Arrigo Sacchi
italienischer Fußballtrainer
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Arrigo Sacchi (* 1. April 1946 in Fusignano, Emilia-Romagna) ist ein ehemaliger italienischer Fußballtrainer, der als einer der einflussreichsten Taktiker des modernen Fußballs gilt. Insbesondere seine Zeit bei der AC Mailand (1987–1991) und als Trainer der italienischen Nationalmannschaft (1991–1996) machten ihn weltbekannt. Sacchi wird häufig zu den bedeutendsten Fußballtrainern aller Zeiten gezählt und prägte mit seinen Ideen das Pressing, die Raumdeckung sowie das 4-4-2-System nachhaltig.
| Arrigo Sacchi | ||
Arrigo Sacchi (2007) | ||
| Personalia | ||
|---|---|---|
| Geburtstag | 1. April 1946 | |
| Geburtsort | Fusignano, Italien | |
| Größe | 170 cm | |
| Position | Abwehrspieler | |
| Junioren | ||
| Jahre | Station | |
| 1961–1963 | Fusignano CF | |
| Herren | ||
| Jahre | Station | Spiele (Tore)1 |
| 1963–1964 | Fusignano CF | |
| 1964–1965 | US Baracca Lugo | |
| 1965–1972 | Fusignano CF | |
| Stationen als Trainer | ||
| Jahre | Station | |
| 1973–1976 | Fusignano CF | |
| 1976–1977 | FC Alfonsine 1921 | |
| 1977–1978 | AC Bellaria Igea | |
| 1978–1982 | AC Cesena (U-19) | |
| 1982–1983 | Rimini Calcio | |
| 1983–1984 | AC Florenz (U-19) | |
| 1984–1985 | Rimini Calcio | |
| 1985–1987 | AC Parma | |
| 1987–1991 | AC Mailand | |
| 1991–1996 | Italien | |
| 1996–1997 | AC Mailand | |
| 1998–1999 | Atlético Madrid | |
| 2001 | AC Parma | |
| 1 Angegeben sind nur Ligaspiele. | ||
Jugend und Spielerkarriere
Arrigo Sacchi wurde am 1. April 1946 geboren und stammt aus Fusignano, einer Kleinstadt in der oberitalienischen Provinz Ravenna. Nach dem Schulabschluss ergriff Sacchi den Beruf des Schuhmachers und arbeitete zunächst als Buchhalter, anschließend als Auslandsvertreter für die Schuhfabrik seines Vaters.[1] Daneben begeisterte er sich für den Fußball und war ab 1961 für den unterklassigen Amateurklub Fusignano CF als Abwehrspieler aktiv, ohne größere Aufmerksamkeit zu erlangen. Er galt als durchschnittlicher Verteidiger und verfügte nicht über das spielerische Niveau, um eine Profilaufbahn einzuschlagen. 1972 beendete Sacchi, im Alter von 26 Jahren, seine aktive Laufbahn.
Trainerkarriere
Erste Stationen
Sacchi blieb dem Fußball eng verbunden. Er schlug eine Trainerkarriere ein und betreute zunächst unterklassige Amateurvereine aus der Emilia-Romagna. Dort musste er sich insbesondere das Vertrauen der erfahrenen, teils deutlich älteren Spieler erarbeiten. 1978 übernahm er die U-19-Mannschaft der AC Cesena und gewann mit ihr 1982 die italienische Nachwuchsmeisterschaft (Campionato Primavera 1). Durch seine erfolgreiche Nachwuchsarbeit und die Entwicklung innovativer taktischer Konzepte erlangte Sacchi überregionale Bekanntheit. Seine Arbeitsweise war von großer Leidenschaft, Hingabe und hoher Trainingsintensität geprägt. Taktisch orientierte Sacchi sich am niederländischen „Voetbal Totaal“ der 1970er Jahre, dessen Prinzipien er weiterentwickelte und seinen eigenen Vorstellungen anpasste.[2] Er verließ die väterliche Schuhfabrik und wechselte zur Saison 1982/83 in den Seniorenbereich. Sacchi führte den Drittligisten Rimini Calcio auf den fünften Platz der Serie C1. Anschließend kehrte er für eine Spielzeit in den Jugendbereich zurück und betreute die Nachwuchsmannschaft der AC Florenz. In der Saison 1984/85 übernahm Sacchi erneut Rimini Calcio und erreichte mit dem Team den vierten Tabellenplatz.
AC Parma
Ab Juli 1985 trainierte Sacchi den damaligen Drittligisten AC Parma und führte den Verein bereits in seiner ersten Saison (1985/86) zum Aufstieg in die Serie B. Seine innovativen taktischen Konzepte – insbesondere konsequentes Pressing, eine kompakte Raumaufteilung sowie die Orientierung an einer Viererkette – fanden rasch Akzeptanz und wurden von der Mannschaft diszipliniert umgesetzt. In der Aufstiegssaison kassierte Parma lediglich 14 Gegentore und stellte damit die mit Abstand beste Defensive der Liga. Auch in der Serie B etablierte Sacchi den Klub schnell in der Spitzengruppe. Am Ende der Saison 1986/87 verpasste die Mannschaft die Relegationsplätze zur Serie A lediglich um drei Punkte. Mit nur 26 Gegentoren in 38 Spielen stellte Parma gemeinsam mit der US Triestina erneut die beste Defensive der Liga.
Für einen Achtungserfolg sorgte Sacchi in der Coppa Italia. Sowohl in der Vorrunde (1:0) als auch im Achtelfinale (0:0, 1:0) setzte sich Parma gegen die favorisierte AC Mailand durch und blieb dabei ohne Gegentor.
AC Mailand
Daraufhin verpflichtete ihn Milan-Präsident Silvio Berlusconi als Trainer der Rossoneri. Arrigo Sacchi prägte einen neuen Offensivstil, den die Serie A in dieser Form selten erlebt hatte. Er setzte dabei vor allem auf die innovativen Elemente Pressing und Raumdeckung. Sacchis taktische Herangehensweise wurde als Revolution im italienischen Fußball eingestuft. Um seine Rolle als Reformator zu beschreiben, nannte ihn die Schweizer Fachzeitung Sport den Gorbatschow des Fußballs.[3] Mit Kapitän und Abwehrorganisator Franco Baresi, dem jungen offensiven Außenverteidiger Paolo Maldini und dem holländischen Duo Ruud Gullit und Marco van Basten gewann er gleich in seiner ersten Saison die Italienische Meisterschaft. Ein Jahr später, mit Frank Rijkaard war ein weiterer Niederländer hinzugekommen, holte die Mannschaft den Europapokal der Landesmeister, den die Norditaliener 1989/90 verteidigen konnten. 1989 und 1990 gewann Sacchi außerdem zweimal den Weltpokal und Europäischen Supercup. Er wurde als modernster Trainer Italiens gefeiert.
Italien
Dies führte dazu, dass Sacchi 1991 die AC Mailand verließ und zum Trainer der italienischen Nationalmannschaft ernannt wurde, die in einer Krise steckte, da sie sich nicht für die Fußball-Europameisterschaft 1992 in Schweden qualifizieren konnte.[4] Sacchi baute auf seine italienischen Stars der AC Mailand, was ihm jedoch fehlte, waren die holländischen Stars, so dass die Nationalmannschaft nicht den von Sacchi gewollten Offensivfußball umsetzen konnte. Die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA wurde dennoch erreicht. Das Turnier begann mit einer Enttäuschung. Italien verlor gegen Irland mit 0:1. Die Mannschaft überstand jede Runde knapp, konnte sich unter anderem dank der Tore von Roberto Baggio bis ins Finale vorspielen. Im Finale gegen Brasilien kam es zum Elfmeterschießen, bei dem Baresi und Baggio zu den tragischen Helden wurden, indem sie ihre Elfmeter vergaben und so den Brasilianern zum vierten Mal den Gewinn des Titels ermöglichten. Zwei Jahre später, bei der Fußball-Europameisterschaft 1996 in England, enttäuschte die Sacchi-Elf die Fans. Die Italiener schieden in der Vorrunde aus und konnten nie wirklich überzeugen.
Weitere Stationen
Sacchi wurde nach diesem Misserfolg durch Cesare Maldini ersetzt und versuchte sich bei Vereinen wie Atlético Madrid und der AC Parma wieder als Vereinstrainer, jedoch ohne den Erfolg, den er mit der AC Mailand erreicht hatte.
Ab dem 21. Dezember 2004 war Sacchi Sportdirektor von Real Madrid. Am 6. Dezember 2005 kündigte er seinen Abschied zum Jahresende an.
Erfolge als Trainer
Nationalmannschaft
AC Mailand
- Italienischer Meister: 1987/88
- Europapokal der Landesmeister: 1988/89, 1989/90
- Italienischer Supercup: 1988
- UEFA Super Cup: 1989, 1990
- Weltpokal: 1989, 1990
Persönliche Auszeichnungen
- World Soccer Trainer des Jahres: 1989
- 2011 Aufnahme in die Hall of Fame des Italienischen Fußballs
- UEFA President’s Award: 2022
Weblinks
- Arrigo Sacchi in der Datenbank von weltfussball.de
- Arrigo Sacchi in der Hall of Fame des italienischen Fußballverbandes