Avram Davidson

US-amerikanischer Science-Fiction-, Fantasy- und Mystery-Autor From Wikipedia, the free encyclopedia

Avram Davidson (* 23. April 1923 in Yonkers, New York; † 8. Mai 1993 in Bremerton, Washington)[1] war ein US-amerikanischer Autor jüdischer Abstammung, der Fantasy, Science-Fiction und Kriminalgeschichten schrieb, sowie weitere Werke, die sich nicht eindeutig einem Genre zuordnen lassen. Er wurde mit dem Hugo Award, dem Locus Award und dreimal mit dem World Fantasy Award in den Kategorien Science-Fiction und Fantasy ausgezeichnet. Des Weiteren erhielt er einen World Fantasy Life Achievement Award, einen Queen’s Award und einen Edgar Allan Poe Award in der Kategorie Beste Kurzgeschichte.[2]

Davidson war von 1962 bis 1964 Redakteur der Zeitschrift The Magazine of Fantasy & Science Fiction. Sein letzter Roman, The Boss in the Wall: A Treatise on the House Devil, wurde von Grania Davis fertiggestellt und war Finalist in der Endausscheidung um den Nebula Award im Jahr 1998.

Leben

Davidson studierte Anthropologie an der New York University und diente als Sanitäter im United States Marine Corps im Pazifik während des Zweiten Weltkrieges. Er setzte sein Studium nach dem Krieg zunächst fort, ging jedoch 1948/49 nach Israel, um sich auf Seiten der israelischen Armee an den Kämpfen zu beteiligen, von denen die Staatsgründung begleitet wurde.[3]

Seine Karriere als Schriftsteller begann Davidson als Talmud-Lehrer um 1950. Es war daher überraschend, dass er in den 1970er Jahren zur japanischen Tenrikyō-Religion konvertierte. Obwohl er im Ruf stand, schnell wütend zu werden, wenn jemand an seinen Arbeiten herumpfuschte oder sie missverstand, galt er doch als ein hervorragender Geschichtenerzähler, seine Freunde beschrieben ihn als extrem großzügig.

Davidson war Mitglied der Swordsmen and Sorcerers’ Guild of America (SAGA), einer losen Gruppe von Fantasy-Autoren, die in den 1960ern gegründet wurde. Einige seiner Werke wurden von Lin Carter in seinen Flashing Swords!-Sammlungen herausgegeben.

Während er von 1962 bis 1964 das Magazine of Fantasy & Science Fiction herausgab, lebte er in Mexiko, später in Belize. 1970 lebte er in Novato in Kalifornien, zog aber später in die Nähe von San Francisco. Seinen Lebensabend verbrachte er im Staat Washington. Er verstarb im Alter von 70 Jahren am 8. Mai 1993 in Bremerton an einem Herzinfarkt.

Davidsons Exfrau Grania Davis bearbeitete und veröffentlichte mehrere seiner unveröffentlichten Arbeiten. Wegen der Schoah wünschte der Autor keine deutschen Übersetzungen seiner Werke; deswegen gibt es in deutscher Sprache nur vereinzelte Kurzgeschichten (siehe Bibliografie).

Werk

Davidson schrieb seit den 1950ern Geschichten für Zeitschriften, seine erste Geschichte erschien im Commentary Magazine, einer jüdischen Zeitschrift. Die erste SF-Story My Boy Friend’s Name Is Jello erschien 1954 in F&SF.

Seine bekanntesten Werke sind die Romane um Vergil Magus, einen mittelalterlichen Zauberer, der seinen Ursprung in einer mittelalterlichen Legende hat, die auf den römischen Dichter Vergil zurückgeht. Ebenso bekannt sind die Peregrine-Romane, die kurz nach dem Fall des Römischen Reiches spielen, oder die Jack-Limekiller-Geschichten, die von einem Kanadier handeln, der in einem fiktiven zentralamerikanischen Land lebt, das dem Belize der 1960er nachgebildet ist. Ebenfalls bekannt sind die Geschichten um den Detektiv Dr. Eszterhazy, der in einem mythischen Land lebt, das sowohl Ungarn als auch einen Großteil des Balkans umfasst.

Avram Davidson schrieb dutzende Kurzgeschichten, die sich nicht eindeutig einem Genre zuordnen lassen, sowie die Adventures in Unhistory-Aufsätze. Diese befassen sich mit dem Priesterkönig Johannes und waren so ausführlich recherchiert, dass manche Magazine sie sogar als Tatsachenberichte veröffentlichten.

In einer Geschichte von Davidson kann sehr wenig Handlung ablaufen, da er sehr ausführlich und detailliert Situationen beschreibt, eine Vorgehensweise, von der jungen Autoren oft abgeraten wird. Dabei kann es vorkommen, dass Davidson seitenlange Sätze mit unzähligen Kommas und Strichpunkten verwendet oder unbedeutende Abschweifungen zu Beginn einer Geschichte einsetzt. Der Erfolg von Davidson mit diesen Techniken kommt von seiner Fähigkeit, mit Wörtern und Erzählstrukturen umgehen zu können, einem großen Wissen und einer komischen Sicht auf die Welt, die von vielen als exzentrisch angesehen werden.

Davidsons 1958 veröffentlichte Erzählung Or All the Seas with Oysters (deutsch: Oder alle Meere voll Austern) wurde mit dem Hugo Award ausgezeichnet und wird von manchen als Ursprung einer nicht ganz ernst gemeinten urbanen Legende gehandelt, nach der Fahrräder einen Lebenszyklus haben, der als Büroklammer beginnt, dann in einen Kleiderhaken übergeht und schließlich als Fahrrad endet. Der englische Fantasy-Autor Terry Pratchett verwendete diese Idee in seinem Scheibenwelt-Roman Gevatter Tod.

Für seine Kurzgeschichtensammlung The Enquiries of Doctor Eszterhazy aus einer magischen Parallelwelt des 19. Jahrhunderts erhielt Davidson 1976 den World Fantasy Award und 1979 nochmals für seine Kurzgeschichte Naples. 1986 wurde er für sein Lebenswerk mit einem weiteren World Fantasy Award gewürdigt. Das Krimi-Pendant zum Hugo, den Edgar Allan Poe Award, gewann er 1962 in der Kategorie Best Short Story für die Erzählung Affair at Lahore Cantonment.

Bibliografie

Vergil Magus-Serie

  • The Phoenix and the Mirror, Doubleday, 1969
  • Vergil in Averno, Doubleday, 1987
  • The Scarlet Fig; or Slowly through a Land of Stone; Rose Press, 2005
  • The Other Magus, in Edges, herausgegeben von Ursula K. Le Guin und Virginia Kidd, Berkley, 1980
  • Vergil and the Caged Bird, Amazing, Januar 1987
  • Vergil and the Dukos: Hic Inclusus Vitam Perdit, or The Imitations of the King, Asimov’s, September 1997, Seiten 102–113
  • Vergil Magus: King without Country, mit Michael Swanwick, Asimov’s, Juli 1998

Peregrene-Serie

  • Peregrine: Primus, Walker, 1969
  • Peregrine: Secundus, Berkley paperback, 1981

Einzelromane

  • Joyleg, A Folly, Pyramid, 1962 (mit Ward Moore)
  • Mutiny in Space, Pyramid Books, 1964
  • Masters of the Maze, Pyramid Books, 1965
  • Rork!, Berkley Medallion, 1965
  • The Kar-Chee Reign, Ace, 1966
  • Clash of the Star-Kings, Ace, 1966
  • Rogue Dragon, Ace, 1966
  • The Enemy of My Enemy, Berkley, 1966
  • The Island Under the Earth, Ace, 1969
  • Ursus of Ultima Thule, Avon, 1973
  • Marco Polo and the Sleeping Beauty, Baen Books, 1987 (mit Grania Davis)
  • The Boss in the Wall, A Treatise on the House Devil, Tachyon Publications, 1998 (mit Grania Davis)

Kurzgeschichtensammlungen

  • Or All the Seas with Oysters, Berkley, 1962
  • What Strange Stars and Skies, Ace, 1965
  • Strange Seas and Stories, Doubleday, 1971
  • The Best of Avram Davidson, Doubleday, 1979
  • The Adventures of Doctor Eszterhazy, Owlswick Press, 1990 (enthält alle veröffentlichten Dr.-Eszterhazy-Geschichten, eine erweiterte Ausgabe des preisgekrönten The Enquiries of Doctor Eszterhazy von 1975)* Adventures in Unhistory, Owlswick, 1993
  • The Avram Davidson Treasury, Tor, 1998 (hrsg. von Robert Silverberg)
  • The Investigations of Avram Davidson, Owlswick, 1999 collected mystery stories
  • Everybody Has Somebody in Heaven: essential Jewish tales of the spirit, Devora, 2000 (hrsg. von Jack Dann und Grania Davis)
  • The Other Nineteenth Century, Tor, 2001
  • Limekiller, Old Earth Books, 2003 (enthält alle veröffentlichten Limekiller-Geschichten)

Ins Deutsche übersetzte Kurzgeschichten

  • Hilfe! Ich bin Dr. Morris Goldpepper (Help! I Am Dr. Morris Goldpepper, 1957). In: Lore Matthaey (Hrsg.): Der Teufel Rastignac. Pabel (Utopia Zukunftsroman #421), Rastatt 1965, DNB 455199515.
  • Die sechste Jahreszeit (The Sixth Season, 1960). In: Anders als wir Menschen. Pabel (Utopia Zukunftsroman #423), Rastatt 1965, DNB 455199531.
  • Die Kamera des Montavarde (The Montavarde Camera, 1959). In: Lore Matthaey (Hrsg.): Die steinernen Tränen. Pabel (Utopia Zukunftsroman #424), Rastatt 1965, DNB 455199558.
  • Königskrankheit (King’s Evil, 1956). In: Jenseits des Spektrums. Pabel (Utopia Zukunftsroman #425), Rastatt 1965, DNB 364710101.
  • Schicksal aus Bohnen (The Woman Who Thought She Could Read, 1959). In: Das Rätsel der achten Farbe. Pabel (Utopia Zukunftsroman #426), Rastatt 1965, DNB 455199574
  • Die Primitiven von Barnumland (Now Let Us Sleep, 1957). In: Lore Matthaey (Hrsg.): Fort mit dem Alten. Pabel (Utopia Zukunftsroman #427), Rastatt 1965, DNB 455199582.
  • Ich verstehe nicht, Sir! (I Do Not Hear You, Sir, 1958). In: Sie stahlen seine Welt. Pabel (Utopia Zukunftsroman #428), Rastatt 1965, DNB 455199590.
  • Herr der Geier und Schakale (Up the Close and Doun the Stair, 1958). In: Lore Matthaey (Hrsg.): Der Massenmensch. Pabel (Utopia Zukunftsroman #430), Rastatt 1965, DNB 455199612.
  • Der Golem (The Golem, 1955). In: Lore Matthaey (Hrsg.): Eiland des Todes. Pabel (Utopia Zukunftsroman #432), Rastatt 1965, DNB 455199639.
  • Himmelreich (Summerland, 1957). In: Der rote Wahnsinn. Pabel (Utopia Zukunftsroman #433), Rastatt 1965, DNB 455199647.
  • Regeneration (Or All the Seas with Oysters, 1958). In: Gudrun Voigt (Hrsg.): Science-Fiction-Cocktail, Band 1. Pabel (Utopia Zukunftsroman 435), Rastatt 1965, DNB 455199663.
  • Der Rufmörder (Author, Author, 1959). In: Gudrun Voigt (Hrsg.): Science-Fiction-Cocktail, Band 2. Pabel (Utopia Zukunftsroman #436), Rastatt 1965, DNB 455199671.
  • Mein Freund Jello (My Boy Friend’s Name Is Jello, 1954). In: Gudrun Voigt (Hrsg.): Science-Fiction-Cocktail. Pabel (Utopia Zukunftsroman #437), Rastatt 1965, DNB 455199698.
  • Groß ist Diana! (Great is Diana! 1958). Übersetzt von Heinz Rallesnscheid. In: Lore Matthaey (Hrsg.): Das kosmische Rad. Pabel (Utopia Zukunftsroman 456), Rastatt 1965, DNB 455199906.
  • Der Granthazwischenfall (The Grantha Sighting, 1958). Übersetzt von Heinz Rallesnscheid. In: Lore Matthaey (Hrsg.): Die Schreckenswaffe. Pabel (Utopia Zukunftsroman #461), Rastatt 1965, DNB 455199957.
  • Negra sum (Schwarz bin ich …) (Negra sum, 1957). Übersetzt von Ingrid Neumann. In: Lore Matthaey (Hrsg.): Sieben aus Raum und Zeit. Pabel (Utopia Zukunftsroman #474), Rastatt 1966, DNB 458495719.
  • Solange die Sonne aufgeht und das Gras wächst (Or the Grasses Grow, 1958). Übersetzt von Siegrid Schuhböck. In: Lore Matthaey (Hrsg.): Die galaktische Prüfung. Pabel (Utopia Zukunftsroman #485), Rastatt 1966, DNB 458495808.
  • Das Nebenprodukt (Jury-Rig, 1957). Übersetzt von Wulf H. Bergner. In: Wulf H. Bergner (Hrsg.): Das Schiff der Schatten. Heyne (SF&F #3219), München 1970, DNB 457485620.
  • Der Prämienjäger (The Bounty Hunter, 1958). Übersetzt von Heinz Nagel. In: Brian W. Aldiss & Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Titan 20. Heyne (SF&F #3991), München 1983, ISBN 3-453-30926-X.
  • Karawane nach Illie (Caravan to Illiel, 1976). Übersetzt von Lore Straßl. In: Lin Carter (Hrsg.): Vier Ellen Drachenhaut. Pabel (Fantasy TB #54), Rastatt 1978, DNB 790094703.
  • Der andere Magus (The Other Magus, 1980). Übersetzt von Hannelore Hoffmann oder Abel Miser. In: Virginia Kidd & Ursula K. Le Guin (Hrsg.): Kanten. Heyne (SF&F #4015), München 1983, ISBN 3-453-30954-5.
  • Die neuen Zombies (The New Zombies, 1980, mit Grania Davis). Übersetzt von Birgit Reß-Bohusch. In: Virginia Kidd & Ursula K. Le Guin (Hrsg.): Grenzflächen. Heyne (SF&F #4175), München 1985. ISBN 3-453-31140-X.
  • Drachengold (The Ceaseless Stone, 1975). Übersetzt von Helmut Pesch. In: Isaac Asimov, Martin H. Greenberg & Charles G. Waugh (Hrsg.): Utopia der Detektive. Bastei Lübbe (SF-Abenteuer #23057), Bergisch Gladbach 1986, ISBN 3-404-23057-4,
  • Ein sanftes Ruhekissen (A Good Night’s Sleep, 1978). Übersetzt von Jörg Adrian und Micaela Huber. In: Manfred Kluge (Hrsg.): Insekten im Bernstein. Heyne (SF&F #3767), München 1980, ISBN 3-453-30668-6.
  • Der Ring des Herzogs Pasquale (Duke Pasquale’s Ring, 1985). In: Jack M. Dann & Gardner R. Dozois (Hrsg.): Magische Katzen. Heyne (Allgemeine Reihe #9790), München 1996, ISBN 3-453-09316-X.
  • Der komische alte Vogel (The Odd Old Bird, 1988). Übersetzt von Erik Simon. In: Peter Haining (Hrsg.): Gefährliche Possen. Heyne (SF&F #5909), München 1997, ISBN 3-453-13343-9.
  • Milord Sir Smiht, der englische Magier (Milord Sir Smiht, the English Wizard,1975). In: Mike Ashley (Hrsg.): Hokus, Pokus, Hexenschuß. Bastei-Lübbe (Fantasy #20451), 2002, ISBN 3-404-20451-4.

Ellery-Queen-Bücher

  • And on the Eighth Day. Random House, New York 1964
    • Deutsch: Mord im Paradies. Übersetzt von Ute Tanner. Ullstein (Krimi #10056), Berlin u. a. 1980, ISBN 3-548-10056-2.
  • The Fourth Side of the Triangle., Random House, New York 1965
    • Deutsch: Des Dreiecks vierte Seite. Übersetzt von Martin Lewitt. Ullstein (Krimi #1104), Berin u. a. 1967, DNB 457866063. Neuausgabe: Scherz (Krimi #1492), Bern u. a. 1995, ISBN 3-502-51492-5.

Die beiden Bände wurden von Davidson anhand ausführlicher Entwürfe der Schöpfer und Hauptautoren der Reihe, Frederick Dannay und Manfred Bennington Lee, ausgearbeitet und von diesen wiederum überarbeitet.[4]

Zitate

  • „Avram Davidson did wonderful work like that, in using obsolete place names, and he had these funny little European countries that don't actually exist, but if you look back, he's taking a place name from the third century AD, or something like that, and saying to himself: "Suppose this place survived as an entity with that name? Here it is." Davidson was a fine, fine writer.“ – Gene Wolfe[5]
(„Avram Davidson vollbrachte eine so wundervolle Arbeit, indem er erloschene Ortsnamen gebrauchte, und es gibt bei ihm diese lustigen kleinen europäischen Länder, die heute nicht mehr existieren, aber wenn du zurückschaust, dann nahm er einen Ortsnamen von 300 n. Chr. oder etwas in dieser Art und sagte zu sich: "Stell dir vor, dieser Ort hätte komplett mit diesem Namen überlebt! Hier ist er." Davidson war ein feiner, feiner Schriftsteller.“)

Literatur

Einzelnachweise

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