Atur

französische Gemeinde im Département Dordogne From Wikipedia, the free encyclopedia

Atur (Aussprache [aˈtyʁ], okzitanisch Astur) ist eine Ortschaft und ehemalige französische Gemeinde mit 1957 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehörte zum Arrondissement Périgueux. Die Einwohner werden Aturiens und Aturiennes genannt.

Schnelle Fakten
Atur
Atur (Frankreich)
Atur (Frankreich)
Staat Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Dordogne
Arrondissement Périgueux
Gemeinde Boulazac Isle Manoire
Koordinaten 45° 8′ N,  45′ O
Postleitzahl 24750
Ehemaliger INSEE-Code 24013
Eingemeindung 1. Januar 2016
Status Commune déléguée

Blick auf den Ortskern von Atur
Schließen

Der Erlass des Präfekten vom 14. Dezember 2015 legte mit Wirkung zum 1. Januar 2016 die Eingliederung von Atur als Commune déléguée zusammen mit den früheren Gemeinden Boulazac und Saint-Laurent-sur-Manoire zur Commune nouvelle Boulazac Isle Manoire fest.[1]

Geografie

Karte von Atur

Atur liegt etwa sechs Kilometer südöstlich des Stadtzentrums von Périgueux in der Région naturelle des Périgord central, Teil des touristisch benannten Périgord blanc. Die Gemeinde befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und wird vom Cerf entwässert, der im Gemeindegebiet entspringt.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Atur liegt in der dritten Stufe von Nordosten, einer Hochebene aus heterogenem Kalkstein aus der Kreidezeit.[2]

Das Relief des Gebiets von Atur zeigt eine hügelige, bewaldete Landschaft mit zwei Hochebenen. Das nördliche Plateau flacht von 266 m nach und nach vom Weiler Roubaly östlich des Ortszentrums auf 115 m im äußersten Norden in der Nähe des Weilers Val d’Atur ab. Die Erhebungen im südlichen Plateau sind höher. Der topographisch höchste Punkt ist eine Erhebung mit 271 m in der Nähe des Weilers Lardidie im äußersten Südosten. Der Ortskern befindet sich auf etwa 239 m Meereshöhe.

Umgeben wird Atur von einer Nachbargemeinde und zwei Communes déléguées von Boulazac Isle Manoire:

Boulazac (Boulazac Isle Manoire)
Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Saint-Laurent-sur-Manoire
(Boulazac Isle Manoire)
Sanilhac

Etymologie und Geschichte

Im ersten Jahrhundert v. Chr. war das Ortsgebiet bereits besiedelt vom keltischen Stamm der Petrocorier. Die Bewohner scheinen Handel von Landwein betrieben zu haben wie Funde von Amphore, aus der Zeit vor Augustus belegen. Nach der Errichtung von Vesunna, dem heutigen Périgueux, wurde eine Römerstraße nach Cahors gebaut, die Atur durchquerte. Nahe dieser Straße wurden im 12. Jahrhundert eine Totenlaterne und erste Teile der Kirche errichtet. Im Mittelalter dienten die Hügel als Überwachungspunkte südlich von Périgueux und Atur wurde Sitz von Lehen wie das Schloss Le Breuilh, das im 15. Jahrhundert gebaut wurde.

In den Hugenottenkriegen rückten protestantische Truppen im August 1566 auf Périgueux zu, um die Stadt zu erobern, wurden aber bei Atur angehalten. Im Jahre 1594 fanden Aufstände der Bauern statt, die Opfer von schlechten Ernten und hohen Steuern waren. Einige unter ihnen konnten ihre Schulden nicht begleichen und kamen ins Gefängnis. Am 15. März 1594 versammelten sich 15.000 Aufständische in Atur, um zum Schloss Grignols zu ziehen, um die Gefangenen zu befreien, was letztendlich misslang.

Am 14. August 1944 rückten Truppen der Résistance nach Atur vor, um deutsche Einheiten rund um Périgueux anzugreifen. Sie wurden von den Deutschen jedoch gestellt und sechs Résistance-Kämpfer fielen bei dem Gefecht.[3]

Die Kirche und die Totenlaterne gingen der erstmaligen Erwähnung von Atur im 13. Jahrhundert voraus. Zuerst in der Form Astureu, dann latinisiert Asturio (1382), wurde der Name zu Astuers im Jahre 1399. Astur wurde vor dem 18. Jahrhundert (1760) nicht erwähnt. Das Word verbindet den gallorömischen Namen Asturius mit der gallorömischen Besiedelung des Ortsgebiets.[4]

Bevölkerungsentwicklung

Atur: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
 
770
1800
 
774
1806
 
790
1821
 
777
1831
 
832
1836
 
772
1841
 
750
1846
 
812
1851
 
840
1856
 
791
1861
 
807
1866
 
802
1872
 
774
1876
 
777
1881
 
820
1886
 
767
1891
 
740
1896
 
734
1901
 
710
1906
 
701
1911
 
684
1921
 
570
1926
 
571
1931
 
546
1936
 
555
1946
 
567
1954
 
516
1962
 
517
1968
 
560
1975
 
836
1982
 
1.082
1990
 
1.248
1999
 
1.491
2006
 
1.668
2013
 
1.901
2020
 
1.931
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[5] INSEE ab 2006[6][7][8]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Sehenswürdigkeiten

  • Kirche Notre-Dame-de-l’Assomption, romanischer Bau aus dem 12./13. Jahrhundert, Glockenturm aus dem 14. Jahrhundert, seit 1947 als Monument historique eingeschrieben
  • Totenlaterne aus dem 12. Jahrhundert, seit 1932 als Monument historique klassifiziert
  • Kastell Lafaye
  • Schloss Le Breuilh aus dem 15. Jahrhundert, Um- und Anbauten im 17. Jahrhundert. Es wurde ursprünglich im 12. Jahrhundert errichtet und besaß einen Wehrgang.
  • Schloss Beauvigier
  • Kastell Pommier
  • Taubenturm von Mazardie

Gemeindepartnerschaft

Mit der belgischen Gemeinde Yvoir in der Provinz Namur (Wallonien) bestand seit 1990 eine Partnerschaft.

Literatur

  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: Atur – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI