Arthur Judson
US-amerikanischer Künstlermanager
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Arthur Leon Judson (* 17. Februar 1881 in Dayton; † 28. Januar 1975 in Rye) war ein US-amerikanischer Künstlermanager, der das New York Philharmonic und das Philadelphia Orchestra leitete und zudem Gründer von Columbia Broadcasting System (CBS) war.[1] Zusammen mit dem Unternehmer James Grayson gründete er 1966 die Handel Society of New York.

Leben
Frühes Leben
Judson begann im Alter von acht Jahren mit dem Violinspiel und setzte seine Ausbildung als Teenager ein Jahr lang bei dem Komponisten, Dirigenten und Violinisten Max Bendix und dem Violinisten Leopold Lichtenberg (1861–1935) in New York fort. Im Alter von neunzehn Jahren wurde er von 1900 bis 1907 Dekan der Musikabteilung der Denison University in Granville, Ohio. Im Jahr 1903 spielte er in Denison die Violinsonate von Richard Strauss in einer, wie er es nannte, ersten öffentlichen Aufführung in den Vereinigten Staaten. Im Jahr 1907 kehrte er nach New York zurück, um eine Karriere als Konzertmusiker zu versuchen. Außerdem war er acht Jahre lang als Werbeleiter und Kritiker für das Magazin Musical America tätig. Enttäuscht von seiner Konzertkarriere schlug er eine Karriere als Manager ein. Er war Mitglied der Episkopalkirche.
Aufstieg als Orchester- und Künstlermanager
1915 wurde er Manager des Philadelphia Orchestra ernannt wurde. Er gründete in Philadelphia die Concert Management Arthur Judson, Inc. zur Künstlervermittlung und eine weitere in New York. Zusammen mit drei Partnern organisierte er 1926 das Judson Radio Program als weitere Plattform für seine Künstler. Judson und seine Partner kauften einen Sender, der der Atlantic Broadcasting Company gehörte, und schlossen bis zum 27. Januar 1927 einen Vertrag mit einem Netzwerk von sechzehn Sendern, bekannt als United Independent Broadcasters, um sein Programm auszustrahlen. William S. Paley kaufte dieses Netzwerk am 25. September 1928, das zum Columbia Broadcasting System (CBS), mit Judson als zweitgrößtem Anteilseigner.[2]
1930 wurde Judson Präsident der Columbia Concerts Corporation (heute Columbia Artists Management). Judson fusionierte sieben unabhängige Konzertagenturen zu dem, was später als „Judson Empire“ bekannt wurde. Dabei handelte es sich um das Wolfsohn Music Bureau, Haensel und Jones, The Metropolitan Musical Bureau, Evans and Salter und der Community Concert Service von Ward French. Zu diesem Zusammenschluss gehörte auch Concert Management Arthur Judson. Das neue Unternehmen verwaltete 125 Künstler und Organisationen, etwa zwei Drittel der besten Musiker Amerikas.
Leitung des Philadelphia Orchestra und des New York Philharmonic Orchestra
Judson erreichte seinen Höhepunkt zwischen 1930 und 1935, als er gleichzeitig das New York Philharmonic und das Philadelphia Orchestra managte, die Sommerkonzertreihe im Lewisohn Stadium in New York von 1920 bis 1943 und die Sommerkonzerte im Robin Hood Dell in Philadelphia von 1930 bis 1935 ins Leben rief und leitete sowie als Präsident der Columbia Concerts Corporation fungierte. Außerdem war er fünf Jahre lang (1924–1928) beratender Manager des Cincinnati Symphony Orchestra. Als Theodore Spiering, Dirigent des Oregon Symphony Orchestra, 1925 verstarb, stellte das Orchester auf Empfehlung Judsons Willem van Hoogstraten ein. 1931 stellte das Minneapolis Symphony Orchestra auf seine Empfehlung Eugene Ormandy, ebenso wie dessen Nachfolger Dimitri Mitropoulos und Antal Doráti ein. Seit 1898 leitete er das Sommerorchester in Ocean Grove, New Jersey.
Die Community Artists-Reihe ermöglichte es Gemeinden, hochkarätige Künstler zu engagieren, ohne hohe finanzielle Risiken eingehen zu müssen, da die Konzerte im Voraus bezahlt wurden. Die Künstler hatten 20 Prozent ihrer Gage an Judsons Columbia Concerts Corporation und weitere 20 Prozent an Community Artists zahlen. Viele Künstler waren der Meinung, dass sie ausgebeutet und nicht gefördert wurden. Columbia Concerts Corporation teilte sich den Markt mit NBC Artists Service (gegründet 1928).
1939 wurde Judson vor die Federal Communications Commission geladen, um auszusagen. Dies wurde in einem äußerst wenig schmeichelhaften Artikel des Time Magazine vom 6. Februar 1939 mit dem Titel „Chain-Store Music“ beschrieben.[3] Die Leser waren überrascht zu erfahren, dass Musik wie jedes andere Geschäft organisiert war. Verkäufer bereisten das Land und verkauften Musiker an 376 Gemeinden, die an der Community Artists-Reihe beteiligt waren. Um die namhaften Künstler zu bekommen, mussten auch weniger bekannte Künstler gekauft werden. Die Auswahl im Katalog war groß: Die Columbia Concerts Corporation kontrollierte zwei Drittel der Musiker und Dirigenten des Landes. Die drohenden staatlichen Untersuchungen zum Konzertmanagement-Monopol veranlassten William S. Paley 1941, als Vorstandsvorsitzender zurückzutreten und seine Anteile an Judson zu verkaufen. Auch CBS und NBC verkauften ihre Agenturen an ihre Direktoren, um Monopoluntersuchungen zu vermeiden. Judson benannte das Unternehmen in Columbia Artists Management um. NBC wurde zur National Concert Artists Corporation.
Es gab einige Musiker, die Judson nicht vertrat. Einer davon war der Dirigent Artur Rodziński. Judson versuchte 1933 vergeblich, Rodzinski zu hindern, die Leitung des Cleveland Orchestra zu übernehmen, es gelang ihm aber 1936, Rodziński daran zu hindern, die Leitung der New York Philharmonic zu übernehmen. 1947, nachdem Rodziński mit Judsons kurzfristiger Unterstützung schließlich Dirigent der New York Philharmonic geworden war, geriet er mit Judson in Streit über die Einstellung von Musikern und die Programmgestaltung. Vor dem Vorstand bezeichnete er Judson (der anwesend war) als „Diktator, der musikalischen Fortschritt unmöglich macht“. Rodzinski forderte den Vorstand des Orchesters auf, sich zwischen ihm und Judson zu entscheiden. Der Vorstand stellte sich auf die Seite von Judson. Rodzinski verlor auch seinen nächsten Job als Dirigent des Chicago Symphony Orchestra aufgrund von Streitigkeiten über die Programmgestaltung, angeblich aufgrund des Einflusses von Judson.
Zwei weitere Dirigenten, die glaubten, Judson habe ihrer Karriere geschadet, waren Eugène Aynsley Goossens und Otto Klemperer. Goossens entschied nach zwölf Jahren, dass er Judson keine Provision mehr zahlen müsse. Judson zwang ihn in einem außergerichtlichen Vergleich zur Zahlung und entließ ihn anschließend. Klemperer, der von Judson für die ersten vierzehn Wochen der Saison 1935–1936 der New York Philharmonic engagiert worden war, beging den „Fehler“, trotz Judsons Einwänden Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 2 auf das Programm zu setzen. Judson ließ Klemperer daraufhin fallen.
Rücktritt
Die angespannten Beziehungen zu einem bedeutenden Dirigenten und die Unangemessenheit und der Interessenkonflikt bei der Verwaltung von Künstlern und Orchestern, die dann dieselben Künstler engagierten, veranlassten Judson, seine Positionen im Orchestermanagement aufzugeben. Am 8. Oktober 1934 gab er seinen Rücktritt als Manager in Philadelphia bekannt (der am 31. Mai 1935 wirksam wurde). Der Grund dafür waren die zunehmend angespannten Beziehungen zu Leopold Stokowski. Obwohl die beiden in späteren Jahren zusammenarbeiteten, sagte Stokowski damals: „Mr. Judson ist nicht mein Manager“. Der Artikel „The New York Philharmonic – What's Wrong and Why?“ des Musikkritikers Howard Taubman erschien am 29. April 1956 in der New York Times. Taubman warf der New York Philharmonic vor, zu viele Künstler von Columbia zu engagieren, und könnte den 75-jährigen Judson dazu veranlasst haben, von seinem Posten zurückzutreten.[4]
1948 hörte sich Margaret Trumans Agent James A. Davidson ihre Beschwerden darüber an, dass sie nur wenige Auftritte bekam. Von Davidson erfuhr sie, dass Konzerte in den USA weitgehend von Columbia und der National Concert Artists Corporation kontrolliert wurden. Margaret erzählte ihrem Vater, was sie gehört hatte, und der Präsident beauftragte das FBI mit der Untersuchung. Im Oktober 1955 reichte das US-Justizministerium Klage beim Bezirksgericht des südlichen Bezirks von New York ein. Columbia und drei weitere Beklagte wurden wegen Behinderung des zwischenstaatlichen Handels und Verkehrs bei der Vermittlung von Künstlern sowie wegen Monopolisierung organisierter Zuschauerverbände angeklagt. Die Agenturen legten kein Widerspruch ein und wurden gezwungen, ihre Monopolstellung aufzugeben. Zu diesem Zeitpunkt war Arthur Judson bei Columbia bereits durch Ward French ersetzt worden.
Zu den Künstlern, die Judson präsentierte und vertrat, gehörten: Ruth St. Denis, Marian Anderson, John Barbirolli, Robert Casadesus, Van Cliburn, Clifford Curzon, Todd Duncan, Nelson Eddy, Benjamino Gigli, Mischa Elman, Zino Francescatti, Gary Graffman, Jascha Heifetz, Vladimir Horowitz, Jose Iturbi, Lorin Maazel, Yehudi Menuhin, Eugene Ormandy, Lily Pons, Fritz Reiner, Jesús Maria Sanromá, Rudolf Serkin, die American Opera Company und Helen Traubel.
Auszeichnungen
Zu seinen Auszeichnungen zählen die Wahl zum Mitglied der Académie française im Jahr 1920, die Ehrendoktorwürde der Denison University im Jahr 1931 und der Orden der Académie des Beaux-Arts im Jahr 1941. Die Judson Hall in der 165 West 57th Street in New York City wurde von 1960 bis 1964, als Judson die Columbia University verließ, nach ihm benannt.[2]
Literatur
- James M. Doering: The Great Orchestrator: Arthur Judson and American Artis Management. University of Illinois Press, Urbana 2013. ISBN 978-0-252-03741-2.
- Norman Lebrecht: Who Killed Classical Music? Maestros, Managers, and Corporate Politics. Carol Pub. Group., New York 1997
Weblinks
- Arthur Judson bei Find a Grave
- Arthur Judson Dies at 93; Leading Concert Manager, The New York Times. 29. Januar 1975.