Belchenflue

Berg im Jura From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Belchenflue (älter Belchenfluh, mundartlich Bölche) ist ein markanter Felskopf auf dem Berggrat, der sich im Schweizer Jura vom Berg Ruchen zum Pass Challhöchi zieht. Er ist 1099 m ü. M. hoch und liegt etwa 7 km westlich von Olten. Über die Felskante verläuft die Grenze zwischen den Kantonen Basel-Landschaft und Solothurn.

Schnelle Fakten
Belchenflue
Belchenflue
Belchenflue
Höhe 1099 m ü. M.
Lage 7 km westlich von Olten
Gebirge Schweizer Jura
Koordinaten 628096 / 245837
Belchenflue (Kanton Basel-Landschaft)
Belchenflue (Kanton Basel-Landschaft)
Gestein Oolithischer Kalkstein
Besonderheiten Fortifikation im Ersten Weltkrieg
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Wegen der Namensgleichheit mit Bergkuppen in Deutschland (Belchen (Schwarzwald)) und Frankreich (Elsässer Belchen, französisch Ballon d’Alsace) wird die Stelle in Diskussionen über ein hypothetisches prähistorisches Beobachtungssystem manchmal auch als Schweizer Belchen bezeichnet.

Geographie

Im Verhältnis zum Ruchen, dem Hauptberg der Gebirgsgruppe (1123 m ü. M.), ist die Belchenflue ein Nebengipfel, der nur durch eine 24 Meter tiefe, beim Bau der Bergstrasse erweiterte Scharte vom Ruchen getrennt ist. Während die Belchenflue als guter Aussichtspunkt leicht zugänglich und ein bekanntes Tourismusziel im Jura ist, bietet der Ruchen trotz seiner dominanteren Stellung wegen der dichten Bewaldung keine lohnende Aussicht und ist nicht mit einem Wanderweg erschlossen.

Die Südflanke des Berges liegt im Gebiet der Solothurner Gemeinde Hägendorf und der Nordhang in der Baselbieter Gemeinde Eptingen. Der schmale Felskopf der Belchenflue hat eine gegen Norden einfallende, bis 80 m hohe Felswand und auch auf der Südseite einen steilen, felsigen Berghang. Ruchen und Belchen gehören zur Jurahauptkette zwischen der Nordwestschweiz und dem Mittelland. Sie liegen auf der Wasserscheide zwischen der Aare im Süden und der Ergolz im Norden, beides linke Nebenflüsse des Rheins. Nach Osten setzt sich die Kette über die Challhöchi und den Ifleterberg zum Passübergang des Unteren Hauensteins fort. Gegen Westen senkt sich vom Ruchen aus der Dürstelberg zur Strasse über den Oberen Hauenstein bei Langenbruck hinunter.

Geologie

Die Belchenflue befindet sich in einem geologisch kompliziert aufgebauten Abschnitt des östlichen Juras. Die zur Jurazeit in einem tropischen Flachmeer abgelagerten Kalk- und Mergelschichten wurden während der Faltung des Juragebirges im späten Miozän und Pliozän stark zusammengepresst, teilweise in Schuppen zerlegt, übereinandergeschoben und steil gestellt. Der Felsgipfel besteht aus dem harten oolithischen Kalkstein des Hauptrogensteins, der in der mittleren Jurazeit (Dogger) abgelagert wurde. Durch stärkere Erosion der umliegenden weicheren Gesteine wurde diese kompetente Gesteinsschicht herauspräpariert.

Geschichte

Namenkunde

Sowohl das Solothurnische Orts- und Flurnamenbuch als auch die Orts- und Flurnamenforschung Baselland führen die Bergbezeichnung Belchen auf den Namen des Blässhuhns zurück, das umgangssprachlich auch Taucherli oder Belchen genannt wird. Es ist ein schwarzer Wasservogel mit einem weissen Stirnfleck. Alle Belchen-Berge haben felsige Gipfel oder im Winter eine schneebedeckte Kuppe, was an den weissen Stirnfleck des Blässhuhns erinnert haben soll.[1]

«Belchen-Dreieck»

Der Bergname «Belchen» wurde in einem kulturgeschichtlichen Zusammenhang andererseits mit einer Wurzel aus der keltischen Sprache und dem Namen des Sonnengottes Belenus in Verbindung gebracht, der mit Apollon, dem Gott des Lichts oder Sonnengott, identifiziert wird. Es wurde diskutiert, ob der Berg Belchenflue-Ruchen ein Markierungspunkte der jahreszeitlichen Sonnenvisuren im sogenannten «Belchen-Dreieck» oder «Belchen-System» sein könnte.[2] Dem liegt die Beobachtung zugrunde, dass die Sonne zur Zeit der Wintersonnenwende, vom Elsässer Belchen aus gesehen, genau hinter der Belchenflue aufgeht und umgekehrt, von der Belchenflue aus gesehen, am Tag der Sommersonnenwende, einem uralten Festtag, hinter dem Elsässer Belchen untergeht. Die Theorie des Belchen-Dreiecks hat allerdings den Mangel, dass auf keinem der Belchen-Berge eine Spur von keltischen Kultstätten festgestellt werden konnte. Schliesslich wurde auch vermutet, die zum keltischen Adjektiv belenos gehörende Variante belakos mit der Bedeutung „stark“, „mächtig“[3] könnte als Lehnwort Belchen in die deutsche Sprache eingegangen sein.[4]

Fortifikation Hauenstein

Zur Zeit des Ersten Weltkrieges war die Belchenflue ein wichtiger Beobachtungsposten der Fortifikation Hauenstein, eines Festungssystems im Jura, das den Auftrag hatte, den Knotenpunkt Olten zu schützen.

Transport

Östlich der Belchenflue unterquert die Autobahn A2 die Jurakette im 3,18 km langen Belchentunnel. Vom Berggipfel aus sieht man die Autobahnabschnitte im Norden und im Süden bis nahe bei den Tunnelportalen.

Tourismus

Vom Chilchzimmersattel zwischen Eptingen und Langenbruck aus ist die Belchenflue über eine Waldstrasse zu erreichen. Ein Fussweg führt vom Allerheiligenberg bei Hägendorf zur Berghöhe. Der Aufstieg auf den Gipfel besteht aus einer aus dem Felsen gehauenen und teils gemauerten Treppe, die mit Geländern gesichert ist. Die sehr kleine, gesicherte Gipfelplattform ist ein beliebter Aussichtspunkt mit freiem Blick in alle Richtungen ausser nach Westen, wo der Ruchen die Sicht einschränkt.[5] An klaren Tagen bietet sich ein schönes Panorama auf die Alpen, den Schwarzwald und die Vogesen. Der Jura-Höhenweg führt nahe am Berg vorbei.

Baselbieterlied

Der Felskopf erscheint ganz am Textanfang des Baselbieterlieds, das der Schriftsteller Wilhelm Senn 1862 verfasste:

«Vo Schönebuech bis Ammel,
vom Belche bis zum Rhy …»

Das Lied umgrenzt das besungene Kantonsgebiet mit den vier bekannten topographischen Objekten Schönenbuch, Anwil, Belchen und Rhein, wobei der «Belchen» die Südgrenze markiert.

Bilder

Literatur

Commons: Belchenflue – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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