Arthur Luther
deutscher Literaturwissenschaftler, Bibliothekar, Übersetzer und Dolmetscher
From Wikipedia, the free encyclopedia
Arthur Luther (* 3. Mai 1876 in Orjol, Russisches Kaiserreich; † 28. Mai 1955 in Baden-Baden) war ein deutscher Literaturwissenschaftler, Bibliothekar und Übersetzer, der in Moskau und Leipzig lebte. Er gilt als einer der bedeutendsten Vermittler russischer Kultur in Deutschland in seiner Zeit.

Leben
Russland 1876–1914

Arthur Luther stammte aus einer bekannten baltendeutschen Familie, deren Vorfahren mit Martin Luther verwandt waren (worauf er auch mehrmals stolz hinwies). Sein Vater Theodor Luther (1849–1910) war Gymnasialprofessor in Orjol, seine Mutter war Eugenie Anderson.[1] Arthur Luther absolvierte 1894 das Gymnasium in Orjol und studierte darauf in Moskau Slawistik und Allgemeine Literaturgeschichte, anschließend 1900 Germanistik in Berlin.[2][3] Danach unterrichtete er an verschiedenen Höheren Schulen in Moskau und ab 1903 auch Literaturgeschichte an der Frauenhochschule. Ab 1910 studierte er Germanistik und Slawistik in München, Heidelberg und Leipzig. 1912 wurde er an der Universität Moskau zum Magister promoviert und war danach dort als Dozent für Deutsche Sprache und Literatur tätig.
Deutschland 1914–1955
Im Sommer 1914 wurde Arthur Luther bei einem Aufenthalt in Deutschland vom Beginn des Ersten Weltkrieges überrascht und durfte nicht wieder nach Russland zurückkehren. 1918 erhielt er eine Anstellung in der Deutschen Bücherei in Leipzig (spätere Deutsche Nationalbibliothek), die das gesamte deutschsprachige Schrifttum dieser Zeit sammelte und wurde im selben Jahr zum Bibliotheksrat ernannt.[4.1] Später leitete er den Sachkatalog und die Auskunftsstelle für viele Jahre.
Seit 1923 war Arthur Luther auch als Dozent für Russisch an der Deutschen Buchhändler-Lehranstalt in Leipzig tätig und wirkte als Referent für mehrere Literaturzeitschriften.[5] 1941 setzte er seine Tätigkeit in der Deutschen Bücherei fort, obwohl er das Pensionsalter erreicht hatte. Seit 1942 unterrichtete er auch am Dolmetscher-Institut der Handelshochschule Leipzig. 1943 wurde sein Wohnhaus bei einem Bombenangriff schwer beschädigt, 1944 trat er in den Ruhestand.[4.2]
Arthur Luther zog nach Marburg und lehrte dort Russische Literatur- und Kunstgeschichte an der Universität von 1946 bis 1951. 1955 starb er hochgeachtet im Alter von 79 Jahren.
Arthur Luther war seit 1900 mit Meta Eberhardt († 1926), einer Tochter von Dr. med. Karl Eberhardt aus Riga, verheiratet. Sie hatten zwei Kinder
- Wolfgang Luther (1903–1967), Professor für Zoologie in Darmstadt und Marburg
- Eva Schäfer (* 1904), war mit Herbert Schäfer verheiratet
Arthur Luther publizierte zahlreiche Artikel über deutsche und russische Literatur in der Moskauer Deutschen Zeitung (1896–1914), Das literarische Echo, Literarisches Zentralblatt für Deutschland, sowie in Osteuropa (als ständiger Referent seit 1924) und in weiteren Zeitschriften. Für diverse Verlage, darunter die Leipziger Insel mit der bekannten Insel-Bücherei, Reclam und Bibliographisches Institut, fertigte er Übersetzungen russischer Literatur an.
Würdigungen
Arthur Luther gehörte zu den bedeutendsten Vermittlern zwischen der deutschen und der russischen Kultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.[6] Dieses wurde von verschiedenen Autoren und Bekannten mehrfach hervorgehoben.
„Er hat sich durch seine zahlreichen Übersetzungen, vor allem aus dem Russischen und Französischen, durch Text- und; Briefausgaben und Bearbeitungen russ[ischer] und franz[ösischer] Dramen einen Namen gemacht.“[7]
Der Buchhändler Hans Meschendörfer würdigte die Unterrichtsstunden in Neuerer Deutscher Literatur an der Buchhändlerschule in Leipzig, die zu dem Besten gehört habe, was diese in jener Zeit bieten konnte.[8] 1926 stellten Mitarbeiter des Literarischen Zentralblatts eine Bibliographie Lutherana. Zum 50. Geburtstag von Arthur Luther zusammen.
Werke (Auswahl)
Autor
- Goethe. Sechs Vorträge von Arthur Luther. Gehalten im Winter auf das Jahr 1905 vor Deutschen in Moskau. Hellmann (archive.org).
- Franz Grillparzer (=Beiträge zur Literaturgeschichte, 34). Verlag für Literatur, Kunst und Musik 1907.
- Jesus und Judas in der Dichtung. Ein Beitrag zur vergleichenden Literaturgeschichte. Clauss & Feddersen, Hanau 1910.
- Die geistige und politische Vorstellungswelt der Bolschewiki im Zusammenhange der Strömungen in der russischen Gesellschaft und Literatur. Göschen, Berlin-Leipzig 1918.
- Ein Jahr Bolschewismus. W. Klinkhardt, Leipzig 1919.
- Zur Frage der zeitlichen und fachlichen Abgrenzung der Weltkriegs- und Revolutionsbüchereien. In: Mitteilungen. Verband deutscher Kriegssammlungen (1920), 2, S. 60–65 (Digitalisat).
- Alt-Dorpat und das russische Geistesleben, Würtz, Berlin-Riga-Leipzig 1920. Digitalisat
- Geschichte der russischen Literatur. Bibliographisches Institut, Leipzig 1924.
- Deutsches Land in deutscher Erzählung. Ein literarisches Ortslexikon. Hiersemann, Leipzig 1936, 1937 , 1940, 1943.
- Land und Leute in deutscher Erzählung. Ein bibliographisches Literaturlexikon. Hiersemann, Stuttgart 1954, mit Heinz Friesenhahn
- Kalewala. Der finnische Mythos vom Werden der Welt und des Menschen. Esche, Leipzig 1936; Neuausgabe Elpis, Kuppenheim/Murg 1948.
- Der Dämon. Roman. Esche, Leipzig 1937; Neuausgabe Staufen, Krefeld 1949.
- Der Kreml und seine Zeit. Leipzig: Möhring 1940.
- Das Moskauer Künstlertheater. Seemann, Leipzig 1947.
- Studien zur deutschen Dichtung. Elpis, Kuppenheim 1949.
- Kleine russische Literaturgeschichte. Ein Überblick von den Anfängen bis 1917. Butzon & Bercker, Kevelaer 1949.
Übersetzer
aus dem Russischen
- Leonid Andrejew: Das rote Lachen. Bruchstücke aus einer aufgefundenen Handschrift. Euphorion, Berlin 1922.
- Iwan Bunin: Das Dorf. Cassirer, Berlin 1936.
- Fjodor Dostojewski:
- Die Wirtin und andere Erzählungen. Hesse & Becker, Leipzig 1924
- Arme Leute und andere Erzählungen. Hesse & Becker, Leipzig 1924, 1926, mit H. Kolls.
- Briefe. Bibliographisches Institut, Leipzig 1926
- Helle Nächte. Erzählung. Scherpe, Krefeld 1949
- Der Idiot.
- Der Doppelgänger.
- Der Spieler.
- Der Traum eines lächerlichen Menschen.
- Ossip Dymow: Haschen nach dem Wind. Roman. Wolff, Leipzig 1919.
- Nikolai Gogol:
- Das Porträt. Henschel, Berlin 1959.
- Der Mantel. Insel, Wiesbaden 1958 (IB 24/1B)
- Die Heirat. Steyer, Leipzig 1941
- Iwan Gontscharow: Die Fregatte Pallas.
- Maxim Gorki:
- Alexander Gribojedow: Verstand schafft Leiden. Reclam, Leipzig 1963
- Nikolai Karamsin: Briefe eines reisenden Russen. Müller & Kiepenheuer, Bergen 1948.
- Wladimir Korolenko (mit Julius Grünberg)
- Der blinde Musiker und andere Erzählungen. Reclam, Leipzig 1922.
- Der Wald rauscht und andere Erzählungen. Reclam, Leipzig 1952 (RUB 2869).
- Michail Lermontow: Ein Held unserer Zeit. Orchis, München 1922.
- Nikolai Leskow:
- Der verzauberte Pilger. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1961.
- Die Klerisei. München, Wolff, Leipzig 1920.
- Der Gaukler Pamphalon. Scherpe, Krefeld 1954.
- Dmitri Mereschkowski:
- Das Geheimnis des Westens. Betrachtungen über die letzten Dinge. Grethlein, Leipzig 1930.
- Jesus der Kommende. Huber, Frauenfeld/Leipzig 1934.
- Tod und Auferstehung. Huber, Frauenfeld/Leipzig 1935.
- Napoleon. Droemer, München 1951.
- Alexander Ostrowski:
- Wald. Steyer, Leipzig 1939
- Armut ist keine Schande. Steyer, Leipzig 1940.
- Tolles Geld. Steyer, Leipzig 1941
- Wölfe und Schafe. Reclam, Leipzig 1952. (RUB. Nr. 7655/7656), mit Kurt Seeger
- Sergej Platonow: Geschichte Russlands vom Beginn bis zur Jetztzeit. Quelle & Meyer, Leipzig 1926, mit Elisabeth Meyer
- Alexander Puschkin:
- Die Hauptmannstochter.
- Dubrowski. Bertelsmann, Gütersloh 1959.
- Iwan und der graue Wolf. Sechs russische Märchen. Nach Alexander S. Puschkin. Novalis, Schaffhausen 1975.
- Alexander Radischtschew: Reise von Petersburg nach Moskau 1790. Schraepler, Leipzig 1922.
- Alexei Remisow: Legenden und Geschichten. Wolff, Leipzig 1919.
- Michail Saltykow: Geschichten und Märchen. Binliohraphisches Institut, Leipzig 1924.
- Iwan Schmeljow:
- Der Bericht eines ehemaligen Menschen. Eckart, Berlin 1932.
- Die Straße der Freude. Eckart, Berlin 1957, mit Rudolf Karmann.
- Lew Tolstoi:
- Der Überfall und andere Erzählungen. Malik, Berlin 1928,
- Wieviel Erde braucht der Mensch? Mit 6 Holzschnitten von Willi Dirx. Scherpe, Krefeld 1950.
- Im Schneesturm. Wunderlich, Leipzig 1954
- Die Kreutzersonate.
- Hadschi Murat.
- Vater Sergius.
- Anna Karenina. (J. Ladyschnikow Verlag, Berlin)
- Der Tod des Iwan Iljitsch.
- Anton Tschechow:
- Meine Frau. Siegel, Frankfurt am Main 1946.
- Die Möwe. Steyer, Leipzig 1941.
- Iwan Turgenew:
- Novellen. Bibliographisches Institut, Leipzig 1922
- Das Adelsnest. Goldmann, München 1963
aus dem Französischen
- Corneille: Der Cid.
- Molière:
- Die Schule der Ehemänner. Steyer, Leipzig 1943.
- Tartuffe. Insel, Leipzig 1958. (IB Nr. 76.)
- Don Juan.
- Amphitryon.
- Der Bürger als Edelmann.
- Die gelehrten Frauen.
- Scapins Streiche.
- Der Menschenfeind.
- Edmond de Rostand: Cyrano de Bergerac
aus dem Ungarischen
- Zsolt Harsányi (mit Josef Paul Tóth):
- Ungarische Rhapsodie. Der Lebensroman von Franz Liszt. Esche, Leipzig 1936.[9]
- Mit den Augen einer Frau, 1949
Herausgeber
- Lermontows Werke, Bibliographisches Institut, Leipzig 1922
- Puschkins Werke, 2 Bände, Bibliographisches Institut, Leipzig 1923
- Gogols Werke, 2 Bände, Bibliographisches Institut, Leipzig 1923
- Leo Tolstoj. Ein Leben in Selbstbekenntnissen. Tagebuchblätter und Briefe. Bibliographisches Institut, Leipzig 1923.
- Dostojewski-Brevier, Dieterich, Leipzig 1946
- Solange Dichter leben. Puschkin-Studien. Zum 150. Geburtstag des Dichters. Scherpe, Krefeld 1949.
- Sergej T. Aksakow: Am Rande der Wildnis. Eine Familienchronik, 1952, Neuauflage Schröder, Hamburg 1961.
- Повести, расзказы, легенды и штуки немецкаго средневековья [Erzählungen, Legenden und Stücke des deutschen Mittelalters], Grani, Berlin 1923 (Digitalisat)
Literatur
- Peter Wörster: „Dem wahren Deutschland und dem wahren Rußland“ – Arthur Luther zum 50. Todestag. In: Jahrbuch des baltischen Deutschtums, Band 52, 2005, S. 153–167.
- Wilhelm Frels: Bibliographie Lutherana. Zum 50. Geburtstag von Arthur Luther am 3. Mai 1926. Zusammengestellt von Mitarbeitern des Literarischen Zentralblattes für Deutschland. Radelli & Hille, Leipzig 1926.
- Ernst Zunker: Luther, Arthur. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 15. Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-00196-6, S. 540–541 (deutsche-biographie.de).
- Alexandra Habermann u. a.: Lexikon deutscher wissenschaftlicher Bibliothekare 1925–1980. Klostermann, Frankfurt a. M. 1985, ISBN 3-465-01664-5, S. 204 f.
Weblinks
- Literatur von und über Arthur Luther im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Arthur Luther Bibliotheks-Setvicezentrum Baden-Württemberg, auch zugehörige Pubkikationen (ganz unten links)
- Arthur Luther BBLD