Avraham Yaskil

israelischer Maler, Grafiker und Bühnenbildner From Wikipedia, the free encyclopedia

Avraham Yaskil (hebräisch אברהם ישכיל; auch Abraham Jaskiel; * 1894 in Czestochowa; † 1987 in Haifa) war ein jüdischer israelischer Maler, Grafiker und Bühnenbildner, der aus dem NS-Staat emigrierte.

Leben und Werk

Yaskil kam aus einem streng religiösen chassidischen Elternhaus. Er absolvierte in Czestochowa Cheder und Jeschiwa und vermutlich bei seinem Vater eine Lehre als Maler und Lackierer. 1914 ging er aus seiner polnischen Heimat nach Deutschland. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste Dresden und zog 1920 nach Leipzig. Dort arbeitete er in seinem Handwerksberuf. Er wurde Geschäftsführer eines Unternehmens für Maler- und Tapezierarbeiten und Mitglied des Vereins selbstständiger jüdischer Handwerker. Daneben versuchte er, sich als bildender Künstler zu etablieren. Ab Mitte der 1920er Jahre war er dann als Bühnenbildner, Szenograf und Grafiker an verschiedenen Leipziger Bühnen tätig, darunter das Leipziger Schauspielhaus und Hans Reimanns politisch-satirisches Kabarett Die Retorte.

Yaskil wurde als bildender Künstler zunehmend erfolgreich und nahm 1927 im Leipziger GRASSI-Museum an der ersten Juryfreien Kunstausstellung teil. Zu dieser hieß es damals: „Diese „Juryfreie“ ist eine Not-Aktion der Leipziger Künstler auf breitester Grundlage gegen die Gleichgültigkeit der Zeitgenossen. Sie will aufklären, aufrütteln, will die Maßgeblichen wie die breiten Massen in der Heimatstadt auf die trübe Lage der Künstler mit Nachdruck hinweisen.“[1] Die Stadt Leipzig erwarb aus der Ausstellung Yaskils Gemälde Weißes Haus (Öl, 0,335 × 0,355 cm), das später in das Museum der bildenden Künste kam. Yaskil war u. a. Mitglied der losen Künstlergruppe Die Zwanzig.[2]

Im Mai 1929 heiratete er Auguste Marie Emma Toepffer (1902–1997). Sie stammte aus einer katholischen Pelzhändlerfamilie, konvertierte 1929 zum Judentum und nahm den Namen Miriam an. 1929 wurde ihr erster Sohn Zeev geboren, der ebenfalls Maler wurde.

Yaskil und seine Frau waren gut integriert und in der Leipziger Gesellschaft vernetzt. Sie bewegten sich in den intellektuellen Kreisen der Stadt und nahmen am kulturellen Leben teil. Zu ihrem Freundeskreis gehörten u. a. Eduard Einschlag und Max Schwimmer, der 1926 ein Porträt Yaskils schuf. Jaskil war Vorstandsmitglied des jüdisch-literarischen Vereins und Mitglied des Leipziger Kunstvereins.

Yaskils Œuvre dieser Zeit umfasst Leipziger Stadtmotive wie Kirchen, Straßenzüge und Parkansichten, häufig aus der Vogelperspektive. Diese Bilder sind zumeist menschenleer und rücken die Natur, Architektur und den Raum in den Vordergrund.

Nach der Machtergreifung der Nazis spürte Yaskil sofort die kommende Bedrohung, und er floh kurzfristig nach Polen, von wo er nach Palästina emigrierte. Das Leipziger Adressbuch verzeichnete ihn letztmalig 1933 als Kunstmaler Abraham Jaskiel in der Zeitzer Straße 23. Am 11. April 1933 erreichte er Haifa, von wo er versuchte, seine Frau und den Sohn nachzuholen. Illegal gelangten diese im Rahmen der Alija Bet über den Libanon nach Palästina. Mit der Hilfe der hebräischen Gemeinde in Haifa und der finanziellen Unterstützung von Miriams Familie gelang es, dass Yaskil mit seiner Familie in Palästina bleiben durfte und die britische Staatsbürgerschaft erhielt.

Sie ließen sich im Haifaer Stadtviertel Nave Sha'anan nieder. Yaskil gründete dort das erste Museum und eröffnete eine Kunstschule. 1935 wurde der zweite Sohn, Amos Yaskil, geboren, der ebenfalls Maler und Grafiker wurde.

Yaskil gehört zu den Künstlern der Verschollenen Generation. Sein Schaffen wurde infolge des Nationalsozialismus abrupt abgebrochen und dann maßgeblich von der Exilerfahrung geprägt. Nach dem Ende des NS-Staats wurde er in Deutschland längere Zeit nicht angemessen gewürdigt. Sein Bild Connewitzer Gasanstalt wurde 1946 aus dem Bestand des Museums der bildenden Künste Leipzig als „weniger geeignet“ an die Leipziger Stadtwerke und Verkehrsbetriebe verkauft. Heute befinden sich im Museum seine Gemälde Weißes Haus, Leipziger Hinterhöfe (um 1928) und ein Stillleben (1927).

Rezeption

„Das Werk des Künstlers aus Leipzig changiert zwischen impressionistischen und expressionistischen Anleihen und erinnern an Landschaften und Stadtansichten seines Freundes Max Schwimmer aus der gleichen Zeit.“[3]

Weiteres Werk

Weitere Ausstellungen mit Bildern Yaskils (unvollständig)

  • 1931 und 1932: Leipzig, Grassi-Museum („Große Leipziger Kunstausstellung“)[2]
  • 1965: Leipzig, Museum der Bildenden Künste („500 Jahre Kunst in Leipzig“; mit dem Bild Das weiße Haus)

Postum

  • 1997: Leipzig, Kuppelhalle der Dresdner Bank am Augustplatz („Abschied und Wiederkehr. Abraham Yaskil , Zeev Yaskil, Amos Yaskil – eine Künstlerfamilie“)
  • 2026: Leipzig („Bilderkosmos #2. Kunst aus Leipzig“)[5]

Einzelnachweise

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