Basler Börse

von 1866 bis 1993 eine Wertpapierbörse in Basel, in der Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Basler Börse (auch Börse Basel oder Basel Stock Exchange) war von 1866 bis 1993 eine Wertpapierbörse in Basel in der Schweiz.[1] Die Börse hatte zwei Standorte: die Alte Börse am Aeschenplatz aus dem Jahr 1866 und das neuere Gebäude an der Marktgasse aus dem Jahr 1906. Beide Gebäude werden heute gebräuchlich als Alte Börse bezeichnet.[2]

Schnelle Fakten
Basler Börse
Rechtsform Vereinsähnliche Institution (Wertpapierbörse)
Gründung 1866
Auflösung 1993
Auflösungsgrund Fusion zur SIX Swiss Exchange
Sitz Basel
Branche Wertpapierbörse
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Alte Börse am Aeschenplatz

Geschichte

Entwicklung im 19. Jahrhundert

Mit der Industrialisierung wurde Basel zur bedeutendsten Industriestadt der Schweiz. Die Börse diente als Kapitalbeschaffungsplatz für Handels-, Banken- und Industrieunternehmen in der Nordwestschweiz.[3] Bedeutende Basler Bankhäuser wie die Basler Handelsbank, die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG, später UBS) und die Schweizerische Kreditanstalt nutzten sie als Handelsplatz für Aktien und Anleihen. Finanziert wurden durch diese Emissionen unter anderem der Bau der Gotthardbahn und der Eisenbahnlinie Basel–Zürich[4].

Rolle der Banken und Industrien

Die Entwicklung der Börse war eng verknüpft mit dem Aufstieg der chemischen und pharmazeutischen Industrie in der Region. Unternehmen wie Ciba, Sandoz und F. Hoffmann-La Roche & Co. nahmen über die Basler Banken Kapital auf und nutzten den Börsenhandel zur Expansion.[5] Die Börse förderte damit die wirtschaftliche Modernisierung und internationale Verflechtung Basels.

In den 1890er Jahren kam es infolge von Spekulationswellen zu starken Kursschwankungen. Diese führten zu einer verschärften Diskussion über Handelsregeln und staatliche Aufsicht. Im Zuge dessen wurde der Handelsbetrieb reguliert und das Aufsichtsrecht professionalisiert.[6]

20. Jahrhundert und Fusion

Nach dem Ersten Weltkrieg blieb die Basler Börse ein wichtiger Handelsplatz vor allem für regionale Industrie- und Banktitel, wurde aber zunehmend von Zürich und Genf übertroffen.[7] Nach 1945 gewann sie durch den Aufschwung der Chemieindustrie erneut an Bedeutung.[8]

Mit der Einführung elektronischer Handelssysteme und der Zentralisierung des Börsenwesens in den 1990er Jahren wurde der Parketthandel eingestellt. 1993 schloss sich die Basler Börse mit Zürich und Genf zur SWX Swiss Exchange zusammen, aus der 2008 die SIX Swiss Exchange hervorging. Das ehemalige Börsengebäude an der Marktgasse wurde 1998 endgültig geschlossen.[9]

Bedeutung in der Gegenwart

In Basel existiert heute keine eigene Börse mehr, allerdings bleibt die Stadt ein bedeutender Finanz- und Unternehmensstandort. Viele in Basel ansässige Unternehmen sind weiterhin an der SIX Swiss Exchange gelistet.[10] Die Geschichte der Basler Börse gilt als exemplarisch für die Entwicklung des schweizerischen Kapitalmarkts und die Wechselwirkung zwischen Bankenwesen, Industrie und Marktregulierung.[11] Weiterhin zeigt sich die weiterhin aktuelle Position als Finanzzentrum in der hohen Dichte von Unternehmen des Finanzwesens.[12]

Literatur

  • Bürgi, Markus (2015): Geschichte des schweizerischen Börsenwesens. Schweizerisches Wirtschaftsarchiv, Basel.
  • Huber, Walter (1989): Finanzmärkte der Schweiz nach 1945. Orell Füssli, Zürich.
  • Imhof, Franz (1979): Die Finanzierung der Gotthardbahn. Chronos, Zürich.
  • Karrer, Urs (2005): Die chemische Industrie am Rheinknie. Wirtschaft und Stadtentwicklung in Basel 1850–1950. Schwabe Verlag, Basel.
  • Weber, Peter (1991): Industrialisierung und Finanzwesen in Basel. In: Schweizer Wirtschaftsgeschichte, Bd. 4. Chronos, Zürich

Siehe auch

Einzelnachweise

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