Beiderwand
halbwollene Stoffe
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Beiderwand (auch Halbwollenlama oder Beidergemeng) ist ein ein- oder mehrfach gestreiftes oder kariertes, schweres Mischgewebe aus Baumwollkette und Streichgarnschuss mit Leinwand- oder auch Köperbindung.[1] Es ist ein Gewebe, das beidseitig das Muster zeigt, also keine Rückseite hat.

Beiderwand war insbesondere im 19. Jahrhundert ein verbreitetes Material für bäuerliche Trachten. Vor allem in Hessen, dem Odenwald und der Rhön wurde es für Faltenröcke, Kniehosen und Mäntel verwendet, war aber auch in Nord- und Süddeutschland verbreitet.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Rohmaterialien für Stoffe noch weitgehend von der ländlichen Bevölkerung selbst versponnen und gewebt wurden, wurde Beiderwand aus Kettfäden von Leinen (Flachs) mit wollenen Schussfäden hergestellt. Im Laufe der Zeit wurde das Leinen weitgehend durch importierte Baumwolle ersetzt. Beiderwand wird nicht gewalkt, oft nicht einmal gewaschen, sondern nur (ohne vorheriges Rauen) glatt geschoren.
Eine museale Handweberei im Alten Pastorat in Meldorf, Kreis Dithmarschen, stellt auch heute noch Beiderwand her.[2][3]