Stummelfußfrösche
Gattung der Familie Kröten (Bufonidae)
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Die Stummelfußfrösche (Atelopus) werden manchmal auch Harlekinfrösche oder Harlekinkröten genannt und bilden eine im tropischen Lateinamerika – zwischen Costa Rica im Norden und Bolivien im Süden – beheimatete Gattung aus der Familie der Kröten (Bufonidae). Es werden 104 beschriebene Arten zu diesen Amphibien gezählt – einige weitere ehemalige Atelopus-Arten werden mittlerweile anderen Gattungen zugeordnet.[1] In älteren Systematiken wurden die Stummelfußfrösche zusammen mit den Sattelkröten (Brachycephalus) als eigene Familie Atelopidae abgegrenzt. Unter anderem das Vorhandensein des Bidderschen Organs weist sie aber als Angehörige der „Kröten“ aus.
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Panama-Stummelfußfrosch (Atelopus zeteki) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Atelopus | ||||||||||||
| Duméril & Bibron, 1841 |
Beschreibung
Es handelt sich um meist sehr kleine, schlanke und mitunter bizarr gebaute, sehr farbenfrohe und giftige Froschlurche (siehe beispielsweise: Panama-Stummelfußfrosch). Der deutsche Name bezieht sich auf die häufig stark verkürzten inneren Finger und Zehen.
Die Pupille ist horizontal. Die Zunge ist elliptisch, ganzrandig und hinten frei abhebbar. Gaumenzähne und Gaumenfalten sind nicht vorhanden. Das Trommelfell ist nicht sichtbar. Die Finger sind entweder frei oder an der Basis mittels einer Schwimmhaut miteinander verbunden. Diese greift nicht zwischen die Metatarsen der 4. und 5. Zehe ein. Die Spitzen der Finger und Zehen sind höchstens leicht verdickt, aber niemals zu deutlichen Haftscheiben verbreitert. Die Endglieder der Zehen sind einfach und knöchern. Die Coracoide und Praecoracoide divergieren mehr oder weniger stark. Das Omosternum ist nicht vorhanden. Das Sternum ist knorpelig. Mäßig stark verbreitert sind die Querfortsätze das Sakralwirbels.[2]
Lebensweise
Zu ihren bevorzugten Lebensräumen zählen Schluchten von Berg-Nebelwäldern. Sie halten sich dort am Boden auf und sind in der Regel tagaktiv auf der Jagd nach Insekten und anderen kleinen Wirbellosen. Die Wanderungen zu Laichplätzen in schnellfließenden Bergbächen und kleinen Flüssen können Stummelfußfrösche wochen- oder sogar monatelang in Paarungsumklammerung zubringen. Die Männchen vieler Arten stoßen leise trillernde oder zirpende Balzrufe aus. Der Laich wird in Schnüren abgelegt und an Pflanzen oder Steine im Wasser geheftet. Die Kaulquappen verfügen über große Saugnäpfe, um in der Strömung der Bäche nicht verdriftet zu werden.
Gefährdung
Bekanntheit haben Stummelfußfrösche in jüngster Zeit dadurch erlangt, dass fast alle Arten in ihrem Fortbestand akut gefährdet sind: Die IUCN stuft von 101 bewerteten Arten allein 67 in der höchsten Gefährdungskategorie, vom Aussterben bedroht (critically endangered), ein, wobei 38 dieser Arten mit dem Zusatz möglicherweise ausgestorben (possibly extinct) versehen sind. Drei Arten gelten als sicher ausgestorben (extinct).[3] Nach einer Studie von 2005 zeigten von den damals berücksichtigten 113 beschriebenen Arten 42 einen deutlichen Rückgang, 30 Arten wurden als verschollen bewertet. Nur 10 Arten galten als in ihrem Bestand stabil.[4] Die Art Atelopus balios wird von der IUCN inzwischen sogar zu den einhundert am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten gezählt.[5]
Der massive Rückgang der Stummelfußfrösche wird neben anderen Ursachen in erster Linie auf Infektionen durch den Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) zurückgeführt, insbesondere bei den Populationen in Mittelamerika. Dessen vermehrtes Auftreten bringen Untersuchungen wiederum mit einem beginnenden Klimawandel in Zusammenhang. So soll eine verstärkte Wolkenbildung über den Berghabitaten zu höheren Durchschnittstemperaturen in den Nächten führen, wodurch sich die für das Gedeihen des Chytridpilzes optimale Temperaturspanne ausdehnt.[6]
Zum Rückgang dürften ferner (frühere) Massenexporte in die westlichen Industrieländer beigetragen haben, wo diese Lurche in Terrarien gehalten wurden – oft mit geringem Erfolg und entsprechend hohem „Tierverbrauch“.[7]
Arten










Die Gattung umfasst 104 Arten.[1]
Stand: 31. Oktober 2025
- Atelopus andinus Rivero, 1968
- Atelopus angelito Ardila-Robayo & Ruiz-Carranza, 1998 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus ardila Coloma, Duellman, Almendáriz, Ron, Terán-Valdez & Guayasamin, 2010 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus arsyecue Rueda-Almonacid, 1994
- Atelopus arthuri Peters, 1973 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus balios Peters, 1973
- Atelopus barbotini Lescure, 1981
- Atelopus bomolochos Peters, 1973
- Atelopus boulengeri Peracca, 1904 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus calima Velásquez-Trujillo, Castro-Herrera, Lötters & Plewnia, 2024[8] – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus carauta Ruiz-Carranza & Hernández-Camacho, 1978
- Atelopus carbonerensis Rivero, 1974 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus carrikeri Ruthven, 1916
- Atelopus certus Barbour, 1923
- Atelopus chiriquiensis Shreve, 1936 (†)
- Atelopus chirripoensis Savage & Bolanos, 2009
- Atelopus chocoensis Lötters, 1992 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus chrysocorallus La Marca, 1996
- Atelopus colomai Plewnia, Terán-Valdez, Culebras, Boistel, Paluh, Quezada Riera, Heine, Reyes-Puig, Salazar-Valenzuela, Guayasamin & Lötters, 2024[9]
- Atelopus coynei Miyata, 1980
- Atelopus cruciger (Lichtenstein & Martens, 1856)
- Atelopus dimorphus Lötters, 2003
- Atelopus ebenoides Rivero, 1963 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus elegans (Boulenger, 1882)
- Atelopus epikeisthos Lötters, Schulte & Duellman, 2005
- Atelopus erythropus Boulenger, 1903 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus eusebianus Rivero & Granados-Díaz, 1993 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus eusebiodiazi Venegas, Catenazzi, Siu-Ting & Carrillo, 2008[10] – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus exiguus (Boettger, 1892)
- Atelopus famelicus Rivero & Morales, 1995
- Atelopus farci Lynch, 1993 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus flavescens Duméril & Bibron, 1841
- Atelopus franciscus Lescure, 1974
- Atelopus fronterizo Veselý & Batista, 2021[11]
- Atelopus galactogaster Rivero & Serna, 1993
- Atelopus gigas Coloma, Duellman, Almendáriz, Ron, Terán-Valdez & Guayasamin, 2010 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus glyphus Dunn, 1931
- Atelopus guacharo Plewnia, Venegas-Valencia, Szepanski, Heine, Böning, Ramírez & Lötters, 2025
- Atelopus guanujo Coloma, 2002 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus guitarraensis Osorno-Muñoz, Ardila-Robayo & Ruiz-Carranza, 2001
- Atelopus halihelos Peters, 1973 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus harlequin Coloma, Plewnia, Böning, Boistel, Ellwein, Lötters, Paluh, Roca-Rey Ross & Venegas, 2025[12]
- Atelopus histrionicus Lötters, Plewnia, Böning, Boistel, Chaparro, Coloma, Ellwein, Orsen, Paluh & Venegas, 2025[12]
- Atelopus hoogmoedi Lescure, 1974
- Atelopus ignescens (Cornalia, 1849)
- Atelopus laetissimus Ruiz-Carranza, Ardila-Robayo & Hernández-Camacho, 1994
- Atelopus limosus Ibáñez, Jaramillo & Solís, 1995
- Atelopus loettersi De la Riva, Castroviejo-Fisher, Chaparro, Boistel & Padial, 2011
- Atelopus longibrachius Rivero, 1963
- Atelopus longirostris Cope, 1868
- Atelopus lozanoi Osorno-Muñoz, Ardila-Robayo & Ruiz-Carranza, 2001
- Atelopus lynchi Cannatella, 1981 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus manauensis Jorge, Ferrão & Lima, 2020
- Atelopus mandingues Osorno-Muñoz, Ardila-Robayo & Ruiz-Carranza, 2001
- Atelopus marinkellei Cochran & Goin, 1970
- Atelopus mindoensis Peters, 1973
- Atelopus minutulus Ruiz-Carranza, Hernández-Camacho & Ardila-Robayo, 1988 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus mittermeieri Acosta-Galvis, Rueda-Almonacid, Velásquez-Álvarez, Sánchez-Pacheco & Peña Prieto, 2006
- Atelopus monohernandezii Ardila-Robayo, Osorno-Muñoz & Ruiz-Carranza, 2002 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus moropukaqumir Herrera-Alva, Díaz, Castillo, Rodolfo & Catenazzi, 2020[13]
- Atelopus mucubajiensis Rivero, 1974
- Atelopus muisca Rueda-Almonacid & Hoyos, 1992
- Atelopus nahumae Ruiz-Carranza, Ardila-Robayo & Hernández-Camacho, 1994
- Atelopus nanay Coloma, 2002
- Atelopus nepiozomus Peters, 1973
- Atelopus nicefori Rivero, 1963 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus nocturnus Bravo-Valencia & Rivera-Correa, 2011
- Atelopus onorei Coloma, Lötters, Duellman & Miranda-Leiva, 2007 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus orcesi Coloma, Duellman, Almendáriz, Ron, Terán-Valdez & Guayasamin, 2010 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus oxapampae Lehr, Lötters & Lundberg, 2008
- Atelopus oxyrhynchus Boulenger, 1903 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus pachydermus (Schmidt, 1857) – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus palmatus Andersson, 1945
- Atelopus pastuso Coloma, Duellman, Almendáriz, Ron, Terán-Valdez & Guayasamin, 2010 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus patazensis Venegas, Catenazzi, Siu-Ting & Carrillo, 2008[10]
- Atelopus pedimarmoratus Rivero, 1963 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus peruensis Gray & Cannatella, 1985 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus petersi Coloma, Lötters, Duellman & Miranda-Leiva, 2007 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus petriruizi Ardila-Robayo, 1999 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus pictiventris Kattan, 1986 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus pinangoi Rivero, 1982 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus planispina Jiménez de la Espada, 1875 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus podocarpus Coloma, Duellman, Almendáriz, Ron, Terán-Valdez & Guayasamin, 2010 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus pulcher (Boulenger, 1882)
- Atelopus pyrodactylus Venegas & Barrio, 2005
- Atelopus quimbaya Ruiz-Carranza & Osorno-Muñoz, 1994 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus reticulatus Lötters, Haas, Schick & Böhme, 2002
- Atelopus sanjosei Rivero & Serna, 1989
- Atelopus seminiferus Cope, 1874
- Atelopus senex Taylor, 1952 (†)
- Atelopus sernai Ruiz-Carranza & Osorno-Muñoz, 1994 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus simulatus Ruiz-Carranza & Osorno-Muñoz, 1994 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus siranus Lötters & Henzl, 2000
- Atelopus sonsonensis Vélez-Rodriguez & Ruiz-Carranza, 1997 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus sorianoi La Marca, 1983 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus spumarius Cope, 1871
- Atelopus spurrelli Boulenger, 1914
- Atelopus subornatus Werner, 1899 – vom Aussterben bedroht (möglicherweise ausgestorben)
- Atelopus tamaense La Marca, García-Pérez & Renjifo, 1990
- Atelopus tricolor Boulenger, 1902 – Dreifarben-Stummelfußfrosch
- Atelopus varius (Lichtenstein & Martens, 1856)
- Atelopus vogli Müller, 1934 (†) – Vogls Stummelfußfrosch
- Atelopus walkeri Rivero, 1963
- Atelopus zeteki Dunn, 1933 – Panama-Stummelfußfrosch
- Atelopus vermiculatus McDiarmid, 1973 wird teilweise auch als Unterart von A. flavescens angesehen[14]