Beck-Peccoz

Adelsgeschlecht From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Walserfamilie Beck-Peccoz stammt ursprünglich aus Gressoney in Italien. Ihre Historie lässt sich bis ins Jahr 1661 verfolgen. Im Jahre 1840 wurden die Brüder Joseph Anton und Carl durch König Ludwig I. von Bayern als Freiherren von Beck in den Adelsstand erhoben.

Wappen derer von Beck (1840)[1]

Geschichte

Walser Wurzeln im Tal von Gressoney (ab 1242)

Bei den Freiherren von Beck-Peccoz handelt es sich um eine Walserfamilie. Im 7. Jahrhundert begannen die germanischen Walser, die aus dem Südwesten Deutschlands kamen, zahlreiche Alpentälern zu besiedeln. Sie ließen sich, wie man heute noch am Namen erkennt, beispielsweise im Kleinwalsertal und dem Wallis nieder. Die ersten gesicherten Spuren der Familie von Beck-Peccoz, deren Historie sich bis 1661 zurückverfolgen lässt, liegen am nördlichsten Ende des Tales von Gressoney, im Ort Stafal direkt am Fuße des Monte Rosa. Aufgrund einer im 16. Jahrhundert einsetzenden Abkühlung des Klimas, auch kleine Eiszeit genannt, sah sich ein Teil der Familie – wie viele andere Walsergeschlechter auch – gezwungen, spätestens in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Deutschland zurückzukehren, um dort als Krämer ihr Glück zu suchen, indem sie Waren aus dem Süden auf Märkten nördlich der Alpen zum Kauf anboten.

Händler und Industrielle (1785–1894)

Im 18. Jahrhundert kamen einige italienische Familienmitglieder aus dem italienischen Gressoney als Kaufleute nach Bayern. 1785 gründeten die nach Augsburg eingewanderten Brüder Joseph Anton (1765–1833) und Johann Christoph Beck (1759–1825) gemeinsam mit Joseph und Jacob Castell die Handelskompagnie Castell, um in Deutschland zu handeln.

In der ersten Industrialisierungsperiode Anfang des 19. Jahrhunderts begann dann ein rasanter Aufstieg der Familie in Deutschland. 1826 übernahm Joseph Anton Beck eine Beteiligung an dem vor dem Jakobertor gelegenen ersten größeren Metallverarbeitungsbetrieb in Augsburg, welcher Messingfabrikate, Tomback und Kupferbleche herstellte. 1832 wurde die Fabrik komplett von der Familie übernommen. Schon früh erkannte Joseph Anton, dass es für den Erfolg des Unternehmens auch auf die Zufriedenheit der Arbeiter ankommt. Als erster in Augsburg, richtete er daher für die Selbstvorsorge eine Arbeiterkrankenkasse ein. Im Jahr 1833 übernahmen seine beiden Söhne Joseph Anton (1808–1882) und Carl Beck (1812–1867) den Betrieb. In der Folgezeit wurde das Unternehmen umfassend erweitert und blieb bis zum Verkauf 1893/1894 in Familienbesitz.[2]

1841 erwarb Carl zudem die Hofmark Pasing samt Grundbesitz und Schlösschen. Noch im selben Jahr errichtete er außerdem nahe diesem München nahen Gut eine florierende Maschinenfabrik. Zudem erbaute er 1843 an der Würm die modernste Papierfabrik im Königreich Bayern. Mit dem Papier aus dieser Fabrik in Pasing wurde die erste Briefmarke der Welt gedruckt. Der am 1. November 1849 ausgegebene so genannte „Schwarze Einser“. Zudem erwarb er 1846 noch das Gut Großhesselohe mit dem angegliederten Brauhaus. Im Jahre 1861 bot sich ihm nach dem Tod Carl von Schaezlers schließlich die Gelegenheit, die Schaezler’sche Kerzen- und Seifenfabrik in München zu übernehmen. Carls Haupterbe wurde mit seinem Tod 1867 sein Sohn Eugen. Diesem fiel unter anderem auch das Schlossgut Au in der Hallertau zu, das noch heute in Besitz einer Nebenlinie der Familie steht.[3]

Titel und Wappen (1840–1842)

Erhebung in den Adelsstand

Im Jahre 1840 wurden die Brüder Joseph Anton und Carl durch König Ludwig I. von Bayern als Freiherren von Beck in den Adelsstand erhoben. Diese Auszeichnung erfolgte ausweislich der Urkunde „wegen des Fleißes, der Tüchtigkeit und der Wohltätigkeit dieser Männer“. 1842 folgte die Verleihung desselben Titels durch Carl Albert König von Sardinien und Herzog von Savoyen (ab 1861 italienisches Königshaus), allerdings hier als Baron de Peccoz, einer französisierten Form des Ursprungsnamens. Die zwei Namen wurden später vereinigt. 1890 erfolgte durch königliche Entscheidung in Bayern die endgültige Einführung des Titels und Namens „Freiherr von Beck-Peccoz“. Dieser Doppelname spiegelt die Historie der Familie treffend wider.[4]

Seit 1846 sind Schloss Au und seit 1862 Schloss Kühbach im Besitz des Geschlechts. Schloss Haag wurde 1854 durch Carl von Beck abgerissen.

Wappen

Blasonierung des Wappens von 1840: Geviert und belegt mit silbernem Herzschild, darin auf einem Mauertor ein springender Steinbock, 1 und 4 in Rot ein silberner Schräglinksbalken, 2 und 3 von Gold und Schwarz dreimal gespalten. Auf dem Helm mit rechts schwarz-goldenen, links rot-silbernen Decken (rot, schwarz, rot) sind Straußenfedern.

Blasonierung des Wappens von 1890: Geviert und belegt mit silbernem Herzschild, darin auf einem Mauertor ein springender Steinbock, 1 und 4 in Rot ein silberner Schräglinksbalken, 2 und 3 von Gold und Schwarz dreimal gespalten. Auf dem Helm mit rechts rot-silbernen, links schwarz-silbernen Decken thront ein Steinbock.

Literatur

  • Otto Titan von Hefner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 2 (Blühender Adel deutscher Landschaften), 1. Abt.: Der Adel des Königreichs Bayern, Nürnberg 1856, S. 26 und Tafel 22.
  • Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon, Bd. 1, A-Bon, Limburg an der Lahn 1972, S. 272.
  • Genealogisches Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels, Bd. XXVIII, Neustadt/Aisch 2010, S. 231–242.

Einzelnachweise

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