Augustinus Heumann
Deutscher Bildhauer, Illustrator, Maler und Holzschneider
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Augustinus Heumann (* 10. November 1885 in Münster; † 1. Februar 1919 in Köln) war ein deutscher Bildhauer, Maler, Illustrator und Holzschneider.

Leben
Augustinus Heumann war Sohn des Kaufmanns und späteren Stadtsekretärs Hermann Heumann und seiner Ehefrau Elisabeth (geb. Pletzer) aus Münster.[1] Von seinem Vater, der in seiner Freizeit Bilder der westfälischen Landschaft malte, erhielt Heumann erste Anregungen. Dennoch schloss er in der Schule, die er nur ungern besuchte, im Zeichnen mit „kaum genügend“ ab.[2.1]
Er galt früh als talentierter Künstler, der zunächst für vier Jahre[2.1] in der Werkstatt des Münsteraner Bildhauers August Schmiemann ausgebildet wurde. Dort „formte sich die eigenwillige, selbstbewusste Art des Schülers Heumann“.[3] Stipendien der Stadt Münster und der Provinz Westfalen ermöglichten es ihm, zu freien Studien nach München zu ziehen. Er erweiterte seine Fähigkeiten vor allem auf dem Gebiet der Malerei und wandte sich sozialen Motiven zu. Vermittelt durch einen süddeutschen Maler erhielt Heumann Zugang zum Fürstenhof Solms-Lich und zum Hessischen Großherzog Ernst Ludwig, der ihn – neben anderen Mäzenen – förderte. In dieser Zeit entstanden vorwiegend Bildnisbüsten und Plastiken, aber auch Gemälde.[2.1]
In Westfalen beteiligte er sich an zwei Wettbewerben. Seine Entwürfe für das Grabmal Luise Hensels in Paderborn und für den Lambertibrunnen in Münster fanden jedoch keinen Anklang. Auch seine große Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum im Sommer 1916 erwies sich als Misserfolg. Zwar war die Ausstellung gut besucht, Heumann konnte aber keines seiner Kunstwerke verkaufen. Von seinem Umzug nach Köln im Herbst 1916 versprach er sich ein besseres Auskommen.[2.2]
Schon um 1910 war Heumann schwer erkrankt und deshalb als militäruntauglich eingestuft worden. In Köln verschlimmerte sich seine Lage, so dass er „fast zwei Jahre ans Bette“ gefesselt gewesen sei.[2.1] Eine Verlegung von einem Kölner Krankenhaus nach Münster war geplant, konnte aber wegen der Novemberrevolution und einer Grippeinfektion nicht mehr erfolgen. Er starb am 1. Februar 1919 im Krankenhaus in Köln.
Nach seinem Tod widmeten ihm Eduard Schulte in der Zeitschrift Münsterland. Monatsschrift für Heimatpflege sowie Friedrich Castelle in den Heimatblättern der Roten Erde des Westfälischen Heimatbundes Nachrufe mit Würdigungen seines Lebens und Schaffens.
„Mit ihm sank ein ungewöhnlich begabter Künstler ins Grab, ein schönheitsdurstiger Lebensbejaher voll tiefsten Empfindens für Herb und Weh, eine Kraft an symbolischer Darstellung und ein wurzelechter Heimatfreund.“
Werke

In den Lehrjahren wirkte Heumann bei den Arbeiten Schmiemanns mit. Dazu zählen beispielsweise die Erneuerungsarbeiten am Salvatorgiebel des St.-Paulus-Doms in Münster, die 1906 fertig gestellt wurden.
Mit Heinrich Everz bildete Heumann die neue westfälische Holzschnittkunst, wenngleich Heumann mit seinen religiösen und sozialen Bildinhalten in den münsterländischen Kunstausstellungen stets den Gegenpol zu Everz vertrat.[5] Im Holzschnitt lag Schulte zufolge Heumanns besondere Stärke. Sein Werk umfasste rund 45 Druckstöcke.[2.3] Kurz vor seinem Tod vollendete er den Holzschnitt Der hl. Franziskus für das Sonnenbuch Augustin Wibbelts; weitere Schnitte dafür blieben Bleistiftskizzen.[2.3]
Eine Vielzahl seiner Bilder wurden als Illustrationen von Büchern und Zeitschriften veröffentlicht. Besonders erwähnenswert sind die sechs Holzschnitte zu Dichtungen von Annette von Droste-Hülshoff im Buch Dichtungen der Droste sowie die Zeichnungen in Daud un Düwel von Karl Wagenfeld.[6]
- „Dat Supen“ (Das Saufen)
- „De Afgunst“ (Die Missgunst)
- Holzschnitt „Auf dem Berge, da geht der Wind“
- Holzschnitt „Westfälischer Bauer“
- Holzschnitt „Gloria Victoria“
- Holzschnitt zur Ballade „Der Knabe im Moor“
- Holzschnitt „Annette von Droste-Hülshoff“
Für den Fürstenhof Solms-Lich schuf er eine Vielzahl an Büsten. Der kunstliebende Großherzog Ernst Ludwig von Hessen erstand unter anderem die Judith. Auf seiner Kunstausstellung von 1916 zeigte Heumann unter anderem Büsten von Goethe und Schiller sowie ein Bronzerelief August Schmiemanns und seiner Gattin, das er allerdings bereits 1903 gefertigt hatte.[3] Heumann schuf insgesamt rund 60 Plastiken, zuletzt die Sehnsucht und den Hl. Georg.[2.3]
Literatur
- Friedrich Castelle: Augustinus Heumann. Zum Jahresgedächtnis seines Todes. In: Heimatblätter der Roten Erde. Monatshefte des Westfälischen Heimatbundes. Jg. 1, Heft 5, Februar 1920, S. 145–148.
- Eduard Schulte: Erinnerungen an Augustinus Heumann. In: Münsterland. Monatsschrift für Heimatpflege. Jg. 6, Heft 9, September 1919, ZDB-ID 202711-2, S. 169–172.
- Karl Wagenfeld: Augustinus Heumann, ein niederdeutscher Künstler. Mit Abbildungen. In: Niedersachsen. Illustrierte Halbmonatszeitschrift für Geschichte und Familiengeschichte, Landes- und Volkskunde, Heimat- und Denkmalschutz, Sprache, Kunst und Literatur Niedersachsens. Jg. 22, Heft 15. Carl Schünemann, 1. Mai 1917, ZDB-ID 207172-1, S. 257–260.