Bavarikon
Internetportal des Freistaats Bayern zu Kunst, Kultur und Wissensbeständen aus bayrischen Archiven, Bibliotheken und Museen sowie Institutionen der Landesverwaltung, Denkmalpflege und Wissenschaft
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bavarikon ist ein Internetportal des Freistaats Bayern zur Präsentation von Kunst-, Kultur- und Wissensschätzen bayerischer Institutionen, welches im April 2013 online ging. Beteiligt sind Archive, Bibliotheken, Museen sowie Einrichtungen der Landesverwaltung, der Denkmalpflege und der Wissenschaft.

Das Internetportal bietet freien Zugang zu einer breiten Palette von Kulturgütern, darunter Urkunden, Archivalien, Handschriften, archäologische Funde, Gemälde, Grafiken, Fotografien, Stadtpläne, Landkarten, Skulpturen, Zahlungsmittel sowie Objekte der Volkskultur. Ausgewählte Exponate werden als 3D-Modelle präsentiert. Große Teile der digitalen Bestände gehen auf eigens für bavarikon durchgeführte Digitalisierungsprojekte zurück. Das Angebot wird kontinuierlich erweitert; weitere Kooperationspartner schließen sich fortlaufend an. Über Schnittstellen werden die Inhalte zudem an die Deutsche Digitale Bibliothek und Europeana weitergeleitet. Der laufende technische, redaktionelle und organisatorische Betrieb von bavarikon wird von der Bayerischen Staatsbibliothek getragen. Die teilnehmenden Kultureinrichtungen stellen dem Portal Kopien ihrer digitalen Objekte zur Verfügung, die auf den Servern des Münchener Leibniz-Rechenzentrums gespeichert werden.
In den Anfangsjahren war bavarikon Teil des „Bayerischen Kulturkonzepts“. Bis Anfang 2025 kooperierten rund 200 bayerische Kulturinstitutionen mit dem Portal. Im November 2024 erweiterte das neu hinzugekommene Spielzeugmuseum Nürnberg die digitale Sammlung um ihr 500.000stes Objekt – ein kunstvoll gestaltetes Spielzeug-Musterbuch, das seither online zugänglich ist.
Konzept und Inhalt

Zu den vollintegrierten Objekten von bavarikon zählen digitalisierte Archivalien, Handschriften, Gemälde und andere Museumsstücke. Weitere Inhalte sind Datensätze zu Schlössern und Burgen sowie Karten, Fotografien und Informationen zu Orten, Institutionen und Personen. Hochauflösende Scans zeigen Abbildungen von Objekten, Gemälden und Texten aus dem bayerischen Kulturraum. Ausgewählte Exponate bayerischer Sammlungen werden als dreidimensionale Objekte präsentiert.[1] Damit werden neue Perspektiven auf die Kunstgegenstände eröffnet: Sie lassen sich hin- und herbewegen, verkleinern, vergrößern und drehen. Parallel wurde die iOS-App „bavarikon 3D“[2] programmiert. Die Inhalte von bavarikon bestanden anfangs im Wesentlichen aus bereits vorhandenen Digitalisaten; sie werden seit 2014 laufend um weitere eigens im Rahmen der Projektförderung digitalisierte Objekte ergänzt. Im März 2017 ging die erste virtuelle Ausstellung des Kulturportals mit dem Titel Martin Luther und die Reformation in Bayern[3] online. Seitdem präsentiert bavarikon regelmäßig neue Ausstellungen.[4]
Seit September 2022 erscheint im zweiwöchentlichen Rhythmus der bavarikon-Podcast.[5] Die jeweils rund zehn Minuten langen Episoden widmen sich vornehmlich historischen Persönlichkeiten sowie Ereignissen der bayerischen Geschichte. Ergänzend dazu werden seit 2024 Inhalte des Portals auf der zusätzlichen Website bavarikon4U aufbereitet. Dieses Angebot richtet sich gezielt an ein jugendliches Publikum und vermittelt historische Themen in einer unterhaltsamen und niedrigschwelligen Form.[6]
bavarikon unterscheidet sich von ähnlichen Portalen wie der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB), Europeana und der Digital Public Library of America vor allem durch das bereits erwähnte Konzept der Vollintegration digitaler Inhalte. Anstatt nur Metadaten zu verzeichnen, werden Kopien der digitalen Objekte auf den Servern des Leibniz-Rechenzentrums der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gespeichert. Dies ermöglicht direkten Zugriff und eine nahtlos vernetzte, multimediale Präsentation, ohne Nutzer auf externe Seiten umzuleiten. Von seiner Grundkonzeption her lässt sich bavarikon daher am ehesten mit der World Digital Library (WDL) vergleichen. Optionen zur Nachnutzung der Objekte über Download und Ausdruck stehen Nutzern nicht zur Verfügung.[7] bavarikon verfolgt einen stark kuratorischen, einzelobjektzentrierten Ansatz, bei dem ausgewählte Digitalisate visuell ansprechend präsentiert werden. Komplexe archivische Tektoniken und hierarchische Erschließungsstrukturen werden dabei weitgehend nicht abgebildet.[8]
Vorgeschichte, Gründung und weitere Entwicklung des Portals
Die Ursprünge von bavarikon lassen sich bis zur Bayerischen Landesbibliothek Online (BLO) zurückverfolgen, die 2002 als eines der ersten Regionalportale in Deutschland online gegangen war. Die BLO war ein kulturwissenschaftliches Informationsportal, das elektronische Angebote zu Geschichte und Kultur Bayerns bereitstellte. Es wurde als Gemeinschaftsprojekt von sechs bayerischen Bibliotheken unter der Leitung der Bayerischen Staatsbibliothek ins Leben gerufen und zog Kooperationen mit Archiven, Museen, Behörden und Universitäten an. Trotz der breiten Partnerschaften konnte sich das Konzept nicht zuletzt aufgrund der Bezeichnung „Bibliothek“ nur bedingt etablieren und blieb in seiner Reichweite begrenzt. In Reaktion auf diese Einschränkungen entwickelte die Bayerische Staatsbibliothek, zusammen mit Ferdinand Kramer, dem Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats der BLO, die Idee eines spartenübergreifenden Kulturportals, das die Vielfalt der bayerischen Kultur stärker in den Fokus stellen sollte.[9]
Die Vision erhielt Anfang der 2010er-Jahre politischen Rückhalt in der Bayerischen Staatsregierung. Im Rahmen seiner Regierungserklärung 2012 kündigte Ministerpräsident Horst Seehofer den Aufbau eines digitalen Kulturportals im Kontext des Kulturkonzepts Bayern an.[10] Infolgedessen wurde das Projekt unter dem Arbeitsnamen „Digitales Kulturportal Bayern“ weiterverfolgt, und am 26. September 2012 beschloss das bayerische Kabinett die konkrete Realisierung des Projekts. Mit der Koordination, technischen Umsetzung, dem Betrieb und der redaktionellen Betreuung des Portals wurde die Bayerische Staatsbibliothek betraut, wo sich auch die Geschäftsstelle befindet. Ein vorrangiges Ziel war es, eine Beta-Version des Portals schnellstmöglich online zu stellen, was Mitte April 2013 gelang.[11] Der für das Internetportal gewählte Name „bavarikon“ stellt ein Kunstwort dar und soll internationale Verständlichkeit mit inhaltlicher Mehrdeutigkeit vereinen. Der Wortteil „bavar“ verweist auf Bavaria, den lateinischen und englischen Namen für Bayern, während „ikon“ sowohl Assoziationen zu „icon“ bzw. „eikón“ (Bild) als auch zu „Lexikon“ ermöglicht. Diese semantische Offenheit soll hierbei die multimedialen Inhalte und Wissensbestände des Portals reflektieren.[12]
Im Mai 2015 konnte bavarikon schließlich mit einer konsolidierten technischen Infrastruktur in den Regelbetrieb überführt werden.[13] Als Vorläufer von bavarikon wurde die BLO seit 2018 schrittweise in die Plattform integriert, ein Prozess der Mitte 2025 abgeschlossen worden ist.[14] bavarikon wuchs ab 2015 kontinuierlich und baute seine Sammlung digitaler Objekte aus, sodass es in Bayern schnell zu einem wichtigen digitalen Kulturangebot wurde.[15] Anfang 2025 kooperierten bereits rund 200 bayerische Kulturinstitutionen mit bavarikon. Im November 2024 wurde mit einem Spielzeug-Musterbuch aus dem Spielzeugmuseum Nürnberg[16] das 500.000sten Objekts in die Sammlung aufgenommen.[17]
Beteiligungen
Die Inhalte liefern die sich beteiligenden Partner-Institutionen. Zu Beginn waren dies das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das Bayerische Nationalmuseum, die Bayerische Staatsbibliothek, die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, das Haus der Bayerischen Geschichte, das Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Bayern (ehemals Landesamt für Vermessung und Geoinformation Bayern), das Münchner Stadtmuseum und die Universitätsbibliothek Regensburg. Seit dem Onlinegang sind zahlreiche weitere Einrichtungen auch in nichtstaatlicher Trägerschaft hinzugekommen.[18] Das Leibniz-Rechenzentrum stellt die Server, auf denen die Inhalte und die technische Infrastruktur vorgehalten werden.[19]
Die Anzahl der an bavarikon beteiligten Partnerinstitutionen wächst kontinuierlich; Anfang 2025 waren es etwa 200 Partner.[20]
Organisation und Finanzierung
An der Spitze des Projektes steht eine Leitungsebene, die aus dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie dem Staatsministerium für Digitales besteht. Der Leitungsebene ist die Entscheidung über die grundsätzliche Ausrichtung von bavarikon sowie die Digitalisierungsstrategie für den künftigen inhaltlichen Ausbau vorbehalten. Sie wird unterstützt vom bavarikon-Rat, der sich aus derzeit 14 Mitgliedern aus bayerischen Kultureinrichtungen (Archive, Bibliotheken, Museen, Landesämter etc.) zusammensetzt.[21] Er gibt fachliche Empfehlungen für den technischen Betrieb, legt Kriterien für die Auswahl der Inhalte fest und entscheidet über die einzelnen Digitalisierungsprojekte. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Projekt ist dort im von Florian Sepp geleiteten Referat Bavarica innerhalb der Abteilung Digitale Bibliothek und Bavarica verankert. Die Leitung der Geschäftsstelle liegt bei Veronika Eder. Im Doppelhaushalt 2013/2014 wurden für Auf- und technischen Ausbau insgesamt 5 Millionen Euro brutto bereitgestellt.[22] Im Doppelhaushalt 2015/16 waren jährlich zwei Millionen Euro für die Weiterentwicklung von bavarikon vorgesehen, ebenso im Doppelhaushalt 2017/18. Mit dem Nachtragshaushalt 2018 wurden die Mittel auf drei Millionen Euro erhöht. Durch den Doppelhaushalt 2019/20 wurden Teile dieses Ansatzes in feste Personalstellen der Bayerischen Staatsbibliothek umgewidmet. Seit 2021 beträgt der Etat wieder rund zwei Millionen Euro.
bavarikon war Bestandteil der Digitalisierungsstrategie der Bayerischen Staatsregierung[23] und des Masterplans „Bayern Digital II“ vom 30. Mai 2017.[24]
Literatur
- Klaus Ceynowa, Stephan Kellner: Das bayerische Kulturportal bavarikon – digital, vernetzt, spartenübergreifend. In: Ellen Euler u. a. (Hrsg.): Handbuch Kulturportale. Online-Angebote aus Kultur und Wissenschaft, Berlin/Boston 2015, S. 292–300 (PDF).
- Johannes Haslauer, Stephan Kellner: Luther, Eck und die frühe Reformation in Bayern. Eine kooperative virtuelle Ausstellung von Archiven, Bibliotheken und Museen im Kulturportal bavarikon. In: Archive in Bayern 10 (2018), S. 247–264.
- Florian Sepp: „bavarikon“ – Das Kulturportal des Freistaats Bayern. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben 110 (2018), S. 25–34.
- Christian Wilke: bavarikon – DDB – Europeana. Die Beteiligung von Archiven und Bibliotheken an überregionalen Kulturportalen im Vergleich. In: Perspektive Bibliothek 8/1 (2019), S. 65–80 (PDF).
- Felix Horn, Stephan Kellner: Aspekte und Herausforderungen der 3D-Digitalisierungfür das bayerische Kulturportal bavarikon. In: Andrea Geipel u. a. (Hrsg.): Das digitale Objekt – Zwischen Depot und Internet, München 2020, S. 51–63.
- Florian Sepp: Virtuelle Ausstellungen in bavarikon. Eine Übersicht von den Anfängen bis heute. In: Hendrikje Carius, Guido Fackler (Hrsg.): Exponat – Raum – Interaktion Perspektiven für das Kuratieren digitaler Ausstellungen, Göttingen 2022, S. 97–106 (PDF).
- Helmut Groschwitz u. a.: KulturErben – Immaterielles Kulturerbe in Bayern. Ein Werkstattbericht zur virtuellen Ausstellung auf der bayerischen Kulturplattform bavarikon.de. In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 2022, S. 93‒100.