Attalis
Phyle im antiken Athen
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Die Attalis (altgriechisch Ἀτταλίς Attalís) war eine 200 v. Chr. eingerichtete Phyle im antiken Athen. Sie war die vierte von insgesamt fünf nachkleisthenischen Phylen der Stadt und bestand bis in römische Zeit. Innerhalb der nun 12 Phylen nahm sie die letzte Stelle ein.
Vorgeschichte
Als im Jahr 205/204 v. Chr. Ptolemaios IV. Philopator starb, versuchten der Seleukide Antiochos III. und der Makedone Philipp V. das Ptolemäerreich unter sich aufzuteilen. Philipp bedrohte insbesondere Pergamon und Rhodos, die ein Hilfegesuch an Rom richteten. Rom hatte nicht vergessen, dass Philipp Karthago im Zweiten Punischen Krieg unterstützt hatte – Anlass für den ersten der Makedonisch-Römischen Kriege. Zu dieser Zeit geriet auch Athen unter Druck, da die Akarnanier – unterstützt von Makedonien – in Attika eingefallen waren, zudem die Makedonen selbst vier Staatsschiffe der Athener aufgebracht hatten. Der Pergamener Attalos I. und die Rhodier schickten Gesandtschaften nach Athen, um die Stadt zum Kriegsbeitritt zu bewegen; römische Gesandte waren anscheinend gleichzeitig in der Stadt. Athen trat dem Bündnis der Mittelmächte und Roms gegen Philipp V. bei und in den Krieg ein. Zugleich beschlossen die Athener, alle Ehren und Kulte Philipps und seiner Vorgänger – zu denen die mit kultischen Ehren in Athen bedachten Antigonos I. Monophthalmos und Demetrios I. Poliorketes gehörten – zu beseitigen und alle Erwähnungen in Inschriften zu tilgen. Damit wurden auch die zu Ehren der beiden eingerichteten Phylen Antigonis und Demetrias aufgelöst.[1] Stattdessen wurde nun Attalos I. mit der Gründung einer nach ihm benannten Phyle bedacht: der Attalis.[2] Außerdem wurde ein neuer Demos gegründet, der nach der Ehefrau des Attalos, Apollonis, Apollonieis benannt wurde. Inschriftlich ist zudem ein Priester des Attalos nachzuweisen,[3] der folglich göttliche Verehrung im Rahmen eines Herrscherkultes genoss.[4] Während 307 v. Chr. die Antigoniden für die Wiederherstellung von Demokratie und Freiheit geehrt wurden, wurden Attalos I. – wie schon bei Ptolemaios III. – Ehrungen wegen seiner Bewahrung der Freiheit zuteil.[5]
Phyle
Wie schon bei der Einrichtung der antigonidischen Phylen 307 v. Chr. und der Ptolemais 224 v. Chr. wirkte sich auch die Gründung der Ptolemais auf die Gesamtorganisation der Phylen und Demen aus. Da jede Phyle 50 Ratsmitglieder (Bouleuten) in die Boule, den Rat der Stadt Athen, zu entsenden hatte, wurde deren Anzahl nun wieder auf 600 festgelegt. Zusammengesetzt wurde die Phyle allem Anschein nach dadurch, dass jede der bestehenden elf Phylen einen Demos abgeben musste. Hinzu kam als 12. Demos das neu gegründete Apollonieis. Folgende Demen wurden der Attalis zugewiesen:[6]
| Demos | Ursprüngliche Phyle | Lage | Bouleuten (neu/alt) |
|---|---|---|---|
| Unter-Agryle | Erechtheis | Stadt | 2 (3?) |
| Ikarion | Aigeis | Binnenland | 1 (6?) |
| Probalinthos | Pandionis | Küste | 3 (5) |
| Sounion | Leontis | Küste | 10 (6) |
| Oion Dekeleikon | Demetrias | Binnenland | 3 (3?) |
| Hagnous | Akamantis | Binnenland | 4 (5?) |
| Tyrmeidai | Oineis | Stadt | 2 (1?) |
| Athmonon | Kekropis | Binnenland | 8 (10?) |
| Korydallos | Hippothontis | Stadt | 2 (1?) |
| Oinoe im Osten | Aiantis | Küste | 4 (6) |
| Atene | Antiochis | Küste | 6 (4?) |
| Apollonieis | neu | ? | 5 (-) |
Während bei der kleisthenischen Phyleneinteilung die Verteilung der Bouleuten auf Stadt-, Land- und Küstentrittyen ausgewogen war, bei der Einrichtung der antigonidischen Phylen hingegen ein Übergewicht zugunsten der städtischen Trittyen festzustellen war, wiederholte sich bei der Attalis eine Verlegung der Schwerpunkte auf binnenländische und küstennahe Demen, wie es schon bei der Ptolemais zu beobachten war. So entfielen 23 Bouleuten auf binnenländlische, 16 auf küstennahe und nur 6 auf städtische Demen, wobei für den Demos Apollonieis mit seinen immerhin 5 Bouleuten die Lage unbekannt ist.
Eine Inschrift mit den Siegerlisten der Panathenäischen Spiele aus den Jahren 170/160 v. Chr., 166/165 v. Chr. und 162/161 v. Chr. bezeugt, dass die Söhne des Attalos I., Eumenes II. und Attalos II., als Staatsbürger Athens in der Phyle Attalis eingeschrieben waren.[7]
Die Neuorganisation der Phylen wirkte sich abermals auf das Monument der Phylenheroen auf der Agora von Athen aus. War das Monument zuvor derart umgestaltet worden, dass statt der ursprünglich zehn Statuen für die Phylenheroen zwischenzeitlich 13 Aufstellung finden konnten, so war nach der Entfernung der Antigoniden hinreichend Platz für die Statue des Attalos vorhanden, die auch von Pausanias beschrieben wird, während er zu den Statuen der Antigoniden schwieg, da sie zu seiner Zeit nicht mehr existierten.[8] Der für die Statue des Ptolemaios ursprünglich entfernte, die Statuengruppe seitlich begrenzende Dreifuß konnte wieder an seiner ursprünglichen Stelle am südlichen Ende des Monuments aufgestellt werden. Für Athen war die Umgestaltung des Monuments in Athen auch deshalb eine Notwendigkeit, weil auf seiner Schauseite unterhalb der Heroen Verlautbarungen der einzelnen Phylen befestigt wurden.[9] Einer Umgestaltung hätte man eigentlich auch das analoge Monument aus der Hand des Phidias in Delphi unterwerfen müssen,[10] das allerdings laut Pausanias nicht um eine Statue des Attalos erweitert worden war.[11] Die Ursache wird in den Wirren und der gefährlichen militärischen Situation vermutet, in der Athen zu der Zeit war.[12] Die Ptolemais bestand noch, als im Jahr 126/127 n. Chr. mit der Hadrianis erneut eine 13. Phyle geschaffen wurde, diesmal zu Ehren des römischen Kaisers Hadrian. Wie die Verteilung der Bouleuten sich nun gestaltete, lässt sich in einer Gesamtschau nicht ermitteln, doch musste die Attalis den Demos Oinoe an die Hadrianis abgeben.[13]
Literatur
- Johannes Toepffer: Attalis 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,2, Stuttgart 1896, Sp. 2156 f.
- Christian Habicht: Athens and the Attalids in the Second Century B.C. In: Hesperia. Band 59, 1990, S. 561–577.
- John S. Traill: The Political Organization of Attica: A Study of the Demes, Trittyes, and Phylai, and Their Representation in the Athenian Council (= Hesperia Supplements. Band 14). American School of Classical Studies at Athens, Princeton [NJ] 1975, S. 29 f., 33, 61, 102, 107, Tabelle 13.