Artemis 2

erster bemannter Mondflug des Artemis-Programms From Wikipedia, the free encyclopedia

Artemis 2 (offiziell Artemis II; ursprünglich Exploration Mission 2, kurz EM-2[4]) war ein bemannter Mondflug der NASA in Zusammenarbeit mit der europäischen und der kanadischen Weltraumagentur. Vier Astronauten in einem Orion-Raumschiff und das Bodenpersonal erprobten dabei Systeme und Arbeitsabläufe, um zukünftige bemannte Mondlandungen im Rahmen des Artemis-Programms vorzubereiten.

Schnelle Fakten Missionsemblem, Missionsdaten ...
Missionsemblem
Emblem der Mission
Missionsdaten
MissionArtemis 2
Raumfahrzeug Orion
Rufzeichen Integrity[1]
Trägerrakete SLS Block 1
Besatzung 4
Start1. April 2026, 22:35 UTC[2]
Startplatz Kennedy Space Center, LC-39B
Hinflug in 4 Tagen
Rückflug in 4 Tagen
Landung11. April 2026, 00:07 UTC[3]
Landeplatz Pazifik vor San Diego
Flugdauer 9 Tage 1 Std. 32 Min.
Mannschaftsfoto
Christina Koch, Reid Wiseman (vorn), Victor Glover und Jeremy Hansen
Christina Koch, Reid Wiseman (vorn), Victor Glover und Jeremy Hansen
  Vorher / nachher  
Artemis 1
(unbemannt)
Artemis 3
(bemannt)
Vorherige bemannte Mission
Apollo 17
Schließen

Artemis 2 startete Anfang April 2026 vom Cape Canaveral und umrundete nach fünf Tagen den Mond. Nach insgesamt neuntägigem Flug landete die Orion-Kapsel im Pazifik vor der kalifornisch-mexikanischen Küste. Es war der erste bemannte Mondflug seit Apollo 17 im Jahr 1972.

Besatzung

Das Orion-Raumschiff bietet Platz für vier Personen. Die Besatzung von Artemis 2 wurde im April 2023 bekanntgegeben. Sie setzte sich wie folgt zusammen:[5]

Als Ersatzmannschaft wurden nominiert:

Für Gibbons und Douglas wäre es der jeweils erste Raumflug gewesen.

Missionsziele

Die Mission diente als erster bemannter Testflug des Orion-Raumschiffs und von dessen Trägerrakete, dem Space Launch System (SLS) in der Version Block 1. Artemis 2 sollte alle für bemannte Mondmissionen erforderlichen Systeme und Abläufe unter realen Flugbedingungen überprüfen, um sie für zukünftige Missionen zu qualifizieren. Erprobt wurde unter anderem Navigation, Kommunikation, Lebenserhaltung, Antrieb, Annäherungsmanöver sowie Start-, Flug- und Wiedereintrittsabläufe, die Robustheit des Hitzeschildes beim Wiedereintritt und die Bergung der Raumkapsel. Zusätzlich wurden Daten zu Strahlung, mechanischen Belastungen, Akustik und Innen- wie Außentemperaturen gesammelt.[8]

Startplanung und -vorbereitung

Die Artemis-2-Rakete mit Starttisch und Versorgungsturm wird auf einem Crawler-Transporter zur Startrampe 39B gefahren

Der Flug sollte ursprünglich als Exploration Mission 2 im Jahr 2021 starten.[9] Nach Umbenennung in Artemis 2 und mehreren Terminverschiebungen wurde ein Startzeitraum von Februar bis April 2026 gewählt.[10][11][12]

Alle SLS-Starts erfolgen von der Rampe 39B (LC-39B) des Kennedy Space Center in Florida. Diese war – neben der Rampe 39A – in den frühen 1960er Jahren für die Apollo-Mondflüge gebaut und später auch für das Space Shuttle genutzt worden. Am 3. Februar 2026 fand dort ein erstes wet dress rehearsal (WDR) für Artemis 2 statt, eine Generalprobe der Startvorbereitungen mit Betankungstest und Überprüfung aller Systeme. Dabei leckte mehr flüssiger Wasserstoff aus der Betankungsanlage als zulässig, weshalb der Countdown bei etwa T−5 Minuten abgebrochen wurde.[13]

Beim zweiten WDR am 19./20. Februar war der Betankungstest erfolgreich.[14] Die Rakete verblieb danach vollgetankt auf der Startrampe. In der Nacht auf den 21. Februar stoppte allerdings die Versorgung der oberen Raketenstufe mit flüssigem Helium, weshalb die NASA die Startvorbereitungen abbrach und die Rakete zur Reparatur zurück in das Vehicle Assembly Building fuhr. Ursache des Problems war eine Dichtung, die sich gelöst und den Heliumzufluss verstopft hatte.[15][16]

Am 20. März wurde das SLS zurück zum LC-39B gefahren, um einen Start Anfang April zu ermöglichen.[17] Die Rakete wurde dort am 1. April zum dritten Mal betankt.[18]

Missionsverlauf

Die Flugbahn von Artemis 2
Die Artemis-2-Besatzung am vierten Tag des Flugs

Der Flug startete am 1. April 2026 um 17:35 Uhr Ortszeit (2. April um 00:35 Uhr MESZ), zunächst in eine niedrige Erdumlaufbahn. Dort wurde die Funktion der Orion-Lebenserhaltungssysteme geprüft. Nach zwei Erdumrundungen hob dann die zweite Stufe des SLS das Apogäum der Umlaufbahn auf rund 70.000 Kilometer an. In dieser hochelliptischen Bahn trennte sich Orion von der Raketenstufe.[2] Glover und Wiseman steuerten das Raumschiff danach eine Stunde lang von Hand. Sie nutzten die ausgebrannte Raketenstufe, um Manöver zu erproben, wie sie beim An- und Abkoppeln an einer Mondlandefähre nötig sind.[19][20] Ein Problem mit der Bordtoilette konnte behoben werden.[21] Nach dem Abtrennen von Orion wurden auch vier mitgeführte Cubesats ausgesetzt (siehe Abschnitt Sekundärnutzlasten).[22]

Etwa 25 Stunden nach dem Start führte das Raumschiff mit eigenem Antrieb eine Translunar Injection durch, beschleunigte also in eine Bahn, die nahe am Mond vorbei und um diesen herum führt.[2] Dabei wurde eine freie Rückkehrbahn gewählt, die nach dem Mondvorbeiflug direkt zurück zur Erde führt.[23] Die Reise zum Mond dauerte vier Tage. Für diesen Zeitraum waren drei Kurskorrekturen geplant, von denen nur eine – am Tag vor der Ankunft – stattfand.[2] Zeitweise übernahmen Koch und Hansen das Steuer des Raumfahrzeugs und testeten weitere Manövrierverfahren.[24] Im Vorbeiflug beobachteten und fotografierten die Astronauten die Mondoberfläche, um zukünftige Forschungsmissionen zu unterstützen.[25][26]

Der Rückflug zur Erde dauerte wiederum vier Tage, mit drei weiteren Kurskorrekturen. Eine halbe Stunde vor der Landung trennte sich die Orion-Kapsel von ihrem Servicemodul,[2] der von Airbus Defence and Space in Bremen gebauten Antriebs- und Versorgungseinheit. Nach Wiedereintritt in die Atmosphäre und einem Abstieg an Fallschirmen landete sie am 10. April um 17:07 Uhr Ortszeit (11. April um 02:07 Uhr MESZ) – neun Tage und eineinhalb Stunden nach dem Start – im Pazifik vor San Diego, Kalifornien (Koordinaten). Dort wurden sie und die Raumkapsel von der U.S. Navy geborgen.[27][28]

Erst- und Höchstleistungen

Victor Glover flog als erster Schwarzer und Christina Koch als erste Frau zum Mond, Jeremy Hansen als erster Nicht-US-Amerikaner und Reid Wiseman mit 50 Jahren als bisher ältester Mensch.[29][30] Dort angekommen stellte die Artemis-2-Besatzung einen neuen Rekord für die größte Entfernung von der Erde auf, die Menschen je erreichten: Mit 406.765 Kilometern übertraf sie die Bestleistung der Apollo-13-Mission von 1970 um rund 6.600 Kilometer.[26][31]

Sekundärnutzlasten

Der SLS-Nutzlastadapter von Artemis 2 mit drei CubeSat-Startbehältern und Arbeitsbrücke

Das SLS kann neben dem Orion-Raumschiff auch bis zu 17 Kleinsatelliten im CubeSat-Format 6U oder 12U transportieren. Diese befinden sich beim Start im Nutzlastadapter auf der oberen Raketenstufe. Nach dem Abtrennen des Raumschiffs werden sie ausgeworfen.[32][33]

Die Mission Artemis 1 führte zehn Cubesats mit, die in Fluchtbahnen ausgesetzt wurden. Bei Artemis 2 erfolgte der Start hingegen in eine suborbitale Bahn. Die Sekundärnutzlasten dieses Flugs mussten daher mit eigenem Antrieb das Perigäum ihrer Bahn anheben, wenn sie nicht zurück auf die Erde stürzen sollten.[33][34] Ob diese Mitfluggelegenheit bei Artemis 2 genutzt wird, war zunächst unklar.[33] Schließlich entschied sich die NASA für die Mitnahme von vier Cubesats:[35]

  • Tacheles, ein deutscher Satellit, mit dem elektronische Bauteile für zukünftige Mondrover getestet werden sollten.[36][37]
  • K-Rad Cube, ein südkoreanischer Satellit, der die Auswirkungen der Strahlung in den Van-Allen-Gürteln auf simuliertes menschliches Gewebe messen sollte.[38]
  • SWC-1, ein saudi-arabischer Satellit, der das Weltraumwetter beobachten soll.[39]
  • Atenea, ein argentinischer Satellit, der unter anderem verschiedene Strahlungsabschirmungen testen und das Strahlungsspektrum in der Umgebung der Erde messen sollte.[35]

SWC-1 hob sein Perigäum auf über 400 Kilometer an und erreichte damit einen stabilen Orbit. Den anderen drei Satelliten gelang dies nicht; sie verglühten nach etwa einem Tag in der Erdatmosphäre.[40][41] Laut eines Berichts der Welt soll dies bei Tacheles an einer fehlenden Genehmigung für den Betrieb des Satelliten gelegen haben.[42]

Öffentliche Wahrnehmung und Kritik

Geändertes Landeprofil von Artemis 2; der links eingekreiste Abschnitt wurde in größere Höhe verlegt

Der Start von Artemis 2 wurde vor Ort – an der Space Coast in Florida – von mehreren zehntausend Menschen verfolgt.[43] Laut New York Times wurde die Mission als Ausdruck von Forschung, nationalem Ehrgeiz und gemeinsamer Zielsetzung wahrgenommen.[44]

Die Missionen des Artemis-Programms und Chinas bemanntes Monderkundungsprogramm werden in den Vereinigten Staaten als Teil eines internationalen Wettlaufs zur bemannten Mondfahrt angesehen (siehe Beteiligte und Konkurrenten des Artemis-Programms).[43]

Im Vorfeld der Mission war die Entscheidung der NASA kritisiert worden, für die Orion-Kapsel von Artemis 2 den gleichen Hitzeschild zu verwenden wie bei Artemis 1. An Letzterem waren nach der Landung Schäden festgestellt worden. Durch die Untersuchung dieser Schäden verzögerte sich der Start von Artemis 2.[45] Um die Mission nicht noch weiter vertagen zu müssen, entschloss sich die NASA, nur den Verlauf des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre zu ändern, in der Erwartung, dass der Schild so insgesamt weniger belastet wird. Kritiker wie der ehemalige Astronaut Charlie Camarda bewerteten dieses Vorgehen als zu riskant.[46]

Die Artemis-2-Crew präsentiert ihr Maskottchen „Rise“ (29. März 2026)

Trivia

Artemis 2 führte die Plüschfigur „Rise“ als Maskottchen und Schwerelosigkeitsanzeiger mit. Sie wurde von dem Schüler Lucas Ye aus Mountain View (Kalifornien) entworfen und soll vom Earthrise-Foto der Apollo-8-Mission inspiriert sein.[47] Im Inneren von „Rise“ befand sich eine SD-Karte mit den Namen von 5.647.889 Personen, die sich vor dem Start bei der NASA registriert hatten.[48][49][50]

Weitere Fotos

Commons: Artemis 2 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI