Basler Stadtmauer
Mauerbauwerk
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Die Stadtmauer von Basel wurde im 11. Jahrhundert angelegt und später zweimal in immer weiteren Ringen neu gebaut. Im 19. Jahrhundert wurde sie zum grössten Teil abgerissen. Heute existieren noch drei Stadttore und ein kurzes Mauerstück, welche unter Denkmalschutz stehen.

Burkhardsche Stadtmauer





Die erste nachweisbare nachrömische Stadtmauer von Basel wurde im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts erbaut.[1] Bauherr war Burkhard von Fenis, seit 1072 Bischof von Basel und Parteigänger König Heinrichs IV. Die Mauer folgte dem jetzigen Peters- und Leonhardsgraben, ihr weiterer Verlauf ist unklar: An welcher Stelle sie an den Sporn von St. Leonhard anschloss und wo sie die alte Befestigung des Münserhügels erreichte, hat sich bisher nicht nachweisen lassen. Der grösste Teil des Barfüsserplatzes jedenfalls blieb aussen vor. – Im 12. Jahrhundert wurde die Stadt dann gegen Süden erweitert. Damals entstand eine neue Mauer vom unteren Steinenberg durch den St.Alban-Graben bis zum Rhein. Zudem wurde die Burkhartsche Stadtmauer mit mehreren Türmen verstärkt, und «mit einiger Wahrscheinlichkeit» entstanden Tortürme an Stelle der ursprünglichen Mauerpforten.[2]
Innere Stadtmauer
Um die Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Burkhardsche Mauer durch eine neue Stadtmauer ersetzt, die heute die «Innere Stadtmauer» genannt wird.[3] Diese neue Mauer folgte wahrscheinlich weitgehend der Burkhardschen. Sie wurde einige Meter ausserhalb der alten Mauer in den Stadtgraben hinein gebaut, der Raum zwischen der alten und der neuen Mauer wurde aufgefüllt und zum Rondenweg gemacht. Die bisherigen Türme und Tore wurden übernommen, allerdings lag ihre Vorderseite jetzt in der Mauerflucht. Die neue Mauer erhielt in unregelmässigen Abständen halbrund vorspringende Türme.
Neu wurde damals die Strecke von St. Leonhard durch die Birsigniederung zum Steinenberg geschlossen und damit der künftige Barfüsserplatz in die Stadt einbezogen. Dass diese Veränderung mit der etwa gleichzeitigen Anlage des Barfüsserklosters zusammenhing, ist eine plausible Vermutung, lässt sich aber nicht belegen. Die Innere Mauer war (ohne die Rheinfront) beinahe 1600 m lang und umfasste ca. 32 ha.
Mauer von Kleinbasel
Um das Jahr 1225 baute Bischof Heinrich von Thun eine Brücke über den Rhein, und um den Zugang dazu zu schützen, gründete er am rechten Ufer eine Stadt, Kleinbasel. Die Befestigung dieses Brückenkopfes war wohl von Anfang an geplant, sie wurde etwa gleichzeitig wie die Innere Stadtmauer auf der gegenüberliegenden Seite des Stromes gebaut. Um 1270 ist die Mauer offenbar fertig gewesen. Sie besass zwei Tore, das Riehen- und das Bläsitor. Als sich 1274 der Dominikanerinnenkonvent Klingental am unteren Ende von Kleinbasel niederliess, wurde der Gründungsbau innen an die Stadtmauer angebaut. Die 1293 geweihte Klosterkirche dagegen entstand ausserhalb, sie wurde etwas später ebenfalls in die Mauern integriert. Dem Rhein entlang wurde der Mauerring erst im 14. Jahrhundert geschlossen. – Die Befestigung von Kleinbasel ist nie erweitert oder wesentlich umgebaut und modernisiert worden.[4]
Äussere Stadtmauer
Etwa hundert Jahre nach der Inneren ist die Äussere Stadtmauer gebaut worden. Das grosse Erdbeben von 1356 hatte Schäden an den bisherigen Anlagen verursacht,[5] doch diese wurden wohl rasch behoben. Über die Vorgeschichte des Beschlusses, eine ganz neue Mauer zu bauen, ist nichts bekannt, der Zweck ist allerdings offenkundig: Vor den Toren der Stadt waren den Ausfallstrassen entlang Vorstädte und auch mehrere Klöster entstanden. Mindestens zum Teil waren sie zwar ebenfalls durch Mauern und Palisaden geschützt oder wenigstens eingefriedet, doch sind diese leichteren Schutzbauten nur lückenhaft dokumentiert.[6] Nun sollten sie in den festen Mauerring der Stadt einbezogen werden. Dazu wurden die Enden der Vorstädte möglichst gradlinig verbunden, dazwischen wurde so auch viel unbebautes Land umschlossen. Mit etwa 4 km waren die neuen Mauern mehr als doppelt so lang wie die bisherigen, die umschlossene Fläche wuchs mit 120 ha auf das rund vierfache an.
Der Bau dauerte in mehreren Etappen von 1361/2 bis um 1400. 1375 standen bereits Türme und Tore, während die Mauern dazwischen noch unfertig waren. Zum Bau wurden auch Grabsteine und Grabsteinfragmente des 1348 (im Basler Judenpogrom) zerstörten jüdischen Friedhofs verwendet.[7] Das repräsentativste Element des ganzen Werkes wurde das Spalentor, welches von zwei Rundtürmen flankiert wird und an dessen äussere Fassade drei monumentalen Statuen, die Stadtpatronin Maria und zwei Propheten stehen.

Auch nach der Vollendung der neuen äusseren Mauer blieben die Tore der alten Inneren Stadtmauer, jetzt als Schwibbögen bezeichnet, bestehen; sie blieben unbewacht und wurden nachts nicht mehr geschlossen, einzelne Räume wurden weiter als Gefängniszellen verwendet.
Die Äussere Mauer begrenzte das Stadtgebiet bis ins 19. Jahrhundert. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde sie partiell mit Schanzen verstärkt, eine durchgehende Modernisierung wurde aber nie realisiert. Eine bereits anachronistisch späte Episode war die Erweiterung der Mauer im St. Johann samt einem Eisenbahntor für den Bahnhof der 1844 eröffneten Bahnlinie von Mulhouse her.[8]
Abbruch der Stadtmauer

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wuchs die Stadtbevölkerung nur langsam und es war innerhalb der Mauern genügend Raum für die Stadtentwicklung vorhanden. Doch im 19. Jahrhundert setzte ein verstärktes Bevölkerungswachstum ein. Die bestehenden Quartiere wurden intensiv und planlos «verdichtet», Hinterhöfe wurden überbaut und dadurch zu schlecht durchlüfteten dunklen Löchern. Auch die Wasserversorgung und die Ableitung der Abwässer waren den Anforderungen nicht mehr gewachsen. Wiederholt kam es zu Seuchen, die letzte war 1855 eine Choleraepidemie. Die hygienischen Zustände waren unhaltbar geworden. Es wurde klar, dass bessere Luft- und Lichtverhältnisse, eine geordnete Abfallbeseitigung und die Sanierung der Abwasserkanäle nötig waren. Ausserdem wurde es in der Stadt auch verkehrstechnisch eng.
Neuen und grosszügigeren Quartieren stand die Stadtmauer im Weg. Deshalb verabschiedete der Grosse Rat (das Kantonsparlament) am 27. Juni 1859 ein Gesetz zur Stadterweiterung. Dieses sah den Abbruch der Stadtmauern, Stadttore und Schanzen vor. Die Stadtgräben sollten aufgefüllt und zu Strassen und Grünanlagen ausgebaut werden. Einige Türme, Stadttore und Schwibbögen waren schon früher entfernt worden, so etwa der Eselsturm (1821), der Spalenschwibbogen (1838), das Rheintor (1839), der Aeschenschwibbogen (1841) und das Aeschenbollwerk (1858).
1860 begann die «Entfestigung» der Stadt, 1879 war sie vollendet. Der Hofgärtner Carl von Effner entwarf zur Luftverbesserung einen rigorosen Begrünungsplan. Wo die Stadtmauern gestanden hatten, wurden Grünanlagen angelegt, und 1874 wurde auch der Zoo eröffnet. Zudem wurde 1875 die Trinkwasserversorgung verstaatlicht und mit dem Bau einer effizienten, das ganze Stadtgebiet umfassende Wasserversorgung begonnen. 1896 schliesslich wurde ein Kanalisationssystem angelegt.
Von den Stadttoren blieben nur das St. Johanns-Tor, das St. Alban-Tor und das Spalentor erhalten. Im «Dalbeloch» steht noch ein kurzes Stück der Mauer samt dem Stadtgraben («Mühlegraben»), dieser Mauerabschnitt wurde in den 1970er Jahren umfassend renoviert. Der Mühlegraben vor der Mauer im Dalbenloch konnte früher bei Bedarf mit Wasser aus dem St. Alban-Teich geflutet werden. Er wurde nach 1869 aufgefüllt und später als Strasse zu den neu erbauten Liegenschaften am Graben genutzt.
Bei der Wallstrasse ist ein Teil der Elisabethenschanze erhalten. Am Auberg ist von der ehemaligen Steinenschanze noch ein Stück der alten Stützmauer zu sehen, der Rest musste beim Bau des Steinen Parkhauses (1966–1970) entfernt werden. Auch beim St. Johanns-Tor ist noch ein kurzes Stück Mauer mit dem Thomasturm erkennbar. Einige Stadttore und Schwibbögen waren bereits vor dem Grossratsbeschluss zur Stadterweiterung abgebrochen worden, so etwa der Eselsturm (1821), der Spalenschwibbogen (1838), das Rheintor (1839), der Aeschenschwibbogen (1841) und das Aeschenbollwerk (1858).
Verlauf der Stadtmauern
Beim Abriss der Stadtmauern wurden die ehemaligen Gräben zugeschüttet und zu Strassen und Grünanlagen ausgebaut. So lässt sich der Verlauf der Mauern noch heute zumindest in groben Zügen sehr einfach anhand der heutigen Strassennamen nachvollziehen.
Innere Stadtmauer
Petersgraben
Leonhardsgraben
(Kohlenberg)
(Steinenberg)
St. Alban-Graben
Äussere Stadtmauer
Thomasturm
St. Johanns-Tor
Schanzenstrasse
Hebel-Schanze
Spalentor
Schützengraben
Steinengraben
Steinenschanze
Elisabethenschanze
Wallstrasse
Elisabethenanlage
Aeschengraben
St. Alban-Anlage
St. Alban-Tor
erhaltenes Mauerstück beim Mühlegraben im «Dalbeloch»[9]
Letziturm[10]
Stadtmauer von Kleinbasel
Theodorsgraben
Claragraben
Klingentalgraben
Stadttore und Schwibbögen
Innere Stadtmauer
- Spalenschwibbogen
- St. Alban-Schwibbogen
- St. Johanns-Schwibbogen
- Aeschenschwibbogen
Äussere Stadtmauer
Stadtmauer von Kleinbasel
Sonstige Tore und Schwibbögen
- Rheintor (an der Rheinbrücke auf Grossbasler Seite)
- Letziturm (beim St. Alban-Tor)
- Thomasturm (beim St. Johanns-Tor)
- Eisenbahntor (im 19. Jahrhundert mit dem Elsässerbahnhof errichtet)
- Brigitta-Schwibbogen (im St. Alban)
- Oberes Rheintörli (am Kleinbasler Ufer)
- Eseltürli
Literatur
- Paul Siegfried: Basels Entfestigung. In: Basler Jahrbuch 1923. S. 81–146. (baslerstadtbuch.ch)
- Christian Adolf Müller: Die Basler Torsperren im 19. Jahrhundert. In: Basler Stadtbuch 1963. S. 13–35. (baslerstadtbuch.ch)
- Rolf d'Aujourd'hui, Guido Helmig: Die Burkhardsche Stadtmauer aus dem späten 11. Jahrhundert. In: Basler Stadtbuch 1983. S. 233–242. (baslerstadtbuch.ch)
- Georg Kreis: Der Abbruch der Basler Stadtmauern. In: Stadt- und Landmauern. Stadtmauern in der Schweiz. (= Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege an der ETH Zürich. Bd. 15, 1). vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, Zürich 1996, ISBN 3-7281-2055-3, S. 135–143.
- Guido Helmig, Christoph Philipp Matt: Inventar der Basler Stadtbefestigung – Planvorlage und Katalog. 2. Die rheinseitige Grossbasler Stadtbefestigungen. In: Rolf d'Aujourd'hui (Hrsg.): Jahresbericht 1990 der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt. Basel 1992, ISBN 3-905098-11-3, S. 153–222. doi:10.12685/jbab.1990.153-222
- Rolf d’Aujourd’hui, Guido Helmig: Kanton Basel-Stadt. In: Stadt- und Landmauern. Stadtmauern in der Schweiz. (= Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege an der ETH Zürich. Bd. 15, 2). vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, Zürich 1996, ISBN 3-7281-2150-9, S. 41–60.
- Martin Möhle: Das Stadtdenkmal Basel. (= Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt. Band XI). Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 2025, ISBN 978-3-03797-925-9.