August Jauch

deutscher Gutsherr und Politiker, MdHB From Wikipedia, the free encyclopedia

Johannes Carl August Jauch (* 2. März 1848 in Pöhls bei Oldesloe; † 21. November 1930 in Hamburg) war ein holsteinischer Gutsherr und Hamburger Politiker.

August Jauch

Herkunft und Familie

Jauch entstammte dem hanseatischen Geschlecht Jauch. Er war das zweite Kind des Hermann Jauch (1817–1859) und dessen Ehefrau Sophia, geb. Wüstney (1822–1895).

Er war in erster Ehe mit seiner Cousine Anna Lührsen (1854–1890), in zweiter Ehe mit Catharina Margaretha Matthiessen († 1930), Tochter eines Kaufmanns, verheiratet. Aus beiden Ehen gingen jeweils zwei Kinder hervor. Zu seinen Söhnen zählten der Plantagen- und Fabrikbesitzer in Guatemala Otto Jauch (1874–1949) sowie der Hamburger Erste Staatsanwalt Heinrich Jauch (1894–1945).

Sein Schwager war der kaiserlich-deutsche außerordentliche Gesandte und Minister Johannes Lührsen (1838–1903), der – als personaladeliger Diplomat – das Prädikat nach Hamburger Übung nicht führte. Jauchs Neffen waren Hans von Feldmann, später Generalleutnant und Staatssekretär, und Otto von Feldmann, Oberstleutnant i. G., im Ersten Weltkrieg Chef der Operationsabteilung des Osmanischen Großen Hauptquartiers.

Wirken

Gutshaus Fernsicht an der Stör
Erlöserkirche Borgfelde, 1943 bei der Operation Gomorrha zerstört

Jauch erwarb 1870 von dem Hamburger Hugenotten Camille Vidal die Besitzungen Fernsicht und Marienhof an der Stör bei Kellinghusen.[1] Fernsicht war zuvor Sitz von Vidals Firma gewesen, die in Kellinghusen Tonwaren herstellte. Jauch bewirtschaftete das Gut zunächst selbst, ehe er später nach Hamburg übersiedelte und sich öffentlichen Aufgaben zuwandte.

Seit seiner Erziehung im Mannhardtschen Knabeninstitut auf Schloss Hanerau war Jauch mit der Familie Mannhardt befreundet; auch sein Cousin und späterer Schwager Johannes Lührsen besuchte diese Schule.[2] 1881 überließ Jauch Julius Mannhardt die „Villa Fernsicht“ als Wohnhaus, von wo aus dieser seine Praxis in Neumünster führte. Dort trafen sich 1884 der mit Mannhardt befreundete Theodor Storm und Detlev von Liliencron, damals Kirchspielvogt in Kellinghusen.[3]

Militärisch diente Jauch als Vizewachtmeister im Deutschen Krieg von 1870/71 im 2. Brandenburgischen Ulanen-Regiment Nr. 11. Im Ersten Weltkrieg stand er erneut im Dienst und führte noch 1916 als 56-jähriger Rittmeister eine Schwadron der Landwehr in Galizien. Für 1870/71 erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse.[4]

Da er wirtschaftlich unabhängig war, verlegte Jauch 1890 seinen Lebensschwerpunkt von Fernsicht nach Hamburg, um sich fortan dem öffentlichen Wohl zu widmen. Er war 1893–1895 sowie 1898–1915 Notabelnabgeordneter der Hamburgischen Bürgerschaft. Als Angehöriger einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie gehörte er der Fraktion der Rechten an, die vor allem die Interessen des Großbürgertums vertrat.[5] Von 1902 bis 1904 war er zudem Mitglied des Bürgerausschusses.

Schwerpunkte seines Wirkens lagen in der Armen- und Waisenfürsorge. In Fortführung familiärer Traditionen – insbesondere seiner Tante, der Philanthropin Auguste Jauch (1822–1902), sowie seines Neffen Robert Jauch (1856–1909)[6] – war er über viele Jahre Mitglied zahlreicher städtischer Behörden und Stiftungsorgane. Dazu zählten u. a. die Behörden für Wohnungspflege und Zwangserziehung, die Aufsichtsbehörde für milde Stiftungen, das Waisenhauskollegium (als Kreisvorsteher für Hohenfelde und Borgfelde), das Armenkollegium (als Vorsteher des Kreises I), die Sektion für Werk- und Armenhaus sowie die Vormundschaftsbehörde. Darüber hinaus wirkte er als Vormundschaftsrichter, war Vorsitzender und später Ehrenvorsitzender der Taubstummenanstalt und gehörte den Vorständen verschiedener Stiftungen an, darunter der Jauchschen Stiftung „Heim für alte Männer“, der Nordheim-Stiftung in Sahlenburg, der Wilhelm-Jantzen-Stiftung und weiterer Einrichtungen.[7]

Auch in der Kirchengemeinde Hamburg-Borgfelde war Jauch aktiv: Er war Gemeindeältester, Kirchenvorsteher, erster Vorsitzender des Verwaltungsausschusses (Beede) sowie Mitglied von Synode und Konvent. Maßgeblich beteiligt war er am Bau der alten Erlöserkirche in den Jahren 1902/03.

Literatur

  • Deutsches Geschlechterbuch, Band 200, 13. Hamburger, S. 398 f., ISBN 3-7980-0200-2.
  • Wiegand, Frank-Michael: Die Notabeln. Beiträge zur Geschichte Hamburgs, Band 30, Hamburg 1987.
  • Iris Groschek: Gemeindechronik der Erlöserkirche Borgfelde. Band 8 der Veröffentlichungen des Archivs des Kirchenkreises Alt-Hamburg, Hamburg 2000, ISSN 1432-2579.

Quellen und Erläuterungen

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