Appretur

chemische Ausrüstung von Textilien und von Leder, auch von Papier From Wikipedia, the free encyclopedia

Appretur (französisch apprêt ‚Ausrüstung, Zurichtung‘) umfasst alle Veredlungsverfahren, die dazu dienen, den Textilien einen bestimmten Charakter, wie etwa Griff und Warenbild, zu verleihen.[1]

Die Appretur in Isny im Allgäu

Dazu gehören besondere Oberflächenstrukturen, Steifheit, Weichheit, Glanz, Dichte, Glätte, Geschmeidigkeit, aber auch wasserabweisende, antistatische, flammhemmende oder antimikrobielle Ausrüstungen.[2]

Auch die Betriebsstätte, wo großteils diese Verarbeitungsschritte durchgeführt werden, wird als Appretur bezeichnet.

Eine Unterteilung der Appretur textiler Flächen (Stückgutappretur) kann in mechanische, thermische und chemische Appretur erfolgen.[3]

Man unterscheidet auch in Trockenappretur (Veredlungsziele, die überwiegend durch mechanisch-thermische Verfahren erzielt werden (z. B.: Scheren, Kalandern)) und in Nassappretur (Veredlungsziele, die überwiegend mithilfe von Chemikalien erzielt werden (z. B.: Pflegleichtausrüstung, Erhöhung der Scheuerfestigkeit)).[4]

Die Vorbehandlung und das Kolorieren der Textilien (Drucken, Bleichen, Färben) sind Prozesse, die vor der Appretur stattfinden.

Manuelle Appretur

Im Haushalt sowie bei Textil-, Teppich- oder Lederreinigern werden praktisch ausschließlich Fertigerzeugnisse wie Kleidungsstücke, Teppiche oder Schuhe einer Appretur unterzogen. Im Allgemeinen dient dies der Auffrischung bzw. Wiederherstellung bestimmter Eigenschaften eines Produktes. So kann durch Aufbringen eines Imprägniermittels die Wasserdichtheit von Schuhen oder Jacken erneuert werden. Es werden Tischdecken oder Hemden mit einer Wäschestärke eingesprüht, um Griffigkeit und Steifheit zu erhöhen. Diese Arbeiten werden großteils von Hand bzw. mit nur geringem Maschineneinsatz ausgeführt. Die Haltbarkeit dieser Maßnahmen ist in der Regel begrenzt und muss unter Umständen nach jeder Reinigung wiederholt werden.

Industrielle Appreturverfahren

In der industriellen Fertigung wird zwischen chemischer, mechanischer und thermischer Appretur unterschieden. Diese erfolgen entweder in einem Nass- oder Trockenprozess. Üblicherweise folgen – je nach gewünschtem Effekt – die Appreturen meist der Kolorierung. Im Regelfall erfolgen diese Prozesse an dem textilen Flächengebilde in breitem Zustand oder in Strangform. Von der Appretur bei Garnen und Zwirnen spricht man – wenn überhaupt – üblicherweise nur bei Halbfertigfabrikaten wie z. B. Nähfäden und Handstrickgarnen.

Chemische Appretur

Diese dient dazu, das Textilgut durch das Auftragen von Appreturmitteln und das Trocknen der Ware die Verarbeitungs- und Gebrauchseigenschaften zu verbessern. Das Textilgut darf dadurch nicht geschädigt werden und dessen Farbe nicht verändert werden.[5] Um ein textiles Erzeugnis dauerhaft mit einer bestimmten Eigenschaft auszurüsten, werden Permanentausrüstungen eingesetzt.[6] Dennoch ist die Haltbarkeit des Effektes von der Pflege und den Umgebungsbedingungen der daraus hergestellten Textilien abhängig. Die chemische Appretur erfolgt ohne chemische Reaktion mit der Faser beispielsweise durch Weichmachen, Füllen, Beschweren, Versteifen, Mattieren, Metallisieren, Beschichten, UV-Schutz, optisches Aufhellen oder durch Funktionalisieren mit chemischer Reaktion der Faser wie schrumpffreie, knitterarme, hydrophobe, oleophobe, antimikrobielle, flammhammende, desodorierende, antielektrostatische Ausrüstung.[7]

Technische Verfahren

Eine Auswahl: Abkochen, Ausziehverfahren, Entschlichten, Foulardieren, Karbonisieren, Laugieren, Mattieren, Mercerisieren, Oleophobieren, Pflatschen, Rakeln, Schaumauftrag, Sprühen, Spritzen, Walken

Verwendete Chemikalien

Eine Auswahl: Antistatika, Avivagen, Emulgatoren, Entschlichtungsmittel, Enzyme, Füll- und Versteifungsmittel, Fungizide, Hydrophobierungsmittel, Oleophobierungsmittel, Schiebefestmittel, Verdickungsmittel, Weichmacher, Weißtöner.

Warenbezeichnungen nach einer chemischen Appretur

Eine Auswahl: Antistatik, Antibakteriell, Antimikrobiell, Antimykotisch, Antipilling, Antischmutz, Antisoiling, Baygard, Beschichtung, Eulan, Flammhemmend, Fleckschutz, Fungizid, Fusselfrei, Hydrophob, Hygieneausrüstung, Imprägniert, Lichtstabilisiert, Mercerisiert, Mikrobakterizid, Mikrobizid, Mikrofungizid, Mottenecht, Nanoausrüstung, Oleophob, Perigen, Schimmelfest, Schwer entflammbar, Flammfest, Scotchgard, Teflon, UV-Blocker, UV-stabilisiert, Waschmaschinenfest, Wasserundurchlässig

Umweltschutz

Infolge zunehmender Sensibilisierung in Bezug auf Umweltschutz und größerer Allergieanfälligkeit der Konsumenten hat sich die Ausrüstung von Textilien hin zu verträglichen und trotzdem effektiven Prozessen verändert. Seit den 1980er Jahren wird bei der Auswahl der Chemikalien ein immer größerer Wert auf Umweltverträglichkeit und Unbedenklichkeit für den Menschen gelegt. Gütesiegel wie Öko-Tex-Standard 100 des Österreichischen Textilforschungsinstituts (ÖTI) und des Forschungsinstituts Hohenstein GmbH oder Naturtextil des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft IVN wurden ins Leben gerufen, um das Vertrauen in eine schadstoffarme Produktqualität zu sichern. Seit den 1990er Jahren steigt das Angebot an vollständig chemiefreien Textilerzeugnissen stark an und trägt so der Nachfrage umweltbewusster Konsumenten Rechnung.

Mechanische Appretur

Die mechanische Appretur als Trockenappretur ist eine Oberflächenbehandlung von Textilien mittels mechanischer Bearbeitungsmaschinen. Sie bewirken eine Veränderung von

Wichtigste Verfahren sind

  • das Scheren mittels Schermaschine zur Erzielung sehr glatter Warenoberflächen
  • das Rauen bzw. Rauhen mittels Raumaschinen zur Erzielung rauer Stoffoberflächen
  • das Kalandern mittels Kalander zur Erzielung besonders dichter und glatter Oberflächen und zum Prägen von Mustern

Eine Auswahl weitere Verfahren:

Thermische Appretur

Zur thermischen Appretur gehören solche Veredlungsverfahren, die unter Einsatz von Wärme und z. T. auch Feuchte ablaufen. Dazu zählen

Literatur

  • Christel Brem: Textilien, Gift auf unserer Haut. 1 Tonne Textilien – 1/2 Tonne Chemie. AbeKra-Verlag, Altenstadt 2001, ISBN 3-9805124-3-6 (Schriftenreihe Anpfiff 2).
  • Dieter C. Buurman: Lexikon der textilen Raumausstattung. 2. Auflage. Buurman, Bad Salzuflen 1996, ISBN 3-9804744-0-2.
  • Gerard Fiscus, Dominique Grunenwald: Textilveredlung. Umfassender Leitfaden. High Textil, Sausheim 1992.
  • Alois Kießling, Max Matthes: Textil-Fachwörterbuch. Neuauflage. Schiele und Schön, Berlin 1993, ISBN 3-7949-0546-6 (Fachbuchreihe Modernes Fachwissen Textilien und Bekleidung).
  • Max Peter, Hans-Karl Rouette: Grundlagen der Textilveredlung. Handbuch der Technologie, Verfahren und Maschinen. 13. überarbeitete Auflage. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-87150-277-4.
  • Alan H. McKeand: Fachwörterbuch Textilveredelung. deutsch–englisch, English–German. = Dictionary of textile coloration and finishing deutsch-englisch. Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 2004; ISBN 3-87150-841-1 (Edition Textiltechnik).
  • Hans-Karl Rouette: Wörterbuch der Textilveredelung. Deutsch–Englisch, English–German. = Dictionary of textile finishing. Springer, Berlin u. a. 2002, ISBN 3-540-43214-0.
  • Ulrich Stöckigt, Werner Döcke u. a.: Appretur. Vorappretur, Bleichen, Trocknen, mechanische und chemische Appretur. Fachbuchverlag, Leipzig 1990, ISBN 3-343-00261-5.
Wiktionary: Appretur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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