Barry Hertzog
südafrikanischer General und Politiker
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James Barry Munnik Hertzog (* 3. April 1866 in der Nähe von Wellington, Kapkolonie; † 21. November 1942 in Pretoria, Südafrika) war ein südafrikanischer Politiker und Militär. Er war von 1924 bis 1939 Premierminister der Südafrikanischen Union.


Im Zweiten Burenkrieg von 1899 bis 1902 war Hertzog General des Oranje-Freistaats und damit ein militärischer Anführer der burischen Seite. Nach deren Niederlage wirkte er als Politiker in der nun britisch beherrschten Oranjefluss-Kolonie bzw. ab 1910 in der Südafrikanischen Union.
Er gründete 1914 die Nasionale Party (NP), die für die Unabhängigkeit Südafrikas vom britischen Empire, für Rassentrennung und die Vorherrschaft der weißen (insbesondere burischen) gegenüber den schwarzen Südafrikanern und anderen Bevölkerungsgruppen eintrat. Nach dem Wahlsieg seiner Partei 1924 wurde er Regierungschef des Dominions. Die NP ging 1934 in der United Party (UP) auf.
Im Zweiten Weltkrieg strebte Hertzog die Neutralität seines Landes an. Die Parlamentsmehrheit stimmte aber für einen Kriegseintritt an der Seite Großbritanniens und setzte Hertzog zugunsten von Jan Smuts ab. Danach trat Hertzog aus der UP aus und gründete die Herenigde Nasionale Party (HNP).
Juristische und Militärkarriere
Barry Hertzog war das achte Kind von Johannes Albertus Munnik Hertzog und Susanna Maria Jacoba Hamman, sein Vater hatte deutsche Vorfahren. Nach dem Schulbesuch in Kimberley und Stellenbosch (Kapkolonie) studierte er am Victoria College in Stellenbosch und an der Universität von Amsterdam, wo er 1892 zum Doktor des Rechts promoviert wurde. Er hatte ab 1893 eine Anwaltskanzlei in Pretoria[1] (damals Hauptstadt der Südafrikanischen Republik, einer der Burenrepubliken). 1895 wurde er als Richter an das Hohe Gericht des Oranje-Freistaates (einer anderen Burenrepublik) in Bloemfontein berufen.
Während des Burenkrieges (1899–1902) diente er zunächst als Rechtsberater der Streitkräfte des Oranje-Freistaats. In der Spätphase des Kriegs wechselte er als Kommandant zu den Feldtruppen, stieg zum General und Stellvertreter des Oberkommandierenden Christiaan de Wet auf. Trotz einiger militärischer Schwierigkeiten wurde er als wagemutig und erfinderischer Leiter der Guerillakrieger bekannt, die die Briten bekämpften. Schließlich wurde er von der Sinnlosigkeit weiteren Blutvergießens überzeugt und unterzeichnete im Mai 1902 den Frieden von Vereeniging.[1]
Politische Karriere bis 1924
Nach dem Zweiten Burenkrieg wurden die bisherigen Burenrepubliken britische Kolonien, aus dem Oranje-Freistaat wurde die Orange River Colony. Dort ging Hertzog in die Politik und wurde leitender Organisator der Partei Orangia Unie. 1907 erreichte die Kolonie Eigenverwaltung. Hertzog wurde als Abgeordneter des Wahlkreises Smithfield ins Parlament gewählt und kam als Generalstaatsanwalt sowie Bildungsminister in das Kabinett des Premierministers Abraham Fischer. Er bestand gegen harte Widerstände darauf, dass neben Englisch auch Afrikaans an Schulen unterrichtet wurde.
Hertzog war 1908–1909 Delegierter im Nationalkonvent, der die Fusion von Kapkolonie, Transvaal, Natal und Oranjefluss-Kolonie zur Südafrikanischen Union vorbereitete und reiste zusammen mit Marthinus Theunis Steyn nach London, um das entsprechende Gesetzgebungsverfahren im britischen Parlament zu beobachten. Seine Partei Orangia Unie fusionierte anschließend mit der in Transvaal etablierten Partei Het Volk von Louis Botha und Jan Smuts, dem Afrikanerbond sowie der South African Party der Kapkolonie zur unionsweiten South African Party (SAP), welche die Mehrheit der wahlberechtigten weißen Südafrikaner (vor allem Buren, aber auch einen Teil der Britischstämmigen) vertrat.
Nach der Gründung der Südafrikanischen Union war Hertzog von 1910 bis 1912 Justizminister in der Regierung des Premierministers Louis Botha, der sich für eine Aussöhnung von Buren und britischstämmigen Südafrikanern einsetzte. Zugleich war er als Minister of Native Affairs („Minister für Eingeborenenfragen“) für die Angelegenheiten der schwarzen Mehrheitsbevölkerung zuständig, die in der Kapprovinz nur eingeschränktes und in den aus Burenrepubliken hervorgegangenen Provinzen gar kein Wahlrecht hatte. Hertzogs Abneigung gegen den britischen Expansionismus und gegen Premierminister Botha führte in eine Regierungskrise. 1913 führte er die Abspaltung der Old Boer („alte Buren“) genannten anti-britischen Fraktion von der South African Party. Daraus ging die im Januar 1914 gegründete Nasionale Party (NP) hervor, die für eine von Großbritannien unabhängige Republik Südafrika unter burischer Führung eintrat.
Im Gegensatz zur Regierung Botha, welche die Briten im Ersten Weltkrieg mit südafrikanischen Truppen unterstützte, sprach sich Hertzog für die Neutralität seines Landes aus. Er zeigte offene Sympathie für die anti-britische, pro-deutsche Maritz-Rebellion in der zweiten Hälfte des Jahres 1914. Ab 1919 leitete er die Opposition gegen die Regierung von Bothas Nachfolger Jan Smuts. Hertzogs Nasionale Party gewann bei der Parlamentswahl 1920 mehr Sitze als die regierende SAP, die dadurch ihre Mehrheit verlor und auf eine Koalition mit anderen Parteien angewiesen war. Im Zuge der Rand-Revolte ging Hertzogs NP ein Bündnis mit der South African Labour Party unter Frederic Creswell ein. Beide stellten sich auf die Seite der streikenden Arbeiter und gegen die Regierung Smuts.
Amtszeit als Premierminister
Bei der Parlamentswahl 1924 besiegte die Nasionale Party Jan Smuts’ SAP und stellte zusammen mit der Labour Party die Regierung, Hertzog wurde Premierminister. Er war ein Republikaner, der an die Unabhängigkeit der Südafrikanischen Union vom Britischen Empire glaubte. Hertzog nahm 1926 an der Londoner Reichskonferenz teil, auf welcher der Balfour-Bericht beschlossen wurde. Dieser war Grundlage für das 1931 angenommene Statut von Westminster, durch welches das Dominion Südafrika ebenso wie Kanada, Australien, Neuseeland und Irland ein weitgehend eigenständiger Staat unter der britischen Krone wurde. Bereits 1929 entsandte Südafrika erstmals eigene Botschafter in die USA, die Niederlande und Italien.
Im Jahr 1928 gründete Hertzogs Regierung die halbstaatliche Iron and Steel Corporation (ISCOR). Anlässlich der Wahl 1929 spaltete sich die Labour Party, die Nasionale Party gewann aber allein genug Sitze für die Mehrheit. In der Weltwirtschaftskrise ab 1929 hielt Hertzog zunächst am Goldstandard fest, was Südafrika beinahe in den wirtschaftlichen Ruin stürzte und auch seine eigene politische Karriere in Gefahr brachte. Erst auf Druck seines ehemaligen Justizministers Tielman Roos, der ihm die Regierungsführung streitig machte, rückte Hertzog vom Goldstandard ab.
Die Wirtschaftskrise führte zu einer Wiederannäherung der regierenden Nasionale Party und der oppositionellen South African Party von Jan Smuts, die sich 1934 zur United Party (UP) vereinigten. Ein Flügel der NP lehnte die Fusion jedoch ab und bildete unter Daniel François Malan die Gesuiwerde Nasionale Party (GNP). Als Eduard VIII. 1937 als König des Britischen Empires und somit auch Südafrikas abdankte, bestand Hertzog darauf, dass das südafrikanische Parlament dieser Entscheidung – als Akt seiner Eigenstaatlichkeit – in einer Abstimmung zustimmte. Im Jahr darauf erklärte das Parlament Die Stem van Suid-Afrika neben God Save the King zur gleichberechtigten Nationalhymne Südafrikas.
Bei der Parlamentswahl 1938 gewann die United Party unter Hertzogs Führung eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Im beginnenden Zweiten Weltkrieg vertrat er die Neutralität seines Landes. Die Mehrheit der United Party folgte ihm jedoch nicht in dieser Haltung, stimmte am 4. September 1939 für die Kriegserklärung an der Seite Großbritanniens und setzte Hertzog am selben Tag als Premierminister zugunsten Jan Smuts’ ab. Hertzog verließ daraufhin mit seinen Anhängern die UP und gründete die Volksparty, die sich 1941 aufspaltete. Ein Teil, vor allem Hertzog-Anhänger, vereinigte sich mit der Gesuiwerde Nasionale Party von Daniel François Malan zur Herenigde Nasionale Party (HNP). Ein anderer Teil bildete die Afrikanerparty um Nicolaas Christiaan Havenga.
Nach Hertzogs Tod im Jahr 1942 gewannen HNP und Afrikanerparty gemeinsam 1948 die Wahl, fusionierten danach wieder zur Nasionale Party und errichteten unter der Regierung von D.F. Malan das Apartheidregime.
Denkmal in Pretoria
Ein Standbild Hertzogs wurde von der südafrikanischen Regierung 2013 von seinem angestammten Standort vor dem Regierungssitz Union Buildings in Pretoria entfernt, um Platz zu machen für eine neun Meter hohe Statue Nelson Mandelas. In Gesprächen mit den Nachfahren Hertzogs sei Übereinkommen erzielt worden, das Hertzog-Denkmal an einen anderen Standort innerhalb des Gebäudekomplexes zu verlegen, gab Staatspräsident Jacob Zuma bekannt.[2]
Literatur
- Oswald Pirow: James Barry Munnik Hertzog. Timmins, Kapstadt 1958.