BLU-82 Commando Vault
Sprengbombe
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Die BLU-82B war eine schwere, ungelenkte Fliegerbombe aus den Vereinigten Staaten. Weitere Bezeichnungen lauten Commando Vault, Big Blue 2 und Daisy Cutter (englisch für „Gänseblümchenschneider“). Sie zählt zu den weltweit schwersten konventionellen Fliegerbomben.
| BLU-82 Commando Vault | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | BLU-82, Commando Vault, Daisy Cutter |
| Typ: | Sprengbombe |
| Herkunftsland: | |
| Hersteller: | Air Armament Center & Sandia National Laboratories |
| Entwicklung: | 1968 |
| Indienststellung: | 1970 |
| Einsatzzeit: | 1970–2008 |
| Stückpreis: | ~27.000 USD |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 6.803 kg |
| Länge: | 3,35 m |
| Durchmesser: | 1.371 mm |
| Ausstattung | |
| Gefechtskopf: | 5.715 kg DBA-22M |
| Zünder: | Aufschlagzünder, Zeitzünder |
| Waffenplattformen: | Transportflugzeuge |
| Liste von Bomben nach Herkunftsnation | |
Entwicklung
Während des Vietnamkriegs starteten die Streitkräfte der Vereinigten Staaten 1967 die Operation „Combat Trap“ welche später in die Operation „Commando Vault“ überging. Im Rahmen dieser Operation wollte man mit schweren Fliegerbomben im Urwald Lichtungen für Hubschrauberlandeplätze und Artilleriestellungen freisprengen. Dafür verwendete man anfänglich Bomben vom Typ M118 und M121. Da die Wirkung dieser Bomben als zu gering erachtet wurde und weil einige der M121-Bomben aufgrund ihrer langen Lagerung nicht mehr einwandfrei funktionierten, wurde ab Dezember 1968 die BLU-82 in Auftrag gegeben. Die Bombe wurde gemeinsam vom Air Armament Center (AAC) auf der Eglin Air Force Base sowie den Sandia National Laboratories entwickelt und trug anfänglich die Bezeichnung CD-1. Der erste Testabwurf einer BLU-82 erfolgte am 1. April 1969 auf der Tonopah Test Range. Nach weiteren Testabwürfen musste der Entwurf nachgebessert werden, woraufhin die Serienfertigung startete. Die ersten Bomben wurden im März 1970 an die Seventh Air Force geliefert, welche die BLU-82 umgehend im Rahmen der Operation „Commando Vault“ einsetzte.[1][2][3][4]
Technik
Die BLU-82 war eine Fliegerbombe, welche auf das Erzeugen einer starken Detonationswelle ausgelegt war. Zu diesem Zweck war die Bombe dünnwandig ausgeführt. Der Bombenkörper bestand aus einem 2,13 m langen Zylinder mit einem Durchmesser 1371 mm und einer Wanddicke von 6,35 mm. Dieser war mit der 1,22 m langen kegelförmigen Bombenspitze mit einer Wanddicke von 12,7 mm verschweißt. Befüllt war der Bombenkörper mit 5715 kg Emulsionssprengstoff vom Typ DBA-22M. Dies ist eine Mischung aus Ammoniumnitrat und Aluminiumpulver, die durch Zusätze von Wasser und Polystyrol als Verdickungsmittel eine schlammartige Konsistenz aufweist und sehr sicher zu handhaben ist. Befüllt wog die Bombe 6803 kg. An der Bombenspitze war der Daisy Cutter-Zünder aufgesetzt. Dieser Bestand aus dem 0,97 m langen M1A1-Verlängerungsrohr auf dessen ein M904-Aufschlagzünder montiert war. Im Bombenheck war der M905-Zeitzünder eingeschraubt. Unter den Zündern konnte in einer Vertiefung zusätzlich eine BBU-23/B oder T45E-Verstärkerladung mit TNT bzw. Tetryl geladen werden. Die BLU-82 hatte keine Stabilisierungsflächen (Heckflossen). Stattdessen war am Heck ein Paket mit einem Fallschirm angebracht, welcher den Fall der Bombe stabilisierte.[1][3][5][6][7]
Einsatz und Wirkung
Aufgrund ihrer enormen Größe konnte die BLU-82 nur von Transportflugzeugen der Typen MC-130 „Combat Talon“ (zwei BLU-82) und C-123 „Provider“ (eine BLU-82) abgeworfen werden. Dabei wurde vorgängig das Zielgebiet mit dem MSQ-77 oder TPQ-10-Bordradar der Flugzeuge ausgemacht. Danach wurde die auf einer Transportpalette verzurrte Bombe über die Heckrampe aus dem Frachtraum abgeworfen. Weil diese Transportflugzeuge im Vergleich zu Bombern ohne vorherige Absicherung der Abwurfzone relativ verwundbar waren, war ein offensiver Einsatz in frühen Phasen von bewaffneten Konflikten ohne Luftüberlegenheit nur eingeschränkt möglich. Im Normalfall wurde die BLU-82 aus einer Flughöhe von 1828 m AGL mit einer Fluggeschwindigkeit von 278 km/h abgeworfen. Nachdem die Bombe aus dem Flugzeug abgeworfen wurde, entfaltete sich der Fallschirm am Bombenheck und die Bombe löste sich von der Transportpalette. Der Fallschirm stabilisierte den Fall der Bombe und sie wurde abgebremst. Abgeworfen aus 1828 m Höhe über Grund, schlug die BLU-82 nach rund 26 Sekunden auf dem Boden auf. Dabei betrug der durchschnittliche Streukreisradius (CEP) 103 m. Durch den Daisy Cutter-Abstandszünder detonierte die Bombe dicht über dem Boden und erzeugte so eine starke Detonationswelle. Am Ground Zero der Detonation erzeugte die Bombe einen Druck von ungefähr 69 Bar (6900 kPa bzw. 1000 psi). Auf flachem Boden hatte die Detonationswelle eine wirksame Reichweite von 100 bis 200 m (Druckstoß größer als 15 bis 35 kPa). Dieser entwurzelte in einem Radius von rund 80 m alle Bäume und verbrannte die Vegetation. Dabei entstand so gut wie kein Explosionskrater. Neben der Detonationswelle hatte die BLU-82 jedoch kaum eine Wirkung; gegen gepanzerte oder eingegrabene Ziele war sie nur bedingt effektiv.[1][2][3][8][9][10][11]
Ursprünglich wurde angenommen, dass es sich bei der Bombe um eine Aerosolbombe – auch Vakuumbombe genannt (engl. fuel air explosive, FAE) – handeln würde. Allerdings wäre dieses Konzept für den ursprünglichen Einsatzzweck dieses Waffensystems, das Schaffen von benutzbaren Lichtungen in Wäldern, denkbar ungeeignet, und eine einigermaßen gleichmäßige Verteilung einer so großen Sprengstoffmenge als Aerosol wäre selbst unter Idealbedingungen (Windstille) extrem schwierig. Trotzdem wird die BLU-82B in zahlreichen Medienberichten noch immer fälschlicherweise als Aerosolbombe bezeichnet. Berichte darüber, dass die BLU-82 den Luftsauerstoff in der Umgebung des Explosionspunktes aufsaugte, sind nicht zutreffend, da der Sprengstoff der Bombe bereits das für die Explosion nötige Oxidationsmittel enthielt. Auch für eine extreme Hitzewirkung bei der Explosion gibt es keine Anhaltspunkte, wahrscheinlich sind beide Theorien auf Verwechslungen mit Aerosolbomben zurückzuführen.
Kriegseinsätze
Der erste Kriegseinsatz der BLU-82 erfolgte während des Vietnamkriegs. Am 22. März 1970 wurde die erste BLU-82 im nordöstlichen Laos abgeworfen. Bis Anfang Oktober 1970 wurden 107 dieser Bomben über Vietnam und Laos abgeworfen. Dabei wurden sie neben der Schaffung von Hubschrauberlandeplätzen auch zur Bekämpfung von Truppenansammlungen und Stützpunkten eingesetzt. Auch während des Mayaguez-Zwischenfalles im Mai 1975 wurde eine BLU-82 abgeworfen. Der letzte Einsatz der BLU-82 in diesem Konflikt erfolgte im April 1975.[1][2][4]
Während des Zweiten Golfkriegs warfen MC-130 „Combat Talon“ des Air Force Special Operations Command bei fünf Nachteinsätzen elf BLU-82 ab, um Minenfelder zu räumen und Führungsstellen auszuschalten.[2][3][4]
Der letzte Kriegseinsatz erfolgte im Rahmen der Operation Enduring Freedom. Dabei wurden ab Oktober 2001 eine unbekannte Anzahl BLU-82 bei der Schlacht um Tora Bora in Afghanistan eingesetzt.[4][12][13][14]
Verbreitung und Status
Die BLU-82 wurde nur innerhalb der Streitkräfte der Vereinigten Staaten verwendet und wurde nicht exportiert. Am 15. Juli 2008 wurde die letzte operationelle Bombe dieses Typs auf der Utah Test and Training Range abgeworfen. Das Nachfolgemodell ist die größere GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast.[15]
Siehe auch
Literatur
- Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 0-7106-0866-7.
Weblinks
- BLU-82 Aircraft Bomb bei cat-uxo.com (englisch)