August Ellinger

deutscher Gewerkschafter und Politiker From Wikipedia, the free encyclopedia

August Ellinger (* 22. November 1880 in Haselbach bei Alfdorf; † 18. Juni 1933 Berlin) war ein deutscher Gewerkschafter, Politiker (SPD) und Genossenschaftler. Er war Vertreter einer gemeinwohlorientierten und innovativen Baupolitik.

August Ellinger (1880–1933) um 1920
Stolperstein für August Ellinger vor dem Gewerkschaftshaus Hamburg.
Ansichtskarte zur Werbung für die Mitgliederzeitung Grundstein um 1911

Frühe Jahre und gewerkschaftliches Engagement

August Ellinger wurde in Haselbach bei Alfdorf in Württemberg als Ältester von drei Söhnen geboren. Nach dem Besuch der Volksschule erlernte er von 1894 bis 1897 das Maurerhandwerk und ging anschließend auf Wanderschaft. Bereits ab 1897 war er als Gewerkschafter in der Arbeiterbewegung tätig. Durch sein Engagement machte er in Berlin auf sich aufmerksam und wurde Redakteur der Gewerkschaftszeitschrift des Verbands der Maurer „Grundstein“. Am 1. Juni 1909 verzog er nach Hamburg, wo das Blatt herausgegeben wurde. Ab 1911 fungierte er zugleich als Redakteur der Zeitung des Verbandes italienischer Arbeiter in Deutschland „L'Operaio Italiano“. Ellinger kandidierte bei der ersten demokratischen Bürgerschaftswahl am 16. März 1919. Er blieb bis 1922 Abgeordneter und war als solcher Mitglied der Behörde für das Gewerbe- und Fortbildungsschulwesen sowie der Baubehörde.

Pionier des sozialen Wohnungsbaus zusammen mit Martin Wagner

Nach dem Ersten Weltkrieg war Ellinger Hauptvorstandsmitglied des Deutschen Bauarbeiterverbands und einer der Wortführer bei der Diskussion um die Sozialisierung im Baugewerbe. Gemeinsam mit dem Berliner Baustadtrat Martin Wagner setzte er Ideen zur Behebung der Wohnungsnot um und initiierte die Bauhütten-Bewegung, bei der Arbeiter selbst als „Besitzer ihrer Produktionsmittel“ der Baubetriebe agierten. Zur Umsetzung wurde 1920 die GmbH Verband sozialer Baubetriebe gegründet. Die Gewerkschaften stellten einen Großteil des 5 Millionen Mark Stammkapitals und Ellinger war von 1922 bis 1933 Geschäftsführer dieser Dach-Gesellschaft und des Lobby-Verbandes. Unter Ellingers maßgeblicher Beteiligung wurde 1924 die Deutsche Wohnungsfürsorge AG für Beamte, Angestellte und Arbeiter DEWOG gegründet. Die DEWOG arbeitete als Beschaffungsgesellschaft von Wohnungen, d. h. das Unternehmen baute und stellte die fertigen Wohnungen insbesondere den Baugenossenschaften zur Verfügung. Die DEWOG erlangte maßgebliche Bedeutung im gemeinnützigen Wohnungsbau und baute 1929 über 10.000 Wohnungen. Ellinger war Mitgründer der Gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft (GEHAG), die unter anderem die berühmte Hufeisensiedlung in Britz (Berlin-Neukölln) realisierte. Unter den Nationalsozialisten wurden die Gewerkschaften enteignet und DEWOG-Vermögen und Wohnungen in die Neue Heimat überführt. Im Rahmen der Rückerstattung unternahm der DGB nach 1945 unter Beibehaltung des Namens die „Neue Heimat“ als gemeinnütziges Wohnungsunternehmen, dessen Ursprung auf die DEWOG und Ellinger zurückging.

Auch die Gründung der Baugenossenschaft freier Gewerkschafter und die Allgemeine Deutsche Schiffszimmerer-Genossenschaft in Hamburg sind Beispiele für die Unterstützung durch Ellinger.

Verfolgung und Tod

Als die Nationalsozialisten 1933 begannen, Gewerkschafter zu verhaften und Gewerkschaftsvermögen zu beschlagnahmen, waren auch die DEWOG und der Verband sozialer Baubetriebe betroffen. August Ellinger sah sich Verfolgungen ausgesetzt und musste seine Verhaftung fürchten. Am 18. Juni 1933 nahm er sich in seinem Haus in Berlin-Grunewald, Zikadenweg 60, das Leben.[1][2]

Zur Erinnerung an Ellinger wurde 2021 vor dem Gewerkschaftshaus in Hamburg, Besenbinderhof 60, ein Stolperstein für ihn verlegt.

Literatur

  • Holger Martens: Ellinger, August. In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Band 8. Wallstein, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8353-5443-2, S. 125–126.
  • Steffen Adam, Reinhard Wenzel (Hrsg.): 100 Jahre GEHAG – Gegenwart und Zukunft des Solidarischen Wohnungsbaus, BeBra Wissenschaft Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-95410-344-7
  • August Ellinger: Sozialisierung des Bau- und Wohnungswesens, Deutscher Bauarbeiter-Verband, Hamburg 1920
  • August Ellinger: Zehn Jahre Bauhüttenbewegung - Eine kurze Geschichte des Verbandes sozialer Baubetriebe. Verlagsgesellschaft des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Berlin 1930

Einzelnachweise

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