Augenstiel
Kopffortsätze bei Gliederfüßern, auf denen die Augen liegen
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Als Augenstiel bezeichnet man in der Biologie der Gliederfüßer Kopffortsätze aus Chitin, auf denen die Augen liegen.

Augenstiel der Krebstiere
Bei Krebstieren besteht der Augenstiel (Pedunculus ocularis) aus zwei Gliedern: Grundglied (Basophthalmit) und Fußglied (Podophthalmit). Der Podophthalmit ist gewöhnlich schlanker und länger, Ausnahmen sind hier die Krabbentaxa Latreilliidae und die Podophthalminae. Die Augenstiele sind meist beweglich und vergrößern damit den Sichtbereich der Krebse. Bei einigen Schlammbewohnern wie Megaesthesius und Caecopilumnus können die Augenstiele auch unbeweglich in der Augenhöhle verankert sein. Eine Verlängerung der Augenstiele tritt vor allem bei Flachwasserbewohnern in weichen Sedimenten auf. Dies verschafft ihnen einen evolutionären Vorteil, weil sie eingegraben gegenüber Räubern schwerer auffindbar sind.[1.1]
In den Augenstielen verläuft der Sehnerv. Zudem befindet sich im Augenstiel der zu den Neurohämalorganen gehörende Medulla-terminalis-X-Organ-Sinusdrüsen-Komplex (X-Organ). Hier werden Chromatophorotropine,[1.2] die Häutung unterdrückende Hormone[1.3] und das Gonad-inhibiting hormone[2] gebildet.
Die Entfernung der Augenstiele, als Augenstielablation bezeichnet, ist eine Methode in der Aquakultur, um die Reifung der Eierstöcke bei weiblichen Krebstieren einzuleiten. Der zugrunde liegende Mechanismus ist vermutlich die Entfernung des X-Organs und damit der Wegfall des Gonad-inhibiting hormone. Dies führt zu einer starken Expression von Fortpflanzungsgenen, die bei der Dotterbildung (Vitellogenese) beteiligt sind.[2] Dieser Eingriff ist in der Europäischen Union jedoch aus Tierschutzgründen verboten.[3]
Augenstiel bei Insekten

Bei einigen Insekten wie den Stielaugenfliegen sitzen die Augen ebenfalls auf Augenstielen. Diese können im Extremfall genau so lang wie der übrige Körper sein,[4] bis zu einem Zentimeter. Es gibt mehrere Hypothesen zur Bedeutung dieser Bildung. Sie könnte das stereoskopische Sehen verbessern oder dem Imponierverhalten dienen und damit ein Resultat der sexuellen Selektion darstellen.[5] Die Ausbildung von Augenstielen ist eine konvergente Entwicklung in mindestens acht weiteren Zweiflügler-Familien, beispielsweise den Clusiidae, Platystomatidae, Bohr- und Schmuckfliegen.[6]
Augenstiel bei Spinnen
Bei den Männchen des Periskop-Zierköpfchens (Walckenaeria acuminata), einer europäischen Zwergspinnenart, erhebt sich vom Carapax beidseits ein Augenstiel, auf dessen Mitte und am Ende jeweils Augen sitzen.[7]