BMW 803

28-Zylinder-Flugmotor From Wikipedia, the free encyclopedia

Der BMW 803 war ein flüssigkeitsgekühlter 28-Zylinder-Viertakt-Reihenstern-Doppelmotor der Leistungsklasse um 4.000 PS, bei dem im Gegensatz zum Pratt & Whitney R-4360 die Zylinder in geraden Reihen angeordnet waren.

BMW 803

Geschichte

Die Entwicklung des Triebwerks als BMW 803 begann 1938.[1] 1944 liefen mehrere Motoren 803 A auf dem Prüfstand, zur Serienfertigung kam es jedoch nicht. Der BMW 803 A war unter anderem für das Riesenflugboot Blohm & Voss P 200, den schweren Bomber Focke-Wulf Fw 238 und einen Focke-Wulf-Jäger mit Heckantrieb vorgesehen. Allerdings verlief bereits die Entwicklung des Triebwerks wenig erfolgreich; unter anderem brachte die geplante DVL-WVW-Flachschiebersteuerung (DVL = Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt, WVW = Wankel Versuchswerkstätten) nicht den erwarteten Leistungsgewinn.[2]

„Wegen wichtigerer Aufgaben wurde die Entwicklung des BMW 803 A mit niedriger Priorität weiterbetrieben. Trotzdem hatte er Mitte 1944 einen Entwicklungsstand erreicht, daß eine Nullserie in Auftrag gegeben wurde. Die Serienfertigung sollte ab Mai 1945 beginnen.“[3]

Ein Triebwerk gelangte nach dem Kriegsende 1945 in die Vereinigten Staaten und wurde dort untersucht.[4]

Konstruktion

Zylinderköpfe auf dem Kurbelgehäuse

Das Triebwerk bestand aus zwei weitgehend baugleichen Teiltriebwerken mit jeweils 7 Zylinderpaaren, die hintereinander Rückwand an Rückwand angeordnet waren.

Kurbelgehäuse

Die zwei Kurbelgehäuse aus Leichtmetall waren so groß im Durchmesser ausgeführt, dass die wassergekühlten Zylinderlaufbuchsenpaare komplett darin versenkt waren.[5] Sie dienten damit neben der Funktion als Kurbelwellenlagerung zusätzlich als Kühlstoffmantel, führten die Ladeluft zu den Zylinderköpfen und lagerten die sieben Nebenwellen zur Kraftübertragung zwischen den Zylinderpaaren hindurch.[6] Damit ergab sich auch zwangsweise die für Mehrfachsternmotoren ungewöhnliche Anordnung der 28 Zylinder in 7 Längsreihen.

Zylinderköpfe

In die 14 Zylinderköpfe waren jeweils 2 Zylinderlaufbuchsen eingeschrumpft.[7] In jedem Zylinderkopf betätigte eine obenliegende Nockenwelle über Kipphebel jeweils die einzelnen Ein- und Auslassventile der zwei Zylinder. Die 14 Nockenwellen wurden über 14 Königswellen angetrieben.[8] Die Ladeluft des jeweiligen mechanischen Laders wurde durch das Kurbelgehäuse zu den Zylinderköpfen geleitet, wobei die Ladeluft über mehrere Luftrohre am hinteren Kurbelwellengehäuse vorbeigeführt wurde.

Lader und Einspritzung

Einspritzpumpe

Zwei unabhängige zweistufige Radiallader versorgten die zwei Teiltriebwerke mit Arbeitsluft. Sie konnten mit vier Gängen dem Luftbedarf und der Flughöhe angepasst werden.[9]

Die Direkteinspritzung mit zwei doppelreihigen Einspritzpumpen von Bosch versorgte die 28 Zylinder mit Brennstoff.

Kraftübertragung auf die Propellerwellen

Das hintere Teiltriebwerk übertrug seine Kraft über fünf parallele Nebenwellen, die zwischen den vorderen Zylinderreihen hindurch liefen, an ein vorne liegendes Untersetzungsgetriebe. Über zwei weitere Nebenwellen wurde Leistung vom vorderen Teiltriebwerk nach hinten geleitet, um damit Lader und Nebenantriebe des vorderen Motors anzutreiben. Die beiden Teiltriebwerke konnten dadurch unabhängig voneinander abgeschaltet werden.[10] Jedes Teiltriebwerk trieb über das Untersetzungsgetriebe einen eigenen vierblättrigen (a) Propeller mit einem Durchmesser von 3,2 Metern an; beide Propeller drehten gegenläufig zueinander.

Technische Daten

Weitere Informationen Kenngröße, Daten des BMW 803 A ...
Kenngröße Daten des BMW 803 A[1]
Bauart 28-Zylinder-Viertakt-Reihenstern-Doppelmotor
Bohrung 156 mm
Hub 156 mm
Hubraum 84 L
Lader zwei zweistufige Radiallader mit je vier Gängen
Leistung (b) 4.000 PS (ca. 2.940 kW)
Trockenmasse ca. 2600 kg
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Erhaltenes Triebwerk

Ein einziges Exemplar des BMW 803 A ist in der Flugwerft Schleißheim, einer Außenstelle des Deutschen Museums, erhalten.[11]

Seit den 1970er Jahren versuchte die BMW AG das Triebwerk einem kalifornischen Privatmuseum abzukaufen – das gelang schließlich nach 12 Jahren im Jahr 1988. Im Dezember 1988 traf der Montagewagen mit dem Motor in München ein und BMW begann im August 1989 gemeinsam mit dem Deutschen Museum die Restaurierung. In über 4.200 Arbeitsstunden und nur mit wenig verwertbarer Dokumentation wurde das stark beschädigte Triebwerk wieder für die Ausstellung aufbereitet. Dabei entstand mit Teilen aus dem hinteren Teilmotor eine Plexiglaswand zur Veranschaulichung des Kurbel- und Ventiltriebs.[4]

Siehe auch

Anmerkungen

(a) 
Auf einem Foto vom Prüfstand im Werk Spandau sind zwei dreiflügelige Propeller zu sehen.[3]
(b) 
„Bei der Drehzahl von 2800/min leistete der Motor 2940 kW, bei 2950/min 3015 kW und bei 3000/min mit Wasser-Methanol-Zusatzeinspritzung 3310 kW.“[3]
(c) 
„Die Ladeluft wurde zuerst von einem Zweistufen-Viergang-Lader, später von einem Einstufen-Dreigang-Lader den Zylindern zugeführt.“[3]

Literatur

BMW 803
Commons: BMW 803 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • BMW 803. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 24. Januar 2026 (Dossier des BMW Group Archivs).
  • Sergio Pasquali: BMW 803A. Animations Created by Sergio Pasquali. In: CAD Models and Animations. Aircraft Engine Historical Society, Inc., abgerufen am 24. Januar 2026 (englisch).

Einzelnachweise

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