Belchite
Gemeinde in Spanien
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Belchite ist eine spanische Gemeinde mit 1.495 Einwohnern (Stand: 2025) in der Provinz Saragossa. Der Ort war Schauplatz der Schlacht von Belchite 1937 im Spanischen Bürgerkrieg, in der die Stadt beinahe völlig zerstört wurde. Das heutige Belchite (Belchite nuevo) wurde neben den Ruinen der alten Stadt neu errichtet.
| Belchite | ||
|---|---|---|
| Wappen | Karte von Spanien | |
| Basisdaten | ||
| Land: | ||
| Autonome Gemeinschaft: | ||
| Provinz: | Saragossa | |
| Comarca: | Campo de Belchite | |
| Gerichtsbezirk: | Saragossa | |
| Koordinaten: | 41° 18′ N, 0° 45′ W | |
| Höhe: | 448 msnm[1] | |
| Fläche: | 275,54 km²[2] | |
| Einwohner: | 1.495 (Stand: 2025)[3] | |
| Bevölkerungsdichte: | 5 Einw./km² | |
| Postleitzahl(en): | 50130 | |
| Gemeindenummer (INE): | 50045 | |
| Verwaltung | ||
| Bürgermeister: | Carmelo Pérez | |
| Website: | www.belchite.es | |
| Lage der Stadt | ||
Belchite liegt etwa 50 Kilometer südöstlich von Saragossa. Es ist Hauptort der Comarca (Verwaltungseinheit) Campo de Belchite.
Geschichte
Im Jahr 1122 gründete Alfons der Krieger die Bruderschaft von Belchite, um die Grenze zwischen den christlichen Besitzungen (u. a. Königreich León und der Grafschaft Barcelona) und Al-Andalus zu verteidigen.[4] Am 15. Juni 1809 kämpften französische und spanische Truppen während der napoleonischen Kriege auf der iberischen Halbinsel in der Schlacht bei María in der Nähe der Stadt. Zwischen dem 24. August und dem 7. September 1937, während des Spanischen Bürgerkriegs, kämpften Anhänger der zweiten spanischen Republik in der Schlacht von Belchite in und um die Stadt gegen Francisco Francos Truppen.
Am 11. März 1938 verkündete Franco, er werde Belchite wieder aufbauen lassen. Im Mai 1940 kam der faschistische Politiker Ramón Serrano Súñer vorbei und kündigte an, dass Franco nun beabsichtige, den Ort neu aufzubauen. Belchite wurde zum utopischen Prestigeprojekt des Franquismus, für das sämtliche anderen Wiederaufbauten finanziell zurückstehen mussten. Rund 1000[5] Personen, die die Zweite Republik unterstützt hatten, mussten auf den Baustellen Zwangsarbeit leisten und lebten in einem Gefangenenlager neben dem Ort. Wegen Korruption, Baumängeln und allgemeiner Mangelwirtschaft zogen sich die Arbeiten in die Länge und erst im Sommer 1954 war der Ort einigermaßen vorzeigbar, worauf Franco am 13. Oktober 1954[5] in einem Festakt das neue Belchite eröffnete, indem er öffentlichkeitswirksam persönlich die Schlüssel verteilte, wobei die Bauarbeiten schließlich erst 1963 als abgeschlossen galten. In Anbetracht der Umsetzung war das neue Belchite in keiner Weise ein wiederaufgebauter Ort.
Das neue Belchite war eine Planstadt in Form einer militärischen Festungsanlage, verklärt als moderne Wiedergeburt des antiken iberischen Numantia,[5] das den Römern widerstanden hatte, und gebaut nach ideologischen Kriterien rund um einen religiös-politischen Komplex aus Kirche und Rathaus, der für den Ort mit rund 1000 Einwohnern stark überdimensioniert war. Ein Wirtschaftspol sollte den zuletzt auf nur 1500 Einwohner angewachsenen Ort zum Mittelpunkt der Prosperität machen. Belchite war nach Ansätzen der korporatistischen Ständeordnung hierarchisiert, wonach die fünf verschiedenen Wohnungsgattungen je einem Stand zugeordnet wurden, wobei nur für Anhänger der Diktatur überhaupt Wohnungen vorgesehen waren. Ein Kriegsdenkmal, das „Caídos por España“ („Gefallene für Spanien“), wie es überall in Spanien stand, gedachte entsprechend nur den Nationalisten unter den Opfern des Bürgerkrieges.[5]
Die vom Regime handverlesenen Familien in Belchite wehrten sich dennoch mit gewaltsamem Protest[5] gegen die Überführung der toten Angehörigen in die Gedenkstätte Valle de los Caídos. Die Ruinen des zerstörten Belchite wurden zur Erinnerung an die Schrecken des Krieges erhalten, wobei es der Propaganda zunächst vor allem darum ging, die gegnerische Seite damit der „rot-separatistischen Barbarei“[5] zu bezichtigen. Die Ruinen sind heute eine Sehenswürdigkeit des Ortes. Sie waren Drehort für die Filme Pans Labyrinth und Die Abenteuer des Baron Münchhausen.
- Ruine Kirche Sankt Martín de Tours
- Neue Kirche von Sankt Martín de Tours
Weblinks
- Website der Gemeinde (spanisch)

