Barbara Weber
Schweizer Regisseurin und Intendantin
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Barbara Weber (* 1975 in Wattwil, Kanton St. Gallen) ist eine Schweizer Regisseurin, Kuratorin und Theaterintendantin.
Leben
Barbara Weber wuchs mit drei älteren Brüdern in einem ländlichen Umfeld auf. Ihre Kindheit bezeichnet sie als behütet, ohne Fernsehen, aber mit viel Büchern und Kultur.[1] Ihre Matura bestand sie 1995. Danach studierte sie Regie an der Universität Hamburg am Institut für Theater, Musiktheater und Film und erwarb einen CAS in Kulturbetriebsführung an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW School of Management and Law). Sie arbeitete u. a. am HAU in Berlin, im Theaterhaus Gessnerallee, am Schauspiel Essen, dem Maxim-Gorki-Theater Berlin, an den Münchner Kammerspielen und bei den Wiener Festwochen, National Theatre Athens, Schauspielhaus Zürich, Theaterspektakel, Kunsthalle Zürich, Residenztheater München, Winkelwiese Zürich, Schauspielhaus Wien, Bühnen Bern.[2]
Barbara Weber entwickelte in ihrer Regietätigkeit ein Format unter dem Titel Unplugged. Dieses aus der Popmusik bekannte Prinzip übertrug sie auf die Bühne und erfand damit ein unkonventionelles und sehr produktives Theaterformat. Binnen sieben Jahren sind so etwa ein Dutzend Theaterproduktionen entstanden,[1] die sich zu ihrem Markenzeichen entwickelten.[3] Ihre Unplugged-Produktionen liefen im deutschsprachigen Raum mit grossem Erfolg. Hollywood unplugged sowie RAF unplugged wurden zum Theaterfestival Impulse eingeladen. RAF unplugged gewann den Preis des Fonds für Darstellende Künste Berlin.
Sie hatte verschiedene Leitungspositionen inne, wie als Direktorin des Theater Neumarkt mit Rafael Sanchez 2008–2013,[4][5] die Gesamtleitung des Reformationsjubiläum mit Martin Heller, Kunst:Szene Zürich 2018, Gesamtleitung mit Alexandra Blätter.
Sechs Jahre lang zwischen 2018 und 2024 war sie Mitglied der künstlerischen Kommission des Impulse Theater Festivals, das als eines der wichtigsten Festivals für Freies Theater im deutschsprachigen Raum gilt und jährlich Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentiert.
Seit 2019 leitet sie das Projekt volldabei, welches sich für einen neuen Diskurs zu Flucht, Asylverfahren und Migration einsetzt. Ehrenamtlich engagiert sie sich im Stiftungsrat des Miller’s Studio. Sie ist Teil der Armin-Ziegler-Stiftung und hat Einsitz in der Jury des Lilly Ronchetti-Preises.
Barbara Weber ist die Schwester des Autors Peter Weber.[6][7]
Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich.
Inszenierungen (Auswahl)
- 1999: Leidenschaften und Ungeziefer mit Texten von Ulrich Bräker, Chössi Theater, Toggenburg
- 2000–2004: Freundinnen. Ein Seminar, Schlachthaustheater Bern, Theater an der Winkelwiese, Zürich, diverse Gastspiele
- 2001: Trommeln in der Nacht von Bertolt Brecht, Theater am Neumarkt / Kampnagel, Hamburg
- 2002: hollywood unplugged no. 1 bonnie&clyde, Koproduktion Deutsches Schauspielhaus, Hamburg und Theaterhaus Gessnerallee, Zürich
- 2002: hollywood unplugged no. 2 rocky, Koproduktion Deutsches Schauspielhaus Hamburg und Theaterhaus Gessnerallee Zürich
- 2002: hollywood unplugged no. 3 star wars, Koproduktion Deutsches Schauspielhaus Hamburg und Theaterhaus Gessnerallee Zürich
- 2002: hollywood unplugged no. 4 titanic, Koproduktion Deutsches Schauspielhaus Hamburg und Theaterhaus Gessnerallee Zürich
- 2002: Die arabische Nacht von Roland Schimmelpfennig, Theater an der Winkelwiese, Schweizer Erstaufführung
- 2002–2008: hollywood unplugged-Die lange Nacht, Theaterhaus Gessnerallee, Hebbel Am Ufer, Berlin, Künstlerhaus Mousonturm, Frankfurt am Main, diverse Gastspiele in Europa.
- 2003: stars unplugged no. 1 britneyland, Theaterhaus Gessnerallee, Zürich
- 2004–2016: Heidi nach Johanna Spyri, Theater an der Sihl, Zürich, Europatour.
- 2004: ponyhof nach dem Film Rote Sonne, Theaterhaus Gessnerallee, Zürich
- 2004–2007: stars unplugged no. 2 mother t., Theaterhaus Gessnerallee, Zürich, Europatour
- 2004: Endstation Sehnsucht von Tennessee Williams, Schauspielhaus Graz
- 2005: Sauerstoff von Iwan Wyrypajew, Münchner Kammerspiele
- 2005–2008: RAF-unplugged, Hebbel Am Ufer, Berlin, Impulse 05, Theaterhaus Gessnerallee, Zürich, Europatour.[8]
- 2005: X-Wohnungen, Hebbel Am Ufer, Berlin
- 2005: Les Syrènes nach Homer, Rote Fabrik, Zürich
- 2006: paultschi-unplugged, Volkstheater Wien
- 2006: Jacko-unplugged, Theaterhaus Gessnerallee, auawirleben Bern, Hebbel Am Ufer, Berlin
- 2006: Radikalisierungsgeisterbahn, Münchner Kammerspiele
- 2006: Viktor! Happiness is a warm gun nach Roger Vitrac, Salzburger Festspiele, Theater Freiburg
- 2006: Das Leben ist ein Traum von Pedro Calderón de la Barca, Schauspiel Essen
- 2006: fassbinder unplugged, Künstlerhaus Mousonturm, Frankfurt am Main
- 2006: Kebab von Gianina Carbunariu, Münchner Kammerspiele, diverse Gastspiele
- 2007: tanger unplugged, Münchner Kammerspiele
- 2007: Miss Sara Sampson von Gotthold Ephraim Lessing, Maxim Gorki Theater Berlin
- 2008: Die Lears, nach der Tragödie von William Shakespeare, Wiener Festwochen, HAU 2, Theater Neumarkt
- 2008: Hairstory, mit unvermeidbaren Bezügen zum Musical, Theater Neumarkt
- 2008–2013: Biografie: Ein Spiel von Max Frisch, Theater Neumarkt
- 2009: Anna Karenina von Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi Theater Neumarkt
- 2009: Wahlverwandtschaften von Johann Wolfgang Goethe, Maxim Gorki Theater Berlin
- 2009: Baby Jane ein Projekt von Barbara Weber und Carl Hegemann nach den Motiven des Filmes What ever happened to Baby Jane? Theater Neumarkt. Mit Mira Partecke in der Rolle der Baby Jane
- 2010: Brief an den Vater von Franz Kafka, Theater Neumarkt
- 2010: Are you still afraid of Virginia Woolf? ein Projekt von Barbara Weber und Michael Gmaj, Theater Neumarkt
- 2011: Die Nackten kleiden von Luigi Pirandello. In einer Neubearbeitung des Theater Neumarkt, in einer Übersetzung von Daniel Lerch, Theater Neumarkt
- 2011: Der gute Mensch von Sezuan von Bertolt Brecht. Theater Neumarkt
- 2012: Nebenan – The Vibrator Play von Sara Ruhl, Residenztheater München
- 2012: Orpheus descending, Tennessee Williams, Nationaltheater Athen
- 2013: Elegante Nichtigkeit, Musiktheater nach Richard Wagner. Kammerorchester-Fassung des Wesendonck-Liederzyklus durch Knut Jensen
- 2014: Der Richter und sein Henker, Friedrich Dürrenmatt, Theater Basel[9]
- 2014: Die Jagd nach Liebe von Heinrich Mann, Residenztheater München
- 2014: Hunde Gottes von Thiemo Strutzenberger, Schauspielhaus Wien[10]
- 2015: Kasimir und Karoline, Ödön von Horváth, Schauspielhaus Zürich
- 2015: La Marie Vison, Shuji Terayama, Kunsthalle Zürich, Kunsthalle Zürich, mit Tobias Madison et al.
- 2015: Artist in Residence, Kooperation mit der ZHDK Zürich
- 2015–2019: Co-Gesamtleitung ZH-Reformation.ch mit Martin Heller
- 2016: Making of Success, Manifesta Zürich, Theaterspektakel
- 2018: Projektleitung Kunst:Szene Zürich 2018, in Auftrag für die Stadt Zürich mit Alexandra Blättler.
- 2020: ZOMBIE TV, mit Elisabeth Bronfen, Theaterspektakel Zürich, Belvedere, Wien
- 2021: dear accomplice – Site-Specificwalk mit Alicia Aumüller und Giacomo Veronesi
- 2021: limbo diaries/ #myreallife, Audio-Installation, Helferei Zürich
- 2021: Filmischer Ausstellungsbeitrag zu «Gender», Stapferhaus Lenzburg
- 2021: Smartphone, eine Hörinstallation, mit Diana Rojas, für das Festival about us!
- 2022: Wer ist Walter von Ariane Koch, UA, Theater an der Winkelwiese, Zürich
- 2022: remote together – the reality vaccine, digitales COVID- 19-Rechercheprojekt, Berlin, Stockholm, Wien, Zürich
- 2022: a waiting room, Audio-Installation, Projektleitung. Kooperation mit *Rechtsberatung für Menschen in Not und Theater Bern. Theater Basel, Alte Billetkasse
- 2022: A walk to myself, Videowalk von Firas Shamsan mit Diana Rojas, Bühnen Bern
- 2023: Dear Jane Doe mit Alicia Aumüller, Schauspielhaus Zürich, Kurtheater Baden
- 2023: STO DROMO eine Audiotour, Festival about us! Zürich
- 2023: Bernbuch – meine weisse Stadt und ich, von Vincent O. Carter, UA, Theater Bern
- 2023: Temple Grandin – Das Mädchen auf dem Mars, ein multimediales Biopic Theater Stadelhofen Zürich, Bühnen Aarau
- 2024: Stillleben, Caren Jess, Theater Winkelwiese und Kunsthaus Zürich
- 2024: Die Entführung aus dem Serail, W.A. Mozart, Bühnen Bern, Premiere 4. Mai 2024
- 2024: Prima Facie von Susie Miller, Schauspielhaus Zürich, Premiere 16. November 2024
- 2025: Hedda Gabler, H. Ibsen, Bühnen Bern, Premiere 21. Februar 2025
Leitungs- und kuratorische Tätigkeiten
- 2008–2013: Theater Neumarkt, Co-Direktion mit Rafael Sanchez
- seit 2013: Geschäftsführung Transit Productions
- 2015–2019: Reformationsjubiläum: inhaltlich- kuratorische Gesamtleitung mit Martin Heller
- 2018: Kunstszene Zürich (Kulturdepartement der Stadt Zürich): Künstlerische und inhaltliche Gesamtleitung mit Alexandra Blättler
- 2018–2022: Pro Kultur Kanton Zürich, Präsidentin
- 2018–2024: Impulse Festival, Künstlerische Kommission und Scout Schweiz
- seit 2019: volldabei, Produktionsleitung
- 2023–2027: 200 Jahre Johanna Spyri, Künstlerische Leitung[11]
Lehrtätigkeiten
- 2006, 2008: Lehrbeauftragte am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt a. Main und Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt a. Main
- 2008: Dozentin bei der Summer Academy, National Theater Athen and Drama School of National Theatre of Athens
Auszeichnungen
- 2006: Preis des Fonds für Darstellende Künste Berlin
- 2007: Anerkennungspreis der St. Gallischen Kulturstiftung[1]
- 2022: Werkjahr Landis & Gyr Stiftung
Publikationen
- Barbara Weber, Martin Heller (Hrsg.) Reformation. Scheidegger+Spiess, Zürich 2021, ISBN 978-3-85881-632-0.
- Daniel Lerch, Barbara Weber, Rafael Sanchez, Harald Müller (Hrsg.): Arbeitsbuch Theater Neumarkt 2008–2013. Theater der Zeit, Berlin 2013, ISBN 978-3-943881-26-4.
Weblinks
- Literatur von und über Barbara Weber im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Private Website von Barbara Weber