Aracati

Gemeinde im Bundesstaat Ceará, Brasilien From Wikipedia, the free encyclopedia

Aracati, [aˌɾakaˈt͡ʃi], amtlich portugiesisch Município de Aracati, ist eine Stadt im Bundesstaat Ceará in Nordostbrasilien. Sie hat zum 1. Juli 2020 geschätzt 74.975 Einwohner (Aracatienses)[1] und liegt etwa 150 km südöstlich von Fortaleza, der Hauptstadt des Bundesstaates, am Ufer des Flusses Rio Jaguaribe und am Südatlantik. Der historische Kern der alten Kolonialstadt wurde 2000 vom Instituto do Patrimônio Histórico e Artístico Nacional (IPHAN) in das nationale Erbe aufgenommen.

Gründung11. April 1747Vorlage:Infobox Ort in Brasilien/Wartung
Schnelle Fakten Município de Aracati„Terra dos Bons Ventos“, Symbole ...
Município de Aracati
„Terra dos Bons Ventos“
Aracati

Strand von Canoa Quebrada
Aracati (Brasilien)
Aracati (Brasilien)
Aracati
Koordinaten  34′ S, 37° 46′ W
Lage des Munizips im Bundesstaat Ceará
Symbole
Wappen
Flagge
Gründung 11. April 1747Vorlage:Infobox Ort in Brasilien/Wartung
Basisdaten
Staat Brasilien
Bundesstaat Ceará
Região intermediária Quixadá (seit 2017)
Região imediata Aracati (seit 2017)
Höhe 5 m
Gewässer Rio Jaguaribe, Südatlantik
Klima tropisch, As
Fläche 1.230,5 km²
Einwohner 69.159 (2010[1])
Dichte 56,2 Ew./km²
Schätzung 74.975 (1. Juli 2020)[1]
Gemeindecode IBGE: 2301109
Postleitzahl 62800-000
Zeitzone UTC−3
Website aracati.ce (brasilianisches Portugiesisch)
Politik
Stadtpräfekt Bismarck Costa Lima Pinheiro Maia (2017–2020)
Partei PTB
Wirtschaft
BIP 1.214.577 Tsd. R$
16.595 R$ pro Kopf
(2016)
HDI 0,655 (2010)
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Geographie

Die Küstenvegetation ist vorherrschendes Caatinga. Mangroven wachsen entlang des Jaguaribe-Flusses.

Umliegende Ort sind im Norden Fortim; östlich Icapuí, im Süden grenzt es an den Bundesstaat Rio Grande do Norte (Tibau, Mossoró, Baraúna), Jaguaruana und Itaiçaba, im Westen an Palhano und Beberibe.

Klima

Die Stadt hat tropisches Klima As/Aw nach der Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger mit im Sommer höheren Niederschlägen als im Winter. Die Durchschnittstemperatur ist 27,1 °C. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge liegt bei 1024 mm im Jahr.[2]

Geschichte

Igreja Matriz de Nossa Senhora do Rosário

Mit königlicher Resolution vom 11. April 1747 wurde der Ort zur Kategorie einer Gemeinde und eines Distrikts mit der Bezeichnung Santa Cruz de Aracati erhoben, deren Hauptsitz Porto dos Bracos war. Die wirkliche Installation als Gemeinwesen erfolgte erst am 10. Februar 1748, nachdem der erste Stadtrat ausgewählt wurde. Im 18. Jahrhundert hatte die Gemeinde etwa 2000 Einwohner (1779).[3]

1761 wurde mit dem Bau der Mutterkirche Igreja Matriz de Nossa Senhora do Rosário begonnen, die erst im 19. Jahrhundert fertiggestellt wurde.[4]

1829 wurde vorgeschlagen, den Sitz des Generalrats der Provinz Ceará nach der Vila de Aracati zu verlegen, was aber nicht zustande kam.[3]

Stadtpolitik

Die Exekutive wird seit der Kommunalwahl in Brasilien 2016 von Bismarck Costa Lima Pinheiro Maia des Partido Trabalhista Brasileiro (PTB) für die Amtszeit 2017 bis 2020 ausgeübt.[5] Die Legislative liegt bei einem Stadtrat (câmara municipal) aus 16 gewählten Vertretern (vereadores).[6]

Der Munizip ist seit 1995 in sieben Distrikte aufgeteilt: Aracati, Barreiras dos Vianas, Cabreiro, Córrego dos Fernandes, Jirau, Mata Fresca und Santa Teresa.[7]

Wirtschaft

Da Aracati kaum über nennenswerte Industrie verfügt, herrscht hohe Arbeitslosigkeit; dementsprechend kommt es zu andauernder Abwanderung speziell der jüngeren und gebildeteren Bevölkerung in die wirtschaftlichen Metropolen Brasiliens. Aracati funktioniert jedoch als regionales Handelszentrum für die nähere Umgebung. Der Tourismus spielt eine zunehmend wichtige Rolle, speziell die zum Stadtgebiet gehörenden Badeorte wie Canoa Quebrada und Majorlandia sind prosperierende Ferienorte mit einer guten Infrastruktur. Die kilometerlangen Strände Canoa Quebradas, mit ihren markanten roten Sandsteinfelsen sind ein bekanntes Reiseziel.

Lebensstandard

Der Index der menschlichen Entwicklung für Städte, abgekürzt HDI (portugiesisch: IDH-M), lag 1991 bei dem sehr niedrigen Wert von 0,371, im Jahr 2000 bei dem als mittelhoch eingestuften Wert von 0,523, im Jahr 2010 bei dem mittelhohen Wert von 0,655.[8] Das monatliche Durchschnittseinkommen hatte 2017 den Faktor 1.7 des Mindesteinkommens von R$ 880, umgerechnet für den Wert 2019 rund 332 Euro monatlich.

Das Bruttosozialprodukt pro Kopf betrug 2016 16.595 R$.

Sehenswürdigkeiten

In einigen Straßen des Zentrums findet man noch beeindruckende Kolonialbauten, die sich jedoch in meist desolatem Zustand befinden. Mehrere sakrale Bauten prägen die Stadt. Sehenswert sind die alten Markthallen im Zentrum. Der morbide Zustand liefert ein authentisches Bild des Marktlebens im brasilianischen Sertão.

Badestrände befinden sich in etwa 15 km Entfernung im kleinen ehemaligen Fischerdörfchen Canoa Quebrada. Das Dorf bietet eine größere Auswahl an kleineren Hotels (Pousadas), sowie Restaurants und kleinere Einkaufsmöglichkeiten. Das dörfliche Nachtleben ist über die Grenzen Aracatis hinaus bekannt. Die Strände Canoa Quabradas erfreuen sich speziell an den Wochenenden großer Beliebtheit bei den Einwohnern der Metropole Fortaleza, welche rund 150 km nordwestlich liegt. An den kilometerlangen Sandstränden Canoa Quebradas finden sich an zentraler Stelle einige Strandkneipen und Restaurants.

Panorama über den Praia de Canoa Quebrada und den Windpark von Aracati, dem größten im Bundesstaat.

Kultur

Aracati ist bekannt für seinen ausschweifenden, exzessiven Straßenkarneval mit dem „Mela-Mela“, bei dem sich die Karnevals-Jecken gegenseitig mit Mehl und Wasser bespritzen.

Verkehrsanbindung

Es bestehen Busverbindungen nach Fortaleza und Mossoró (RN) vom örtlichen Busbahnhof. Die Fahrzeit nach Fortaleza beträgt circa 2:30 Stunden.

Seit dem 4. August 2012 verfügt der Ort über den Flughafen Aracati, besser bekannt als Aeroporto de Aracati, der offizielle Name ist Aeroporto Regional de Canoa Quebrada Dragão do Mar, erreichbar über die Landesstraße CE-123.[9]

Trivia

Nach der Stadt Aracati wurde die erste deutsche Siebträgerkaffeemaschine in den 1950er Jahren benannt und bis heute tragen Nachfolgegeräte diesen Namen.

Flugzeugabsturz der deutschen Flieger von 1923

Das Wasserflugzeug Junkers D-218 landete im Fluss Jaguaribe in Aracati während des Kuba–Rio-de-Janeiro-Raids im Jahr 1923, wenige Augenblicke vor dem Flugzeugunglück.

Im Jahr 1923 unternahmen die deutschen Flieger Werner Junkers, Hermann Müller und Willy Thill einen Luftraid, dessen Strecke in Kuba begann und als Endziel Rio de Janeiro hatte. Die Initiative soll mit dem Ziel organisiert worden sein, die von der Firma der Familie Junkers hergestellten Flugzeuge zu bewerben, die nach dem Ersten Weltkrieg in der deutschen Luftfahrtindustrie herausragte. Für die Überquerung wurden zwei Flugzeuge eingesetzt, beide vom Typ Wasserflugzeug Junkers Modell D-218.[10]

Nach dem Abflug aus Kuba flogen die Maschinen in Richtung der Nordküste Südamerikas. Während dieses Abschnitts verunglückte eines der Wasserflugzeuge in der Region des Fluss Marajó im Bundesstaat Pará, wobei der Pilot Willy Thill ums Leben kam und das Flugzeug vollständig verloren ging. Trotz des Unglücks setzten Werner Junkers und Hermann Müller die Reise fort. Entlang der brasilianischen Küste erreichten sie São Luís, wo sie vermutlich auftankten, und danach Camocim. Von dort aus flogen sie direkt in das Landesinnere des Bundesstaates Ceará, ohne Zwischenstopp in Fortaleza, und steuerten die Stadt Aracati an[10].

Das Wasserflugzeug wasserte am 25. Juni 1923 gegen 13:30 Uhr auf dem Fluss Jaguaribe in Aracati. Die Anwesenheit des Flugzeugs rief große lokale Aufmerksamkeit hervor und wurde von Bewohnern der Stadt und der Umgebung beobachtet. Die Flieger blieben etwa zwei Stunden vor Ort, während das Flugzeug betankt wurde und die Piloten mit städtischen Behörden und Mitgliedern der Bevölkerung sprachen. Gegen 15:22 Uhr begann das Flugzeug mit dem Start, um seine Route weiter nach Süden fortzusetzen. Nachdem es über dem Fluss an Höhe gewonnen hatte, führte das Wasserflugzeug eine Kurve in geringer Höhe aus, wobei die Maschine während des Manövers an Stabilität verloren haben soll, sich in der Luft überschlug und in der Nähe des Flusses auf dem Boden aufschlug, was eine Explosion mit anschließendem Brand verursachte. Die beiden Flieger erlagen noch an der Unfallstelle ihren Verletzungen[10]. Das Löschen der Flammen erforderte großen Einsatz der Bewohner, doch eine Rettung der Opfer war nicht mehr möglich. Die Leichen wurden daraufhin in den Ehrensaal des Rathauses von Aracati überführt, wo sie aufgebahrt wurden. Es kam zu öffentlichen Trauerbekundungen, einschließlich der Schließung des Handels aus Respekt vor der Trauer[11].

Denkmal zum Gedenken an die deutschen Flieger im Jahr 1924. Auf dem Foto sieht man von links: Dr. Campelo, Leiter der staatlichen Gesundheitsstation, Dr. Henoque Nogueira, Amtsrichter des Bezirks, und Dr. João Adolfo Gurgel do Amaral Filho, Apotheker. Auf der Gedenktafel steht: „Zum Gedenken an die deutschen Flieger, die hier beim Flug Kuba–Rio de Janeiro ums Leben kamen, Werner Junkers, Hermann Mueller und Willy Thill“.

Etwa ein Jahr nach dem Unfall, Ende 1924, wurde in der Stadt ein Denkmal zu Ehren der Flieger errichtet. Die Initiative erhielt Beiträge vom deutschen Konsulat in Fortaleza sowie von Unterstützern in verschiedenen brasilianischen Bundesstaaten. Das Projekt wurde von der Marmoraria A. Gondim mit Sitz in Fortaleza ausgeführt. Das Denkmal bestand aus einer etwa 3,5 Meter hohen Säule aus weißem Marmor, die auf einem mit Marmorplatten verkleideten gemauerten Sockel stand. Nach den Beschreibungen wurde Marmor aus Carrara verwendet. Die Säule hatte eine gebrochene Spitze, die das vorzeitige Ende des Lebens der Flieger symbolisierte. Zwei Tafeln wurden angebracht: eine aus Marmor und eine aus Bronze, gestiftet von Einwohnern aus Aracati bzw. Camocim[11].

Obwohl die Organisatoren zunächst beabsichtigt hatten, das Denkmal an der Unglücksstelle zu errichten, war das Gebiet regelmäßig von Überschwemmungen des Flusses Jaguaribe betroffen. Daher wurde als Standort eine der wichtigsten Geschäftsstraßen der Stadt gewählt, an der südlichen Einfahrt der damaligen Rua Grande (damals Rua Conselheiro Liberato Barroso; heute Rua Cel. Alexanzito). Am 14. August 1942 wurde das Denkmal während nationalistischer Kundgebungen im Kontext des Zweiten Weltkriegs zerstört, nachdem Brasilien Deutschland den Krieg erklärt hatte. Anwohner stürzten die Struktur unter der Behauptung ein, sie stelle eine Verherrlichung Deutschlands dar. Die Tafeln des ehemaligen Denkmals sind heute im Museu Jaguaribano ausgestellt[10].

Commons: Aracati – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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