Austrian New Wave
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Austrian New Wave ist ein lose definierter Begriff für eine Gruppe zeitgenössischer österreichischer Filmschaffender, die die Grenzen zwischen Dokumentarfilm, Experimentalfilm und Genrekino verwischen.
Überblick
Der Begriff wurde von dem Filmjournalisten Christian Fuchs[1] und anderen[2][3] verwendet, um eine energische „neue Welle“ des österreichischen Filmschaffens zu beschreiben, die in den 2010er- und 2020er-Jahren entstand. Dabei wird ausdrücklich der englische Ausdruck „Austrian New Wave“ benutzt und als Generationenbewegung verstanden, gekennzeichnet durch kreatives Risiko und eine entspannte Haltung gegenüber den Grenzen von Kunst und Kommerz. Die so beschriebenen Arbeiten verbinden Offenheit gegenüber Genreformen mit Respekt vor der österreichischen Arthouse-Tradition und treten so in einen Dialog mit dem früheren österreichischen Kino (z. B. Michael Haneke), betonen aber zugleich gegenwärtige popkulturelle und transmediale Einflüsse.
Wiederkehrende Merkmale der mit dem Begriff verbundenen Filmschaffenden sind:
- Grenzüberschreitende Ästhetik: Mischung aus Arthouse-, Dokumentar- und Experimentalformen mit Horror, Komödie, Science-Fiction (z. B. „poor quality“ als ästhetische Wahl bei Kurdwin Ayub[4] oder „dismantles the boundaries of the levels of perception“ bei Florian Pochlatko[5])
- Risikofreude: Bereitschaft, von strengen, linearen Erzählstilen abzurücken, die oft mit Teilen des deutschsprachigen Arthouse-Kinos assoziiert werden.
- Hybridhaltung zwischen Kunst und Kommerz: „Lockerere“ Auffassung der Grenze zwischen künstlerischem und populärem Kino.[6][7]
- Intergenerationeller Dialog: Jüngere Regisseure und Regisseurinnen setzen sich mit dem Erbe von u. a. Michael Haneke auseinander – teils zustimmend, teils in Abgrenzung.[8]
Repräsentative Filmschaffende

Fuchs nennt oder erwähnt u. a.:
- Kurdwin Ayub
- Sebastian Brauneis
- Jasmin Baumgartner
- Johannes Grenzfurthner
- Olga Kosanović
- David Lapuch
- Mwita Mataro
- Florian Pochlatko
- Lorenz Uhl
- Bernhard Wenger
- Elena Wolff
Als verbindende Figuren zwischen den Generationen nennt Fuchs das Duo Veronika Franz und Severin Fiala. Er betont zudem die Bedeutung etablierter Filmschaffender wie Jessica Hausner und Marie Kreutzer sowie der Produzenten Arash T. Riahi und Arman T. Riahi für die Ermöglichung der Szene. Frühere Tendenzen wurden bereits von anderen Autoren wie Robert von Dassanowsky und Oliver C. Speck beobachtet, die die österreichische Filmszene der 1990er- und 2000er-Jahre untersucht haben.[9]
Kontext
Die Bezeichnung positioniert sich gegen lang bestehende Klischees, nach denen österreichisches Kino als streng, düster oder „Feel-Bad-Cinema“ gelte. Vertreter und Vertreterinnen der Austrian New Wave argumentieren, dass aktuelle Werke eine größere Bandbreite an Tonlagen, Pop-Sensibilität und Genrekompetenz zeigen – bei gleichzeitig unverkennbar österreichischen Themen und Texturen.[10]
Filmschaffende in Österreich arbeiten häufig unter engen finanziellen Bedingungen. Wie Jamie Steele festhält, sind auch staatlich geförderte Projekte meist von fragmentierter Finanzierung und bescheidenen Budgets abhängig. Diese Produktionslage fördert hybride Formen und kreative Low-Budget-Strategien, die zu einem eigenen filmischen Stil beitragen.[11][12]
Die Filmwissenschaftlerin Sabrina Gärtner argumentiert, dass es bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine nouvelle vague des österreichischen Films gegeben habe. Ob diese als „erste Welle“ oder als eigenständiges Phänomen zu betrachten ist, bleibt offen, da sie nicht mit der von Fuchs umrissenen Agenda übereinstimmt. Gärtner thematisiert in ihrer Studie die Forschungslücke.[13]
Weiterführende Literatur
- Diagonale-Reader 2025 (Graz/Wien, 2025)
Siehe auch
Weblinks
- FM4-Filmpodcast (ORF Sound)