Arnefrit
Sohn des Herzogs Lupus von Friaul
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Arnefrit († um 664 bei Nimis, auch 666 wird genannt) war der Sohn von Lupus, Herzog des Friaul. Wohl vergeblich kämpfte er zusammen mit Slawen aus Karantanien um die Nachfolge im Amt seines Vaters.
Die einzige Quelle zu seinem Leben stellt die Historia Langobardorum des Friulaners und Langobarden Paulus Diaconus vom Ende des 8. Jahrhunderts dar.
Leben
Arnefrit war als Sohn des Lupus in die heftigen Kämpfe seines Vaters verwickelt. Dieser führte eine Reiterschar gegen das byzantinische Grado und raubte dort den Kirchenschatz.
Nun kam es zu einem abgestimmten Angriff mehrerer Mächte auf die Langobarden. Einerseits versuchte Ostrom-Byzanz, die an die Langobarden verlorenen Teile Italiens zurückzuerobern. Dazu griff Kaiser Konstans II. die Langobarden nicht im Norden, sondern im Süden an. Im Nordwesten waren es die Franken, die das Langobardenreich attackierten, der byzantinische Exarch von Ravenna griff wohl von Osten an.
König Grimoald – Sohn des Gisulf, Lupus’ Vorgänger im Amt des Herzogs von Friaul –, der seinem Sohn Romuald in Benevent gegen die kaiserlichen Truppen zu Hilfe eilte, überließ Lupus die langobardische Hauptstadt Pavia. Lupus nutzte die Gelegenheit, die Macht an sich zu reißen, zumal er nicht mit der Rückkehr Grimoalds rechnete. Der siegreiche König kehrte jedoch nach Pavia zurück, und so musste sich Lupus nach Forum Julii zurückziehen.

Dort entfachte er einen Aufstand, wie Paulus Diaconus berichtet (Historia Langobardorum, V, 17–18). Um einen Kampf von Langobarden gegen Langobarden, einen Bürgerkrieg, zu vermeiden, so Paulus („Tum Grimuald nolens civile bellum inter Langobardos“), stachelte der König nun den Khagan der Awaren gegen das Friaul auf. Paulus schildert ausführlich, wie Lupus und seine Gefolgsleute an einem „Flovis“ genannten Ort, im Tal der Vipava (Vipacco) gelegen, eines Nebenflusses des Isonzo, vier Tage lang dem Heer der Awaren unter großen Verlusten standzuhalten suchten. Dabei kam Lupus ums Leben (Historia Langobardorum, V, 19).
Nun plünderten die Awaren das Herzogtum, und sie waren diesmal, im Gegensatz zum Feldzug von 610, wie sie den Boten des Königs mitteilten, gewillt, das Friaul zu behalten.[1] Doch zogen sie vor dem heranrückenden Heer unter Führung des Langobardenkönigs ab (V, 20). Mit einer List – Grimoald ließ seine wenigen Männer angeblich in wechselnder Kleidung und Formation immer neu vorbeidefilieren – hatte der König nämlich die awarischen Unterhändler dazu gebracht, zu glauben, er verfüge über eine riesige Heeresmacht. Tatsächlich zog der Awarenkhagan mit dem ganzen Heer ohne Kampf ab (V, 21).
Nach dem Sturz seines Vaters floh Arnefrit zunächst. Er versuchte, das Herzogtum seines Vaters für sich zu gewinnen, wozu er sich mit benachbarten Slawen verbündete. Doch die Gefolgsleute des Königs besiegten diese Slawen aus Carnuntum beim Kastell Nimis, Arnefrit wurde erschlagen (V, 22). Wolfgang F. Schwarz, der Herausgeber und Übersetzer der Historia Langobardorum, glaubt, dass sich Paulus Diaconus hier irre, denn Arnefrit habe wohl eher Unterstützung bei den benachbarten Karantanen bzw. in Aguntum gefunden.[2] Im Glauben, der neue Herzog sei im fernen Pavia, zogen erneut Slawen heran, diesmal zur Hauptstadt des Herzogtums, nach Forum Julii. Doch gerieten sie angesichts des mit kleiner Schar von nur 25 Mann unbemerkt vormarschierten neuen Herzogs Wechtari in Panik, so dass von ihren 5000 Mann, wie Paulus berichtet, kaum einer lebend davonkam (V, 23).
Diesen Wechtari (Wectari) aus Vicenza hatte der König als neuen Herzog eingesetzt, wobei er seinen Sohn Romuald, den Herzog von Benevent, um 664 mit Lupus’ Tochter Theuderada (Teoderada) verheiratete, wohl einer Schwester Arnefrits.
Quellen
- Ludwig Bethmann und Georg Waitz (Hrsg.): Paulus Diaconus, Historia Langobardorum, in: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores rerum Langobardicarum et Italicarum saec. VI–IX, Hahn, Hannover 1878, liber V, 22.
- Wolfgang F. Schwarz (Hrsg.): Paulus Diaconus: Historia Langobardorum – Geschichte der Langobarden, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009 (lateinisch–deutsch).
Literatur
- Walter Pohl: Die Awaren, Ein Steppenvolk in Mitteleuropa 567–822 n. Chr., C. H. Beck, München 1988, 2. Aufl., München 2002, S. 276.