Awet Tesfaiesus
deutsch-eritreeische Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen), MdB
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Awet Tesfaiesus (Tigrinya ዓወት ተስፋየሱስ; * 5. Oktober 1974 in Asmara, Äthiopien, heute Eritrea[1]) ist eine deutsche Politikerin und Rechtsanwältin. Seit 2021 ist Tesfaiesus Mitglied des Deutschen Bundestages für Bündnis 90/Die Grünen.[2] Tesfaiesus ist Obfrau im Ausschuss für Kultur und Medien und arbeitet im Bereich der auswärtigen Kulturpolitik, der Rechtspolitik und des Kunst- und Urheberrechts, mit Schwerpunkt im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI)[1][3]. Sie ist die erste schwarze Frau im Deutschen Bundestag.

Leben
Tesfaiesus wurde 1974 in der damals äthiopischen Stadt Asmara geboren. Als sie zehn Jahre alt war, flüchtete ihre Familie aufgrund des Eritreischen Unabhängigkeitskrieges nach Deutschland und ließ sich in einem Dorf im Schwarzwald nieder, bevor sie nach einigen Jahren nach Heddesheim in der Nähe von Heidelberg zog.[4][5]
Im Jahr 2001 legte Tesfaiesus ihr Erstes juristisches Staatsexamen an der Universität Heidelberg ab und im Jahr 2006 ihr Zweites juristisches Staatsexamen am OLG Frankfurt am Main. Im selben Jahr erlangte sie die Befähigung zum Richteramt und ihre Anwaltszulassung. Von 2008 bis zum Einzug in den Bundestag 2021 war sie Partnerin einer Anwaltskanzlei in Kassel, ihr Schwerpunkt lag im Bereich Asylrecht.[4] Mit der Übernahme ihres Bundestagsmandats beendete Tesfaiesus ihre Kanzleipartnerschaft und ist seitdem nicht mehr als Anwältin erwerbstätig, hat jedoch ihre Anwaltszulassung unter Befreiung von der Kanzleipflicht (als so genannte „Statusanwältin“, § 29 BRAO) behalten.[3]
Politik
Tesfaiesus trat 2009 der Partei Bündnis 90/Die Grünen bei und begann sich dort zu engagieren. Von 2012 bis 2015 war sie Beisitzerin im Parteivorstand der Grünen Kassel und von 2016 und bis zu ihrem Einzug in den Bundestag war sie Stadtverordnete, Fraktionssprecherin für Integration und Gleichstellung und seit 2019 dort stellvertretende Fraktionsvorsitzende.
Bei der Landesmitgliederversammlung der hessischen Grünen 2021 errang Tesfaiesus den neunten Listenplatz für die Bundestagswahl 2021.[6] Ebenso kandidierte sie als Direktkandidatin im Bundestagswahlkreis Werra-Meißner – Hersfeld-Rotenburg. Als Auslöser für ihre Kandidatur bezeichnete sie den rechtsextremen Anschlag in Hanau 2020 mit dem Ansinnen „für eine bessere Zukunft kämpfen zu wollen“.[2][4] Bei der Wahl unterlag sie zwar dem langjährigen Wahlkreisgewinner Michael Roth (SPD), zog jedoch über die Landesliste in den Bundestag ein. Sie wurde dadurch die erste afrodeutsche Frau in der Geschichte des Deutschen Bundestages.[2]
Tesfaiesus kritisierte mehrfach öffentlich die Sicherheits- und Menschenrechtspolitik der EU und der Ampelregierung. Als eine von sechs Abgeordneten stimmte Tesfaiesus im Oktober 2024 sowohl gegen die Verschärfung der Migrationspolitik als auch gegen die Verschärfung der Sicherheitsgesetze durch die Ampelregierung.[7]
Für die Bundestagswahl 2025 wurde sie als Votenträgerin der BAG Digitales und Medien und der BAG Kultur von der Parteibasis auf Platz 5 der Liste gewählt und setzte sich damit gegen die frühere hessische Staatssekretärin Ayse Asar durch.[8]
Sie hat sich mehrfach für den Erhalt der Mitgliederversammlung als Verbandsorgan im hessischen Landesverband ausgesprochen und ist eine Gegnerin der Einführung eines Delegiertensystems in Hessen. Vor ihrem Einzug in den Deutschen Bundestag war sie Delegierte im Parteirat und mehrfach zur Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen. Seit ihrem Einzug in den Bundestag lehnt sie die Wahl als Bundesdelegierte „aus grundsätzlichen Erwägungen“[3] ab und nimmt an Bundesparteitagen seither als Gast teil.
Tesfaiesus setzt sich für die Nutzung Freier Software ein und nutzt neben Instagram für die Kommunikation bevorzugt das nicht-kommerzielle und dezentrale soziale Netzwerk Mastodon[3]. Sie gehört zum linken Flügel und ist Mitglied der BAG Migration und Flucht, der LAG Migration, Flucht und Integration in Hessen, der BAG Kultur und der BAG Digitales und Medien.
Privat
Tesfaiesus spricht fließend Deutsch, Tigrinya und Englisch, darüber hinaus Arabisch und Französisch und verfügt über Grundkenntnisse in Hindi, Amharisch und Hebräisch[9]. Sie stammt aus einem gemischt-religiösen Elternhaus, ist Mitglied der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und lebt in einer multi-religiösen Familie, deren Mitglieder katholisch, protestantisch, orthodox, muslimisch, jüdisch und humanistisch sind.[9]
Tesfaiesus benutzt in der Kommunikation für sich die Schreibung „Schwarz“ (mit großem „s“) als Eigenbezeichnung[9].
Tesfaiesus ist verheiratet und Mutter und lebt mit ihrer Familie in Nordhessen.[4]
Mitgliedschaften
- RAV – Republikanischer Anwältinnen- und Anwälteverein
- GFF – Gesellschaft für Freiheitsrechte
- Psychosoziales Zentrum für Geflüchtete Nordhessen (Gründungsmitglied)
- ISD – Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland e. V.
- Förderverein Hessischer Flüchtlingsrat e. V.
- Frauentreff Brückenhof e. V.
Weblinks
- Awet Tesfaiesus, Website
- Biografie beim Deutschen Bundestag
- Awet Tesfaiesus auf abgeordnetenwatch.de