Bellachini
deutscher Zauberkünstler polnisch-jüdischer Herkunft
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Bellachini oder Samuel Bellachini (Geburtsname Samuel Berlach; * 1. Mai 1827 in Ligota; † 24. Januar 1885 in Parchim) war einer der populären und bekannten Zauberkünstler des 19. Jahrhunderts in Deutschland.

Leben
Samuel Bellachini wurde als Sohn eines jüdischen Bauern im polnischen Ligota geboren und begann schon früh zu zaubern. Eine Lehre als Klempner brach er ab. Oftmals wird behauptet, dass er daraufhin nach Amerika ging, was jedoch nicht mit Quellen belegt werden kann. Seine Urenkelin Natascha Würzbach widerlegt diese Legende deutlich in der von ihr verfassten Biografie über Samuel Berlach.[1] Glaubhaft hingegen sind die Angaben zu seiner Lehrzeit, in der er von Zigeunern Zauberkunststücke erlernte und begann, in Restaurants und auf Märkten aufzutreten. In den Bereich der Spekulation gehört ebenfalls die Angabe, er sei eine Zeitlang Anfang der 1840er Jahre bei dem zehn Jahre älteren Wiljalba Frickel als dessen Gehilfe und Schüler tätig gewesen.[2] Am 2. Juli 1843 traf er von Hamburg kommend an Bord der Dacley in Hull ein. Als Herkunftsort gab er Mierskow und als Beruf Klempner an.[3]
Mit 16 Jahren gab er unter dem Namen Bellachini seine erste große öffentliche Vorstellung; von da an zog er mit großem Erfolg während vierzig Jahren als Jahrmarkts- und Herbergszauberkünstler vorwiegend durch Deutschland. Bellachini zog mit einem volkstümlichen Spektakel, das er als Ägyptische Magie bezeichnete, durch Deutschland und zeigte dabei besondere Showeffekte, so zauberte er zum Beispiel seinem Assistenten Hühnereier aus dem Mund oder enthauptete ihn auf offener Bühne. Seine Vorführungen begleitete er mit einem humoristischen Redeschwall in gebrochenem Deutsch.
Bellachini war äußerst geschäftstüchtig: Er sorgte dafür, dass regelmäßig in den Lokalzeitungen Artikel über seine Shows erschienen und ließ auffällige Werbeplakate drucken. Durch die große Zahl von Auftritten wurde er zu einem der beliebtesten und bekanntesten europäischen Zauberkünstler des 19. Jahrhunderts.
Familie
Am 18. Juni 1881 starb im Alter von 26 Jahren und vier Monaten (also im Februar 1855 geboren) sein lediger Sohn Hermann Bellachini nach einem Pistolenduell.[4] Auf der Sterbeurkunde wird als Beruf lateinisch studiosus juris ‚Jurastudent‘, als Geburtsort Kurnick, Kreis Schrimm, als Mutter Bellachinis Ehefrau Helene Bellachini geborene Krüger, als Sterbeort die gemeinsame Wohnung im Haus Tempelhofer Ufer 16 in Berlin und als Beruf des Vaters Hofkünstler angegeben.[5]
Seine Tochter Elwira Leontine Hedwig Bellachini, ohne besonderen Beruf, geboren den 18. Juli 1860 in Posen arbeitete mit 16 Jahren als Choristin im Victoria-Theater Berlin. Sie heiratete am 25. Mai 1881 in Berlin den Champagner-Agenten Wilhelm Robert Carl Friedrich Cuntz, geb. 1889 in Wiesbaden, Sohn des Reformpädagogen Prof. Dr. Cornelius Cuntz. Die Ehe wurde 1887 geschieden.[6][7] Sie nannte sich in der Folge Madame de Belhair. Danach heiratete sie im April 1900 in London in zweiter Ehe den Offizier und späteren Journalisten Freiherrn Karl von Lützow unter dem Namen Erni Leontine Bellachini.[8] Die Ehe soll bereits nach wenigen Tagen geschieden worden sein.[9] Sie nannte sich Baronin von Lützow. Wenig später heiratete sie einen preußischen Dragoner-Offizier namens von Scheve. Bald danach nannte sie sich Baronesse de Shéve. Darauf heiratete sie den österreichischen Journalisten M., Sohn eines Trierer Justizrats. Das Paar trennte sich bald danach, ließ sich jedoch nicht scheiden. Sie gab sich um 1903 als „Baronin Tamara von Lützow“, Tochter eines russischen Großfürsten aus und heiratete am 9. August 1903 den Mürzzuschlager Bezirkshauptmann Franz Hervay Edler von Kirchberg. Ihre vorherige Ehe war jedoch noch nicht geschieden worden. Hervay von Kirchberg nahm sich 1904 das Leben.
Seine Tochter Clara Bellachini, ohne besonderen Stand, geboren den 15. Januar 1857 in Lissa, Provinz Posen, wohnhaft in Berlin, Großbeerenstraße 14 heiratete am 15. Januar 1878 in Berlin den Kaufmann Fridrich Adolf Albert Richard Würzbach, geboren 1847 in Berlin.[10]
Auf der Sterbeurkunde seiner Frau sind angegebenen als ihr Name Leonore Bellachini, als Geburtsort Pleicken (vermutlich Pleicken Gergen, Kreis Memel, Ostpreußen; wüst gefallener Ort 16 km nördlich Klaipėdas), als Todestag der 28. Januar 1898, ihr Alter mit 64 Jahren (also 1833 geboren) und als sein Beruf als Hofkünstler.[11]
Nachwirken

Als sein Nachfolger bezeichnete sich Lucas Strack-Bellachini, in Artistenarchiven auch Bellachini II oder auch als Der Marburger Bellachini bezeichnet.[12] Weil der Künstlername sehr zugkräftig war, haben sich nachträglich viele weitere Zauberkünstler des Namens Bellachini bedient. Siehe dazu auch Franz Schweizer-Bellachini.
Seit dem 18. Dezember 2022 gibt es in Hamburg das nach ihm benannte Zaubermuseum Bellachini.
Anekdote
Bellachini stand bei Kaiser Wilhelm I. in hoher Gunst; in Bad Gastein wünschte dieser einmal ein Kunststück zu sehen; Bellachini, der als gebürtiger Pole ein sehr originelles Deutsch radebrechte, stellte sich einen Augenblick verlegen. Dann reichte er dem Kaiser eine Feder und bat ihn zu schreiben: Bellachini ist fortan von meinem Hofe verbannt; lächelnd meinte der Monarch, das könne er doch nicht schreiben, da es ja nicht zutreffe. Doch der Künstler erwiderte, das schade nichts, da es der Anfang des Kunststückes sei. Der Kaiser setzte sich also an den Tisch, aber die Feder, die er eintauchte, wollte durchaus nicht schreiben; schließlich händigte ihm Bellachini eine andere Feder aus, und der Kaiser fragte, was er nun schreiben solle. Da schlug der Magier vor: Wollen Eure Majestät geruhen zu schreiben: „Ich ernenne Bellachini zum Hofzauberkünstler“. Der Kaiser lachte, und jetzt versagte die Feder nicht und Bellachini durfte sich fortan Hofzauberkünstler nennen.
Literatur
- Natascha Würzbach: Was wissen wir über den Zauberkünstler Samuel Bellachini?, in: ABC der Taschenspieler-Kunst, Magische Welt, Seite 11ff.
Weblinks
- Bellachini (Samuel Berlach) – Zauber-Pedia. In: zauber-pedia.de.