Apodera

From Wikipedia, the free encyclopedia

Apodera ist eine Gattung amöboider Protisten aus der Familie Hyalospheniidae[1] (bzw. Nebelidae nach Meisterfeld 2002[2][3]), einer Gruppe beschalter (Testater) Amöben[4] (Schalenamöben, Thekamöben). Ihre Schale (Testa, englisch Test,[3] früher als Theca bezeichnet) sind flaschenförmig (lageniform) und weisen eine deutliche Einschnürung auf, die den Hals vom Körper trennt.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Apodera

A. vas mit zwei Exemplaren der kleineren
Sphenoderia valdiviana (Euglyphida)[A. 2]

Systematik
Domäne: Eukaryota
ohne Rang: Amoebozoa
ohne Rang: Tubulinea
Ordnung: Arcellinida
Familie: Hyalospheniidae
Gattung: Apodera
Wissenschaftlicher Name
Apodera
Loeblich & Tappan, 1961
Schließen

Eigenschaften

Apodera sind beschalte (Testate) Amöben[4][A. 3] d. h. Protisten mit einem Zellkörper, der Scheinfüßchen (Pseudopodien) bildet und von einer Hülle oder Schale (Testa, engl. test) umschlossen ist. Ihre Schalen bestehen aus mineralischem Material, das nicht von ihnen selbst, sondern „xenosomisch“ von ihrer Beute, euglyphiden Amöben, stammt. Dies ist ein gemeinsames Merkmal der Hyalospheniidae, zu denen Gattung Apodera gehört.[5] Darauf verweist auch der Gattungsname (spanisch apoderarse (de alguien) (etwas) habhaft werden[6]) der auf eine „Übernahme“ oder „übernehmen“ hindeutet.

Die Schalen von Apodera zeichnen sich vor allem durch eine deutliche, tiefe Einschnürung aus, die den Hals vom Körper trennt.[3][7]

Systematik

Die Gattung Apodera wurde erstmals 1942 von Jung vorgeschlagen, jedoch ohne eine Art zu benennen. Erst später, im Jahr 1961, wurde die Gattung von den Mikropaläontologen Loeblich und Tappan validiert. Sie ist durch die ähnliche Form ihrer Schale eng mit den Gattungen Alocodera und Padaungiella verwandt, jedoch unterscheiden sich die Apodera-Mitglieder durch die klare Trennung zwischen Körper und Hals der Schale aufgrund ihrer tiefen Einschnürung. Phylogenetische Analysen unterstützen ebenfalls eine enge Beziehung zu Alocodera und Padaungiella, wobei Apodera die Schwestergruppe einer Klade ist, die diese beiden anderen Gattungen enthält.[3][8] Diese Klade steht basal in der Familie Hyalospheniidae.[8][7]

Es sind derzeit (15. September 2024) vier Arten in der Gattung Apodera bekannt:[3]

Gattung Apodera Loeblich & Tappan, 1961(G,N)[3]


Quellen:

(N) – Taxonomie des National Center for Biotechnology Information (NCBI)[1]
(G) – Global Biodiversity Information Facility (GBIF)[11]

Die Gattung Nebela[12][13] wurde mehrfach reorganisiert und Arten von ihr hieher nach Apodera verschoben.[3]

Apodera angatakere

Apodera angatakere kommt in den Torfgebieten Neuseelands vor, ihre Schale hat einen ausgeprägten Hohlkiel.[7]

Apodera crenata

Apodera crenata ist eine problematische Art, die seit ihrer Erstveröffentlichung nicht mehr bibliographisch erfasst wurde, obwohl sie morphologisch gut definiert ist und sich von der Typusart durch ihre gekrümmte Schale und ihre geringe Größe unterscheidet. Sie wurde nur in Chile auf Sphagnum-Moosen gefunden.[3]

Apodera vas

Die Typusart Apodera vas kommt in Moosen wie Torfmoos (Sphagnum), Streu und organischem Boden vor. Ihr Verbreitungsgebiet ist viel größer als das anderer Arten, mit Nachweisen aus Nordamerika, Südamerika, Ozeanien, Afrika und Indonesien. Eine etwas andere Form, Apodera vas f. reticollaris, wurde 1942 von Jung beschrieben, konnte aber mit molekularen Methoden nicht nachgewiesen werden.[3]

Apodera wellingtonia

Apodera wellingtoniaist eine seltene und problematische Art, die nur einmal in zwei Lebensräumen auf der Insel Tasmanien gefunden wurde: In Pfützen aus schmelzendem Schnee und in der Nähe von verrottetem Holz in feuchten Flechten gefunden.[3]

Anmerkungen

  1. Beide Arten kommen gemeinsam mit Magellans Torfmoos (Sphagnum magellanicum) um die Laguna Esmeralda in Feuerland (früher auch Magellanica genannt) vor. Die größeren Schuppen (Pfeile) in der Testa (Schale, d. h. Panzerung, Außenskelett) von A. vas gleichen denen von S. valdiviana, ein Beispiel für „Kleptosquamie“ des Räubers A. vas.
  2. Beide Arten kommen gemeinsam mit Magellans Torfmoos (Sphagnum magellanicum) um die Laguna Esmeralda in Feuerland (früher auch Magellanica genannt) vor. Die größeren Schuppen (Pfeile) in der Testa (Schale, d. h. Panzerung, Außenskelett) von A. vas gleichen denen von S. valdiviana, ein Beispiel für „Kleptosquamie“ des Räubers A. vas.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI