Barbara Uthmann

erzgebirgische Unternehmerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Barbara Uthmann (auch Uttmann), geb. von Elterlein (* um 1514 in Annaberg (?); † 14. Januar 1575 ebenda), war eine deutsche Montan-Unternehmerin und Bortenhändlerin im Erzgebirge. Mit ihrem beachtlichen Lebenswerk zählt Barbara Uthmann noch heute zu den außergewöhnlichen Persönlichkeiten des Erzgebirges.

Barbara-Uthmann-Brunnen in Annaberg-Buchholz

Leben

Barbara-Uttmann-Brunnen (Elterlein), Rückseite

Barbara war eine Tochter von Heinrich von Elterlein und dessen Ehefrau Ottilia geb. Arnold. Ob sie in Annaberg oder Elterlein geboren wurde, ist in der erzgebirgischen Heimatforschung umstritten.

1550 gelangte die Saigerhütte Grünthal an die Familie von Christoph Uthmann, mit dem sie seit 1529 verheiratet war. Das Paar bekam insgesamt 15 Kinder (6 Töchter und 9 Söhne), von denen 12 das Erwachsenenalter erreichten. Der Ehemann starb allerdings bereits mit 46 Jahren, so dass Barbara Uthmann danach mit ihren noch großenteils kleinen Kindern fortan allein dastand. Es gelang ihr immerhin, die in solchen Fällen übliche Einsetzung eines Vormunds zu verhindern, zumal sie einige volljährige Söhne und einen Schwiegersohn hatte, die sie bei der Fortführung des Unternehmens unterstützten. Zugleich hatte sie das Unternehmen weiterzuführen, wobei sie indes von ihren älteren Söhnen unterstützt wurde.

Die von Barbara Uthmann betriebene Saigerhütte wurde sehr erfolgreich weiterbetrieben, zumal der Landesherr, Kurfürst August, seinerzeit ihrem Ehemann ein zeitlich befristetes Monopol zugesichtert hatte, demzufolge alles in den umliegenden Kupfergruben geförderte Erz zu einem festgelegten Preis an ihn zu verkaufen sei. Es gelang der Familie Uthman, sich dieses Privileg mehrfach verlängern zu lassen, doch ihr Geschäftsgebaren und ihre Preispolitik sorgten dafür, dass sich andere Unternehmer beim Kurfürsten beklagten. Dieser war selbst an der Saigerhütte interessiert, so dass er das Privileg nach 13 Jahren nicht nochmals verlängerte. Damit war der Weiterbetrieb der Hütte für die Familie Uthmann nicht mehr lukrativ, was zu einem unterwertigen Verkauf an den Kurfürsten führte. 12 Jahre später wurde Barbara Uthmanns Sohn Paul mit der Leitung der Hütte als Faktor beauftragt.

Aufgrund des Bergbaus war Annaberg in dieser Zeit eine blühende Stadt, was auch ein Bedürfnis nach luxuriösen Textilien hervorrief. Auch hier sah die weitsichtige Barbara Uthmann eine gewinnversprechende Einnahmequelle, indem sie Borten nach Art des Verlagssystems, also in Heimarbeit, herstellen ließ und verkaufte. Zeitweilig beschäftigte sie 900 Bortenwirkerinnen. Der Erzgebirgschronist Christian Lehmann (1611–1688) beschrieb sie um 1660 – in Rückgriff auf den Theologen Paulus Jenisius – als „die erste Spitzenkrämerin in OberErtzgebirge“, die 1561 den Spitzenhandel anfing, Muster ausgab, den Armen verlegte, Borten und Spitzen an Fremde weiterverkaufte und so zu Reichtum kam.[1][2]

Nicht zuverlässig belegt ist hingegen die teils immer noch kursierende[3][4] Darstellung, sie habe auch das Spitzenklöppeln im Erzgebirge wesentlich gefördert oder gar erst eingeführt. Die Behauptung geht angeblich ebenfalls auf Jenisius zurück, gehört aber nach Meinung des Heimatforschers Reinhart Unger wahrscheinlich ins Reich der Legenden.

Nach ihrem Tode wurde Barbara Uthmann mit großen Ehren an der Seite ihres Mannes auf dem Annaberger Friedhof beigesetzt.

Dichterische Rezeption

Der Gymnasiallehrer und Finanzbeamte Sebastian Leonhart (1544–1610)[5] verfasste kurz nach Barbara Uthmanns Tod einen Trauergesang („Carmen funebre“) auf sie in lateinischer Sprache. Das in hexametrischer Form verfasste Gedicht wurde erst 2014 wiederentdeckt und von Christian Zemmrich (* 1935), dem langjährigen Pfarrer der St.-Annen-Kirche in Annaberg, ins Deutsche übertragen.[6]

Denkmäler für Barbara Uthmann

Annaberg

Gedenkplatte am Barbara-Uthmann-Brunnen

Im Jahr 1886 schuf der Dresdner Bildhauer Robert Henze für Annaberg ein Bronze-Standbild der Barbara Uthmann. Die Stadt Annaberg bezeugte damit ihren Dank an Uthmann, die als wichtige Vertreterin des zweiten Aufschwungs (nach dem Silberbergbau) der erzgebirgischen Wirtschaft gilt. Ende des 19. Jahrhunderts war Annaberg ein prosperiendes Zentrum der auch auf Barbara Uthmann zurückgehenden Posamentenherstellung.

Die Konzeption eines Denkmals als Zentrum einer Brunnenanlage hatte Henze schon in früheren Arbeiten verwirklicht, ebenso lehnt sich das Denkmal selbst an ein Standbild der Kurfürstin Anna in Dresden (1869) an, da es von Barbara Uthmann keine überlieferten Darstellungen gibt.

In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre verunglückte ein am Brunnenrand spielendes Kind tödlich. Deshalb gestaltete man das Brunnenbecken zum Blumenkübel um. Am 30. Juli 1942 wurde die Bronzefigur zum Zwecke der Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg demontiert und eingeschmolzen.

Am 12. November 1998 wurde nach zwei Umfragen beschlossen, das Barbara-Uthmann-Denkmal neu zu errichten. Nach 10-jähriger Spendensammlung konnte eine Kopie des Denkmals am 2. Oktober 2002 auf dem Markt von Annaberg-Buchholz enthüllt werden. Aus diesem Anlass feierte die Familie Uthmann ein Familientreffen in Annaberg-Buchholz. Über 60 Nachfahren wurden Zeuge der offiziellen Einweihung des Brunnens und trugen sich in das Goldene Buch der Stadt ein.

Grabdenkmal der Barbara Uthmann auf dem Alten Annaberger Friedhof

Seit dem 17. Oktober 1834 steht auf dem Trinitatis-Friedhof ein vom Bildhauer Franz Pettrich gestaltetes und vom Annaberger Postmeister Carl Friedrich Reiche-Eisenstuck gestiftetes Grabmal für Uthmann. Es trug ursprünglich folgende Inschrift:[7]

Hier ruhet
Barbara Uttmann,
gestorben den 15. [Januar] 1575. Sie ward durch
das im Jahre 1561 von ihr erfundene Spitzen-
klöppeln die Wohlthäterin des Erzgebirges.
Ein thätiger Geist, eine sinnige Hand,
Sie ziehen den Segen in's Vaterland.

Eine 1932 von Paul Schneider geschaffene Holzbüste von Barbara Uthmann befindet sich im Erzgebirgsmuseum in Annaberg-Buchholz.

Die einstigen Wohnhäuser Barbara Uthmanns (Markt 8 und Große Kirchgasse 10 in Annaberg) sind mit Informationstafeln zum Leben und Wirken Barbara Uthmanns versehen.

Elterlein

Barbara-Uttmann-Brunnen (Elterlein)

Ein weiteres Barbara-Uthmann-Denkmal steht auf dem Markt von Elterlein.

Zwickau

An der St.-Marien-Kirche befindet sich an der linken Außenseite eine Skulptur.

Ehrungen

1869 wurde eine Gemischtzug-Lokomotive für die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen „Barbara Uttmann“ benannt. Sie ist als die fünfundneunzigste Lokomotive von der damals noch jungen Berliner Lokomotivfabrik L.Schwartzkopff gefertigt worden und wurde in Sachsen mit der Betriebsnummer 191 (ab 1892: 722) in die Gattung VII eingegliedert. Sie versah bis 1893 ihren Dienst auf Nebenbahn-Strecken. Nach M. Weisbrod (s. Lit.) war es der einzige weibliche Name, der jemals für eine sächsische Lokomotive vergeben wurde.

Im Jahre 2003 wurde der am 1. Februar 1998 in der Volkssternwarte Drebach (Erzgebirge) entdeckte Asteroid 1998 CA nach Barbara Uthmann benannt. Er trägt jetzt die offizielle Bezeichnung (31231) Uthmann und bewegt sich zwischen den Planeten Mars und Jupiter um die Sonne.

Martina Meißner (WDR) widmete Uthmann am 14. Januar 2015 ein ZeitZeichen.[8]

Barbara Uthmann wurde in Annaberg-Buchholz mit einem Frauenort geehrt.[9]

Literatur

Belletristische Verarbeitungen
  • Hanna Klose-Greger: Barbara Uttmann. Roman. von Hase & Köhler, Leipzig 1940, OCLC 315002558
  • Regina Hastedt: Barbara Uthmann. Historischer Roman. Greifenverlag, Rudolstadt 1987, ISBN 978-3-7352-0058-7
  • Joachim Mehnert: Barbara Uthmann – Eine ungewöhnliche Frau. Tauchaer Verlag, 2005, ISBN 3-89772-104-X
Commons: Barbara Uthmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Barbara Uttmann – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

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