Baliem-Tal

Tal in Indonesien From Wikipedia, the free encyclopedia

Reliefkarte: Molukken-Papua
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Baliem-Tal

Das Baliem-Tal ist ein Hochtal inmitten des zentralen Hochlands der indonesischen Provinz Papua Pegunungan in Westneuguinea. Hauptort des Tals ist Wamena.

Geographische Lage

Mann vom Volk der Yali
Kriegerisches Outfit
Barapen-Zeremonie im Baliem-Tal
Becak im Baliem-Tal

Das Baliem-Tal trug lange den Namen Grand Valley. Heute ist der durchfließende Fluss Baliem (Sungai Baliem) namengebend. Der Fluss entspringt in einer Höhe von etwa 3300 m ÜdM. Das Tal liegt auf etwa 1600 m ÜdM und erstreckt sich über eine Breite von etwa zwölf Kilometern bei einer Längserstreckung von etwa fünfzig Kilometern. Der Verlauf weist von Nordwest nach Südost. Der Baliem wird von bisweilen reißenden Nebenflüsse aus den Gebirgen gespeist. Marschig vielerorts, wird einer der Nebenflüsse, der Mosaike, zur Bewässerung der angelegten Kleingartenkulturen genutzt. Mancherorts prägen Kalksteinbarrieren und Sandsteinhügel das Landschaftsbild. Im südöstlichen Bereich des Tals erhebt sich eine von Karstlöchern durchsetzte Kalksteinschlucht mit Höhlen (Gorge Baliem).[1] Im Südwesten reichen die Gipfel bis auf 4750 m Höhe (Trikora Crest).

Im Baliem-Tal leben etwa 50.000 Menschen, zumeist aus den Volksgruppen der Dani und Yali. An den westlichen Berghängen siedeln Lani. Etwa 750.000 Bergpapuas siedeln in Sippschaften im umliegenden Hochland.

Geschichte

Über die historische Entwicklungen im Baliem-Tal vor 1938 ist aus internationalen beziehungsweise westlichen Quellen nichts bekannt.

Ab dem 19. Jahrhundert kamen verstärkt Europäer nach Westguinea, wobei ihnen das Tal lange Zeit verborgen blieb. Von der Südküste ausgehend, gelangten zwischen 1907 und 1913 dann niederländische Forschungsreisende, die den papuanischen Regenwald bis an den Puncak Trikora durchquerten, ins südliche Talgebiet. In den Jahren 1920/1921 überquerten von Norden kommend, weitere niederländische Expeditionen den Doorman Peak. Sie durchquerten dabei das nordwestlich an das Tal angrenzende Einzugsgebiet des Toli-Flusses im Regierungsbezirk Tolikara.[2][3]

Erst 1938 führte eine vom amerikanischen Zoologen Richard Archbold geleitete Expedition ins Baliem-Tal. Festgestellt wurde, dass dieses bewohnt war. Vorausgegangen war ein Erkundungsflug über der Region, bei dem ein landwirtschaftlich genutztes Tal inmitten des von bis zu 4500 m hohen Bergen umgebenen Urwalds identifiziert werden konnte.[4] Archbolds Expedition ins Tal führte zu einem dreiwöchigen Aufenthalt dort. Seinen Reisebericht veröffentlichte Archbold im März 1941 im National Geographic Magazine.[5][6] Dass das Tal lange unentdeckt blieb, ist auf die allgemein geringe Erschließung weitreichender Inselteile zurückzuführen. Bis heute noch sind beispielsweise Siedlungsgebiete des Volksstamms der Korowai gering und nicht kontaktiert. Ausschlaggebend ist dabei sicherlich, dass der papuanische Regenwald als der undurchdringlichste der Welt gilt. Durch die lange Unberührtheit konnten sich bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts die authentischen Lebensweisen der Dani als dominant vertretener Volksstamm und anderer Stämme erhalten.

1954 traf ein erster Missionar im Tal ein. Er absolvierte den Zugang durch einen Fallschirmabsprung. Die niederländische Kolonialregierung gründete 1956 den ersten staatlichen Siedlungsposten im Tal, aus dem Wamena hervorging.[6]

Nach der – mit Unterstützung der UNO – 1969 legitimierten Kontrolle Indonesiens über Westneuguinea (Westpapua), wurde der kontrovers geführte Act-of-Free-Choice auch im Baliem-Tal durchgeführt. Im Juli 1969 stimmten von der indonesischen Obrigkeit in Wamena ausgesuchte Bezirkswahlmänner dann einstimmig dafür, dass Westpapua nicht unabhängig würde, sondern unter der Territorialverwaltung Indonesiens verbleibt.[7] Immer wieder wird die Region seither von Übergriffen und Gewalt durch Unabhängigkeitskämpfer der Organisasi Papua Merdeka erschüttert. Bei Unruhen im Jahr 2019 kamen in Wamena zehn Minangkabau zu Tode,[8] 2022 kam es zu Zusammenstößen zwischen ethnischen Gruppen aus Lanny Jaya einerseits und Nduga andererseits in Wouma.[9]

Zwar kann ein nicht unerheblicher industrieller Fortschritt in der Region beobachtet werden, gleichwohl lassen sich in den entlegenen Gebieten bis heute Volksbräuche und Traditionen der Vorfahren gut beobachten.[10]

Tourismus

Touristische Expeditionen wurden in den letzten Jahrzehnten von Wamena aus vorgenommen.[11] Ins Baliem-Tal lassen sich Ausflüge zu Fuß und mit dem Taxi organisieren. Dabei können beispielsweise eine protestantische Missionsstation oder eine (allerdings aufgelassene) Lianenhängebrücke, auch ehemalige Schlachtfelder der Dani besuchen. Bemerkenswert sind Solequellen und Karsthöhlen. Ein Hochplateau, südwestlich von Wamena, gilt als landschaftlich reizvolle Gegend mit guter Rundsicht über die Seen und Berge des umliegenden Hochgebirges.

Verwaltungsgliederung

Das Baliem-Tal liegt im Regierungsbezirk Jayawijaya in der 2022 eingerichteten Provinz Papua Pegunungan.

Literatur

  • S. G. Haberle, G. S. Hope, Y. DeFretes: Environmental Change in the Baliem Valley, Montane Irian Jaya, Republic of Indonesia. Journal of Biogeography, Vol. 18, No. 1, Januar 1991, S. 25–40
  • Matthiesen, Peter (1962). Under the Mountain Wall. New York; London; Victoria; Toronto; Aukland; Harmondsworth, Middlesex, England: Penguin Books. ISBN 0-14-025270-3.

Einzelnachweise

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