Artemis-Programm
Raumfahrtprogramm für bemannte Mondflüge
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Artemis-Programm ist ein bemanntes Raumfahrtprojekt der NASA in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern wie der europäischen, der japanischen und der kanadischen Raumfahrtagentur (ESA, JAXA und CSA). Ziel des Programms ist es, erstmals seit Apollo 17 wieder Astronauten auf dem Mond zu landen, darunter erstmals eine Frau. Anschließend sollen jährlich bemannte Mondlandungen stattfinden. Das Projekt wurde 2019 von US-Präsident Donald Trump initiiert. In Anspielung auf das Apollo-Programm wurde es nach Artemis benannt, der Mondgöttin und Zwillingsschwester Apollons in der griechischen Mythologie.[1]

Eine erste Artemis-Mondlandung war ursprünglich für das Jahr 2024 geplant, kann jedoch wegen Verzögerungen bei der Bereitstellung einer Landefähre und neuer Raumanzüge nicht vor 2028 stattfinden. Die USA möchten der für spätestens 2030 geplanten ersten bemannten chinesischen Mondlandung zuvorkommen.
Hintergrund

Seit Eugene Cernan am 14. Dezember 1972 als bislang letzter Mensch die Mondoberfläche verließ, gab es in den USA immer wieder Bestrebungen, zum Mond zurückzukehren. Erste konkrete Pläne dazu kündigte Präsident George W. Bush 2004 mit dem Constellation-Programm an. Es sah bemannte Mondlandungen spätestens ab 2020 vor; danach sollten bemannte Flüge zum Mars folgen.
Unter Bushs Nachfolger Barack Obama wurde das Constellation-Programm 2009 wegen ausufernder Kosten wieder eingestellt. Zwei Jahre darauf wurde als Ersatz – auch für das 2011 eingestellte Space-Shuttle-Programm – das SLS-Programm aufgelegt. Dieses sah bemannte Mondumrundungen und Flüge zu anderen Objekten im Sonnensystem vor, jedoch keine Landungen.[2] Auch hier kam es wieder zu Planüberschreitungen, insbesondere wegen Missmanagement im Boeing-Konzern, dem Hersteller der SLS-Rakete. Der für 2017 geplante Erstflug wurde auf frühestens 2020 verlegt.[3]
Inzwischen war Donald Trump zum Präsidenten gewählt worden und hatte einen erneuten Schwenk in der US-Raumfahrtpolitik eingeleitet. Trump wünschte sich bahnbrechende Erfolge noch während seiner Präsidentschaft. Nachdem er herausgefunden hatte, dass ein bemannter Marsflug selbst bis zum Ablauf einer möglichen zweiten Amtszeit im Jahr 2024 nicht machbar ist,[4] gab er die Executive Order Space Policy Directive 1 heraus. Damit wies er die NASA an, sich auf eine baldige Mondlandung zu konzentrieren, gefolgt von Missionen zum Mars und „vielleicht eines Tages zu vielen Welten darüber hinaus“.[2] Anfang 2019 verschob die NASA den Termin für die mittlerweile geplante Mondlandung auf 2028, weil die Probleme bei der SLS-Entwicklung andauerten. Daraufhin ergriff Vizepräsident Mike Pence die Initiative und forderte von der NASA im Namen Trumps eine Landung US-amerikanischer Astronauten – darunter (mindestens[5]) eine Frau – am Südpol des Mondes bis 2024. Wenn dies mit den „bestehenden Auftragnehmern“ nicht machbar sei, dann müssten eben neue gefunden werden.[6][7] Das Projekt erhielt den Namen „Artemis“,[1] und als weiteres Ziel wurde die erste Mondlandung einer „person of color“ ausgegeben.[8]

Die Südpolregion des Mondes gilt als strategisch wichtig, seit dort Wassereis nachgewiesen wurde. Es ist die einzige Gegend auf dem Mond, in der einerseits rund um das Jahr Sonnenlicht (zum Beispiel für Solarenergiegewinnung) vorhanden ist und andererseits tiefe Krater zu finden sind, auf deren Boden niemals direkte Sonneneinstrahlung fällt, und die somit Eisvorkommen aufweisen könnten.[9] Wasser ist nicht nur für die Aufrechterhaltung von Leben notwendig, sondern kann auch zu Treibstoff verarbeitet werden. Neben den USA planen daher auch weitere Länder wie China und Russland eine – zunächst unbemannte – Erkundung des Südpols. China möchte dort in den 2030er Jahren eine Forschungsstation errichten.[10]
Die nachfolgende US-Regierung unter Joe Biden bekannte sich zur Fortsetzung des Artemis-Programms. Man werde damit „neue und aufregende Wissenschaft betreiben, zukünftige Marsmissionen vorbereiten und Amerikas Werte demonstrieren“.[11] Der unter Biden ernannte NASA-Administrator Bill Nelson betonte, dass die USA nicht gegenüber China ins Hintertreffen geraten dürften und das Artemis-Programm forcieren müssten.[12] Es gehe darum, noch vor China wieder auf dem Mond zu landen.[13]
Finanzierung
Um die ersten Vorbereitungen für die vorgezogene Mondlandung finanzieren zu können, beantragte Donald Trump aufgrund von Berechnungen der NASA eine Aufstockung des NASA-Budgets für das Fiskaljahr 2020 um 1,6 Milliarden US-Dollar. Dieser Betrag sollte aus Reserven des Pell-Grant-Förderprogramms für einkommensschwache Studenten entnommen werden.[14][15] Der US-Gesetzgeber bewilligte nur einen Teil der geforderten Summe und weitete zugleich die Pell-Grant-Förderung aus.[16][17] Für die darauffolgenden vier Jahre verlangte die US-Regierung eine Budgetaufstockung um insgesamt 35 Milliarden Dollar.[18] Nach der Abwahl von Trump Ende 2020 bewilligte der Kongress jedoch für das Haushaltsjahr 2021 nur ein Viertel des geforderten Betrags für die Entwicklung der Artemis-Mondlandefähren; eine bemannte Landung im Jahr 2024 wurde damit unrealistisch.[19][11]
In den nachfolgenden Jahren stellte der Gesetzgeber 7–8 Milliarden Dollar jährlich für das Artemis-Programm bereit. Für die Haushaltsjahre 2024 bis 2028 erwartet die US-Regierung einen Finanzierungsbedarf von 8,0–8,6 Milliarden Dollar jährlich, insgesamt 41,5 Milliarden. Wegen ausufernder Kosten – verursacht durch Missmanagement – befürchtete der Generalinspekteur der NASA jedoch eine Mittelknappheit und dadurch Verzögerungen bei der weiteren Umsetzung und einen Vertrauensverlust der Steuerzahler in die NASA.[20][21]
Technische Bestandteile
Das Artemis-Programm baut auf vier technischen Einheiten auf,[22] deren Konzept überwiegend aus früheren US-Mondprogrammen stammt:

- Die Superschwerlastrakete SLS wird offiziell seit 2011 entwickelt, beruht aber – wie die Ares-Rakete des eingestellten Constellation-Programms – auf Komponenten des Space-Shuttle-Systems. Sie kann bis zu 27 Tonnen Nutzlast auf den Weg zum Mond bringen. Eine Weiterentwicklung mit eventuell größerer Transportleistung ist geplant.[23][24]
- Die Orion-Raumkapsel wurde vom Constellation-Programm über das SLS-Programm ins Artemis-Programm übernommen. Sie ist für eine Besatzung von bis zu vier Astronauten ausgelegt.[25] Das Orion-Raumschiff besteht aus der von Lockheed Martin gebauten Kapsel und dem „europäischen Servicemodul“, einer im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) von Airbus Defence and Space in Bremen gefertigten Antriebs- und Versorgungseinheit. Das Gesamtsystem ist so schwer, dass es vorerst nur mit dem SLS auf den Weg zum Mond gebracht werden kann.[26]

- Die für das Space Shuttle genutzten Bodensysteme am NASA-Weltraumbahnhof Kennedy Space Center wurden für die Handhabung von SLS und Orion umgerüstet. Hierzu zählen das Vehicle Assembly Building (VAB), in dem die Rakete zusammengebaut wird, die Startrampe 39B und die Crawler-Transporter für den Transport der Rakete vom VAB auf die Rampe. Außerdem wurde der Mobile Launcher 1 (ML-1), ein mobiler Starttisch (MLP) mit integriertem Startturm, für das SLS umgebaut.[27]
- Als Mondlandefähre, beim Artemis-Programm Human Landing System (HLS) genannt, wählte die NASA aus Redundanzgründen zwei unterschiedliche Konzepte aus. Im Gegensatz zur zweiteiligen Apollo-Mondlandefähre sind beide Artemis-Lander einstufig und sollen wiederverwendbar sein. Für die ersten beiden Mondlandungen soll eine spezielle Version des SpaceX-Raumschiffs Starship eingesetzt werden. Danach soll auch der Lander Blue Moon Mark 2 des Raumfahrtunternehmens Blue Origin zum Einsatz kommen.[28] Nicht zum Zuge kam ein Entwurf von Dynetics für eine Lande- und Aufstiegsfähre mit abwerfbaren Tanks.[29]
Für die geplanten Aufenthalte auf der Mondoberfläche werden auch neue Raumanzüge benötigt.[30] Darüber hinaus ist die Beschaffung eines neuen Mondautos geplant.[31]
Seit 2017 ist oder war auch die Einrichtung der Raumstation Lunar Orbital Platform-Gateway (LOP-G) im Mondorbit geplant. Von dort aus soll(t)en sowohl Mondlandungen als auch spätere Flüge zum Mars erfolgen. Außerdem soll(te) der LOP-G als Kontrollzentrum für die Steuerung von Robotermissionen auf der Mondoberfläche dienen. Im März 2026 erklärte die NASA ihre Absicht, dieses Projekt, an dem auch die übrigen ISS-Teilnehmerstaaten beteiligt sind, für unbestimmte Zeit zurückzustellen. Die Entscheidung hierüber liegt letztlich beim US-Gesetzgeber.[32]
Beteiligte und Konkurrenten
Das Artemis-Programm wird überwiegend von der NASA finanziert und betrieben. Durch technische Beiträge, von denen die meisten bereits für das SLS-Programm vereinbart waren, sind zudem die europäische, die japanische und die kanadische Weltraumagentur (ESA, JAXA und CSA) daran beteiligt. Die ESA finanziert beispielsweise das in Deutschland gebaute Orion-Servicemodul, und die JAXA ein Wohnmobil für den Einsatz auf dem Mond.[33] Für den von der NASA aufgekündigten LOP-G lassen ESA und JAXA das in Frankreich gefertigte Internationale Wohnmodul (I-HAB) und einige Systeme des US-amerikanischen Hauptwohnmoduls (HALO) entwickeln. Die CSA, die bereits den Roboterarm Canadarm2 für die ISS finanzierte, stellt den Canadarm3 für die Raumstation bereit.[34] 2024 traten auch die Vereinigten Arabische Emirate der Kooperation bei; deren Raumfahrtbehörde MBRSC lässt eine Luftschleuse für den LOP-G bauen. Im Gegenzug können Astronauten der Partnerstaaten – auch aus den Emiraten[35] – mit zum Mond fliegen, beginnend mit dem Kanadier Jeremy Hansen als Besatzungsmitglied der Mondumrundung Artemis 2.
Weitere Beiträge internationaler Partner bestehen in Kleinsatelliten und Instrumenten für unbemannte Erkundungsmissionen, mit denen die geplanten bemannten Artemis-Missionen vorbereitet werden. So lieferten die ESA sowie die deutsche und die italienische Raumfahrtagentur (DLR und ASI) Geräte für den unbemannten Mondflug Artemis 1. Die JAXA steuerte die gescheiterte Mondlandesonde Omotenashi bei.[34]

Als rechtlichen Rahmen für den Zugang zum Mond schlossen die USA im Oktober 2020 mit Australien, Kanada, Japan, Luxemburg, Italien, Großbritannien und den Vereinigten Arabischen Emiraten das Abkommen Artemis Accords.[36][37] Hiermit möchten die USA – aufbauend auf dem Weltraumvertrag von 1967 – ihre Interessen für die weitere Mond- und Marserkundung festschreiben. Insbesondere soll Unternehmen die Ausbeutung von Weltraumressourcen erlaubt sein. Die Fokussierung der Artemis Accords auf die Interessen der USA und deren Partner stieß auf Kritik.[38][39] Seitdem traten 55 weitere Staaten dem Abkommen bei (Stand: April 2026), sodass insgesamt 63 Staaten die Artemis Accords unterzeichneten.[40]
Neun Monate nach Einführung der Artemis Accords starteten China und Russland eine Initiative zum Aufbau der Internationalen Mondforschungsstation (ILRS), die in den USA als Konkurrenzprojekt zum Artemis-Programm angesehen wird. Der chinesisch-russischen Initiative schlossen sich bis 2024 die Länder Venezuela, Südafrika, Aserbaidschan, Pakistan, Belarus,[41] Ägypten,[42] Thailand, Nicaragua, Serbien,[43] Kasachstan[44] und Senegal[45] an. Zudem beteiligten sich Universitäten und Forschungsinstitute aus weiteren Ländern. Russland kündigte 2023 den Aufbau einer eigenen Mondbasis in den 2030er-Jahren an,[46] bleibt unabhängig davon aber an der ILRS beteiligt.[47]
Thailand und Senegal sind die bislang einzigen Staaten (Stand: April 2026), die sich beiden Projekten anschlossen. NASA-Verantwortliche und -Experten für internationale Beziehungen äußerten sich dazu positiv. China verfolge ähnliche Ziele für ein verantwortungsvolles Verhalten im Weltraum wie die NASA, wenn auch mit unzureichender Transparenz.[48]
Umsetzung

Das erste fertiggestellte Artemis-Element war das von Airbus gebaute „europäische Servicemodul“ für das Orion-Raumschiff der Mission Artemis 1.[49] Der erste Testflug einer Orion-Kapsel erfolgte Ende 2014. Ein Startabbruchtest mit Einsatz der Rettungsrakete fand im Juli 2019 statt.[50]
Im April 2020 wählte die NASA nach einem einjährigen Entwurfswettbewerb drei Landefährenkonzepte aus, deren Entwicklung sie mit zunächst knapp einer Milliarde US-Dollar förderte. Einer der Entwürfe stammte von dem Konsortium „National Team“ aus den Unternehmen Blue Origin, Lockheed Martin, Draper und Northrop Grumman, ein weiterer von einem Team aus Dynetics und der Sierra Nevada Corporation und der dritte von SpaceX.[29][51][52] Im April 2021 fiel die Entscheidung für das Starship von SpaceX als erste Mondlandefähre.[53] Blue Origin klagte erfolglos gegen diese Entscheidung, weshalb die NASA die Arbeit an dem SpaceX-Landerprojekt ein halbes Jahr lang unterbrechen musste.[54] Den Auftrag zur Entwicklung des zweiten Mondlanders erhielt im Mai 2023 Blue Origin mit dem Lander-Neuentwurf Blue Moon.[55]
CLPS-Aufträge für unbemannte Transporte zur Mondoberfläche vergab die NASA seit 2019 an die Unternehmen Astrobotic, Intuitive Machines, OrbitBeyond,[56] Masten Space Systems,[57] Firefly Aerospace[58] und Draper.[59] Der Auftrag an OrbitBeyond wurde jedoch nach zwei Monaten storniert,[60] und Masten Space Systems meldete zwei Jahre nach Auftragserteilung Insolvenz an.[61]
Bereits seit dem Constellation-Programm hatte die NASA versucht, neue Raumanzüge zu entwickeln. Nachdem sie damit beim Artemis-Programm unter Zeitdruck geraten war, übergab sie das Projekt 2022 zur Fertigstellung an die Industriepartner Axiom Space und Collins Aerospace.[30] Collins sah sich jedoch überfordert und stieg nach zwei Jahren wieder aus dem Raumanzugprojekt aus.[62][63]

Als erste Mission des Artemis-Programms startete im November 2022 die unbemannte Mondumrundung Artemis 1. Der Flug des Orion-Raumschiffs verlief nach Plan, allerdings wurden nach der Landung Schäden am Hitzeschild der Raumkapsel festgestellt.[64] Mit demselben Start wurden auch mehrere Kleinsatelliten in Mondumlauf- oder -vorbeiflugbahnen gebracht, um von dort aus unter anderem die Wasservorkommen zu untersuchen. Keine dieser Raumsonden funktionierte wie vorgesehen.
Als Besatzung des ersten bemannten Flugs Artemis 2 wählte die NASA die US-amerikanischen Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch sowie den Kanadier Jeremy Hansen.[65] Anfang 2024 vertagte sie diese Mission von November 2024 auf September 2025, um Zeit für die Lösung des Orion-Hitzeschildproblemes zu gewinnen.[64] Aus demselben Grund folgte eine weitere Verschiebung auf April 2026.[66] Um eine weitere Verzögerung zu vermeiden, wurde für Artemis 2 ein anderer Wiedereintrittsverlauf gewählt, der den Hitzeschild insgesamt weniger belasten sollte. Erst beim nächsten Mondflug soll ein überarbeiteter Schild zum Einsatz kommen. Diese Entscheidung stieß auf Kritik.[67]
Der erste CLPS-Mondflug Peregrine Mission One startete im Januar 2024 und scheiterte an einem Treibstoffleck; der Mondlander fiel zurück auf die Erde. Einen Monat darauf gelang mit der CLPS-Mission IM-1 die erste weiche amerikanische Mondlandung seit Apollo 17. Im März 2025 erreichte auch der erste Lander von Firefly Aerospace die Mondoberfläche. Einen Monat später fand mit Artemis 2 der erste bemannte Mondflug seit 1972 statt.
Weitere Planung

Seit Auflegung des Artemis-Programms änderten sich die Pläne für dessen Durchführung mehrfach. Auch das zuständige Spitzenmanagement bei der NASA – der Leiter der Abteilung für bemannte Raumfahrt – wurde zweimal ausgetauscht.[68] Anfang 2026 begann eine komplette Neuplanung der zukünftigen bemannten Missionen.[69][70]
Von der vorherigen Planung des SLS-Programms unterschied sich der ursprüngliche Artemis-Plan unter anderem durch eine Verschiebung des LOP-G-Ausbaus zugunsten der Beschaffung von Mondlandefähren. Weitere Maßnahmen für eine möglichst frühe Mondlandung waren das Outsourcing unbemannter Starts an private Raketenbetreiber und Investitionen in eine effizientere SLS-Fertigung.
Nach den beiden Testflügen Artemis 1 und Artemis 2 sollte 2027 mit Artemis 3 eine bemannten Mondlandung stattfinden. Mit der Planänderung von Anfang 2026 wurde diese Mission jedoch in einen Testflug im niedrigen Erdorbit umgewandelt, ähnlich der historischen Mission Apollo 9. Das Orion-Raumschiff soll dabei probeweise mit der Starship- und/oder der Blue-Moon-Landefähre koppeln.[69][71] Zudem ist je eine unbemannte Testlandung auf dem Mond mit beiden Landefähren geplant.[72][73] 2028 sollen schließlich mit Artemis 4 erstmals seit 1972 wieder Astronauten auf dem Mond landen. Diese Landung war auf Druck von Donald Trump und Mike Pence zunächst für 2024 geplant (noch innerhalb einer von Trump erhofften zweiten Amtszeit) und wurde dann mehrfach verschoben. Vor allem die Bereitstellung der Starship-Fähre, aber auch die Fertigstellung der neuen Raumanzüge verspätet sich.[74] Zudem waren bei dem Testflug Artemis 1 Schäden am Hitzeschild der Orion-Kapsel aufgetreten, deren Untersuchung Zeit beanspruchte.[75] Der Generalinspekteur der NASA rechnet mit weiteren Verzögerungen bei der Entwicklung der Raumanzüge, was die Mission Artemis 4 bis in die frühen 2030er Jahre verschieben könne.[76][77]

Frühestens im Jahr der ersten Artemis-Mondlandung sollten auch die ersten beiden Module der LOP-G-Raumstation mit einer Rakete des Typs Falcon Heavy in eine Mondumlaufbahn gebracht werden.[75] Das LOP-G-Projekt wurde jedoch im März 2026 für unbestimmte Zeit zurückgestellt,[70] vorbehaltlich einer Bestätigung durch den US-Gesetzgeber.[32]
Nach Artemis 4 sind jährliche Expeditionen zur Mondoberfläche geplant.[70] Es soll eine „dauerhafte Präsenz“ der USA auf dem Mond geschaffen werden,[78][79] worunter die NASA eine „nachhaltige Erkundung“ im Sinne von jederzeit möglichen Expeditionen versteht[80][81][75] – im Gegensatz zum Apollo-Programm, das nach sechs Mondlandungen eingestellt wurde. Mit dem Konzept Artemis Base Camp schlug die NASA die Bereitstellung von Wohnmodulen auf der Mondoberfläche vor, als Basis für mehrmonatige Expeditionen.[82][83] Dieses Projekt wurde 2026 unter dem Schlagwort „Mondbasis“ wieder aufgegriffen. Die Vorbereitungen dafür sollen frühestens Ende 2028 mit der Mission Artemis 5 beginnen.[70] Mitte der 2030er Jahre sollen Wohnmodule auf der Mondoberfläche bereitgestellt werden, die vierwöchige Expeditionen von bis zu vier Astronauten ermöglichen. Aus dem Mondgestein Regolith sollen Sauerstoff und Wasserstoff gewonnen werden, zum Betrieb der Lebenserhaltungssysteme und gegebenenfalls auch zur Herstellung von Treibstoff.[33]
Zur Vorbereitung und Unterstützung der bemannten Mondlandungen plant die NASA zahlreiche unbemannte Landungen beziehungsweise „robotische Missionen“ pro Jahr. Sie erfolgen im Rahmen des 2018 aufgelegten CLPS-Programms (Commercial Lunar Payload Services – „Kommerzielle Mondnutzlastdienste“) und sollen insbesondere die Südpolregion erkunden.[84][85]
Missionsliste
Die folgenden Flüge fanden bislang im Rahmen oder zur Unterstützung des Artemis-Programms statt. Missionsdauern von mehreren Tagen sind jeweils auf ganze Tage gerundet. Bei gelandeten Raumfahrzeugen gibt die Zahl in Klammen die ungefähre Betriebsdauer auf der Mondoberfläche an.
| Mission | Start (UTC) | Trägerrakete | Dauer | Zweck |
|---|---|---|---|---|
| Ascent Abort-2 | 2. Juli 2019 11:00 |
ATB | 3 Minuten | erfolgreicher Test des Rettungssystems der Orion-Raumkapsel bei einem Startabbruch in 9,5 km Höhe[25] |
| Capstone | 28. Juni 2022 09:55 |
Electron | andauernd | erfolgreiche Erprobung des für die Raumstation LOP-G geplanten Mondorbits[86] |
| Artemis 1 | 16. Nov. 2022 06:47 |
SLS Block 1 (Erstflug) |
25 Tage | erfolgreicher unbemannter Testflug des vollständigen Orion-Raumschiffs mit mehreren Mondumrundungen |
| erfolgloser Monderkundungsversuch mit den CubeSat-Raumsonden LunaH-Map, Lunar IceCube, LunIR und Omotenashi | ||||
| Lunar Flashlight | 11. Dez. 2022 07:38 |
Falcon 9 | 152 Tage | erfolgloser Monderkundungsversuch mit einer CubeSat-Raumsonde, Abbruch ohne Erreichen eines Mondorbits wegen Antriebsversagens[87] |
| Peregrine Mission One | 8. Jan. 2024 07:18 |
Vulcan VC2S (Erstflug) |
11 Tage | fehlgeschlagene erste CLPS-Mission, geplant war eine Landung am Rand des Oceanus Procellarum bei 35° nördlicher Breite |
| IM-1 | 15. Feb. 2024 06:05 |
Falcon 9 | 14 Tage (7 Tage) |
CLPS-Mission, weitgehend erfolgreiche Landung am Krater Malapert A bei 80° südlicher Breite (der Lander kippte um); bis dahin südlichste Mondlandung |
| Blue Ghost Mission 1 | 15. Jan. 2025 06:11 |
Falcon 9 | 61 Tage (15 Tage) |
CLPS-Mission, Landung im Mare Crisium bei ca. 17° nördlicher Breite, erste vollständig erfolgreiche Mondlandung eines Privatunternehmens[88] |
| IM-2 | 27. Feb. 2025 00:16 |
Falcon 9 | 8 Tage (1 Tag) |
CLPS-Mondlandung beim Mons Mouton am Südpol. Der Lander kippte um, dadurch Stromausfall nach einem statt der geplanten zehn Tage.[89][90] |
| Lunar Trailblazer | ca. 12 Stunden | Geplante Untersuchung von Wassereisvorkommen aus einem Mondorbit, Verlust des Funkkontakts 12 Stunden nach dem Start.[91] | ||
| Artemis 2 (bemannt) |
1. Apr. 2026 22:35 |
SLS Block 1 | 9 Tage | erster bemannter Flug zur Erprobung des Orion-Raumschiffs mit den Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen; teilweise Mondumrundung |
| Für die folgenden geplanten Missionen nennt die NASA bereits einen Startzeitraum:[92] | ||||
| Mission | Start (EST) | Trägerrakete | Dauer | Zweck |
| IM-3 | 2026 | Falcon 9 | (13 Tage[93]) | CLPS-Landung im Reiner-Gamma-Swirl |
| Blue Ghost Mission 2 | 2026 | Falcon 9[94] | (ca. 14 Tage) | CLPS-Landung auf der Mondrückseite |
| Lunar Pathfinder | Mondorbiter von ESA und NASA[95][96] | |||
| Griffin Mission One | 2026 | Falcon Heavy | CLPS-Landung beim Nobile-Krater am Südpol | |
| Blue Moon MK1 Pathfinder | 2026 | New Glenn | CLPS-Test-Mondlandung beim Shackleton-Krater am Südpol mit einem Blue-Moon-Frachter[97] | |
| IM-4 | 2027 | Falcon 9 | CLPS-Mondlandung am Südpol | |
| Artemis 3 (bemannt) |
2027 | Starship A und/oder New Glenn |
Bereitstellung einer Starship- und/oder Blue-Moon-Landefähre | |
| SLS Block 1 | Probe der Kopplung von Landefähre(n) und Orion-Raumschiff im Erdorbit,[98][71] ähnlich Apollo 9 | |||
| Artemis 4 (bemannt) |
Q1 2028 | Starship A oder New Glenn[99] |
Bereitstellung einer Mondlandefähre | |
| SLS Block 1 oder SC[100][70] |
(ca. 7 Tage) | erste bemannte Artemis-Landung; Landung und einwöchiger Aufenthalt von zwei Astronauten in der Südpolregion, zwei weitere Astronauten fliegen im Orion-Raumschiff mit | ||
| Artemis 5 (bemannt) |
Q4 2028 | Starship A oder New Glenn |
Bereitstellung einer Mondlandefähre | |
| SLS SC[70] | zweite bemannte Artemis-Landung | |||
Nach Artemis 5 sind jährliche bemannte Mondlandungen geplant.[70] Für den Start dieser Missionen kann statt des SLS auch eine kommerzielle Trägerrakete verwendet werden.[101]
Weitere geplante unbemannte Missionen sind:
- dritte und vierte Blue-Ghost-CLPS-Mission[102][103]
- CLPS-Transport des NASA-Rovers Viper zum Südpol mit einem Blue-Moon-Frachter[104][105]
- CLPS-Mission IM-5 zum Malapert-Krater
- CLPS-Mission von Draper und ispace mit dem Lander Apex, Landung im Schrödinger-Krater[106][107]
- unbemannte Test-Mondlandung mit einer Starship-Fähre[108] A
- unbemannte Test-Mondlandung mit einer Blue-Moon-Fähre[73]
- Bereitstellung der Mondlandefähren für die weiteren geplanten bemannten Landungen
Darüber hinaus sollen zahlreiche weitere unbemannte Landungen stattfinden, für die noch keine konkrete Planung besteht.[85]
____
Siehe auch
Literatur
- Manfred „Dutch“ von Ehrenfried: The Artemis Lunar Program – Returning People to the Moon. Springer, 2020, ISBN 978-3-030-38512-5.
Weblinks
- Website des Artemis-Programms (englisch)
- Forward to the Moon: NASA’s Strategic Plan for Lunar Exploration; Mai 2019 (PDF, englisch)
- The Artemis Accords; Originalvertrag vom 13. Oktober 2020 (PDF, 1 MB, englisch)