1,1′-Bi-2-naphthol

chemische Verbindung From Wikipedia, the free encyclopedia

1,1′-Bi-2-naphthol (BINOL) ist eine organische Substanz, dessen (R)- oder (S)-Enantiomer meist als Ligand oder Auxiliar zur übergangsmetallkatalysierten asymmetrischen Synthese genutzt wird. BINOL besitzt axiale Chiralität (Atropisomerie). Die Enantiomere können getrennt werden und sind stabil gegen Racemisierung. Der spezifische Drehwert der beiden Enantiomere beträgt ± 33–38° (20 °C, 589 nm) (c=1, THF).[3] BINOL ist ein Vorläufer von BINAP, einem anderen chiralen Katalysator.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Strukturformeln von 1,1′-Bi-2-naphthol
Strukturformeln der beiden BINOL-Enantiomere
Allgemeines
Name 1,1′-Bi-2-naphthol
Andere Namen
  • BINOL
  • (RS)-(±)-Binol
  • (R)-(+)-Binol
  • (S)-(−)-Binol
  • beta-Binaphthol
  • Chirales Binaphthol
  • Bis-beta-naphthol
  • 2,2′-Dinaphthol
  • 1,1′-Bis-2-naphthol
  • 2,2′-Dihydroxydinaphthyl
  • Bis-beta-naphthol
  • 2,2′-Dihydroxybinaphthalin
Summenformel C20H14O2
Kurzbeschreibung

weißes bis beiges Pulver[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
PubChem 11762
Wikidata Q161292
Eigenschaften
Molare Masse 286,32 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

214–221 °C[1]

Löslichkeit
  • praktisch unlöslich in Wasser[1]
  • löslich in Dioxan (50 mg·ml−1)[1]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[2]
Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 301315319
P: 301+310+330302+352305+351+338[2]
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Gewinnung und Darstellung

BINOL kann in hoher Ausbeute (90 %) aus 2-Naphthol in Gegenwart eines Kupfer(II)-Katalysators unter Luft- oder Sauerstoffzufuhr synthetisiert werden:[4]

Synthese von BINOL
Synthese von BINOL

Das Trennen der beiden Enantiomere kann beispielsweise mittels des ebenfalls chiralen (8S, 9R)-(−)-N-Benzylcinchonidiniumchlorids erfolgen.[5] Dabei können durch dessen Zugabe und mehrmaliges Lösen in Ethanol beide Enantiomere in hoher Ausbeute (70–75 %) isoliert werden.

Verwendung

(R)-(+)-Binol oder (S)-(−)-Binol (auch Derivate der reinen Enantiomere) wird überwiegend in der asymmetrischen Synthese verwendet.

(R)-(+)-Binol oder (S)-(−)-Binol dient beispielsweise als Ligand eines Lanthanoids in der Shibasaki-Aldolreaktion, um unmodifizierte Ketone enantioselektiv an Aldehyde zu addieren:[6]

Shibasaki-Aldolreaktion
Shibasaki-Aldolreaktion

Vom (R)-(+)-Binol oder (S)-(−)-Binol abgeleitete Heterobimetallkatalysatoren werden auch in der enantioselektiven Addition von Phosphornukleophilen an Imine eingesetzt.[7][8]

Einzelnachweise

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