Banalsit

Mineral aus der Gruppe der Feldspate From Wikipedia, the free encyclopedia

Banalsit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung BaNa2[Al4Si4O16][2] und damit chemisch gesehen ein Barium-Natrium-Aluminiumsilikat. Banalsit ist zudem das Barium-Analogon des (später entdeckten) Stronalsits (SrNa2[Al4Si4O16]).

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Banalsit
Bräunlicher Banalsit aus der schwedischen Grubengemeinde Långban
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Bns[1]

Chemische Formel BaNa2[Al4Si4O16][2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Gerüstsilikate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/F.04
VIII/J.07-100[3]

9.FA.60
76.01.06.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-pyramidal; mm2[4]
Raumgruppe Iba2 (Nr. 45)Vorlage:Raumgruppe/45[5]
Gitterparameter a = 8,5400(7) Å; b = 10,0127(9) Å; c = 16,7897(14) Å[5]
Formeleinheiten Z = 4[5]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6[3] bis 6,5[6]
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,065; berechnet: 3,05 bis 3,08[6]
Spaltbarkeit gut nach {110} und {001}[6]
Farbe farblos, weiß[3]
Strichfarbe weiß[3]
Transparenz durchscheinend; durchsichtig in dünnen Schichten
Glanz Glasglanz, Perlglanz auf Spaltflächen[6]
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,570[7]
nβ = 1,571[7]
nγ = 1,578[7]
Doppelbrechung δ = 0,008[7]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = gemessen: 41°; berechnet: 52°[7]
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale Lumineszenz
Schließen

Banalsit kristallisiert im Kristallsystem, entwickelt aber nur sehr selten gut sichtbare Kristallflächen. Meist findet er sich in Form grobkörniger bis massiger Mineral-Aggregate. In reiner Form ist Banalsit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung ist er jedoch meist durchscheinend weiß und hinterlässt auch auf der Strichtafel einen weißen Strich. Die seltenen Kristalle weisen einen glasähnlichen Glanz auf. Frische Spaltflächen schimmern dagegen irisierend wie Perlmutt.

Etymologie und Geschichte

Der Name Banalsit ist ein Akronym, das aus den Symbolen der an der Verbindung beteiligten chemischen Elemente Barium (Ba), Natrium (Na), Aluminium (Al) und Silicium (Si) gebildet wurde.

Erstmals entdeckt wurde Banalsit in der „Benallt Mine“ bei Rhiw (Llanfaelrhys) auf der walisischen Halbinsel Lleyn. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral durch W. Campbell Smith, F.A. Bannister und M.H. Hey, die ihre Erstbeschreibung 1944 im amerikanischen Fachmagazin Mineralogical Magazine veröffentlichten.

Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der Mines ParisTech (auch École nationale supérieure des mines de Paris; ENSM) unter der Inventarnummer 23803 und im Muséum national d’histoire naturelle (MHN), beide in Paris, sowie im Natural History Museum (NHM) in London unter der Inventarnummern BM 1944,420 bis BM 1944,423 und im National Museum of Natural History (NMNH) in Washington, D.C. unter der Invantarnummer 105854 aufbewahrt.[8]

Da der Banalsit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Banalsit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[9] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Banalsit lautet „Bns“.[1]

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Banalsit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er gemeinsam mit Danburit und Paracelsian in der „Paracelsian-Danburit-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/F.04 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/J.07-100. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Banalsit zusammen mit Albit, Andesin, Anorthit, Anorthoklas, Bytownit, Dmisteinbergit, Filatovit, Kumdykolit, Labradorit, Liebermannit, Lingunit, Oligoklas, Stöfflerit, Stronalsit und Svyatoslavit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/J.07 bildet.[3]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Banalsit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zeolithisches H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zusätzliche Anionen“ zu finden, wo es zusammen mit Stronalsit die „Stronalsitgruppe“ mit der Systemnummer 9.FA.60 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Banalsit die System- und Mineralnummer 76.01.06.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Gerüstsilikate: Al-Si-Gitter“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Mit Al-Si-Gitter“ in der „Banalsitgruppe“, in der auch Stronalsit, Lisetit und Svyatoslavit eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Banalsit kristallisiert in der orthorhombischen Raumgruppe Iba2 (Raumgruppen-Nr. 45)Vorlage:Raumgruppe/45 mit den Gitterparametern a = 8,5400(7) Å; b = 10,0127(9) Å und c = 16,7897(14) Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[5]

Eigenschaften

Viele Banalsite zeigen unter kurz- bis mittelwelligem UV-Licht eine gelbgrüne und unter kurzwelligem UV-Licht eine schwache bläulichweiße (sehr selten wohl auch tiefrote[11]) Fluoreszenz, die nach Wegnahme der UV-Quelle in eine grüne Phosphoreszenz übergeht.[12]

Bildung und Fundorte

Banalsit bildet sich in kleinen Äderchen innerhalb von Mangan-Erzen und in Linsen von metamorph umgebildeten Tonsteinen. Dort tritt er in Paragenese unter anderem mit Alleghanyit, manganreichem Andradit, Apatit, manganreichem Biotit, Calcit, Harmotom, Jakobsit, Natrolith, Pyrophanit und Tephroit auf. Im schwedischen Bergbaurevier Långban wurden zudem Macedonit, Magnetoplumbit, Roeblingit und Na-Ca-Zeolithe als Begleitminerale entdeckt.[6]

Als seltene Mineralbildung konnte Banalsit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 20 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2025).[13] Seine Typlokalität, die „Benallt Mine“ bei Rhiw (Llanfaelrhys) in Wales ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort im Vereinigten Königreich.

Des Weiteren fand sich Banalsit noch in der Sierra de las Minas in Guatemala, der „Shiromaru Mine“ auf Honshū (Japan), im Ice River-Alkalikomplex in British Columbia und den Prairie Lake-Karbonatiten in Ontario in Kanada, bei Hpakant im Kachin-Staat in Myanmar, bei Mikkelvik in der norwegischen Kommune Karlsøy, im Zhidoiskii-Massiv der Oblast Irkutsk und den Chibinen auf der Halbinsel Kola in Russland, auf den Manganfeldern der Kalahari und im Pilansberg-Komplex bei Rustenburg in Südafrika sowie am Santa Rita Peak im San Benito County (Kalifornien) in den USA.[14]

Siehe auch

Literatur

  • W. C. Smith, F. A. Bannister, M. H. Hey, A. W. Groves: Banalsite, a new barium-feldspar from Wales. In: Mineralogical Magazine. Band 27, Nr. 186, September 1944, S. 33–47, doi:10.1180/minmag.1944.027.186.01 (englisch, rruff.net [PDF; 2,7 MB; abgerufen am 28. November 2025]).
  • Michael Fleischer: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 30, Nr. 1–2, 1945, S. 85–86 (englisch, minsocam.org [PDF; 134 kB; abgerufen am 28. November 2025]).
  • Ruslan P. Liferovich, Andrew J. Locock, Roger H. Mitchell, Arkadiy K. Shpachenko: The crystal structure of stronalsite and a redetermination of the structure of banalsite. In: The Canadian Mineralogist. Band 44, 2006, S. 533–546, doi:10.2113/gscanmin.44.2.533 (englisch, Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 25. Januar 2025 im Internet Archive) [PDF; 901 kB; abgerufen am 28. November 2025]).
  • Andrew J. Locock, T. Scott Ercit, Johan Kjellman, Paula C. Piilonen: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 91, Nr. 11–12, 2006, S. 1945–1954 (englisch, minsocam.org [PDF; 209 kB; abgerufen am 28. November 2025]).
Commons: Banalsite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI