Beate Meyer

deutsche Historikerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Beate Meyer (* 1952) ist eine deutsche Historikerin, die sich mit dem Thema Judentum in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus befasst, insbesondere der Judenverfolgung. Sie war langjährig wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ).

Leben

Beate Meyer absolvierte ein Studium der Politik-, Geschichts- und Literaturwissenschaft sowie der Pädagogik an der Universität Hamburg.[1] Nach Studienende folgte von 1981 bis 1983 das Referendariat. Ab 1984 war sie in einer Hamburger Geschichtswerkstatt tätig.[2] Sie führte 1989 Regie in dem kurzen Dokumentarfilm Ich war „rassisch“ halb.[3] Von 1990 bis 1995 leitete sie das Projekt Hamburger Lebensläufe – Werkstatt der Erinnerung an der heutigen Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg.[2] Ab 1995 war sie am IGdJ tätig. An der Universität Hamburg wurde sie 1998 zum Dr. phil. promoviert.[1]

Um die Jahrtausendwende kuratierte sie das Ausstellungsprojekt „Juden in Berlin 1938–1945“ an der Stiftung Neue Synagoge – Centrum Judaicum. 2001 kehrte sie an das IGdJ zurück, wo sie mit Unterbrechungen bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand im Juni 2018 als wissenschaftliche Mitarbeiterin wirkte. Sie absolvierte Studienaufenthalte am International Institute for Holocaust Research in Yad Vashem (2000/01 und 2020/21), am Center for Advanced Holocaust Studies des USHMM (2010) sowie am Zentrum für Holocaust-Studien des Instituts für Zeitgeschichte (2019).[1] Gemeinsam mit der Historikerin Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung betreute sie von 2006 bis 2018 das Projekt Stolpersteine in Hamburg. Biographische Spurensuche.[4]

Meyers Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der deutschen Juden im Nationalsozialismus (insbesondere Hamburger und Berliner Geschichte der Juden im Zuge der Judenverfolgung und Deportationen), Oral History, Geschlechtergeschichte und Erinnerungskultur. Sie ist Autorin diverser Monografien und Fachartikel. Sie gehört dem Vorstand der Hamburger Stiftung Hilfe für NS-Verfolgte an und wurde für ihr Wirken mit der Lappenberg-Medaille der Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg (1995 und 2010) sowie dem Joseph-Carlebach-Preis der Universität Hamburg (2013) ausgezeichnet.[1]

Schriften (Auswahl)

Monographien

  • Fritz Benscher. Ein Holocaust-Überlebender als Rundfunk und Fernsehstar in der Bundesrepublik, Wallstein Verlag, Göttingen 2017, ISBN 978-3-8353-4079-4.
  • Tödliche Gratwanderung. Die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland zwischen Hoffnung, Zwang, Selbstbehauptung und Verstrickung (1939–1945), Wallstein Verlag, Göttingen 2011, ISBN 978-3-8353-0933-3.
  • „Goldfasane“ und „Nazissen“. Die NSDAP im ehemals „roten“ Stadtteil Hamburg-Eimsbüttel, Galerie Morgenland, Hamburg 2002, ISBN 978-3-9808126-3-4.
  • „Jüdische Mischlinge“. Rassenpolitik und Verfolgungserfahrung 1933–1945, Dölling und Galitz, Hamburg 1999, ISBN 978-3-933374-22-6 (zugleich Dissertation an der Universität Hamburg).

Herausgeberschaften

  • unter Mitarbeit von Esther Yen: Deutsche Jüdinnen und Juden in Ghettos und Lagern (1941–1945). Łodź, Chełmno, Minsk, Riga, Auschwitz, Theresienstadt, Metropol, Berlin 2014, ISBN 978-3-86331-314-2.
  • mit Frank Bajohr und Joachim Szodrzynski: Bedrohung, Hoffnung, Skepsis. Vier Tagebücher des Jahres 1933, Wallstein Verlag, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-1365-1.
  • mit Birthe Kundrus: Die Deportation der Juden aus Deutschland. Pläne – Praxis – Reaktionen 1938–1945, Wallstein Verlag, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-2204-2.
  • mit Kurt F. Rosenberg und Björn Siegel: „Einer, der nicht mehr dazugehört“. Tagebücher 1933–1937, Wallstein Verlag, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-2295-0.
  • Die Verfolgung und Ermordung der Hamburger Juden 1933–1945. Geschichte, Zeugnis, Erinnerung (Institut für die Geschichte der Deutschen Juden), Wallstein Verlag, Göttingen 2006, ISBN 978-3-8353-0137-5.
  • mit Hermann Simon: Juden in Berlin 1938–1945. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung in der Stiftung „Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“, Philo Verlag, Berlin 2000, ISBN 978-3-8257-0168-0.

Einzelnachweise

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