Autism Network International
Organisation
From Wikipedia, the free encyclopedia
Autism Network International (ANI) ist eine internationale Interessenvertretungs-Organisation für und von autistischen Personen. Die Hauptzeit der Aktivität von ANI war von 1992 bis etwa 2013.

Geschichte
ANI ist ein Wegbereiter für Organisationen wie das Autistic Self Advocacy Network. Bei Gründung von ANI standen weniger politische Forderungen im Vordergrund, sondern vor allem die Vernetzung von autistischen Personen an verschiedenen Orten – international.[1]

Bei der Entstehung von ANI waren zwei Entwicklungen der frühen 1990er Jahre ausschlaggebend. Dies war erstens elektronische Kommunikation, die erstmals ortsunabhängige Vernetzung ermöglichte und zweitens die zunehmende gesellschaftliche Sichtbarkeit und Akzeptanz von Autismus.
Die Gründungsmitglieder von ANI sind Jim Sinclair, Kathy Grant und Donna Williams. Der Ursprung der Gruppe war ein Briefverkehr zwischen den Gründern. Die drei trafen sich auf Konferenzen zum Thema Autismus.[2.1] Jedoch fiel ihnen auf, dass die Rahmenbedingungen, unter denen sie sich auf Konferenzen trafen, für alle drei große Herausforderungen darstellten.[2.2] Bei einem Treffen der drei, das sie selbst so gestalteten, wie es ihren autistischen Bedürfnissen entsprach, entsprang die Idee zum autistic socializing.[2.3]
Da etwa zur selben Zeit Email-Newsletter und Online-Communitys entstanden, ergab sich für das Autism Network International die Möglichkeit, autistische Personen ortsunabhängig miteinander zu vernetzen.[3] Anders als vorherige Publikationen zum Thema Autismus war der ANI-Newsletter Our Voice von autistischen Personen selbst verfasst.[4] Von 1996 bis 2013 fanden Konferenzen bzw. Workshops des Autism Network International statt.[5] Diese Treffen wurden als Autreat bezeichnet, was ein Kofferwort aus autistic und retreat ist.
Inhalte

Hauptziel von Autism Network International war die Vernetzung von autistischen Personen miteinander. Die Autreat-Veranstaltungen waren speziell so konzipiert, dass die Bedürfnisse autistischer Personen nach Möglichkeit berücksichtigt wurden. Auch bestimmte typisch autistische Verhaltensweisen, beispielsweise Stimming, die anderorts gesellschaftlich stigmatisiert werden, werden von ANI begrüßt und wertgeschätzt. Ein wesentlicher Aspekt des autistic socializing besteht darin, keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Ausprägungen von Autismus zu machen. Ein Ziel von ANI war es, die Kategorisierung von „low-functioning“, „high-functioning“ bzw. Asperger-Syndrom aufzubrechen, um Gemeinschaftssinn zu stiften.
Eine besondere Bedeutung für die Bewegung für die Rechte von Autisten hat ANI auch aufgrund einer Wortschöpfung von 1998. Die Formulierung „neurologically typical“ geht auf Autism Network International zurück, genau genommen auf ein Mitglied mit dem Pseudonym Muskie.[6] Heute hat der Begriff neurotypisch vor allem eine Bedeutung in der Neurodiversitätsbewegung.
Im ANI-Newsletter Our Voice veröffentlichte Jon Sinclair erstmals den Text Don’t Mourn for Us, der heute als „Gründungsmanifest“ der Neurodiversitätsbewegung gilt.[7]
Weblinks
- Homepage
- Parodie-Website von ANI-Mitgiled Muskie, die den Ausdruck neurotypisch etablierte.