Barbara Sukowa
deutsche Schauspielerin und Sängerin
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Barbara Sukowa (* 2. Februar 1950 in Bremen) ist eine deutsche Schauspielerin und Sängerin. Seit Mitte der 1970er-Jahre trat sie in zahlreichen Theater- und über 60 Film- und Fernsehrollen auf und wurde vielfach preisgekrönt. Internationale Bekanntheit erlangte die Charakterdarstellerin ab den 1980er-Jahren durch Kinofilme wie Die bleierne Zeit, Lola oder Rosa Luxemburg.

Leben
Die Kaufmannstochter besuchte in Bremen das Kippenberg-Gymnasium, das zu dieser Zeit noch ein Mädchenschule war. Von 1966 bis 1967 verbrachte sie ein Schuljahr in Kalifornien (USA). Dort wurde sie in Orange County zur besten Schultheaterdarstellerin gewählt, was sie als Initialzündung für ihren Beruf als Schauspielerin bezeichnet.[1] Nach dem Abitur studierte sie ab 1968 an der Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel in Berlin.[2]
Aus Sukowas erster Ehe mit dem Schauspieler Hans-Michael Rehberg ging ihr erster, 1978 geborener Sohn hervor. Später war sie mit dem polnischen Schauspieler Daniel Olbrychski verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Viktor Longo-Olbrychski ist Singer-Songwriter und lebt in Brooklyn. In dritter Ehe war die Schauspielerin von 1994 bis 2018 mit dem US-amerikanischen Multimediakünstler und Fotografen Robert Longo liiert[3], mit dem sie ab 1992 im New Yorker Stadtteil Brooklyn lebte und einen dritten Sohn hat, Joseph Longo, der heute ebenfalls als Filmemacher und Schauspieler arbeitet.
Karriere
Nach Abschluss ihrer Schauspielausbildung nahm Sukowa Engagements an verschiedenen Theatern im deutschsprachigen Raum an: 1971 spielte sie an der Berliner Schaubühne am Halleschen Ufer in Peter Handkes Der Ritt über den Bodensee und in den 1970ern sie u. a. in Frankfurt am Main und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg unter Regisseuren wie Luc Bondy und Ivan Nagel. In Hamburg gehörte sie zum festen Ensemble des Schauspielhauses. Als Nagel das Theater verließ, ging 1980 auch Barbara Sukowa. 1980 und 1981 spielte sie bei den Salzburger Festspielen die Rosalinde in Shakespeares Wie es euch gefällt unter der Regie von Otto Schenk.
Damals engagierte Rainer Werner Fassbinder sie für seinen Fernsehmehrteiler Berlin Alexanderplatz nach dem gleichnamigen Roman von Alfred Döblin. Wegen ihres großen Erfolgs in der Rolle der Mieze engagierte Fassbinder sie auch für seinen nächsten Film: In Lola übernahm sie 1981 die Titelrolle an der Seite von Armin Mueller-Stahl und Mario Adorf. In Die bleierne Zeit von Margarethe von Trotta spielte sie neben Jutta Lampe und Rüdiger Vogler die Hauptrolle der Marianne, die an Gudrun Ensslin angelehnt ist. Für beide Filme wurde Barbara Sukowa mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.

1983 wurde Barbara Sukowa für die Rolle der Hilde Wangel in Henrik Ibsens Baumeister Solness unter der Regie von Peter Zadek vom Theatermagazin Theater heute zur Schauspielerin des Jahres gewählt. Im Jahr 1986 drehte sie erneut einen Film mit Margarethe von Trotta: In Rosa Luxemburg spielte sie die Titelrolle, für die sie den Darstellerpreis der Filmfestspiele von Cannes 1986 erhielt.
Ende der 1980er-Jahre startete Sukowa eine Karriere als Sängerin. Seither gibt sie weltweit klassische Konzerte, unter anderem mit den Dirigenten Claudio Abbado und Esa-Pekka Salonen. Mit dem Dirigenten Reinbert de Leeuw und dem Schönberg Ensemble hat sie die Produktion Im wunderschönen Monat Mai eingespielt, die sich dem deutschen romantischen Lied widmet, vor allem Franz Schubert und Robert Schumann. Mit Robert Longo gründete sie die Rockband Barbara Sukowa & The X-Patsys, für die ihr Sohn Viktor auch Songs schrieb.
2012 wurde Sukowa in die Wettbewerbsjury der 62. Internationalen Filmfestspiele von Berlin berufen. Von 2015 bis 2018 spielte sie die Rolle der Katarina Jones in der US-amerikanischen Science-Fiction-Serie 12 Monkeys.
2019 war sie in Filippo Meneghettis lesbischem Beziehungsdrama Wir beide an der Seite von Martine Chevallier zu sehen. Für ihre Darstellung in der französischsprachigen Produktion gewann sie 2021 als erste deutsche Schauspielerin den Prix Lumière und wurde für den César nominiert.[4]
Filmografie (Auswahl)
- 1974: Unter Ausschluß der Öffentlichkeit (Fernsehreihe, Folge 1x02 Der Abstieg)
- 1974: Hauptsache die Kohlen stimmen (Fernsehserie)
- 1977: Schule mit Clowns (Fernsehfilm)
- 1977: Verkaufte Träume (Fernsehfilm)
- 1977: Frauen in New York (Fernsehfilm)
- 1978: Heinrich Heine (Fernsehzweiteiler)
- 1980: Tatort – Der gelbe Unterrock
- 1980: Berlin Alexanderplatz (Regie: Rainer Werner Fassbinder)
- 1980: St. Pauli-Landungsbrücken (Fernsehserie, eine Folge)
- 1981: Die bleierne Zeit (Regie: Margarethe von Trotta)
- 1981: Lola (Regie: Rainer Werner Fassbinder)
- 1982: Equateur
- 1982: Deadly Game
- 1983: Zwei Profis steigen aus (Un dimanche de flic)
- 1984: Baumeister Solness (Fernsehfilm)
- 1985: Space (Fernsehserie)
- 1986: Rosa Luxemburg (Regie: Margarethe von Trotta)
- 1987: Die Verliebten
- 1987: Der Sizilianer (The Sicilian)
- 1991: Europa (Regie: Lars von Trier)
- 1991: Homo Faber (Regie: Volker Schlöndorff)
- 1993: Pakt mit dem Tod (Colpo di coda, Fernsehfilm)
- 1993: M. Butterfly
- 1995: Vernetzt – Johnny Mnemonic (Johnny Mnemonic)
- 1997: Im Namen der Unschuld
- 1997: Office Killer
- 1998: Haus der verlorenen Seelen
- 1999: Das schwankende Schiff (Cradle Will Rock)
- 1999: Das dritte Wunder (The Third Miracle)
- 2000: Urbania
- 2001: Thirteen Conversations About One Thing
- 2002: Liebe, Lügen, Leidenschaft (Fernsehserie)
- 2003: Hierankl
- 2004: Die andere Frau (Fernsehen)
- 2005: Romance & Cigarettes
- 2008: Die Entdeckung der Currywurst (Regie: Ulla Wagner)
- 2009: Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen (Regie: Margarethe von Trotta)
- 2009: Veronika beschließt zu sterben (Veronika Decides to Die)
- 2011: Nacht ohne Morgen (Regie: Andreas Kleinert)
- 2012: Hannah Arendt (Buch und Regie: Margarethe von Trotta)
- 2015–2018: 12 Monkeys (Fernsehserie, 45 Folgen)
- 2015: Die abhandene Welt (Buch und Regie: Margarethe von Trotta)
- 2016: Vor der Morgenröte
- 2017: Atomic Blonde
- 2018: Gloria – Das Leben wartet nicht (Gloria Bell)
- 2019: Native Son
- 2019: Rocca verändert die Welt
- 2019: Wir beide (Deux)
- 2020: Enkel für Anfänger
- 2020: Hunters (Fernsehserie, 1 Folge)
- 2022: Weißes Rauschen (White Noise)
- 2022: Daliland
- 2023: Der Schwarm (Fernsehserie)
- 2023: Air: Der große Wurf (Air)
- 2023: Enkel für Fortgeschrittene
- 2024: Constellation (Miniserie)
- 2024: The Night Agent
- 2025: Klandestin
- 2025: Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes
Auszeichnungen
- 1981: Darstellerpreis bei den Filmfestspielen von Venedig für Die bleierne Zeit
- 1981: Deutscher Darstellerpreis Chaplin-Schuh des Verbandes der Film- und Fernsehregisseure e. V.
- 1981: Goldener Phoenix (Darstellerpreis) für Die bleierne Zeit, Biennale Venedig
- 1982: Deutscher Filmpreis für Lola und Die bleierne Zeit (Beste darstellerische Leistungen)
- 1983: tz-Rose des Jahres der Münchner Tageszeitung tz
- 1983: Schauspielerin des Jahres der Zeitschrift Theater heute
- 1986: Deutscher Filmpreis für Rosa Luxemburg (Beste darstellerische Leistungen)
- 1986: Darstellerpreis bei den Filmfestspielen von Cannes für Rosa Luxemburg
- 1997: Bayerischer Filmpreis, Darstellerpreis für Im Namen der Unschuld
- 2006: Adolf-Grimme-Preis für Hierankl[5]
- 2007: Nestroy-Theaterpreis-Nominierung als Beste Schauspielerin für Quartett bei den Salzburger Festspielen
- 2008: Beste Darstellerin beim World Film Festival in Montréal für Die Entdeckung der Currywurst
- 2008: ECHO Klassik–Preis im Bereich Klassik ohne Grenzen für Im wunderschönen Monat Mai
- 2009: Bayerischer Filmpreis, Darstellerpreis für Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen
- 2012: Bayerischer Verdienstorden
- 2012: Bayerischer Filmpreis, Darstellerpreis für Hannah Arendt
- 2013: Deutscher Filmpreis für Hannah Arendt (Beste darstellerische Leistung – weibliche Hauptrolle)
- 2013: Schauspielpreis Die Europa des Internationalen Filmfestivals Braunschweig
- 2014: Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin
- 2021: Prix Lumières – Beste Darstellerin, zusammen mit Martine Chevallier, für Wir beide[6]
- 2023: CineMerit Award
- 2024: Hessischer Film- und Kinopreis: Ehrenpreis des Ministerpräsidenten[7]
- 2025: Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern: Ehrenpreis Goldener Ochse[8]
Filmdokumentation
- 2007: Barbara Sukowa – Mein Leben. Regie: Hilka Sinning[9]
Literatur
- Barbara Sukowa im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
- Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München • Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 888.
- Wolfgang Jacobsen: Barbara Sukowa – Schauspielerin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 8, 1987.
- C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 691 f.
- Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 7: R – T. Robert Ryan – Lily Tomlin. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 555 f.
Weblinks
- „Es wird schwierig, in Deutschland Filme zu machen“. Interview. In: fr-online.de. ddp, 6. September 2008.
- Barbara Sukowa bei IMDb
- Barbara Sukowa bei filmportal.de