Barbara Kemp
deutsche Opernsängerin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Angela Barbara Kemp (* 12. Dezember 1881 in Cochem; † 17. April 1959 in Berlin) war eine deutsche Opernsängerin (Sopran) und Opernregisseurin.


Leben
Kemps musikalisches Talent wurde auf der Klosterschule in Cochem entdeckt. 1897 ertrank ihr Vater Joseph Kemp, er stammte aus einer Familie von Moselschiffern. Mit ihrer Mutter Maria Barbara Kemp, geb. Schwickerath (* 1858 Alf an der Mosel; † 1921 Berlin-Charlottenburg)[1] zog sie 1899 nach Straßburg.[2]
Dort hatte Barbara Kemp mit etwa 17 Jahren ersten Gesangsunterricht und studierte von 1902 bis 1905 am Konservatorium sowie zusätzlich in Berlin.[3] Ab 1903 war sie zunächst als Volontärin am Straßburger Stadttheater tätig, wo sie als eine der Priesterinnen in Aida debütierte. Von 1906 bis 1908 sang sie am Stadttheater von Rostock und von 1909 bis 1913 am Opernhaus von Breslau. In Breslau heiratete sie 1911 den Arzt Dr. Johannes Miekley (* 1872 in Potsdam), von dem sie 1915 wieder geschieden wurde. 1913 wurde sie an die Berliner Hofoper engagiert, an der sie eine bedeutende Karriere machte. Bei den Bayreuther Festspielen sang sie 1914 die Senta im Fliegenden Holländer und die Helmwiege in der Walküre, sowie 1924, 1925 und 1927 die Kundry in Parsifal.[4]
Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sie bei Gastspielen Erfolge: 1922, 1925 und 1927 gastierte sie an der Wiener Staatsoper,[5] 1923 und 1924 war sie an der Metropolitan Opera in New York tätig (Antrittsrolle: Mona Lisa in der gleichnamigen Oper von Max von Schillings).[6] Sie sang weiter in Den Haag und in Amsterdam, in Budapest und Prag, in München, Dresden und Hamburg.
Am 4. November 1921 sang sie die Uraufführung der Drei Hymnen von Friedrich Hölderlin, op. 71 von Richard Strauss (Dirigent: Gustav Brecher).[7]
Ihr Rollenfach reichte von Mozart (Donna Anna in Don Giovanni) über Meyerbeer (Selika in Die Afrikanerin, Valentine in Die Hugenotten) und das italienische Fach (Aida, Leonore in Troubadour und Santuzza in Cavalleria rusticana) bis zu den Heroinen Richard Wagners und Richard Strauss’.
1923 heiratete sie in zweiter Ehe den Komponisten und Dirigenten Max von Schillings, der 1919 bis 1925 als Generalintendant die Berliner Staatsoper leitete. Als Max von Schillings im Jahr 1925 seinen Posten als Generalintendant wegen Unstimmigkeiten mit dem preußischen Kultusminister Carl Heinrich Becker verließ, beabsichtigte Kemp, ihren Vertrag in einen Gastspielvertrag umzuwandeln, blieb dann aber bis 1930 im Ensemble.[8] 1932 beendete sie ihre Karriere und lebte seither als Gesangslehrerin in Berlin.
1936 versuchte sie, die im Jahr zuvor erschienene Biografie von Wilhelm Raupp: Max von Schillings: der Kampf eines deutschen Künstlers, die ihren Ehemann als „gläubigen antisemitischen Vorläufer des NS-Regimes“ darstellte, wegen „vielfach mit stark tendenziöser Verzerrung gezeichnet“ verbieten zu lassen.[9]
An der Staatsoper inszenierte sie 1938 eine von ihr überarbeitete Fassung von Schillings' früher Oper Ingwelde,[10] 1939 übernahm sie die Regie einer Neuinszenierung der Mona Lisa „im Sinne ihres Gatten“,[11] 1940 folgte schließlich ihre Inszenierung der Elektra (Dirigent: Herbert von Karajan).
Barbara Kemp starb 1959 im Alter von 77 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls in ihrer Wohnung in Berlin-Zehlendorf[12] und wurde auf dem St.-Annen-Kirchhof in Berlin-Dahlem beigesetzt. Das Grab ist nicht erhalten.[13]
Ihre Tochter Johanna Barbara Miekley (* 1908 in Berlin; † 1982 in München[14]) heiratete 1942 in dritter Ehe Benvenuto Hauptmann (1900–1965), den jüngsten Sohn des Schriftstellers Gerhart Hauptmann;[15] ihre Enkelin war die Autorin und Sängerin Anja Hauptmann (1941–2025).
Barbara Kemps Schwester Josefine Kemp (* 22. April 1885 in Cochem; † 1980 in Gauting) wurde ebenfalls Sängerin und wirkte u. a. als Soubrette an der Hofoper Stuttgart. Sie war mit dem Dirigenten Klaus Nettstraeter (* 1887 in Cochem; † 1952 in Hagen) und in zweiter Ehe mit dem Reformationsforscher Karl August Meißinger verheiratet.[16]
Tondokumente
Kemp hinterließ Schallplatten der Marken Gramophone (12 Titel/Seiten, Berlin 1913–15), Odeon (24 Titel, Berlin 1915–21), Electrola (7 Titel, Berlin 1927–28) und Parlophon (2 Titel, Berlin 1930).
Auf LP wurden 32 Titel wiederveröffentlicht (Preiser Records/Lebendige Vergangenheit, LV 13-II[17] und LV 166[18]), auf CD 19 Titel (Preiser Records 89092, Wien 1992).[19]
Würdigungen
„B[arbara] K[emp] nahm unter den deutschen Opernsängerinnen insofern eine gewisse Sonderstellung ein, als sie … mehr und mehr das Konventionelle in der Darstellung abstreifte und nach Wahrheit des Ausdrucks, selbst auf Kosten der Stimmschönheit, strebte. Für das Problem der Gleichzeitigkeit von Gesang und Schauspielkunst, die hauptsächlich von Wagner und Strauss gefordert wird, war sie ein kennzeichnender Typus. Sie war eine der eindringlichsten Darstellerinnen der Sieglinde, Kundry, Isolde, vor allem auch der Salome von Strauss, der sie klassische Form gegeben hat.“
„Etwa zehn Jahre später hörte ich Barbara Kemp als Salome in der Königlichen Oper. Sie war in jeder Beziehung vollendet, und ihr Tanz war so hinreißend, wie ich ihn nie wieder auf einer Opernbühne erlebt habe. Eine ebenso eindrucksvolle Erinnerung habe ich an Barbra Kemp als Aida. Eine Künstlerin von stärkster Intensität und restloser Hingabe an ihre Rolle stand auf der Bühne und ließ alles um sich herum erblassen.“
Literatur
- Oskar Bie: Barbara Kemp. Reiß, Berlin 1921, urn:nbn:de:kobv:109-1-15413815 (Digitalisiert von der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2020).
- Karl Marilaun: Bei Barbara Kemp. In: Neues Wiener Journal vom 25. Mai 1924, S. 5 f (anno.onb.ac.at)
- Mecklenburgisches Gästebuch: Max v. Schillings ; Barbara Kemp. In: Mecklenburgische Monatshefte : Zeitschrift zur Pflege heimatlicher Art und Kunst. Schwerin, 11. Jahrgang 1935, Heft 125, S. 235.
- Peter Scherl: Cochem in alten Ansichten. Europäische Bibliothek, Zaltbommel 1995. ISBN 90-288-2244-5, S. 73.
- Barbara Kemp. In: Rainer E. Lotz, Axel Weggen, Oliver Wurl: Discographie der deutschen Gesangsaufnahmen. Band 2 (= Deutsche National-Discographie. Serie 3). Birgit Lotz Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-9805808-0-6, S. 387–391.
- Kemp, Barbara. In: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Band 4. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9, S. 2360.
- Susan Blyth-Schofield: Kemp, Mickley-Kemp, Barbara. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Personenteil, Band 10. Bärenreiter, Kassel 2004, 3-7618-1120-9, Sp. 1.
- Alfons Friderichs (Hrsg.): Kemp, Barbara. In: Persönlichkeiten des Kreises Cochem-Zell. Kliomedia, Trier 2004, ISBN 3-89890-084-3. S. 183.
- Vicki Kondelik: Barbara Kemp. In: The Record Collector. ISSN 0034-1568, Band 49, Nr. 1, März 2004, S. 27–58.
- Die Cochemer Sängerin Barbara Kemp. In: Stadt- und Landbote der Stadt Cochem. Ausgabe 50/2006, S. 53.
- Petra und Wolfgang Lambertz: Der Opernstar Barbara Kemp. In: Heimatjahrbuch Cochem-Zell 2007. ISSN 0939-6179, S. 159–161.
- Typoskript Stadtarchiv Cochem.
Weblinks
- Barbara Kemp bei Operissimo auf der Basis des Großen Sängerlexikons
- Barbara Kemp in der Rheinland-Pfälzischen Personendatenbank
- Barbara Kemp bei Discogs
- Barbara Kemp im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- Barbara Kemp – Opernsängerin und Regisseurin aus Cochem ( vom 23. Januar 2016 im Internet Archive)