Arbeitslager Gleiwitz III
Außenlager des KZ Auschwitz
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Das Arbeitslager Gleiwitz III (andere Bezeichnung Häftlingslager Gleiwitzer Hütte) war eines von vier Außenlagern des KZ Auschwitz I in Gleiwitz und bestand vom Juli 1944 bis zum 19. Januar 1945. Die Inhaftierten mussten als Zwangsarbeiter die Fabrikgebäude der stillgelegten Gleiwitzer Hütte für die Zieleniewski-Maschinen und Waggonbau GmbH renovieren und anschließend Waffen, Munition und Eisenbahnräder produzieren. Im Lager befanden sich etwa 450 bis 600 männliche Häftlinge, vorwiegend polnische Juden aus den KZs Auschwitz I, Auschwitz III-Monowitz und dem KZ Majdanek.[1][2]
Entstehung
Die Errichtung des Arbeitslagers wurde bereits im Frühjahr 1944 geplant. Der erste Häftlingstransport aus dem KZ Auschwitz traf Ende Juli 1944 ein. Die Inhaftierten wurden in einer der Baracken untergebracht, die in der Nähe der Halle der ehemaligen Stahlgießerei errichtet worden waren. Der nächste Transport mit polnischen Juden, die aus dem Arbeitslager in Pustkowie nach Auschwitz gebracht worden waren, traf Mitte August 1944 ein. Am 28. Juli oder 6. August folgte ein Transport aus dem KZ Majdanek und am 15. August 1944 ein Transport aus dem KZ Auschwitz III-Monowitz. Anfangs belief sich die Zahl der Häftlinge auf etwa 450, im Oktober 1944 waren es etwa 600. Bis zur Räumung des Lagers waren etwa 600 Menschen inhaftiert.[3]
Das Lager
Gleiwitz III war eines der größeren Nebenlager des KZ Auschwitz. Es befand sich im südlichen Teil der ehemaligen Gleiwitzer Hütte. Auf der Südseite wurde eine vorhandene hohe Backsteinmauer entlang des Kłodnitzkanals als Umzäunung genutzt. Die Mauer verlief entlang des westlichen Teils des Lagers, direkt neben dem Kanal, bis zum Wachturm, der in der Nähe des SS-Wachhauses und des Haupttors stand. Der übrige Teil des Lagers war von Betonpfosten mit elektrischem Stacheldraht umzäunt.
Zwei Tore führten in das Lager. Das Haupttor befand sich in der Mitte, innerhalb des Werksgeländes. Auf der rechten Seite des Haupttors befand sich ein SS-Wachhaus in einem kleinen einstöckigen Gebäude, auf der linken Seite das einstöckige Gebäude die Büros und das Büro des Lagerkommandanten. Das zweite Tor im nordwestlichen Teil des Lagers diente der Einfahrt von mit Materialien und Maschinen beladenen Eisenbahnwaggons. Dort stand auch ein kleines Weichenhäuschen, in dem ebenfalls ein SS-Wachposten stationiert war.
Über das gesamte Gelände verteilt befanden sich mehrere große Fabrikgebäude, die von den Häftlingen zu Maschinen- und Montagewerkstätten umgebaut und gründlich renoviert und modernisiert werden sollten. Die Häftlinge waren in einem langen Backsteingebäude mit Zentralheizung untergebracht, das sich im südlichen Teil des Lagers neben der Mauer entlang des Kłodnicki-Kanals befand. In der Baracke gab es drei große Räume. Die beiden größten waren mit zweistöckigen Holzpritschen für die Häftlinge ausgestattet. Der dritte Raum zwischen den beiden Schlafräumen diente als Ess- und Aufenthaltsraum mit einfachen Holztischen und -Bänken. Die Lagerräume für Lebensmittel und Kleidung befanden sich im Keller der Baracke. Die Häftlingskleidung, bestehend aus Holzschuhen, Hosen, Hemden und Mützen wurde direkt aus der Häftlingsbekleidungskammer des KZ Auschwitz angeliefert. Der Appell fand im Hof vor den Baracken statt. In einer der nahe gelegenen Baracken war geplant, weibliche Häftlinge unterzubringen.
SS-Kommandanten und Wachmannschaften
Lagerkommandant war SS-Hauptscharführer Karl Spieker, gefolgt vom SS-Oberscharführer Josef Grobert. Stellvertreter waren SS-Unterscharführer Moritz und SS-Rottenführer Zahorodny, Sanitäter war SS-Oberscharführer Josef Klehr. Kapos waren die deutschen Straftäter Kurt Wolf, Heinz Keimling und Willi Weiss.
Die Wachmannschaft bestand aus etwa 50 SS-Männern der 6. Wachkompanie Auschwitz III-Monowitz und war bekannt für Brutalität und Sadismus. Die Häftlinge wurden für geringste Vergehen mit Schlägen, Auspeitschungen oder erschöpfenden Übungen bestraft. Kurz vor der Lagerräumung kam es zu einem ungewöhnlicher Vorfall, der mit einer Veränderung in der Haltung der SS gegenüber den Häftlingen zusammenhing. Der ehemalige Auschwitz-Häftling Ignacy Sobczak erinnerte sich nach dem Krieg: „Ich glaube, jeder ehemalige Häftling von Gleiwitz III erinnert sich an die Episode, die sich kurz vor der Räumung des Lagers ereignete, als die Front sich Gliwice näherte. Während der Mittagspause wandte sich der Lagerführer an uns und hielt eine kurze Ansprache. In dieser Ansprache erklärte uns dieser SS-Mann, dass die Deutschen sich nun in einer Lage befänden, die kaum besser sei als die der Häftlinge. Um dies zu beweisen, aß er mit uns die Rationen aus dem Lageressen. Dabei wies er darauf hin, dass wir uns nicht über die unvermeidlichen Schwierigkeiten beklagen sollten.“[4]
Lebens- und Arbeitsbedingungen
Anfangs wurden die meisten Häftlinge für verschiedene Arbeiten außerhalb der Gleiwitzer Hütte eingesetzt. Nur einige von ihnen arbeiteten im Werk an der Montage und Inbetriebnahme von Industrieanlagen. Der ehemalige Häftling Ignacy Sobczak erinnerte sich: „Ich war an der Inbetriebnahme des Werks beteiligt. Nachdem wir die Maschinen entladen hatten, begannen wir, sie in die Hallen zu bringen. Zu diesem Zweck bohrten wir zunächst die entsprechenden Löcher, auf denen wir Betonsockel zur Aufnahme der Maschinen errichteten. Auf diesen Sockeln stellten wir dann die Maschinen auf.“
Alle Häftlinge mussten täglich 10 bis 12 Stunden arbeiten. Da die Anlagen noch aus Krakau angeliefert werden mussten und noch nicht einsatzbereit waren, mussten die Häftlinge solange Unkraut zwischen den Gebäuden jäten, Stacheldrahtzäune erweitern und verschiedenen anderen Arbeiten ausführen, so etwa die Herstellung von Teilen für Seeminen. Im Herbst 1944 nahm das Werk die Teilproduktion auf und die Häftlinge arbeiteten an der Produktion von Eisenbahnrädern, Abschleppwagen für Flugabwehrgeschütze, Minen und verschiedenen Arten von Granaten. Bis zur Räumung des Lagers im Januar 1945 hatte das Werk noch nicht seine geplante volle Produktionskapazität erreicht.
Die Häftlinge wurden in verschiedene Arbeitskommandos aufgeteilt. Die meisten von ihnen arbeiteten in der Werkstatt und im Montagewerk und bedienten unter der Aufsicht deutscher Handwerker aus Krakau Drehmaschinen, Bohrmaschinen, Fräsmaschinen, Hobelmaschinen und Drucklufthämmer. Viele Arbeitskommandos arbeiteten in der Schmiede, in Lagerräumen und in den Elektro- und Abwasserbereichen des Werks. Eines der Kommandos baute Abwasserkanäle, andere mussten im Büro und im Konstruktionsbüro arbeiten.[4]
Lagerräumung und Gedenken
Wie in den anderen Gleiwitzer Arbeitslagern wurden auch in Gleiwitz III Häftlinge untergebracht, die aus den KZs Auschwitz-Birkenau, Monowitz und anderen Nebenlagern von Auschwitz vor der vorrückenden Roten Armee evakuiert worden waren. Einige der Häftlinge wurden mit der Bahn hauptsächlich in die KZs Groß-Rosen, Buchenwald und Sachsenhausen gebracht. Die übrigen Häftlinge wurden mit der Bahn weitertransportiert und kamen am Bahnhof in Leszczyny-Rzędówka bei Rybnik an. Dort befahl die SS allen Häftlingen, die Waggons zu verlassen und zu Fuß weiterzumarschieren. Dabei wurden im Wald beim Dorf Rzędówka etwa 250 Häftlingen von den SS-Wachen erschossen. Im Wald von Rzędówka befindet sich ein symbolisches Grab, das an dieses Kriegsverbrechen erinnert.[3]
Das Arbeitslager befand auf dem Firmengelände der heutigen Gliwickie Zakłady Urządzeń Technicznych (Gliwice Technische Ausrüstungsanlage GZUT) in der Robotnicza-Straße in Gleiwit, die das Stahlwerk unmittelbar nach dem Krieg übernahm. Von den Lagergebäuden innerhalb des Stahlwerks sind viele erhalten geblieben. Auf dem ehemaligen Lagergelände wurde 1972 ein Denkmal errichtet, das an das Leiden und den Tod der Häftlinge erinnert. Es befindet sich auf dem Platz neben der Hauptfabrikstraße vor dem ehemaligen Gebäude des Lagerkommandanten und besteht aus zwei Betonzaunpfosten mit auf Isolatoren gespanntem Stacheldraht, zwischen denen eine gusseiserne Tafel mit folgender Inschrift angebracht ist: W hołdzie ofiarom faszystowskiego barbarzyństwa dla pamięci pokoleń. Załoga Gliwickich Zakładów Urządzeń Technicznych; styczeń 1972. (Zu Ehren der Opfer faschistischer Barbarei zum Gedenken an Generationen. Die Arbeiter der Gliwice Zakłady Urządzeń Technicznych); Januar 1972.