Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

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Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) ist eine Institution zur Förderung der Wissenschaft mit Sitz in Berlin und Potsdam, die 1992 durch einen Vertrag zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg gegründet wurde.[3] Die BBAW ist eine am Gemeinwohl orientierte Arbeitsakademie.[4]

Gründung1992
Trägerschaftautonom, K.d.ö.R.
Schnelle Fakten Gründung, Trägerschaft ...
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Gründung 1992
Trägerschaft autonom, K.d.ö.R.
Ort Berlin und Potsdam, Deutschland
Präsident Christoph Markschies[1]
Mitarbeiter Mitglieder 400 + Mitarbeitende 380 (Jahr 2024)[2]
Website www.bbaw.de
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Die BBAW hat etwa 400 Mitglieder, die aufgrund herausragender Leistungen zugewählt wurden und sich in 5 Klassen organisieren, welche regelmäßige Treffen zu organisatorischen und wissenschaftlichen Zwecken durchführen.[5]

In 25 Projekten betreibt die Akademie eigene, meist geisteswissenschaftliche und historische Forschung in Form von Langzeitunternehmungen mit spezialisierten Mitarbeitern. Weiterhin organisiert sie interdisziplinäre Arbeitsgruppen für wichtige aktuelle Themen der Gegenwart, deren Ergebnisse der Öffentlichkeit und der Politik in Publikationen, Vorträgen und öffentlichen Diskussionsveranstaltungen vorgestellt werden.[6][7][8]

Die Finanzierung der BBAW erfolgt über die Länder Berlin und Brandenburg, das Akademienprogramm der 8 deutschen über die Akademienunion koordinierten Akademien sowie über Drittmittel.[9]

Die BBAW sieht sich als Traditionsnachfolgerin der Preußischen Akademie der Wissenschaften,[10] zu deren Mitgliedern unter anderem die Brüder Grimm, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Lise Meitner, Theodor Mommsen, Albert Einstein und Max Planck gehörten.[11]

Geschichte

Friedrich I., erster König in Preußen, Gründer der Akademie der Wissenschaften

Die Akademie führt ihre Tradition auf die im Jahr 1700 vom brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. nach einem Plan von Gottfried Wilhelm Leibniz gegründete Kurfürstlich Brandenburgische Societät der Wissenschaften zurück. Als Preußische Akademie der Wissenschaften gelangte sie zu Weltruhm.[11]

Am 1. Juli 1946 wurde sie durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland als Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin in Ost-Berlin im früheren Gebäude der Preußischen Staatsbank in der Jägerstraße 21–23 wiedereröffnet. In der DDR fungierte sie sowohl als Gelehrtengesellschaft als auch, vergleichbar beispielsweise mit der Max-Planck-Gesellschaft in Westdeutschland, als Trägerorganisation einer Forschungsgemeinschaft von außeruniversitären Forschungsinstituten. Im Jahr 1972 erfolgte ihre Umbenennung in Akademie der Wissenschaften der DDR.

Im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands kam es zum Jahresende 1991 zur Auflösung der DDR-Akademie sowie zur nachfolgenden Neukonstituierung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) gemäß Staatsvertrag der Bundesländer Berlin und Brandenburg vom 21. Mai 1992 als rechtsfähige Körperschaft des öffentlichen Rechts mit dem Recht der Selbstverwaltung. 1993 nahm sie unter der Leitung des Gründungspräsidenten Hubert Markl ihre Tätigkeit auf. Akademiepräsident ist seit 2020 Christoph Markschies. Die Institution hat ihren Hauptsitz in Berlin in der Jägerstraße 22–23, einem ehemaligen Bankgebäude, das bis 1945 die Preußische Seehandlung beherbergte.

80 Nobelpreisträger prägen die Geschichte der Akademie und ihrer Vorgängerinstitutionen. Heute ist sie mit rund 400 gewählten Mitgliedern eine Fach- und Ländergrenzen überschreitende Wissenschaftlervereinigung und trägt eine besondere Verantwortung für den Wissenschaftsstandort in der Hauptstadtregion. In interdisziplinären Arbeitsgruppen befassen sich die Akademiemitglieder mit Zukunftsfragen unserer Gesellschaft. Zudem werden derzeit 25 Akademienvorhaben zur Erschließung und Sicherung des kulturellen Erbes sowie zahlreiche Drittmittelprojekte gefördert. Mit rund 400 Mitarbeitern ist die Akademie die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung in Berlin-Brandenburg. International ist sie vertraglich mit rund 20 Akademien auf vier Kontinenten vernetzt.[11]

Sie hat mit der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina die Junge Akademie gegründet, eine international singuläre Form der Förderung des exzellenten Nachwuchses. Seit 2008 nimmt die BBAW unter Leitung der Leopoldina mit acatech (Deutsche Akademie der Technikwissenschaften) sowie den anderen mit ihr in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zusammengeschlossenen Akademien Aufgaben der Nationalakademie wahr, insbesondere im Bereich der Politikberatung. 2010 wurde mit Unterstützung der BBAW die Global Young Academy[12] gegründet, die sich als Akademie für junge Wissenschaftler aus der ganzen Welt versteht. Die Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities (AGYA)[13] wurde auf Initiative der Jungen Akademie an der BBAW 2013 gegründet und dient dem Austausch von Wissenschaftlern mit der arabischen Welt.

Es besteht eine anhaltende Kontroverse, ob die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften oder die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften oder auch beide als legitime Nachfolge-Organisationen der im Jahre 1700 gegründeten Societät der Wissenschaften zu betrachten sind.[14] Die Leibniz-Sozietät beruft sich auf die personelle Kontinuität, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften auf den politischen Auftrag. Weiterhin hat die BBAW, wie im Vertrag zu ihrer Gründung 1992 festgelegt, Infrastruktur (d. h. Gebäude, Bibliothek und Archiv) ihrer Vorgängerinstitutionen übernommen und führt deren Langzeit- und Editionsunternehmen weiter.[15]

Historische Namen der Akademie

Die Berliner Akademie der Wissenschaften hieß seit:[16]

Standorte

BBAW: Hauptgebäude Jägerstraße 22/23 am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte. (ehemalige Akademie der Wissenschaften der DDR, vor 1945 Preussische Staatsbank).[17]

Das Haus Jägerstraße 22/23 ist das älteste erhaltene Gebäude der Randbebauung am Berliner Gendarmenmarkt. Es entstand in den Jahren 1901–1903 als Sitz der Seehandlungsgesellschaft und späteren Preußischen Staatsbank nach Plänen und unter Leitung des Architekten Paul Kieschke. Das dreigeschossige Bauwerk im Stil des Neobarock an der Jägerstraße ist mit einer Sandsteinfassade ausgestattet. Die Schmuckwerke am Haus wurden 1936–1940 reduziert. Im Inneren gab es in diesen Jahren dadurch Veränderungen, dass ein viergeschossiger Verwaltungsbau angegliedert wurde (Nummer 23). Dieser besitzt eine Muschelkalkstein-Verkleidung und entstand nach Entwurf von Hubert Lütcke.[18]
Anlässlich der Umnutzung des Bankgebäudes zum Sitz der Deutschen Akademie der Wissenschaften wurden im großen Kassensaal die Wände samt Säulen baulich verkleidet, um einen Plenarsaal zu schaffen. Der Plenarsaal und weitere Räume wurden zum 300-jährigen Bestehen der Akademie zu einem Konferenz- und Veranstaltungszentrum umgestaltet und ausgebaut, das 2002 offiziell eröffnet wurde. Der ehemalige Plenarsaal trägt nun den Namen Leibnizsaal, ein weiterer großer Vortragsraum den Namen Einsteinsaal. Die Räumlichkeiten mit Veranstaltungstechnik und Catering können auch von externen Veranstaltern genutzt werden.[19]

Weitere Standorte der Akademie sind heute der ehemalige Sitz der Preußischen Akademie der Wissenschaften im Ostflügel der Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin-Mitte und das ehemalige Haus Stichnote Am Neuen Markt 8 in Potsdam.

Aktivitäten

Gedenktafel zur Geschichte des Hauptgebäudes der BBAW am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte (Markgrafenstraße 38)

25 meist langfristige Akademienvorhaben[20] und eine Vielzahl von Drittmittelprojekten machen die Akademie zur größten außeruniversitären Forschungseinrichtung mit geisteswissenschaftlichem Profil in der Region. Zu ihren Projekten gehören große deutsche und fremdsprachige Wörterbücher, die Edition von Texten und Quellen aus Antike, Mittelalter und Neuzeit, der Werke von „Klassikern“ unterschiedlicher Wissenschaftsbereiche sowie Dokumentationen.

Die Akademie bündelt inhaltlich verwandte kurz- und langfristige Forschungsvorhaben in Zentren, die zur intensiveren Kooperation zwischen den Vorhaben und mit universitären und außeruniversitären Einrichtungen beitragen und die Sichtbarkeit der Akademieforschung erhöhen sollen.[21] Zu den Zentren gehören das Zentrum Sprache, dem das Vorhaben Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache zugeordnet ist oder das Mittelalterzentrum, das u. a. an dem Vorhaben Monumenta Germaniae Historica beteiligt ist.

In interdisziplinären zeitlich befristeten Arbeitsgruppen und Initiativen befassen sich Akademiemitglieder gemeinsam mit externen Fachkollegen und Nachwuchswissenschaftlern aus nationalen und europäischen Einrichtungen mit Fragen hoher wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung und insbesondere mit Zukunftsfragen. Mit den als Forschungsberichte, Memoranden und Empfehlungen vorgelegten Ergebnissen und deren öffentlicher Diskussion in Vorträgen, Workshops und Tagungen leistet die Akademie einen aktiven Beitrag zur Politik- und Gesellschaftsberatung. Die Akademie hat seit 1994 bereits über 80 solcher Arbeitsgruppen durchgeführt.[22] Aktuelle Beispiele solcher Projekte sind das Jahresthema der Akademie 2025/26: Konflikte lösen![23] und das Projekt Sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf technische Langfristprojekte, bei dem auch das Problem der Langzeitlagerung von Atommüll behandelt wird.[24] Das Projekt Datenzentrum – wissenschaftliche Konzeption und Ausgestaltung entwickelt eine Konzeption für den Aufbau eines Datenzentrums der BBAW.[25]

Laufende und abgeschlossene Akademienvorhaben

Die Akademienvorhaben sind Teil des von Bund und Ländern geförderten Akademienprogramms, das der Erhaltung, Sicherung und Vergegenwärtigung unseres kulturellen Erbes dient. Koordiniert wird das Programm von der Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften. Zu den laufenden und abgeschlossenen Vorhaben gehören

Laufende Drittmittelprojekte

Zu den zahlreichen laufenden Drittmittelprojekten[32] gehört unter anderem das Corpus Nummorum Thracorum.

Regelmäßige Veranstaltungen

Die Akademie organisiert eine Vielzahl von einmalig oder regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen, darunter Vorlesungsreihen wie die Akademievorlesungen oder die Ernst-Mayr-Lecture, Thementage wie den Einsteintag oder den Leibniztag, die Berliner Religionsgespräche oder den Salon Sophie Charlotte.[33]

edoc-Server der Bibliothek der Akademie

Zur Veröffentlichung im Open-Access sowie der elektronischen Langzeitarchivierung der Publikationen von Mitarbeitern sowie für Publikationen aus Akademievorhaben verfügt die BBAW über eine elektronische Plattform, den edoc-Server.[34][35] Der Server wird von der Bibliothek der Akademie betrieben.[36] Aktuell (2026) werden auf diese Weise etwa 4600 Dokumente, einschließlich fast aller Jahrbücher und Berichte der BBAW, öffentlich zugänglich gemacht.

Junge Akademie/Global Young Academy/Arab-German Young Academy

Gemeinsam mit der Leopoldina gründete die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften im Juni 2000 die Junge Akademie. Ihre Mitgliederzahl ist auf maximal 50 begrenzt. Zu Mitgliedern für fünf Jahre werden herausragende Vertreter aus dem promovierten wissenschaftlichen Nachwuchs gewählt. Die Junge Akademie hat vorrangig die Aufgaben, den insbesondere interdisziplinär ausgerichteten wissenschaftlichen Diskurs unter herausragenden Nachwuchswissenschaftlern zu pflegen und Initiativen an den Schnittstellen von Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern.

2010 wurde mit Unterstützung der BBAW die Global Young Academy[12] gegründet, die sich als Akademie für junge Wissenschaftler aus der ganzen Welt versteht. Die Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities (AGYA)[13] wurde auf Initiative der Jungen Akademie an der BBAW 2013 gegründet und dient dem Austausch von Wissenschaftlern mit der arabischen Welt.

Preise und Auszeichnungen

Derzeit:

  • Ehrenmitgliedschaft der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
  • Helmholtz-Medaille
  • Leibniz-Medaille
  • Akademiepreis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
  • Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (gestiftet von der Commerzbank-Stiftung)
  • Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (gestiftet von der Monika Kutzner-Stiftung zur Förderung der Krebsforschung)
  • Technikwissenschaftlicher Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (gestiftet vom Unternehmen Biotronik, erstmals verliehen 2010)[37]
  • Walter de Gruyter-Preis der Akademie für herausragende wissenschaftliche Leistungen in einem Themenbereich von Walter de Gruyter (Verlag), vorzugsweise der Geisteswissenschaften
  • Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (gestiftet von der Peregrinus-Stiftung Rudolf Meimberg)

Früher:

  • Akademiestipendium der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (letztmals 2006)
  • Eva und Klaus Grohe-Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
  • Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (gestiftet vom Verlag de Gruyter) (letztmals 2006)
  • Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (gestiftet von der Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung) (letztmals 2005)
  • Kant-Medaille (verliehen seit 2010) für Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise um die Förderung von Bildung und Wissenschaft im internationalen Kontext verdient gemacht haben[38]
  • Sigrid und Heinz Hannse-Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Gendermedizin

Mittelbar über die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften vergab deren Substruktur, der Interdisziplinäre Forschungsverbund Digital Humanities in Berlin (if|DH|b), von 2015 bis 2018 den Berliner Digital Humanities Preis.[39]

Siehe auch

Literatur

Publikationen

Schriftenreihen und Zeitschriften

  • Jahresmagazin (Fortsetzung von Die Akademie am Gendarmenmarkt)
  • Jahrbuch
  • Denkanstöße aus der Akademie
  • Wissenschaftspolitik im Dialog
  • Gentechnologiebericht
  • #VerantwortungKI – Künstliche Intelligenz und gesellschaftliche Folgen
  • Debatte
  • Von 1998 bis 2013 gab die BBAW die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift Gegenworte. Hefte für den Disput über Wissen heraus,[40] die vom damaligen Präsidenten Dieter Simon gegründet wurde.[41]

Einzelveröffentlichungen

Einzelnachweise

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