August Schwartz
Drucker, Buchhändler und Ansichtskartenerfinder
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August Schwartz (* 29. Mai 1837 in Dortmund[1]; † 23. Mai 1904 in Oldenburg (Oldb)[1]) war Drucker, Buchhändler und gilt als „Erfinder“ der Ansichtskarte. Er war der erste Deutsche, der eine bebilderte Postkarte druckte und verschickte. Zu dieser Zeit gab es schon Vorläufer, die aber nicht als Postkarten gelten.

Erfinder der Postkarte

Schwartz verschickte bereits am 16. Juli 1870, also etwas mehr als zwei Wochen nach der Einführung der Postkarte im Norddeutschen Bund, eine bedruckte Postkarte an seine Schwiegereltern in Magdeburg. Die Karte hatte ein kleines Artilleriebildchen als nachträglichen Zudruck auf der Adressseite links oben.[2] Das Bildmotiv wählte er wegen der damals laufenden Mobilmachung für den Deutsch-Französischen Krieg aus, und der Text bezieht sich ebenfalls darauf. Wegen des seltenen Rechteckstempels, mit dem die Briefmarke entwertet ist, wird angenommen, dass die Karte keine Fälschung ist.[3] Im Herbst 1875 brachte er außerdem eine kleine Auflage Ansichtskarten von 25 Stück in den Handel und war damit einer der ersten kommerziellen Ansichtspostkartenverleger überhaupt.
Karriere
Schwartz hatte nach dem Besuch des Gymnasiums und einer abgebrochenen Bergmannslehre kurzzeitig ab 1859 in Bonn ein Studium der Philosophie aufgenommen, musste dies jedoch aufgrund der preußischen Mobilmachung während des Sardinischen Krieges noch im selben Jahr abbrechen und wurde zum Militärdienst eingezogen. Nebenbei hörte er allerdings weiter Vorlesungen an der Berliner Universität. 1861 kam Schwartz nach Oldenburg, als er eine Lehre in der Buchhandlung von Carl Ferdinand Schmidt am Markt 13 begann.[1][4]
In Oldenburg knüpfte er schon bald enge Kontakte zu dem Dramaturgen und Schriftsteller Julius Mosen und gab dessen erste Werkausgabe 1863 ermöglicht durch eine von Schwartz angeregte Subskription heraus. 1863 heiratete er Maria Berndt (1842–1921), die Tochter Johann Wilhelm Berndts (1808–1877), Inhaber des Betriebes Schulzsche Buchhandlung (ab 1875 Hof-Buchhandlung und Hof-Buchdruckerei) in Oldenburg am Schlossplatz.[4]
Bald darauf trat Schwartz in den Betrieb seines Schwiegervaters ein, den er bis 1884 gemeinsam mit seinem Schwager Karl Berndt, nach dessen Tod allein und seit 1893 mit seinem Sohn Rudolf (1865–1943) führte.

August Schwartz bekannte sich zum Darwinismus und beteiligte sich am Ehrengeschenk der deutschen Anhänger zu Darwins 69. Geburtstag, einem vom Rechnungsrat und Naturforscher Emil Rade (1832–1931) initiierten, von Ernst Haeckel geförderten und im Wesentlichen von Arthur Fitger mit insgesamt 21 Blättern gestalteten mit Silber-(und Gold-)beschlägen reich verzierten 50 cm hohen und 43 cm breiten Album (Darwin-Album von 1877),[5] in dem ab Blatt 3 zahlreiche Fotografien seiner Anhänger in je ein bis zehn passepartoutartig geschnittenen Feldern eingefügt sind. Als A. Schwartz zu Oldenburg wurde er auf Blatt 14 in diesem Album, das Darwin im Februar 1877 überreicht wurde, aufgenommen.[6]
Schwartz war bemüht, den Verlag, das Sortiment und die Druckerei beständig auszubauen. Als Verleger aber auch als Freund stand er heimischen oldenburgischen Autoren, wie etwa Hermann Allmers, Arthur Fitger, Heinrich Bulthaupt und Georg Ruseler, nahe. Schwartz gab außerdem eine Liedersammlung heraus, die sechzehn Auflagen erlebte. 1880 druckte er in seiner Druckerei das erste Oldenburger Adressbuch.[7][4]
Die Grabstätte von August Schwartz befindet sich auf dem Gertrudenfriedhof (Oldenburg) in Oldenburg.

Literatur
- Peter Haupt: Schwartz, August. In: Hans Friedl u. a. (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Hrsg. im Auftrag der Oldenburgischen Landschaft. Isensee, Oldenburg 1992, ISBN 3-89442-135-5, S. 659 f. (online).
- L. von Schwerin: Die Ansichtspostkarte, 2. Auflage, 1902, S. 10–21
- E. Jürgensen: Die illustrierte Postkarte. In: Illustriertes Briefmarken-Journal Ausgabe Nr. 19/1885, S. 269–270
- Amand von Schweiger-Lerchenfeld: Das neue Buch der Weltpost. Wien u. a., 1901, S. 443–446
- Günter Formery: Das große Lexikon der Ansichtskarten, Phil Creativ, Schwalmtal 2018, ISBN 978-3-928277-21-1, S. 295–296