BOAC-Flug 251
Flugunfall am 26. Mai 1952
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der BOAC-Flug 251 (Flugnummer: BA251, Funkrufzeichen: SPEEDBIRD 251) war ein interkontinentaler Linienflug von London über Tripolis nach Kano. Am 26. Mai 1952 kamen die Piloten einer Handley Page HP.81 Hermes IV der BOAC auf dem Flugabschnitt von Tripolis nach Kano durch Navigationsfehler weit vom Kurs ab und mussten die Maschine in der mauretanischen Wüste notlanden, als der Treibstoff zu Ende ging. Während die Besatzung und die Passagiere mehrere Tage auf Hilfe warteten, starb der Erste Offizier fünf Tage nach dem Unfall in der Hitze an Dehydrierung und Erschöpfung.
| BOAC-Flug 251 | |
|---|---|
Eine baugleiche Maschine der BOAC | |
| Unfallzusammenfassung | |
| Ort | 114 km südsüdöstlich von Atar, (heute: |
| Datum | 26. Mai 1952 |
| Todesopfer | 1 |
| Überlebende | 17 |
| Luftfahrzeug | |
| Luftfahrzeugtyp | |
| Betreiber | |
| Kennzeichen | |
| Name | Horus |
| Abflughafen | Flughafen London-Heathrow, |
| Zwischenlandung | Flughafen Tripolis, |
| Zielflughafen | Flughafen Kano, |
| Passagiere | 10 |
| Besatzung | 8 |
| → Listen von Luftfahrt-Zwischenfällen | |
Flugzeug
Das beteiligte Flugzeug war eine 1950 gebaute Maschine des Typs Handley Page Hermes mit der Werknummer HP.81/15. Die Maschine wurde am 28. April 1950 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen G-ALDN auf die BOAC zugelassen, welche die Hermes unter dem Taufnamen Horus in Betrieb nahm und die Maschine bis zuletzt betrieb. Es handelte sich um eine von insgesamt 25 Maschinen dieses Typs, die für die BOAC gebaut wurden. Die Maschine besaß Platz für 40 Passagiere. Das viermotorige Mittelstreckenflugzeug war mit vier Sternmotoren des Typs Bristol Hercules 763 ausgerüstet.
Insassen
Den Flug auf dem betroffenen Flugabschnitt hatten zehn Passagiere angetreten, es befand sich eine achtköpfige Besatzung an Bord der Hermes, bestehend unter anderem aus dem Flugkapitän Robert „Bob“ Langley, der zuvor bereits 18-mal auf der betroffenen Route geflogen war, dem Ersten Offizier Theodore „Ted“ Haslam, dem Flugingenieur Thomas „Tom“ Smith und dem Navigator Trevor De Nett. Als Purser war Len Smee an Bord, der zuvor bei der Royal Air Force in der Rolle des Navigators geflogen war, als zweiter Flugbegleiter war Jeremy „Jerry“ Green an Bord.
Unfallhergang
Mit der Maschine sollte ein Flug von Tripolis nach Kano durchgeführt werden. Die Wetterprognose sagte günstige Wetterbedingungen auf der Flugstrecke und Gewitter in Kano voraus. Da die Piloten den Gyrosyn-Kompass fehlerhaft verwendeten und auch nicht in der Lage waren, die Position der Maschine mithilfe von Standardverfahren zu bestimmen, verrirten sie sich schließlich über der Sahara. Der Treibstoff war schließlich nahezu erschöpft und man entschied sich dafür, die Maschine mit eingefahrenem Fahrwerk in der mauretanischen Wüste notzulanden, in einem Gebiet mit sich erhebenden Sanddünen und Felsklippen, etwa 114 km südsüdöstlich von Atar, auch weil an Bord niemand davon wusste, dass der Flugplatz Atar noch erreichbar gewesen wäre. Während die Maschine nach dem Aufsetzen um 08:45 Uhr Ortszeit über den Sand schlitterte, brach die linke Tragfläche ab. Es brach kein Brand aus und die Maschine konnte mühelos evakuiert werden. Sechs Passagiere wurden leicht verletzt. Zwar hatten verschiedene Flugsicherungen in Westafrika vor der Notlandung eine ungefähre Positionsangabe der Maschine erhalten, die genaue Position der Maschine war jedoch nicht bekannt. Entsprechend verzögerte sich nach der Notlandung der Rettungseinsatz. Nach der Kartenskizze im Unfallbericht mit dem eingezeichneten Anmarschweg der Rettungskräfte, die per Lkw und Kamelreitern von Atar aus unterwegs waren, war das havarierte Flugzeug etwa unter diesen Koordinaten liegen geblieben: 19° 33′ 52″ N, 12° 36′ 23″ W. Die Rettungskräfte wurden durch schlechte Wetterbedingungen (Hitze und Sandstürme) aufgehalten.[1] Der Erste Offizier starb fünf Tage später in der Hitze an Erschöpfung.
Ursache
Es stellte sich heraus, dass die Maschine über 1.300 Kilometer vom Kurs abgekommen war. Als Unfallursache stellten die Ermittler eine fehlerhafte Nutzung der Navigationsausrüstung durch die Besatzung fest. So sei dem Navigator Trevor De Nett, der eigentlich ein ausgebildeter Pilot und kein Navigator war, nicht bewusst gewesen, dass die Werte auf dem CL2-Gyrosyn-Kompass mit zehn multipliziert werden mussten, um den tatsächlichen Kurs zu berechnen. Entsprechend hatte er die Maschine nach dem Start auf einen Kurs von drei Grad anstelle von 30 Grad ausgerichtet. Während des Fluges in südlicher Richtung stieg die Abweichung auf 60 statt sechs Grad an, sodass die Maschine also um 54 Grad vom Kurs abgekommen war. Zu dieser Situation sei es gekommen, nachdem Kapitän Langley sechs Stunden vor dem Unfall in einer Flughöhe von 12.000 Fuß behauptet hatte, dass der P12-Magnetkompass defekt sei und entgegen der Betriebsvorschriften der BOAC den Navigator anwies, den CL2-Gyrosyn-Kompass zu nutzen. Nachdem der Fehler entdeckt und die Abweichungskontrolle auf Null zurückgesetzt worden war, stimmten die Gyrosyn- und Magnetkompasse überein und bewiesen, dass der P12 die ganze Zeit über einsatzfähig gewesen war. Die Maschine hatte jedoch zu diesem Zeitpunkt eine Kursabweichung um 54 Grad und flog in südwestlicher statt südlicher Richtung, während der Treibstoff zur Neige ging.
Verbleib der Maschine
Die Handley Page Hermes wurde nie geborgen und befindet sich weiterhin an dem Unfallort in der mauretanischen Wüste, wo sie allerdings mittlerweile von einer Sanddüne bedeckt wird.
Quellen
- Unfallbericht HP.81, G-ALDN, Aviation Safety Network
- Betriebsgeschichte der Maschine, planespotters.net
- Crash of a Handley Page H.P.81 Hermes IV near Atar: 1 killed, B3A – Bureau of Aircraft Accident Archives
