BSAG-Typ T4
Großraumwagen der Straßenbahn Bremen
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Der Typ T4 (Triebwagen mit vier Radsätzen) der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) ist eine Großraumwagenbauart, die von 1953 bis 1990 bei der Straßenbahn Bremen im Einsatz war. Die zugehörigen Beiwagen heißen B4. Es werden eine Vorserie aus fünf Trieb- und fünf Beiwagen mit den Bezeichnungen T4a und B4a sowie eine Hauptserie aus 22 Trieb- und 20 Beiwagen mit den Bezeichnungen T4b und B4b unterschieden. Die Vorserie wurde von Linke-Hofmann-Busch (LHB) gebaut, die Hauptserie von Hansa Waggonbau und der Maschinenfabrik Esslingen. Sie werden wegen ihres äußeren Erscheinungsbilds auch „Zigarren“ genannt.[2][3] Vier Fahrzeuge der Hauptserie blieben erhalten.
| T4a B4a |
T4b B4b | |
|---|---|---|
T4b 824 im Betriebshof Sebaldsbrück (1986) | ||
| Nummerierung: | T: 801–805 B: 1801–1805 |
T: 806–827 B: 1806–1825 |
| Anzahl: | T: 5; B: 5 | T: 22; B: 20 |
| Hersteller (Wagenbau): | LHB | Hansa, Esslingen |
| Hersteller (elektrisch): | T: AEG, Kiepe | |
| Baujahr: | T: 1953 B: 1952–1953 |
1954 |
| Ausmusterung: | 1977 | T: 1978–1990 B: 1983–1990 |
| Radsatzfolge: | T: Bo'Bo' B: 2'2' | |
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) | |
| Länge: | 13 300 mm | 13 250 mm |
| Breite: | 2200 mm | |
| Drehzapfenabstand: | 5200 mm | |
| Drehgestellachsstand: | 1600 mm | |
| Leermasse: | T: 16,8 t B: 11,4 t |
T: 15,4 t B: 10,4 t |
| Dauerleistung: | T: 4 × 37,5 kW | T: 4 × 60 kW |
| Sitzplätze: | T: 25 B: 28 |
T: 28 B: 26 |
| Türanordnung: | 1-2-3 | 1-2-2 |
| Betriebsart: | Einrichtungswagen | |
| [1] | ||
Geschichte
1951 bereitete die Bremer Straßenbahn AG nach Vorbild der Straßenbahnen Hamburg und Hannover zur Modernisierung ihres Fahrzeugbestands die Beschaffung von Großraumwagen vor, nachdem sie bis dahin nur klassische Zweiachser und in den 1940er Jahren versuchsweise wenige Lenkdreiachser gekauft hatte. Aufgrund der Bremer Gleisgeometrie konnten die Entwicklungen anderer Betriebe nicht einfach übernommen werden.[1.1] Selbst die deshalb entwickelte Eigenkonstruktion konnte eine Strecke in der Innenstadt zunächst nicht befahren.[4] Für den Bau der Fahrzeuge wurde der Hersteller Linke-Hofmann-Busch ausgewählt, der die Hamburger Großraumwagen des Typs V6 als Referenz vorwies. Im Juli 1951 bestellte die BSAG zunächst nur fünf Trieb- und fünf Beiwagen, denen nach Erprobung weitere folgen sollten.[1.1] Die gewählte geringe Stückzahl hatte auch finanzielle Gründe.[4]
Nach Verzögerungen wegen Problemen bei der Materialbeschaffung[4] wurde die Vorserie um den Jahreswechsel 1952/1953 ausgeliefert. Bereits im Januar 1953 nahmen die T4a und B4a den Liniendienst auf. Mit ihnen wurde, wie bei westdeutschen Großraumwagen üblich, ein Fahrgastfluss von hinten nach vorn mit Schaffnersitz bei der hinteren Tür eingeführt.[1.1] Die Vorserie hatte zwar Kinderkrankheiten, erfüllte jedoch im Wesentlichen die Erwartungen. Im Mai 1953 bestellte die BSAG deshalb die 22 Trieb- und 20 Beiwagen der Hauptserie mit einigen Anpassungen. Obwohl sie mit der Leistung von LHB zufrieden war, folgte sie dabei einem Aufruf des Bremer Wirtschaftssenators zur Unterstützung der Bremer Industrie und vergab den Auftrag an den ortsansässigen Hersteller Hansa Waggonbau. Dieser war allerdings nicht in der Lage, den Auftrag allein fristgerecht auszuführen.[1.2] Deshalb ließ er zehn[1.2] oder elf[1.3] B4b von der Maschinenfabrik Esslingen fertigen und sich von dieser die Drehgestelle für alle anderen Fahrzeuge zuliefern.[1.2]

Nach Auslieferung aller Fahrzeuge bis Anfang 1955 wurde eine stark frequentierte Linie vollständig mit den Großraumwagen bedient. Weitere Beschaffungen folgten nicht, weil die BSAG sich den Gelenkwagen der Typen GT3/GB3 und GT4/GB4 zuwandte. Ursprünglich war vorgesehen, die B4a auch mit älteren Triebwagen einzusetzen, doch wurden in der Praxis stets typenreine Züge gebildet. Gemischte Züge aus T4a und B4b oder T4b und B4a waren aus technischen Gründen nicht möglich. Von 1967 bis 1970 wurden die Fahrzeuge für schaffnerlosen Betrieb umgerüstet. 1970 wurden die Beiwagen in die Nummerngruppe 900 statt 1800 umnummeriert.[1.2]
1977 musterte die BSAG die T4a und B4a bereits aus. Keines der Vorserienfahrzeuge blieb erhalten.[1.2] Ein einzelner T4b wurde 1978 nach einem Unfall ausgemustert. Die systematische Ausmusterung der Hauptserie begann 1983, nachdem die BSAG fassungsstärkere GT4 und GB4 der stillgelegten Straßenbahn Bremerhaven günstig übernehmen konnte. Je fünf Trieb- und Beiwagen hingegen modernisierte die BSAG 1983/1984. Zu dieser Zeit waren die Großraumwagen nur noch auf der Linie 10 Gröpelingen – Hauptbahnhof – Sebaldsbrück im Einsatz.[3] 1988 waren noch fünf Züge vorhanden und erhielten neue Nummern.[1.2] Die letzten verbliebenen Exemplare hatten am 30. März 1990 ihren letzten Einsatz im Regelverkehr.[3]
T4b 821 wurde 1986 nach Hamburg verkauft und am Bushof Hamburg-Wandsbek aufgestellt, um an die eingestellte dortige Straßenbahn zu erinnern. 1990 wurde er jedoch verschrottet.[3] Die Drehgestelle einiger Fahrzeuge wurden für Gleismessloren und Schienentransportwagen verwendet. Außerdem blieben je zwei Trieb- und Beiwagen museal erhalten.[1.2] T4b 481 (ex 811) und B4b 696 (ex 906, ex 1806) waren anlässlich des Straßenbahnjubiläums 1990 die ersten Fahrzeuge der Straßenbahn Bremen insgesamt, die als Museumswagen Fahrgäste beförderten. Triebwagen 481 war am 8. Dezember 1990 auch das erste Fahrzeug, das auf der Museumslinie 15 zum Einsatz kam.[2]
| Nummer
bis 1988 |
Nummer
1988–1992 |
Typ | Ausmusterung | Sonstiges |
|---|---|---|---|---|
| 801–805 | T4a | 1977 | ||
| 806 | T4b | 1984 | Drehgestelle für Arbeitsbeiwagen weiterverwendet | |
| 807 | 1978 nach Unfall[3] | |||
| 808 | 1985 | |||
| 809 | 1983 nach Unfall[3] | |||
| 810 | 1985 | |||
| 811 | 481 | 1990[2] | 1983/1984 modernisiert,[3] 1990 zu historischem Triebwagen, ab 1992 wieder mit ursprünglicher Nummer | |
| 812 | 1984 | |||
| 813 | 1986 | |||
| 814 | 1983 nach Unfall[3] | Drehgestelle für Arbeitsbeiwagen weiterverwendet | ||
| 815 | 1987[3]/1988 | 1983/1984 modernisiert[3] | ||
| 816 | 486 | 1989 | 1983/1984 modernisiert[3] | |
| 817 | 1985 | |||
| 818 | 1983 | |||
| 819 | 489 | 1989 | ||
| 820 | 1986 | |||
| 821 | 1986 | verkauft nach Hamburg | ||
| 822 | 1985 | |||
| 823 | 1985 | |||
| 824 | 484 | 1989 | 1983/1984 modernisiert[3] | |
| 825 | 1985 | |||
| 826 | 1983 | |||
| 827 | 487 | 1990[2] | 1983/1984 modernisiert,[3] 1990 zu historischem Triebwagen, ab 1992 wieder mit ursprünglicher Nummer (nicht betriebsfähig aufgearbeitet)[3] |
| Nummer
bis 1970 |
Nummer
1970–1988 |
Nummer
1988–1992 |
Typ | Hersteller[1.3] | Ausmusterung | Sonstiges |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1801–1805 | 901–905 | B4a | LHB | 1977 | Nr. 901 und 903: Drehgestelle für Arbeitsbeiwagen weiterverwendet | |
| 1806 | 906 | 696 | B4b | Hansa | 1990[2] | 1983/1984 modernisiert,[3] 1990 zu historischem Beiwagen, ab 1992 wieder mit ursprünglicher Nummer |
| 1807 | 907 | 697 | 1989 | 1983/1984 modernisiert[3] | ||
| 1808 | 908 | 1987 | ||||
| 1809 | 909 | 1985 | ||||
| 1810 | 910 | 690 | 1989 | 1983/1984 modernisiert[3] | ||
| 1811 | 911 | 1983 | ||||
| 1812 | 912 | 1983 | ||||
| 1813 | 913 | 1986 | ||||
| 1814 | 914 | 1985 | ||||
| 1815 | 915 | 695 | Esslingen | 1990[2] | 1983/1984 modernisiert,[3] 1990 zu historischem Beiwagen, ab 1992 wieder mit ursprünglicher Nummer (nicht betriebsfähig aufgearbeitet)[3] | |
| 1816 | 916 | 1984 | ||||
| 1817 | 917 | 1985 | ||||
| 1818 | 918 | 1985 | ||||
| 1819 | 919 | 1985 | ||||
| 1820 | 920 | 1987 | ||||
| 1821 | 921 | 1985 | ||||
| 1822 | 922 | 692 | 1989 | 1983/1984 modernisiert[3] | ||
| 1823 | 923 | 1985 | ||||
| 1824 | 924 | 1984 | ||||
| 1825 | 925 | 1983 |
Technische Merkmale
T4a/B4a

Aufgrund der Bremer Gleisgeometrie wurde eine, für Großraumwagen geringe, Länge von 13,3 Metern und – nach Hamburger Vorbild – ein Drehzapfenabstand von nur 5,2 Metern gewählt. Hinzu kamen relativ spitz zulaufende Wagenenden. Für einen möglichst schnellen Einstieg wählte die BSAG am Heck eine dreifache Falttür nach Hannoveraner Vorbild und eine Absenkung der Einstiegsplattform gegenüber dem restlichen Wagenboden um 20 Zentimeter. Die Stufe befand sich vor dem Schaffnersitz. Dem Ausstieg dienten eine doppelte Falttür in der Mitte und eine einfache vorn. Das Platzangebot war angesichts der Kürze mit 25 Sitzen im Trieb- und 28 im Beiwagen relativ gering. So konnte ein Zug aus einem T4a und einem B4a einen Dreiwagenzug aus alten Zweiachsern nicht gleichwertig ersetzen. Die Durofolsitze waren überwiegend als Einzelsitze in Fahrtrichtung angeordnet. Lediglich vorne links gab es einige Doppelsitze.[1.1]
Bei einer Leermasse von 16,8 Tonnen beim Trieb- und 11,4 Tonnen beim Beiwagen war die Antriebsleistung mit 4 × 37,5 kW knapp bemessen. Die von AEG gelieferten Fahrmotoren trieben jeweils einen Radsatz an. Die Drehgestelle entsprachen denjenigen des Hamburger Typs V6. Kiepe lieferte die elektropneumatische Steuerung mit mittig unter dem Fußboden angeordnetem Schaltwerk. Um die B4a auch mit älteren Triebwagen einsetzen zu können, erhielten sie neben der Kurzschlussbremse eine Druckluftbremse. Als erste Fahrzeuge der Straßenbahn Bremen erhielten die Großraumwagen eine Kleinspannungsanlage (24 Volt) zur Versorgung verschiedener Verbraucher wie Blinker, Lautsprecher und Steuerleitungen der Türen. Die Türen selbst, das Läutewerk und der Scheibenwischer arbeiteten hingegen mit Druckluft. Der Innenbeleuchtung dienten mit Plexiglas abgedeckte, mit Fahrleitungsspannung gespeiste Leuchtröhren.[1.1]
Gegenüber den Großraumwagen anderer Betriebe war der Scherenstromabnehmer relativ weit hinten angeordnet, nämlich in der gleichen Entfernung von der Front wie bei den Zweiachsern statt direkt über dem führenden Drehgestell. So musste sich das Fahrpersonal bei Schaltkontakten nicht umgewöhnen.[1.1]
T4b/B4b

Bei der Hauptserie wurde durch Konstruktionsänderungen zur Anwendung des Leichtbaus eine Reduzierung der Leermasse auf 15,4 Tonnen bei den Trieb- und 10,4 Tonnen bei den Beiwagen erreicht. Zusätzlich wurde die Antriebsleistung auf 4 × 60 kW erhöht. Alle zuvor mit Druckluft arbeitenden Elemente wurden auf elektrische Betätigung umgestellt. Das elektropneumatische Schaltwerk hatte sich als pflegebedürftig erwiesen und wurde durch einen Plattformfahrschalter ersetzt, den ebenfalls Kiepe lieferte.[1.2]
Beim Einstieg hatte sich gezeigt, dass die dreifache Tür nicht notwendig war, so dass sie bei der Hauptserie durch eine Doppeltür ersetzt wurde. An der Stelle des weggefallenen Türflügels wurden ein zusätzliches Fenster und ein Klappsitz angeordnet. Der Vorderausgang wurde etwas nach hinten verlegt, um seine Nutzung zu erhöhen. Dadurch liegt er außerdem in der Seitengeraden. Durch eine andere Sitzanordnung gab es im T4b 28 und im B4b 26 Sitze.[1.2]