 Land- und Forstwirtschaft, 100 Produzierendes Gewerbe, 45 Handel und Verkehr, 38 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik

Für den Stadtteil Anzefahr besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Er umfasst das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Anzefahr.[5] Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 63,01 %. Alle Kandidaten gehörten der „Wählergemeinschaft Anzefahr“ an.[14] Der Ortsbeirat wählte Christoph Kißling zum Ortsvorsteher.[15]

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Bauwerke

Vereine

Das Vereinsleben im Stadtteil wird durch den Chor der Pfarrei Anzefahr, die Freiwillige Feuerwehr, Anzefahr – Mein Dorf e. V., den Männergesangsverein „MGV 1903 Cäcilia Anzefahr“ und den Tischtennisclub „TTC 1952 Anzefahr e. V.“ geprägt.[16]

Wirtschaft und Infrastruktur

  • Die zur Schnellstraße ausgebaute Bundesstraße 62 verläuft südlich des Ortes.
  • An der Main-Weser-Bahn liegt der Haltepunkt Kirchhain-Anzefahr, an dem stündlich der Mittelhessen-Express hält. In der Kernstadt existiert außerdem der Bahnhof Kirchhain.
  • Anzefahr ist Pfarrdorf und hat eine Grundschule, einen Kindergarten und eine Bücherei.

Söhne und Töchter des Ortes

  • Peter Jüngst (1782–1848), Bürgermeister und Mitglied der kurhessischen Ständeversammlung

Literatur

Commons: Anzefahr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

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