BMW M20

Reihensechszylindermotor von BMW From Wikipedia, the free encyclopedia

Der BMW M20 ist ein Pkw-Ottomotor des bayerischen Motorenherstellers BMW, der von 1976 bis 1990 in München und von 1982 bis 1992 in Steyr hergestellt wurde. Konstruiert ist der M20 als Sechszylinder-Reihenmotor mit 2 bis 2,7 Liter Hubraum. Als „Abkömmling“ des M20-Motor gilt der Dieselmotor M21.[1] Ursprünglich wurde der M20 als M60 bezeichnet, die Umstellung auf das neue Namensschema bei BMW und somit die Umzeichnung in M20 erfolgte 1983.[2]

Schnelle Fakten M20 ...
BMW
M20 in einem BMW E30
M20 in einem BMW E30

M20 in einem BMW E30

M20
Produktionszeitraum 1976–1992
Hersteller BMW
Funktionsprinzip Otto
Motorenbauform R6
Ventilsteuerung SOHC
Hubraum 1990 cm³
2316 cm³
2494 cm³
2693 cm³
Gemischaufbereitung Vergaser oder
Saugrohreinspritzung
Leistung 88–126 kW
Masse ca. 170 kg
Nachfolgemodell BMW M50
Schließen

Entwicklung und Produktion

Der BMW M20 wurde Mitte der 1970er Jahre als „kleiner“ Sechszylinder entwickelt, da der ab 1968 gebaute „große“ Sechszylinder BMW M30 aufgrund seiner Abmessungen und Masse nicht für den zweitürigen BMW E21 geeignet war, der im Gegensatz zur 02er-Baureihe auch mit Sechszylinder angeboten werden sollte. Im Endeffekt wurde er bis Mitte der 1990er in zwei 3er-Baureihen und gleich drei 5er-Reihen (BMW E12, E28, E34) verwendet.

Der Zylinderabstand des M30 betrug 100 mm, für den M20 wurde ein Zylinderabstand von 91 mm gewählt, womit sich eine Verringerung von Außenabmessungen und Gewicht ergab. Die Grundzüge waren von Alexander von Falkenhausen konzipiert worden, zur Serienreife wurde der Motor unter Karlheinz Lange gebracht.[3] Ursprünglich als 2,3-Liter-Motor mit 80 mm Zylinderbohrung konzipiert, wie der etwas langhubigere 2,4-Liter Diesel BMW M21, folgte auf dem deutschen Markt zusätzlich eine kurzhubige 2-Liter-Version. Auf dem nordamerikanischen Markt gab es ab 1981[4] eine auf Durchzug und Effizienz optimierte 2,7-Liter-Version mit 84 mm Bohrung, langem Hub, und deutlich anderem Kopfbereich: die eta-Version, nach dem griechischen Buchstaben, der im Ingenieurwesen als Kürzel für Effizienz bzw. Wirkungsgrad genutzt wird.

Da die Spitzenleistung des eta-Motors durch Verzicht auf die markentypischen hohen Drehzahlen hinter den Erwartungen der Kunden zurückblieb, entwickelte BMW als letztes Aggregat der M20-Familie, nun schon in der BMW E30-Karosse, aus dem 2,3-Liter-Triebwerk mit der großen Bohrung des eta und mittlerem Hub einen leistungsfähigen 2,5-Liter-Motor.[5] Der eta-Motor wurde ab 1983 als 325e auch auf dem deutschen Markt angeboten[4], Tuner kombinierten aus dem Baukasten auch sogenannte 327i. Speziell für den österreichischen Markt wurde der 2-Liter-M20 leicht gedrosselt mit 88 kW angeboten.[6]

Produziert wurde der BMW M20 ab 1976 vom BMW-Motorenbau in München sowie parallel ab 1982[7] im BMW-Motorenwerk Steyr. Bis April 1990 wurden in München 1,7 Millionen Zylinderköpfe für das Aggregat gefertigt, wobei damit die Produktion der Zweiventil-M20-Triebwerke in München zugunsten des Vierventil-Nachfolgers BMW M50 eingestellt wurde. Im Werk Steyr wurde der M20 weiterhin für E30-Karosserievarianten wie Cabrios und Touring in geringerer Stückzahl gebaut.[8] Am 27. November 1992 lief auch in Steyr die Zylinderkopflinie M20 aus,[9] der letzte M21-Zylinderkopf war bereits am 14. Februar 1992 gefertigt worden.[10] Der letzte Motor der Motormontage M20/21 lief am 17. Dezember 1992 in Steyr vom Band.[11]

Zu dieser Zeit war der BMW M20 in BMW E34 und BMW E36 bereits weitgehend durch den seit 1990 gebauten und mit Vierventiltechnik deutlich moderneren Sechszylindermotor BMW M50 abgelöst worden. Der BMW E36 kam jedoch erst 1993 als Cabrio und erst 1995 als Touring auf den Markt, bis dahin sollte insbesondere der Kombi noch als E30 lieferbar sein, mit eingelagerten M20-Motoren oder BMW M40-Vierzylinder.

Verwendung

Erstmals eingesetzt wurde der BMW M20 unter der Bezeichnung M60 (nach dem alten Versionsnummernsystem) ab 1977 im 320 (E21) und 520 (E12). Der M20 ersetzte in den BMW 3er und 5er Modellen die in ihrer Grundkonstruktion seit 1961 gebauten Vierzylindermotoren M10 mit zwei Liter Hubraum, wobei die M10-Motoren mit kleineren Hubräumen noch bis 1988 weiter im Programm blieben.

Der M20 wurde in der E30-Limousine bis 1991 und im E30-Cabrio sowie Touring noch bis 1993 verwendet. Der E30-Nachfolger E36 erhielt schon ab Produktionsbeginn 11/1990 die M50-Motoren mit 2,0 bzw. 2,5 l Hubraum in den Modellen 320i und 325i.

Ab Mai 1990 wurde der M20 im BMW E34 (520i/525i) durch den M50-Motor mit Hydrostößeln und Kettenantrieb der Nockenwelle ersetzt, dessen wesentliche Neuerung die Vierventiltechnik und die damit verbundene Leistungssteigerung war.

Technische Beschreibung

Ansaugbrücke eines M20B20 mit Doppelregistervergaser Solex 4A1
Ansaugbrücke eines M20B27 (eta-Version) mit Saugrohreinspritzung, gut erkennbar die sehr langen Saugrohre (silberfarbene Bauteile)

Der M20 ist ein stehender und leicht geneigter Reihensechszylindermotor mit obenliegender Nockenwelle, der wassergekühlt ist und nach dem Ottoverfahren arbeitet. Er ist leicht kurzhubig ausgeführt, die Bohrung beträgt 80 mm, der Hub 76,8 mm[12] oder 66 mm.[13] Später gab es auch 84 mm Bohrung mit 75 mm[14] bzw. 81 mm Hub.[13] So ergeben sich die vier Hubraumvarianten 2,0 l, 2,3 l, 2,5 l und 2,7 l mit Leistungen von 88 kW (120 PS)[6] bis 126 kW (171 PS).

Der Motorblock ist aus Grauguss gefertigt.[1] Bei allen Motoren beträgt der Zylinderabstand 91 mm.[3] Der M20 ist der erste Motor von BMW mit gegossener Kurbelwelle.[15]

Der aus einer Aluminiumlegierung hergestellte Zylinderkopf ist einteilig und als Querstromzylinderkopf ausgeführt.[1] Erstmals bei BMW wurde die obenliegende Nockenwelle mit Zahnriemen statt Steuerkette angetrieben. Die Nockenwelle betätigt über Kipphebel je zwei V-förmig hängende Ventile pro Zylinder.

Zur Gemischaufbereitung diente je nach Bauzeitpunkt, Größe und Baureihe zu Anfang ein Doppelregistervergaser Solex 4A1 (320/6 bzw. 520/6) und später eine mechanische (K-Jetronic) oder eine elektronische (L-Jetronic/Motronic) Saugrohreinspritzung in den Modellen 320i/323i/325i/520i/525i. Alpina, Schnitzer und Hartge boten den Motor leistungsgesteigert mit bis zu 154,5 kW (210 PS) an, wobei die im Alpina C2 und B3 eingebauten M20-Versionen 2,7 Liter Hubraum haben. Kennzeichen des BMW M20 mit Saugrohreinspritzung ist die gegossene Ansaugbrücke und die damit realisierte Schwingrohraufladung, bei der die Eigenschwingung der Luftsäule in einem engen Drehzahlbereich wie eine leichte Aufladung wirkt. Diese Ansaugbrücke unterscheidet sich in den jeweiligen Hubraumvarianten nur minimal. Größere, wenngleich nicht auf den ersten Blick sichtbare Änderungen erfuhr sie bei den eta-Versionen (2,7 l).

Besonderheiten der eta-Version

Drehmomentverlauf eta-Motor

Der eta-Motor hat im Vergleich zum konventionellen M20-Motor längere Saugrohre, geänderte Steuerzeiten und reduzierte Reibwerte durch Maßnahmen wie weichere Ventilfedern, reduzierte Kolbenringvorspannung und nur vier Nockenwellenlager.[4] Durch den großen Hubraum von 2,7 Liter hat die eta-Version bei niedrigen Drehzahlen ein erheblich höheres Drehmoment. Den Maximalwert von 178 Nm des 2,0-l-Motors erreicht der 2,7-l-Motor bereits unterhalb 1000/min, der Maximalwert liegt bei 240 Nm bei 3250/min und damit in etwa auf der Höhe des seinerzeit im 528i bzw. 728i angebotenen „großen“ M30-Sechszylinders mit 2,8 Liter Hubraum, welcher allerdings eine deutlich höhere Leistung (135 kW/184 PS bei 5400/min) erreicht. Der eta-Motor erreicht durch sein für die 1980er-Jahre technisch hochentwickelt geltendes Motronic-Steuergerät einen ausgezeichnet ruhigen Motorlauf, gute Starteigenschaften und geringen Treibstoffverbrauch. Da er allerdings nicht dem BMW-typischen Charakter von drehzahlfreudigen Motoren entspricht, hielt sich der Markterfolg der eta-Modelle in Grenzen,[16] es entstanden 305.982 Stück.[17] 1986 wurde der eta-Motor überarbeitet. Durch einen geänderten Zylinderkopf (vom M20B25) wurde die Nennleistung auf 95 kW erhöht, auch die Enddrehzahl wurde auf 5300 min−1 angehoben.[18]

Schwachstellen

Motoren vor Baujahr 1989 haben einen Zylinderkopf, der mit Sechskantschrauben am Motorblock festgeschraubt ist. Die Sechskantschrauben neigen dazu, unerwartet zu brechen. Spätere Modelle haben Torxschrauben, die von dieser Problematik nicht betroffen sind.[19]

Technische Daten

BMW-M20B25-Motor im BMW 5er (BMW E34)
Weitere Informationen Motor, Hubraum ...
MotorHubraumBohrung × HubVerdichtungLeistung bei 1/minDrehmoment bei 1/minBauzeit
M20B20VE1990 cm³80,0 mm × 66,0 mm9,2:190 kW (122 PS) bei 6000163 Nm (16,5 kpm) bei 40001977–1982
M20B209,8:192 kW (125 PS) bei 5800170 Nm (17,3 kpm) bei 40001983–1985
95 kW (129 PS) bei 6000174 Nm (17,7 kpm) bei 40001985–1990
M20B20 Kat8,8:1164 Nm (16,7 kpm) bei 43001986–1992
M20B232316 cm³80,0 mm × 76,8 mm9,8:1102 kW (139 PS) bei 5300205 Nm (20,9 kpm) bei 40001983–09/1983
110 kW (150 PS) bei 600009/1983–1985
9,5:1105 kW (143 PS) bei 6000176 Nm (17,9 kpm) bei 45001978–1982
M20B252494 cm³84,0 mm × 75,0 mm9,7:1126 kW (171 PS) bei 5800226 Nm (23,0 kpm) bei 40001985–1986
M20B25 Kat8,8:1125 kW (170 PS) bei 5800222 Nm (22,6 kpm) bei 43001986–1991
M20B272693 cm³84,0 mm × 81,0 mm11,0:192 kW (125 PS) bei 4250240 Nm (24,5 kpm) bei 32501982–1985
10,2:1 95 kW (129 PS) bei 4250 1985–1986
9,0:190 kW (122 PS) bei 4250230 Nm (23,5 kpm) bei 32501985–1987
8,5:195 kW (129 PS) bei 4800230 Nm (23,5 kpm) bei 32001987–1988
Schließen

Die Masse der Motoren lag mit 170 bis 175 kg zwischen dem der Vierzylindermotoren der Type M10 und dem der großen Sechszylindermotoren der Type BMW M30.[15]

Verwendungsübersicht

Weitere Informationen Motorcode (altes Schema), Motorcode ...
Motorcode (altes Schema)MotorcodeProduktionsbeginnProduktionsendeLeistung (DIN-PS)Leistung (kW)GemischaufbereitungVerwendung
M60/2M20B20VE09/19771982122 PS90 kWDoppelregistervergaser
Solex 4A1
E21 320
E12 520
M60M20B20KE09/198107/1985125 PS92 kWK-JetronicE30 320i
E28 520i
M20B20LE09/1982LE-Jetronic
M20B20LE07/1985L-Jetronic
??120 PS88 kWE28 520i[6]
M20B20Kat09/19861991129 PS95 kWBosch Motronic DME1.1

Bosch Motronic DME1.3

E30 320i
E28 520i
E34 520i
M60/5M20B23LE19831985139 PS102 kWBosch L-JetronicE30 323i
M20B23KE02/19781982143 PS105 kWK-JetronicE21 323i
M20B23LE19831985150 PS110 kWBosch L-JetronicE30 323i
M20B2519851986171 PS126 kWBosch ME MotronicE30 325i/iX
M20B25Kat19861992170 PS125 kWBosch DME 1.3E30 325i/iX
Z1
E34 525i
M20B27ME19831985125 PS92 kWBosch DME ML1E28 525e
M20B27ME.E19851986129 PS95 kWBosch DME MLE28 525e[6]
M20B27Kat1987122 PS90 kWE30 325e
E28 525e
19861988129 PS95 kWBosch DME1.1
Schließen

Literatur

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI